Herr Jakob träumt

von A.S. Dowidat 
3,8 Sterne bei17 Bewertungen
Herr Jakob träumt
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Positiv (13):
M

Eine märchenhafte Geschichte über die Sehnsucht nach Ruhe und Achtsamkeit

Kritisch (2):
A

Ein leises Buch. Ein Aufruf zu mehr Gelassenheit und Entschleunigung.

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Inhaltsangabe zu "Herr Jakob träumt"

*** Auf der Shortlist zum Deutschen Selfpublishingpreis 2018 ***

»Sie sind also tot?«, fragte Herr Jakob.
»Jaja«, erwiderte Frau Wanke und drängte Herrn Jakob sanft, aber bestimmt zur Seite. Es hatte angefangen zu regnen und sie hatte keinen Schirm dabei, Herr Jakob mutmaßte, dass vielleicht auch Tote nicht nass werden wollten.
»Entschuldigung«, sagte er, »kommen Sie doch erst einmal herein.« Im Hausflur nahm er ihr den Mantel ab und hängte ihn an die Garderobe.

- Über die Entdeckung des Winterschlafs und das Anhalten der Zeit -

Hin und wieder gelingen Herrn Jakob kleine Fluchten aus seinem Leben als Bibliothekar und Berufspendler. Doch die zunehmenden Anforderungen des Alltags und eine als bedrohlich empfundene Hektik wecken in ihm eine immer stärkere Sehnsucht nach Ruhe. Die Gespräche mit einem Huhn bringen ihn endgültig dazu, sich nicht länger gegen sein Bedürfnis zu wehren: Herr Jakob beschließt zu schlafen.
Traum und Wirklichkeit verschränken sich allmählich, und Herr Jakob muss sich fragen, ob seine Traumwelt weniger wahr ist als die sogenannte Realität. Sind Wachen und Schlafen nur zwei Bewusstseinszustände oder vielmehr zwei Welten, deren Wege auf wundersame Weise miteinander verbunden sind?
Nachdem er das Glück des Winterschlafs entdeckt hat, fühlt Herr Jakob sich auch im Wachzustand zu neuen Wahrnehmungen befähigt. Dann trifft er auf eine Gleichgesinnte, die allerdings noch Probleme mit dem Durchhalten längerer Schlafperioden hat.
Die Geschichte von einem Menschen, der sich auf eine außergewöhnliche Reise begibt und dabei einen erstaunlichen Ort entdeckt.

"Ein wunderbar leiser Roman über den Zauber des Staunens." (Leserstimme)

www.herrjakobtraeumt.de

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783746015903
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:180 Seiten
Verlag:Books on Demand
Erscheinungsdatum:22.11.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    odenwaldcolliess avatar
    odenwaldcolliesvor 6 Monaten
    Herr Jakob träumt

    Der Bibliothekar Herr Jakob fühlt sich in seinem Leben zunehmend unter Druck gesetzt: Vorträge, Aufträge für seine Skulpturen, eine Ex-Frau, die nach mehr Unterhaltszahlungen verlangt usw. Nach Gesprächen mit einem Huhn und der Tatsache, dass es Herbst ist, beschließt Herr Jakob, es mit Winterschlaf zu versuchen, zumal das Bedürfnis nach Schlaf bei ihm sowieso übermächtig wird.


    Oh, ich kann den Wunsch nach Winterschlaf während der dunklen Jahreszeit so gut nachvollziehen, mir geht es oftmals nicht anders, wenn früh morgens der Wecker seinen Terror beginnt und mich aus dem wohligen Nachtschlaf reißt. Umso neugieriger war ich darauf, ob es Herrn Jakob gelingen wird. Und ja, er schafft es! Wie er die Winterruhe dabei erlebt bzw. welche Bereicherung dies für sein Leben bedeutet, hatte auch auf mich als Leser eine entschleunigende und beruhigende Wirkung. Spannend fand ich auch, welche Wirkung seine Winterruhe auf seine Umgebung hat, denen er nichts von seinen Plänen erzählt.


