A.D. Miller Die eiskalte Jahreszeit der Liebe: Roman

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Inhaltsangabe zu „Die eiskalte Jahreszeit der Liebe: Roman“ von A.D. Miller

Schöne russische Geschichte, die aber manchmal zu ausufernd ist. Petra/Meine Buchtipps

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  • Moskauer Luft

    Die eiskalte Jahreszeit der Liebe: Roman
    TochterAlice

    TochterAlice

    29. December 2015 um 08:59

    ... schnuppert der britische Anwalt Nicholas - auch Nick oder Nikolaj genannt - nun schon seit einigen Jahren berufsbedingt. Er kennt Russland gut, spricht auch russisch, doch begegnet er dem Land, der Stadt Moskau nur von außen, quasi aus der Distanz - bis er die attraktive Mascha in Begleitung ihrer Schwester Katja an einer U-Bahn-Haltestelle kennenlernt und sich Hals über Kopf verliebt. Nicholas kennt das Land, seine Sitten und Gebräuche zwar bereits recht gut, doch nun schlittert er in ein neues Leben, das sich vor allem an der schönen Russin orientiert, doch es bahnt sich Fatales an... Naiver Brite gerät in die Fänge russischer Mafiosi? Nun, im weitesten Sinne schon, doch ist viel Gefühl und Detailkenntnis mit im Spiel. Nicht zuletzt werden jede Menge Klischees bedient, denn man darf nicht vergessen - hier wird Russland im allgemeinen und Moskau im speziellen ganz klar aus westeuropäischer Sicht geschildert. West meets East - dies jedoch in durchaus facettenreicher und vielschichtiger Form: nicht nur Westler, nein, auch und vor allem die russischen Landleute selbst, sind in der Opferrolle. Und wie gefällt mir das alles? Mittel, würde ich sagen - einerseits macht es zwar betroffen, doch mir persönlich ist es nicht eindrücklich genug, um nachhaltig zu wirken und auf lange Sicht hängenzubleiben. Der Autor A.D. Miller hat die Ehre, von einem der Top-Übersetzer, nämlich von Bernhard Robben, ins Deutsche übertragen worden zu sein, doch hat dies sein Werk leider nicht von einem umständlichen, wenig einprägsamen deutschen Titel geschützt. "Snowdorps", Schneeglöckchen heißt der Roman im Original und das ergibt einen Sinn, werden doch im Moskauer Slang so Leichen bezeichnet, die quasi im Eis überwintern und erst bei Tauwetter gefunden werden (können) - und diese spielen in vorliegendem Buch eine nicht unbedeutende Rolle. Über große Strecken ist der Roman sprachlich ein Genuss. Passagen wie "...bei den Russen konnte man nie so recht wissen. Mal suhlten sie sich Jahrzehnte in Wodka und Dreck, dann aber, wenn ihnen der Sinn danach stand und der Anreiz stimmte, zogen sie in Null Komma nichts einen Wolkenkratzer hoch oder ermordeten an einem Nachmittag die ganze königliche Familie." (S. 105) treffen den Leser mit ihrer Schärfe bis ins Mark. Andererseits - und da bin ich bei dem oben erwähnten Starübersetzer doch ein bisschen enttäuscht - wird das englische "Comrade" mit "Kamerad" übersetzt ... wir sind jedoch in Russland, im Herzen der ehemaligen Sowjetunion und hier wäre "Genosse" ganz klar die passende Wahl. Ich empfehle dieses Buch folglich vor allem ausgewiesenen Rußland- bzw. Osteuropa-Kennern als zusätzliche literarische Facette zum Gesamtbild - alle anderen laufen aus meiner Sicht Gefahr, sich ein extrem einseitiges Bild zu machen - oder sie müssten stapelweise Lektüre von Ludmilla Ulitzkaja und anderen zeitgenössischen russischen Autoren nachschieben...

