A. Alvarez The Savage God: A Study of Suicide

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Inhaltsangabe zu „The Savage God: A Study of Suicide“ von A. Alvarez

"Suicide," writes the notes English poet and critic A. Alvarez, "has permeated Western culture like a dye that cannot be washed out." Although the aims of this compelling, compassionate work are broadly cultural and literary, the narrative is rooted in personal experience: it begins with a long memoir of Sylvia Plath, and ends with an account of the author's own suicide attempt. Within this dramatic framework, Alvarez launches his enquiry into the final taboo of human behavior, and traces changing attitudes towards suicide from the perspective of literature. He follows the black thread leading from Dante through Donne and the romantic agony, to the Savage God at the heart of modern literature.
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  • Ein kurzes Buch über den Selbstmord

    The Savage God: A Study of Suicide
    TheRavenking

    TheRavenking

    11. June 2017 um 18:06

    "Ohne die Idee des Selbstmords hätte ich mich seit langem getötet. Damit wollte ich sagen: diese Idee ist eine unglaubliche Hilfe. Das Leben wird dadurch erträglich, weil man sich sagt, ich kann mich töten, wenn ich will. Mit so einer Hoffnung kann man fast alles aushalten." E. M. Cioran Der britische Autor A. Alvarez untersucht den Selbstmord in der westlichen Kultur und sucht nach einer Antwort auf die Frage, wieso dieses Thema auch heute noch mit einem Tabu belastet ist. Der erste Abschnitt des Buches beschäftigt sich mit der US-Amerikanischen Dichterin Sylvia Plath. Alvarez lernte sie kennen, als sie einige Zeit in England verbrachte und freundete sich mit ihr an. Diese Passagen sind vor allem für Leser, welche mit Plath’s Werk vertraut sind, interessant. Die Dichterin nahm sich im Alter von 30 Jahren das Leben und Alvarez stellt hier eine Theorie auf, um Plath’s Dichtung und ihren Tod in Einklang miteinander zu bringen. Schließlich folgt eine kurze Geschichte des Suizids in der Literatur. Alvarez untersucht hier wie die Einstellung bedeutender Literaten gegenüber dem Selbstmord war und wie sich diese von der Renaissance bis zum 20. Jahrhundert hin gewandelt hat. In der Antike galt der Suizid keinesfalls als anstößig. Für die Griechen und Römer war er etwas vollkommen normales, die Römer betrachteten sogar Mord nicht unbedingt als verwerflich mit Ausnahme des Vatermordes. Auch das Aufkommen des Christentums änderte daran zunächst wenig. Erst die masochistischen Exzesse der christlichen Märtyrer, die ihre Körper opferten, um Erleuchtung zu erlangen, führten dazu, dass die Kirche ein Verbot des Freitodes durchsetzte. Damit begann die gesellschaftliche Ächtung des Suizids, die sich auch nach der Aufklärung und im Grunde bis in unsere Gegenwart fortsetzt. Erstaunlicherweise brachte die Schwächung der Macht der Kirche in dieser Hinsicht kaum größere Änderungen. Erzählt wird z.B. eine Begebenheit, wo im Frankreich des Jahres 1860 ein Selbstmörder, der versucht hatte sich die Kehle durchzuschneiden, als Strafe erhängt wurde. Ein makabres Schauspiel, da die Halswunde immer wieder von neuem aufbrach und der am Strick baumelnde so durch die entstandene Öffnung atmen konnte. Schließlich gelang es die Wunde endgültig zuzubinden, wodurch der Unglückliche dann doch noch erstickte. Barbareien dieser Art waren lange Zeit gang und gäbe. Noch bis in die 1950-er Jahre war in Großbritannien der Suizidversuch strafbar und Betroffene mussten mit Haftstrafen rechnen. Alvarez versucht zu erklären, wieso unsere offene und demokratische Gesellschaft sich so schwer tut dieses Thema zu enttabuisieren. Er beschäftigt sich mit einigen bekannten Autoren welche über das Thema geschrieben haben wie Schopenhauer, Dostojewskij, Camus oder auch vorzugsweise mit solchen, die sich das Leben genommen haben, wie der Italiener Cesare Pavese. "Eine englische Autorin sagte mir: „Ich weiß nicht, wie viel potenzielle Selbstmörder darüber nachdenken. Ich muss sagen, ich habe nie viel über das Thema nachgedacht. Aber es ist immer da. Für mich ist der Suizid eine konstante Versuchung. Sie lässt niemals nach. Die Dinge sind zurzeit in Ordnung. Aber ich komme mir vor wie ein geheilter Alkoholiker: Ich traue mich nicht etwas zu trinken, weil ich weiß, dass ich dann einen Rückfall erleiden werde. Denn was auch immer dort ist, es ändert sich nicht. Dieses Muster bestimmt mein gesamtes Leben. Ich würde mir gern einbilden, dass es nur durch Stress und Entbehrungen hervorgerufen wurde, aber wenn ich ehrlich bin, muss ich zugeben, dass es immer schon da war, soweit ich mich erinnern kann. … Ähnlich wie mein Vater habe ich immer schon zu hohe Erwartungen an das Leben, an die Menschen, an Beziehungen gestellt. Ich habe zu viel gewollt, was einfach nicht da war. Und immer, wenn ich merke, dass es nicht existiert, fühle ich mich zurückgewiesen. Wahrscheinlich ist es gar keine Zurückweisung; es existiert einfach nicht. Ich meine, die leere Luft weist dich auch nicht zurück, sie sagte einfach: Ich bin leer. Aber Zurückweisung und Enttäuschung sind zwei Dinge die ich nie verkraften konnte.“ Im letzten Abschnitt berichtet Alvarez schließlich über seinen eigenen gescheiterten Suizidversuch; er erklärt die Gründe, die ihn dazu gebracht haben und erzählt schließlich von seiner Genesung und wie es ihm gelungen ist, sein Leben so wie es ist zu akzeptieren, wobei er allerdings betont, dass er sich trotzdem nach wie vor nicht als Optimist betrachtet. Alvarez gelingt eine intelligente und einfühlsame Auseinandersetzung mit einem düsteren Thema, dem aber letzten Endes die sprachliche und inhaltliche Brillanz des eingangs zitierten E. M. Cioran fehlt. Anders als dem rumänischen Philosophen gelingt es Alvarez nicht Kraft aus der Idee des Todes zu schöpfen und beim Leser ein Gefühl der Katharse hervorzurufen, dazu bleibt sein Buch zu konventionell.

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