    Die Charaktere im Buch werden zwar nicht in der Tiefe dargestellt, aber darum geht es meiner Meinung auch gar nicht, sondern darum, dass man mal wieder darüber nachdenkt, ab und an einen Gang zurückzuschalten und innezuhalten. Und dabei auf die kleinen Dinge achtet, denen man im hektischen Alltag keine Beachtung schenkt, die einem aber helfen, zur Ruhe zu kommen. Ich denke, dabei hätte eine allzu komplizierte Darstellung der Figuren eher störend und anstrengend gewirkt.


    Die Sprache des Buches ist herrlich entschleunigend und beruhigend: keine langatmigen Dialoge, sondern vielmehr die Darstellung von Stimmungen und Eindrücke.

    Manche Szenen werden etwas überspitzt dargestellt, was ich aber gelungen finde, da sie damit uns und unserer Gesellschaft den Spiegel vorhalten.


    Ich werde es sicherlich niemals schaffen, Winterschlaf zu halten, aber seit ich das Buch gelesen habe, denke ich oft in besonders hektischen Situationen an Herrn Jakob und seine Gespräche mit dem Huhn – und nehme mir mal eine kurze Auszeit, um beispielsweise die Wolken am Himmel eingehender zu betrachten. Mir hat das Buch in jedem Fall eine sehr angenehme Lesezeit verschafft einschließlich der positiven Nachwirkungen.


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    M
    miriamBvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Eine märchenhafte Geschichte über die Sehnsucht nach Ruhe und Achtsamkeit
    Vom Anhalten der Zeit

    Hr. Jakob ist ein Mann Mitte 50, von Beruf Bibliothekar ohne große Karriereambitionen, geschieden, mit seltenen, aber konfliktreichen Kontakten zu Exfrau und Töchtern. Er ist von der Schnelllebigkeit und dem Alltagsstress restlos überfordert und genervt.  Folglich zieht er sich immer mehr zurück bis seine andauernde Müdigkeit zu einem Winterschlaf wird.

    Die reale Welt und die Traumwelt des Hr. Jakob verschmelzen im Laufe der Geschichte immer mehr und sind manchmal nur schwer zu unterscheiden. Man muss sich auf diesen ständigen Wechsel einlassen können  – auf philosophische Hühner, seltsame Privatdetektive und schrecklich schnelle Putzfrauen.

    Die Autorin A.S. Dowidat versteht es, durch ihre ruhigen, unaufdringliche und leicht distanzierte Art, Hr. Jakobs Geschichte zu erzählen, eine tiefe Sehnsucht nach Langsamkeit und Achtsamkeit zu vermitteln. Kann sich nicht jeder in gewisser Weise mit Hr. Jakob identifizieren? 

    „Hr. Jakobs träumt“ ist eine märchenhafte Darstellung des Bedürfnisses nach dem „Anhalten“ einer viel zu schnellen und hektischen Welt. Schon das Lesen war ein bemerkenswertes Erlebnis für mich: ich vermute, dass ich noch nie ein Buch so langsam gelesen habe.  Es wirkte entschleunigend und damit hat dieses kluge Buch einen fixen Platz in meiner Bücherapotheke bekommen! Also Vorsorge für stressigere Zeiten!

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    AnnieHalls avatar
    AnnieHallvor 8 Monaten
    Wer schläft, nimmt eine Auszeit von der Hektik

    Herr Jakob träumt ist ein Roman von A.S. Dowidat, erschienen 2017 bei books on demand.

    Herr Jakob fühlt sich zunehmend gestresst und sehnt sich nach Ruhe. Er ist den Anforderungen des Alltags nicht mehr gewachsen, im Job frustriert und von Geldsorgen geplagt. Ihn übermannt ein gesteigertes Bedürfnis nach Schlaf und so fasst er den Entschluss in Winterschlaf zu gehen…

    Herr Jakob träumt ist eine stille und nachdenkliche Geschichte über einen Mann, der der Hektik des Alltags zu entfliehen versucht und sein Glück im Winterschlaf findet. Ein Roman, der den Leser dazu anregt, das eigene Bedürfnis nach Ruhe zu hinterfragen, aber ihn auch auf Distanz hält und zum stillen Beobachter des Geschehens macht.

    Eine Geschichte, in der die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit fließend ist und die dem Leser Raum für eigene Gedanken gibt, denn vieles wird nur am Rande erwähnt oder gänzlich offen gelassen.

