A.D. Miller

 3,4 Sterne bei 34 Bewertungen
Autorenbild von A.D. Miller (©Paul Rider - http://www.paulriderphotos.com/)

Lebenslauf von A.D. Miller

A.D. Miller wurde 1974 in London geboren. Er studierte Literatur in Cambridge and Princeton. Dort hat er begonnen kleine Reiseberichte über Amerika zu schreiben. Als er wieder in London war, arbeitete er als Fernsehproduzent. Snowdrops ist sein Debüt, welches von Kritikern sehr gelobt wird und mit welchem er direkt auf der Shortlist des Man Booker Prize 2011 stand. Heute lebt er mit Seiner Frau und seinen zwei Kindern in Londen.

Alle Bücher von A.D. Miller

Cover des Buches Die eiskalte Jahreszeit der Liebe (ISBN: 9783596188185)

Die eiskalte Jahreszeit der Liebe

 (29)
Erschienen am 21.11.2013

Neue Rezensionen zu A.D. Miller

Cover des Buches Die eiskalte Jahreszeit der Liebe (ISBN: 9783839811948)Golondrinas avatar

Rezension zu "Die eiskalte Jahreszeit der Liebe" von A.D. Miller

Klischees und Vorurteile
Golondrinavor 5 Jahren

Der britische Anwalt Nick lebt und arbeitet seit einiger Zeit in Moskau und lernt schließlich die junge Frau Mascha kennen und lieben. In einer Rückschau beschreibt er diese Zeit und schildert, wie er von allen nur ausge- und benutzt worden ist.

Alle Protagonisten agieren erwartungsgemäss: die Russen sind korrupt, nur auf den eigenen Vorteil bedacht und jeder ist sich selbst der nächste. Nick als verliebter Depp tappt in alle Fallen....

Leider lässt die Beschreibung kein Mitleid mit Nick aufkommen. Besonders gestört hat mich die Aussprache russischer Begriffe - ich habe das Buch als Hörbuch genossen - die sich nicht am Russischen sondern an der (falschen) Transkription ins Deutsche orientiert. Besonders unerträglich die ersten Kapitel, in denen die Begegnung mit Mascha geschildert wird und A.D.Miller den Helden russisch sprechen lässt - beim zweiten Mal habe ich kapiert, dass er lange in Moskau lebt und mittlerweile des Russischen mächtig ist, warum also wird mir die schlechte Aussprache über ein ganzes Kapitel zugemutet, zumal die Autorin im weiteren Verlauf darauf verzichtet?

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Cover des Buches Die eiskalte Jahreszeit der Liebe (ISBN: 9783104023366)TochterAlices avatar

Rezension zu "Die eiskalte Jahreszeit der Liebe" von A.D. Miller

Moskauer Luft
TochterAlicevor 5 Jahren

... schnuppert der britische Anwalt Nicholas - auch Nick oder Nikolaj genannt - nun schon seit einigen Jahren berufsbedingt. Er kennt Russland gut, spricht auch russisch, doch begegnet er dem Land, der Stadt Moskau nur von außen, quasi aus der Distanz - bis er die attraktive Mascha in Begleitung ihrer Schwester Katja an einer U-Bahn-Haltestelle kennenlernt und sich Hals über Kopf verliebt. Nicholas kennt das Land, seine Sitten und Gebräuche zwar bereits recht gut, doch nun schlittert er in ein neues Leben, das sich vor allem an der schönen Russin orientiert, doch es bahnt sich Fatales an...

Naiver Brite gerät in die Fänge russischer Mafiosi? Nun, im weitesten Sinne schon, doch ist viel Gefühl und Detailkenntnis mit im Spiel. Nicht zuletzt werden jede Menge Klischees bedient, denn man darf nicht vergessen - hier wird Russland im allgemeinen und Moskau im speziellen ganz klar aus westeuropäischer Sicht geschildert. West meets East - dies jedoch in durchaus facettenreicher und vielschichtiger Form: nicht nur Westler, nein, auch und vor allem die russischen Landleute selbst, sind in der Opferrolle.

Und wie gefällt mir das alles? Mittel, würde ich sagen - einerseits macht es zwar betroffen, doch mir persönlich ist es nicht eindrücklich genug, um nachhaltig zu wirken und auf lange Sicht hängenzubleiben. Der Autor A.D. Miller hat die Ehre, von einem der Top-Übersetzer, nämlich von Bernhard Robben, ins Deutsche übertragen worden zu sein, doch hat dies sein Werk leider nicht von einem umständlichen, wenig einprägsamen deutschen Titel geschützt. "Snowdorps", Schneeglöckchen heißt der Roman im Original und das ergibt einen Sinn, werden doch im Moskauer Slang so Leichen bezeichnet, die quasi im Eis überwintern und erst bei Tauwetter gefunden werden (können) - und diese spielen in vorliegendem Buch eine nicht unbedeutende Rolle. Über große Strecken ist der Roman sprachlich ein Genuss. Passagen wie "...bei den Russen konnte man nie so recht wissen. Mal suhlten sie sich Jahrzehnte in Wodka und Dreck, dann aber, wenn ihnen der Sinn danach stand und der Anreiz stimmte, zogen sie in Null Komma nichts einen Wolkenkratzer hoch oder ermordeten an einem Nachmittag die ganze königliche Familie." (S. 105) treffen den Leser mit ihrer Schärfe bis ins Mark. Andererseits - und da bin ich bei dem oben erwähnten Starübersetzer doch ein bisschen enttäuscht - wird das englische "Comrade" mit "Kamerad" übersetzt ... wir sind jedoch in Russland, im Herzen der ehemaligen Sowjetunion und hier wäre "Genosse" ganz klar die passende Wahl.