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  • Schneeglöckchen in Moskau

    Die eiskalte Jahreszeit der Liebe: Roman
    klaraelisa

    klaraelisa

    26. October 2014 um 16:10

    „Die eiskalte Jahreszeit der Liebe“ von A. D. Miller beginnt mit einer interessanten Einführung in den Roman. Der Ich-Erzähler und gleichzeitige Protagonist Nick Platt hat seiner namenlosen Verlobten, die er drei Wochen später heiraten will, ein Geständnis aufgeschrieben. Er muss mit seiner Vergangenheit, speziell seiner Zeit in Moskau, vor der Hochzeit reinen Tisch machen, und es drängt ihn, „jemandem von Russland zu erzählen, selbst wenn es weh tut.“ (S. 10) Und das wird es. Das Unheil nimmt seinen Lauf an einem Sonntag im September des vorhergehenden Jahres. Nick, ein junger englischer Anwalt, lernt in der Metro Maria Kowalenko, genannt Mascha, und Katja kennen, die nicht wirklich ihre Schwester ist. Er verliebt sich in Mascha, die, so erinnert er sich noch ganz genau, an jenem Tag einen komischen Herbstmantel der Breschnew-Ära trug, der von nahem aussah als wäre er aus Teppichresten und Strandhandtüchern zusammengesetzt, abgesetzt mit einem Katzenfellkragen. Die beiden Frauen erinnern ihn an „Venusfallen aus einem Spionagethriller des Kalten Krieges“ (S. 15), und das sind sie auch. Eigentlich sollte Nick, der Kreditverträge für dubiose Klienten ausarbeitet, nur ein, höchstens zwei Jahre in der Moskauer Filiale seiner Firma arbeiten, inzwischen sind es fast vier geworden. Er führt ein sehr gutes Leben in Russland, verdient viel Geld, lebt auf der Sonnenseite und die Teilhaberschaft in seiner Kanzlei rückt immer näher. Aber er hat auch die Schattenseiten des Moskauer Lebens kennengelernt. Von seinem Freund Steve Walsh, einem Auslandskorrespondenten, dem er von einer Leiche vor seinem Haus berichtet, erfährt er, was im Moskauer Slang „Schneeglöckchen“ sind. „Leichen, die bei Tauwetter ans Licht kommen. (…) Schneeglöckchen: das Übel, das schon da ist, immer da ist, sehr nah; nur schafft man es irgendwie, sie nicht zu sehen, diese Sünden, die der Winter verbirgt, manchmal für immer.“ (S. 11) Diese Leiche wird Nick noch lange schwer zu schaffen machen. Wenig später lernt er Tatjana Wladimirowna, die Tante von Mascha und Katja kennen, eine alte Babuschka, die noch stundenweise als Führerin in einem Museum arbeitet. Sie will ihre Wohnung verkaufen und aufs Land ziehen und Nick, so der Plan, soll ihr als ihr Anwalt hilfreich zur Seite stehen. Das wird ihr jedoch schon bald zum Verhängnis und Nick ahnt, daß er in etwas hineingezogen wird, aus dem es kein Entkommen gibt. Warum hat er Mascha und Moskau verlassen? Eine Frau, die er glaubt über alles zu lieben und eine Stadt, an der sein Herz hängt. Der Autor A. D. Miller hat Literatur studiert und war von 2004 bis 2007 als Moskau-Korrespondent für „The Economist“ tätig. Er weiß Bescheid über das, was er schreibt. „Snowdrops“ oder „Die eiskalte Jahreszeit der Liebe“ ist ein wundervoller, detailreicher, wortgewandter, authentischer und lesenswerter Roman. Der Leser erfährt zwar nicht viel Neues über Russland, denn was der Autor schreibt, ist aus dem Fernsehen und aus Zeitungen hinreichend bekannt. Auf der einen Seite gibt es unermesslichen Reichtum, Korruption, Habgier und die Erkenntnis, dass man für Geld alles und jeden kaufen kann, auf der anderen Seite bittere Armut, Resignation und Zukunftsangst. Trotzdem entfaltet der Roman eine Sogwirkung, der man sich einfach nicht entziehen kann. Für mich einer der besten Romane in diesem Sommer. Eine Frage lässt der Autor unbeantwortet. Wird die namenlose Verlobte nach der Lektüre des Geständnisses von Nick Platt noch immer dem „großen Tag“ entgegenfiebern, den der Protagonist selbst als „Tag der Abrechnung“ (S. 10) bezeichnet? Durch die unendlich vielen Hinweise des Erzählers ahnt der Leser frühzeitig, dass etwas Schlimmes passieren wird. Der Autor nimmt dadurch ein wenig die Spannung aus dem Roman. Alles in allem empfehlenswerte und ausgesprochen unterhaltsame Lektüre.