    So lädt der Roman zur Selbstreflexion ein und bietet durch die ruhige Atmosphäre eine kurze Auszeit von der Hektik des Alltags - Perfekt für entspannte Lesestunden.

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    EvyHearts avatar
    EvyHeartvor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Im Gleichgewicht der Ruhe
    Im Gleichgewicht der Ruhe

    Ich habe das Buch über eine Leserunde gelesen und fand den Klappentext interessant. Ich hatte ein ruhiges Buch erwartet, eines, in das ich mich fallen lassen kann. Ich rechnete jedoch auch damit, dass manches vage bleiben wird. Am Ende empfand ich das Buch als ruhig, aber auch als zu konstruiert.

    Worum geht es?


    Bibliotheksmitarbeiter Herr Jakob ist in der Mitte seines Lebens. Sowohl seine geschiedene Ehefrau als auch die gemeinsamen Töchtern nerven ihn, weil sie Geld möchten und auch die Bildhauerei, die er in seiner Freizeit betreibt, wird zur Last, weil sich seine Fähigkeit unter Kollegen verbreitet und Vorgesetzte möchten, dass er ein Kunstwerk erstellt.

    Als der Winter naht, wird Herr Jakob schläfriger und beschließt, in einen wochenlangen Winterschlaf abzutauchen. In seinen Träumen begegnet er einem Huhn und beobachtet die Natur. Die Zeit läuft langsamer.

    Das Buch pendelt zwischen Passagen des Traumes und der Realität und langsam verändert das, was Herr Jakob im Traum erlebt, seine Realität.

    Die Hauptfigur


    Herrn Jakob nehme ich als unauffällig war. Das liegt daran, weil er kaum Emotionen verspürt und weil der Text personal erzählt ist und durch die Anrede als "Herr Jakob" Distanz geschaffen wird. Das macht die Figur gut projezierbar auf verschiedene Leser, eine Verkörperung des "Alltagsmenschen", aber auch schwer greifbar. Herr Jakob ist ein Mensch, der seinem Leben ausgeliefert ist und es nur selten in die Hand nimmt.


    Das Grundthema - die Ruhe


    Herr Jakob tut das, was manche Menschen gern tun würden - abtauchen, entschleunigen. Allerdings wirken die Passagen nicht sehr prägnant. Die Autorin verwendet verschiedene Symbole und das Skurille gefällt mir, aber der Kontrast aus Ruhe und Realität wird nicht gut deutlich. Vielleicht fehlt Herrn Jakob keine Ruhe, sondern etwas, das seinem Leben einen Sinn gibt.

    Vergleicht man die Schilderung im Buch mit denen von Leuten, die monatelang gereist sind oder sich eine (kurze) Auszeit für ein Hobby nehmen, fällt auf: Sie genießen es. Sie nehmen diese Auszeit als Chance wahr. Herr Jakob arbeitet im Traum Sehnsüchte auf, aber er hat nur wenig Antrieb.

    Als ich das Buch las, wurde mir bewusst, dass Hobbys ähnlich dem Winterschlaf im Buch sind: Eine Möglichkeit, abzuschalten.

    Fazit


    Ich mag die Idee des Textes und den Gedanken, aus der Realität zu flüchten. Mir ist der Text aber nicht konsequent genug. Gut durchdacht und ambitioniert, aber zu verkopft, um greifbar zu sein.

    Ich glaube aber auch, dass Menschen, die für diese Sichtweise, für das Vage, empfänglich sind, Spaß mit dem Buch haben.

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    miau0815s avatar
    miau0815vor 9 Monaten
    Ein Träumchen...

    Dieses kleine Buch hat mir wirklich sehr gut gefallen.
    Herr Jakob ist müde. Müde wegen seines Jobs. Müde wegen seiner Ex-Frau. Müde müde müde.

    Dann fängt er das Träumen an und findet dadurch einen Ausweg. Im Schlaf schafft er es Abstand von seinem Leben und neue Ruhe zu finden. Ganz erholt er sich schließlich indem er in einen Winterschlaf verfällt und damit eine ganze Schläfer-Bewegung auslöst.