Ich empfehle dieses Buch folglich vor allem ausgewiesenen Rußland- bzw. Osteuropa-Kennern als zusätzliche literarische Facette zum Gesamtbild - alle anderen laufen aus meiner Sicht Gefahr, sich ein extrem einseitiges Bild zu machen - oder sie müssten stapelweise Lektüre von Ludmilla Ulitzkaja und anderen zeitgenössischen russischen Autoren nachschieben...

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Cover des Buches Die eiskalte Jahreszeit der Liebe (ISBN: 9783104023366)klaraelisas avatar

Rezension zu "Die eiskalte Jahreszeit der Liebe" von A.D. Miller

Schneeglöckchen in Moskau
klaraelisavor 7 Jahren

„Die eiskalte Jahreszeit der Liebe“ von A. D. Miller beginnt mit einer interessanten Einführung in den Roman. Der Ich-Erzähler und gleichzeitige Protagonist Nick Platt hat seiner namenlosen Verlobten, die er drei Wochen später heiraten will, ein Geständnis aufgeschrieben. Er muss mit seiner Vergangenheit, speziell seiner Zeit in Moskau, vor der Hochzeit reinen Tisch machen, und es drängt ihn, „jemandem von Russland zu erzählen, selbst wenn es weh tut.“ (S. 10) Und das wird es.

Das Unheil nimmt seinen Lauf an einem Sonntag im September des vorhergehenden Jahres. Nick, ein junger englischer Anwalt, lernt in der Metro Maria Kowalenko, genannt Mascha, und Katja kennen, die nicht wirklich ihre Schwester ist. Er verliebt sich in Mascha, die, so erinnert er sich noch ganz genau, an jenem Tag einen komischen Herbstmantel der Breschnew-Ära trug, der von nahem aussah als wäre er aus Teppichresten und Strandhandtüchern zusammengesetzt, abgesetzt mit einem Katzenfellkragen. Die beiden Frauen erinnern ihn an „Venusfallen aus einem Spionagethriller des Kalten Krieges“ (S. 15), und das sind sie auch.
Eigentlich sollte Nick, der Kreditverträge für dubiose Klienten ausarbeitet, nur ein, höchstens zwei Jahre in der Moskauer Filiale seiner Firma arbeiten, inzwischen sind es fast vier geworden. Er führt ein sehr gutes Leben in Russland, verdient viel Geld, lebt auf der Sonnenseite und die Teilhaberschaft in seiner Kanzlei rückt immer näher. Aber er hat auch die Schattenseiten des Moskauer Lebens kennengelernt. Von seinem Freund Steve Walsh, einem Auslandskorrespondenten, dem er von einer Leiche vor seinem Haus berichtet, erfährt er, was im Moskauer Slang „Schneeglöckchen“ sind. „Leichen, die bei Tauwetter ans Licht kommen. (…) Schneeglöckchen: das Übel, das schon da ist, immer da ist, sehr nah; nur schafft man es irgendwie, sie nicht zu sehen, diese Sünden, die der Winter verbirgt, manchmal für immer.“ (S. 11) Diese Leiche wird Nick noch lange schwer zu schaffen machen. Wenig später lernt er Tatjana Wladimirowna, die Tante von Mascha und Katja kennen, eine alte Babuschka, die noch stundenweise als Führerin in einem Museum arbeitet. Sie will ihre Wohnung verkaufen und aufs Land ziehen und Nick, so der Plan, soll ihr als ihr Anwalt hilfreich zur Seite stehen. Das wird ihr jedoch schon bald zum Verhängnis und Nick ahnt, daß er in etwas hineingezogen wird, aus dem es kein Entkommen gibt. Warum hat er Mascha und Moskau verlassen? Eine Frau, die er glaubt über alles zu lieben und eine Stadt, an der sein Herz hängt.

Der Autor A. D. Miller hat Literatur studiert und war von 2004 bis 2007 als Moskau-Korrespondent für „The Economist“ tätig. Er weiß Bescheid über das, was er schreibt. „Snowdrops“ oder „Die eiskalte Jahreszeit der Liebe“ ist ein wundervoller, detailreicher, wortgewandter, authentischer und lesenswerter Roman. Der Leser erfährt zwar nicht viel Neues über Russland, denn was der Autor schreibt, ist aus dem Fernsehen und aus Zeitungen hinreichend bekannt. Auf der einen Seite gibt es unermesslichen Reichtum, Korruption, Habgier und die Erkenntnis, dass man für Geld alles und jeden kaufen kann, auf der anderen Seite bittere Armut, Resignation und Zukunftsangst. Trotzdem entfaltet der Roman eine Sogwirkung, der man sich einfach nicht entziehen kann. Für mich einer der besten Romane in diesem Sommer. Eine Frage lässt der Autor unbeantwortet. Wird die namenlose Verlobte nach der Lektüre des Geständnisses von Nick Platt noch immer dem „großen Tag“ entgegenfiebern, den der Protagonist selbst als „Tag der Abrechnung“ (S. 10) bezeichnet?

Durch die unendlich vielen Hinweise des Erzählers ahnt der Leser frühzeitig, dass etwas Schlimmes passieren wird. Der Autor nimmt dadurch ein wenig die Spannung aus dem Roman. Alles in allem empfehlenswerte und ausgesprochen unterhaltsame Lektüre.


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