Das Buch hat mich so sehr in seinen Bann gezogen wie schon lange keins mehr.
Das lag zum einen an der wunderbaren Sprache mit dem seltenen gewordenen, melancholischen Ton, dessen Erzählerin in weisem Abstand "das Jahr des Aufwachens" erzählt.
Sehr bewegend erzählt sie, wie das Leben des Mädchens einfach mit ihr passiert. Der erste, der zweite Liebhaber - sie geschehen einfach, weil sie da ist, wartet, und (das war der für mich etwas weniger nachvollziehbare Punkt) sie einen Höhepunkt nach dem anderen genießt - vor 90 Jahren.
Die Wendung dahin, dass sie ihr Leben selbst in die Hand nimmt, ist sehr reif, gut nachvollziehbar, und dass sie erneut scheitert, macht das Buch unvergesslich.
Erzählt wird ausgreifend, tiefgehend, langsam, nachdenklich, so, wie es mir gut gefällt.
Übersetzt ist die Geschichte sehr gut, nur selten nah an den amerikanischen Floskeln, die zweifelsohne im Original stehen. Als Übersetzter ist man gebunden, also ist es eher ein Fehler der Autorin, die jedoch größtenteils meisterlich treffend schreibt und ihren großen Wortschatz punktgenau einsetzt.
Ein wahrer Lesegenuss.