    Ich hatte wirklich Spaß an diesem Buch. Der Schreibstil passt gut zum Thema, ist sehr subtil und einfach. Ein paar der benutzen Bilder sind wirklich komisch und haben mich zum Lachen gebracht.

    Der Gedanke den das Buch verfolgt ist es auf jeden Fall wert gehört und gelsen zu werden. Was passiert wenn man einfach mal alles entschleunigt? Einfach mal Abschlalten, den Anschluss verlieren. Nichts, außer dass man sich erholt und energiegeladen den wirklich wichtugen Dingen entgegen gehen kann.

    Gute Nacht ;)

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    pardens avatar
    pardenvor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Dieses Buch schreibt nicht nur vom Entschleunigen, es entschleunigt auch das Lesen...
    Ein Sehnsuchtsbuch...

    EIN SEHNSUCHTSBUCH...

    Wer fühlt sich nicht gelegentlich gestresst, von der Hektik des Alltags getrieben, vom Hamsterrad des Lebens gegängelt? Nun, Herrn Jakob geht es jedenfalls genau so. Er hat das Gefühl, nur noch funktionieren zu müssen und seine eigentlichen Bedürfnisse nie ausleben zu können. Der Beruf als Bibliothekar, der ihm immer sinnloser erscheint, der nicht enden wollende Streit mit seiner Exfrau, die nicht abreißenden Forderungen seiner Töchter, die sich zuspitzenden Geldsorgen und die allzu dynamische Putzfrau - all dies sind Faktoren, denen sich Herr Jakob zunehmend weniger gewachsen fühlt. Er sehnt sich ganz einfach nach Ruhe.

    Der graue Winter verstärkt dieses Bedürfnis nach Ruhe noch, die Hektik der Menschen um ihn herum macht Herrn Jakob immer müder, und so sucht er händeringend nach einem Ausweg. Immer schwerer fällt es ihm, morgens rechtzeitig wach zu werden, immer früher hat er das Gefühl, ins Bett gehen zu müssen, und schließlich fasst er einen Entschluss: Er wird einen Winterschlaf halten. Und so trifft er akribisch seine Vorbereitungen und gleitet schließlich in einen langen Schlaf, in eine Traumwelt, die manch merkwürdige Begegnung für Herrn Jakob bereit hält. Doch vor allem lehrt sie ihn eines: Lebe den Augenblick!


    "...und in Herrn Jakob (...) breitete sich das wohlige Gefühl aus, um nichts auf der Welt an einem anderen Ort sein zu wollen. Für einen kurzen Moment empfand er ein solch mächtiges Wissen des Angekommenseins, dass es ihn innerlich schauderte und er seufzend ausatmete."


    Im Grunde ist dies ein Sehnsuchtsbuch, rührt es doch an die eigenen Bedürfnisse des Lesers, zumindest gelegentlich der Hektik des Alltags zu entfliehen, sich auf den Augenblick zu besinnen und ganz bei sich zu sein. Herr Jakob driftet ganz sicher unmerklich auf ein Burnout-Syndrom zu oder gar auf eine Depression, manche Ereignisse erinnern auch fast an den Beginn einer Demenz, aber benannt wird hier nichts davon. Das ist in meinen Augen jedoch nicht weiter tragisch, denn auch diese Erkrankungen tragen im Kern ein Entfremden von der Welt und von sich selbst in sich, oftmals verbunden mit einer zunehmenden Müdigkeit und dem Gefühl, den Anforderungen des Alltags nicht mehr gewachsen zu sein. Doch das Bedürfnis nach Ruhe in unserer unruhigen Zeit verspürt sicher jeder von uns - mal mehr und mal weniger. Insofern bietet das Buch in vielerlei Hinsicht eine Plattform der Identifikation.

    Herr Jakob selbst erscheint in dem kleinen Roman merkwürdig unscharf, fast selbst wie eine Traumfigur der Welt, in die er nur zu bald hinübergleitet. Der Blick auf Herrn Jakob bleibt stets ein distanzierter, vieles wird vage gehalten - und bietet damit einen interessanten Kontrast zu den teilweise überaus detailliert geschilderten Beobachtungen von Herrn Jakob in der Traumwelt, wie z.B. der Weg einer Wolke quer über den Himmel. Dieses Buch schreibt jedenfalls nicht nur vom Entschleunigen, es entschleunigt auch das Lesen.

