Das Buch knüpft nahtlos an die Geschehnisse der 5. Staffel von "The Tribe - Eine Welt ohne Erwachsene" an und auch das Cover passt perfekt: Es zeigt eine einsame, tropische Insel in der Abenddämmerung und außerdem das Gesicht Brays, was für Fans der Serie wohl besonders wichtig ist, da in der TV-Serie nie geklärt wurde, ob Bray ermordet wurde oder noch lebt.
Die Geschichte ist aufgeteilt in zunächst zwei Handlungsstränge: Der eine beschreibt die Flucht der Mall Rats und ihren Schiffbruch, während parallel dazu geschildert wird, wie es Bray nach seiner Gefangennahme ergangen ist. Beide Storys sind sehr spannend erzählt und erscheinen plausibel. Eine besondere Spannung entsteht dadurch, dass man nicht weiß, ob Bray und Amber sich aufeinander zu bewegen oder ob sie sich immer weiter von dem jeweils anderen entfernen - es ist beinahe unerträglich, mitzuverfolgen, wie sie einander vermissen und dabei nicht wissen, ob ihre große Liebe noch lebt. Etwa ab der Mitte des Buches kommt ein weiterer Handlungsstrang dazu: Hier wird erzählt, wie die intrigante Ebony, die schon in der TV-Serie ein skrupelloser Charakter war, der die Mall Rats wann immer sie konnte hinterging, sich absetzt und in die Fänge des berüchtigten Blake gerät. Doch wie erwartet endet sie nicht als Gefangene, sondern schafft es, den brutalen Mann zu bezirzen und plant, an seiner Seite über "The Collective" zu herrschen. Diese Episoden finde ich teilweise ein wenig ermüdend und vorhersehbar - mir drängt sich das Gefühl auf, hier vergangene Eskapaden Ebonys aufgewärmt serviert zu bekommen. Sie ist zwar ohne Zweifel ein faszinierender und durchtriebener Charakter, den die Serie und so auch die Fortsetzung braucht, doch sie handelt einfach zu vorhersehbar. Da man weiß, dass ihr eigenes Wohl und ihre Macht für sie an erster Stelle stehen, ist kaum etwas, das sie tut, überraschend. Daher wäre es meiner Meinung nach nicht zwingend nötig gewesen, ihre Geschichte in einem separaten Handlungsstrang zu erzählen, allerdings kann ich auch verstehen, dass Penn immerhin eine Serien-Fortsetzung geschrieben hat und so vermutlich auch das Gefühl erzeugen wollte, man schaue eine Serie, während man liest. Daher wahrscheinlich die Orts- und Zeitwechsel sowie die verschiedenen Sichtweisen - eben auch Ebonys.
Die fortgesetzte Geschichte von "The Tribe" ist wie schon die Serie mit jeder Menge Dramatik, Action und Liebeskummer gespickt. Das sowie die Tatsache, dass der Autor sich offensichtlich intensiv mit der Vorlage beschäftigt hat, um die Charaktere und die Spannungen zwischen ihnen plausibel nachzuzeichnen, lassen den Roman durchaus authentisch wirken. Auch neue Gefahren dürfen nicht fehlen, zwar erscheinen diese mitunter etwas weit hergeholt und aufgesetzt, sind jedoch auch nötig, um die Spannung aufrechtzuerhalten.
Was mich wirklich massiv stört, ist nicht die teilweise übertriebene Geschichte, sondern es ist der Schreibstil. Sehr häufig sind mir beim Lesen Formulierungen aufgefallen, die ich unpassend fand, beziehungsweise die einfach grammatikalisch falsch waren. Auch zahlreiche Rechtschreibfehler und Fehler in der Zeichensetzung haben den Lesefluss gestört. Das sind einfach Merkmale, die die Qualität des Buches herabsetzen, was ich persönlich sehr schade finde.
Insgesamt hat mir The Tribe - Eine neue Welt von der Geschichte her und in der Darstellung der Charaktere sehr gut gefallen. Die zahlreichen Fehler sowie störende Formulierungen schmälern allerdings meinen Eindruck und ich muss all jenen, die die Fortsetzung der TV-Serie interessiert oder die einfach mal eine etwas andere Dystopie lesen wollen, empfehlen, den Roman, wenn möglich, auf Englisch zu lesen. Eigentlich hat Penn eine sehr gut und fesselnde Art zu schreiben, was in der Übersetzung leider verloren geht. Daher kann ich das Buch nicht so gut bewerten, wie ich es eigentlich gerne würde. Aber - überzeugt euch selbst ;)