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  • Düsteres kriminelles Moskau- Bild

    Die eiskalte Jahreszeit der Liebe: Roman
    conny

    conny

    05. September 2013 um 09:09

    Der Roman ist gefasst als Geständnis des Bankers Nick an seine zukünftige Ehefrau, über seine vergangene Zeit in Moskau und seiner Beziehung zu einer "typisch" russischen Frau. Es wird ein sehr düsteres und ausgesprochen kriminelles Moskau- Bild gezeichnet, in das der Londoner sich unsicher und einsam bewegt, bis er vermeintlich zufällig auf eine Russin samt Freundin trifft. Und ziemlich schnell von dieser russischen "femme fatal " verführt und um 50.000 Dollar gebracht wird.

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  • Manchmal zu ausschweifend!

    Die eiskalte Jahreszeit der Liebe: Roman
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    05. July 2013 um 21:19

    Es ist eine kleine Schnitzeljagd, die Miller mit seinen Lesern veranstaltet. Miller's Protagonist, ein 38jähriger gut situierter Anwalt aus London (Nick), verliebt sich rasend schnell, nach einem Handtaschen-Raub, in die um 14 Jahre jüngere Mascha. Von Anfang an, wittert der Leser, dass mit Mascha etwas nicht stimmt. Nur was ist es? Von Anfang an erzählt Nick seine Geschichte. Er steht kurz vor der Hochzeit und findet, dass er seiner Braut, die reine Wahrheit über seine Moskau-Zeit erzählen muss (die Braut bleibt namenlos, gesichtlos, geschichtslos). Ohne in dieser Stadt jemals gewesen zu sein, könnte ich nun einen Stadtführer schreiben. Noch nie, habe ich so eine detaillierte Ansicht von Moskau erhalten. Miller erzählt en Detail wie es ist in Moskau zu leben: von Korruption, der politischen Lage, dem politischen Denken, von den jungen schönen Frauen, die nichts anderes im Sinn haben als alte Männer mit Geld, von dem Ausländer sein, den Straßen, dem Eis, der Kälte, den Gebäuden, den Menschen, dem unsäglichen ständigen Fluss des Wodkas, von einer stinkenden Stadt, von Tierleichen unter dem Schnee, von Menschenleichen unter dem Schnee, vom Frühling, von der rauen schönen Gegend. Leider gerät Miller dabei manchmal zu sehr ins Out. Seine Sprache ist manchmal eintönig, was bei den ganzen Details etwas einschläfernd wirkt. Seine Protagonisten, allen voran Nick, sind zwar gut charakterisiert, aber wenig beschrieben. Es ist eine kalte, lieblose Geschichte und macht einen über dieses Russland sehr nachdenklich. Am meisten wird der Leser Tatjana Wladimirowna ins Herz schließen. Auch wenn man ab ihrem Erscheinen eine Ahnung entwickelt, nähert sich der Leser erst ca. 110 Seiten vor Schluss der Auflösung an. Fazit: Man sollte Russland und besonders Moskau interessiert sein, wenn man sich diesem Roman nähern möchte. Miller hat einen Hang zu detailreicher Beschreibung, was bei manchen Passagen eintönig wirken kann. Die Geschichte ist gut erzählt, aber Miller lässt seinen Leser auch gern mal mit den Gedanken zu sehr abdriften, da sein Schreibstil eintönig und der Lesefluss dadurch gestört wird; was die Geschichte nicht verdient hätte. Auch fragt man sich manchmal, ob ein 38jähriger (London)Anwalt, wirklich so naiv ist, wie Miller ihn manchmal darstellt. Miller's Roman ist sicherlich gut geeignet, um endlich einmal, das immer noch fremde, kalte, politisch unkorrekte Land kennen zulernen; jemand der mit Russland so gar nichts anfangen kann, rate ich allerdings von dem Buch ab! Viel Spaß! (geschrieben von: Petra/Meine Buchtipps)

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