"Meine Stimme unter Wasser" ist ein ganz besonderes Buch, welches nicht nur total zärtlich, liebevoll, magisch und emotional ist, sondern auch ein wichtiges und kaum bekanntes Thema anspricht: Selektiven Mutismus (die Schwierigkeit, bzw. Unfähigkeit (in bestimmten Situationen) zu sprechen). Doch man durchlebt nicht nur den Umgang und den Mut der Protagonistin Ronja mit dem Mutismus, die Geschichte ist weitaus mehr. Liebe, Familie, Freundschaft und buntes Zirkustreiben erschaffen eine fabelhafte Welt, der man sich sogar irgendwie gerne anschließen würde. Zusätzlich geht es um Selbstbestimmung, das Ablegen von Vorurteilen und vorschnellen Meinungen und dem Zulassen von neuen Gedanken. Und obwohl in dem Buch all das und noch viel mehr zur Sprache kommt, wirkt es nie zuviel, sondern genau richtig, als Leser wird man von Seite eins direkt abgeholt und perfekt durch Ronjas Welt geleitet, durchlebt all ihre Gefühle. Auch die Figuren sind total liebevoll gestaltet und haben alle mehrere Gesichter.
Das Einzige, was mich ein bisschen gestört hatte, war, dass einige Formulierungen oder Redewendungen sich etwas zu oft wiederholt haben. Ich hätte mir da manchmal etwas mehr sprachliche Vielfalt gewünscht. Auch spürt Ronja ziemlich häufig "zum ersten Mal seit langem" wieder Hoffnung, wobei das letzte Kapitel evtl schon ähnlich geendet hat.
Das schmälert aber überhaupt nicht den Wert dieser tollen Geschichte oder die Tatsache, dass mir das Buch wirklich sehr gut gefallen hat. Es war weder das erste, noch das letzte Buch von A.L. Kahnau, das ich gelesen habe! :)
"Und doch spüre ich einen kleinen widerspenstigen Teil in mir, der hofft. Der sich wünscht, dass er vielleicht anders wäre. Dass er mich nicht ansehen würde, wie die anderen. Nicht wie jemanden, der irgendwie kaputt ist, sondern wie... wie jemand Besonderen."
">Es gibt keinen Druck<, füge ich hinzu. >Kein Gefühl, dass man versagt, weil man nicht das Richtige sagt. Unter Wasser bist du einfach da. Und das ist genug.<"
"Es ist chaotisch, ja. Aber es ist unser Chaos"