Vom Sein zum Tun

(1)

Lovelybooks Bewertung

  • 1 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 1 Rezensionen
(0)
(0)
(1)
(0)
(0)
  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu "Vom Sein zum Tun"

    Vom Sein zum Tun
    Kaivai

    Kaivai

    13. June 2007 um 13:24

    Humberto R. Maturana,1928 geboren,ist Chilene und lehrt dort seit 1960 als Professor Biologie.Sein großes Thema ist die Biologie der Realität,die er auch in seinem gleichnamigen Buch ausbreitet.Wir sind,sagt Maturana,Piloten im Blindflug,wir haben unsere Sinne und bilden damit die Welt ab und die Welt ist für uns das,was unsere Sinne abbilden.Autopoiesis,Selbsterschaffung,ist der Begriff,den Maturana hierfür kreiert hat.Und diese Autopoiesis,dies Fixiertsein auf die eigene Subjektivität,auf die eigenen gegebenen Möglichkeiten Realität durch Erkennen zu erschaffen,ist nicht nur den Menschen zueigen, sondern die Grundbedingung aller lebendigen Wesen.In seinem Buch "Die Biologie der Realität" erläutert Maturana seine Theorie nicht immer eingängig,aber umso mehr eindringlich und ich war massiv gefesselt.Mein liebstes Biologiebuch! Hier,in diesem Buch,wird er von einem Journalisten und Biologen aus Hamburg interviewt.Der gibt sich viel Mühe.Dennoch: es war anstrengend und oft auch langweilig dies Buch zu lesen.Erst am Schluß gab Maturana Antworten,die mich ein wenig versöhnten: "Maturana: Wenn man versteht,was Liebe ist,dann erkennt man natürlich auch unmittelbar,wann und unter welchen Bedingungen Liebe negiert wird.Man sieht diejenigen Eltern,die ihre Kinder permanent korrigieren,ihnen irgendewelche Fehler vorhalten und ihnen Strafe androhen.Und man nimmt die Charakteristika unserer Kultur wahr und begreift,dass die allgemein gepriesene Konkurrenz keine Quelle des Fortschritts darstellt,sondern Blindheit erzeugt und die Möglichkeiten der Koexistenz einschränkt,eben weil sie den anderen negiert.Ehrgeiz und Misstrauen und das kulturell verankerte Streben und die Sucht nach Macht und Kontrolle sind es,so wird einem bewußt,die die Liebe zum Verschwinden bringen.Die Ökonomisierung von Beziehungen - Ansprüche werden ausgetauscht,Bedürfnisse verhandelt, Zugeständnisse erzwungen - zerstört den Genuss des einfachen Zusammenseins,weil man das Miteinander nach dem Muster des kommerziellen Geschäftemachens organisiert.Die Basis einer Partnerschaft ist dann nicht mehr das wechselseitige Vertrauen,der gegenseitige Respekt,sondern man verhandelt mit Blick auf den eigenen Vorteil" und "Pörksen: Sie scheinen Emotionen,nicht jedoch rationale Erwägungen als die eigentlich bestimmende Kraft anzusehen. Maturana: Sie sind es,die uns leiten.Wer seine Beziehung zu einem Menschen tiefgreifend verwandelt,der hat eigentlich,wie sich bei genauerer Betrachtung offenbart,die ihm zugrunde liegende Emotion fundamental verändert. Emotionen verstehe ich als Dispositionen für Handlungen,sie erscheinen mir als etwas vollkommen Elementares,das auch über die Annahme oder Ablehnung eines rationalen Systems entscheidet. Alle rationalen Systeme und Diskussionen ruhen auf einem Fundament,das nicht rationaler Natur ist,sondern aufgrund von eigenen Vorlieben akzeptiert wird.Und es kann dadurch natürlich durchaus sein,dass wir unsere eigenen Aktivitäten,die sich aus diesen Vorlieben ergeben,nachträglich rationalisieren,um sie auf diese Weise zu rechtfertigen.Das heißt dann einfach,dass die Rationalität als eine Rechtfertigung dient.Ich würde sagen: Menschen sind emotionale Tiere,die ihren Verstand und ihre Vernunft einsetzen, um Emotionen zu leugnen oder auch um sie zu rechtfertigen."

    Mehr