    Der Schreibstil ist behutsam und klar, was sehr gut zu dem Geschehen selbst passt. Manches wird nur angerissen und bleibt letztlich offen, was mich ein wenig verwirrt hat, doch insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Das offene und leise Ende bildet für mich einen passenden Schlusspunkt.

    Ein Buch, das einen Kontrapunkt darstellt zu unserer schnelllebigen Zeit und an das gemahnt, was uns wirklich gut tut: Achtsamkeit und Ruhe.


    © Parden

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    A
    anna_mvor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Ein leises Buch. Ein Aufruf zu mehr Gelassenheit und Entschleunigung.
    Gegen zu viel Hektik und für mehr Gelassenheit

    Herr Jakob ist wissenschaftlicher Bibliothekar, doch reizt ihn seine Arbeit wenig. In seiner Freizeit stellt er Skulpturen her, die er manchmal auch verkauft. Als ihm seine beruflichen sowie privaten Verpflichtungen über den Kopf wachsen, sucht er Zuflucht vor der Hektik des Alltags und findet diese im (Winter-) Schlaf, oder besser gesagt: im Traum.

    Herr Jakobs Träume muten sehr surreal an. Da sind z.B. das Huhn, das ihm die Traumwelt halbwegs erklären kann und das Eichhörnchen, das sich ganz und gar der Entschleunigung hingibt. Abseits der Schnelligkeit unserer modernen Gesellschaft lernt Herr Jakob, sich auf die kleinen Dinge im Leben einzulassen und ihre Schönheit zu erkennen, ja sie als Bereicherung zu empfinden. Doch stellt sich die Frage, ob sich jemand, der sich der Muße verschreibt, in unserer Welt noch zurecht finden kann.

    Nachdem es mir zuerst etwas schwer fiel, in die Geschichte einzutauchen, offenbarten sich mir viele wichtige Fragen, die im Text mitklingen. Mal lustig, mal tiefsinnig, lädt der Roman von A.S. Dowidat tatsächlich dazu ein, auch zwischen den Zeilen zu lesen. Das erfordert eine gewisse Konzentration, da es viele Schachtelsätze gibt und auch der Wechsel zwischen Traum und Realität nicht speziell gekennzeichnet ist. Leider bin ich in der Traumwelt nie so richtig angekommen. Der Roman bleibt durchgehend verständlich, auch wenn ich mir an ein paar Stellen ein paar Worte mehr gewünscht hätte, welche dem Gesamtbild nicht geschadet hätten. Meistens haben wir es mit einer Erzählung in der dritten Person zu tun, doch hin und wieder wechselt die Perspektive zu einem hypothetischen, außenstehenden Betrachter. Der Schreibstil hält den Leser auf Distanz und gibt ihm die Möglichkeit, eigene Interpretationen anzustellen oder die Figuren als Projektionsfläche zu nutzen: Ist Herr Jakob am Rande eines Burn-outs, depressiv oder gar dement? Ist er einfach nur einsam und müde?

    Die Autorin schafft mit wenigen Worten eine Atmosphäre, die die Fantasie des Lesers anregt. Die Winteratmosphäre z.B. lädt richtig zum Schlafen ein, mit der Stille, die vom unberührten Schnee noch unterstrichen wird. Ich stelle mir einen schönen Kontrast vor: Herr Jakobs stilles Haus und Grundstück mit der glatten Schneedecke und die Straße mit Schneematsch und Spuren von Autoreifen etc. Man sieht so richtig dass da einer wohnt, der sich abgemeldet hat, der nicht mehr mitmacht und sich um sich selber kümmert.

    Trotz einiger schöner Szenen (z.B. immer dann, wenn sich Traum und Realität durch ein Geräusch o.ä. überschneiden) und einem philosophisch ruhigem Grundton konnte mich die Geschichte um Herrn Jakob nur mäßig begeistern. Der Schreibstil hält den Leser zu sehr auf Distanz, vor allem durch die indirekte Rede. Die Protagonisten, die immer nur beim Nachnamen genannt werden, und Herr Jakob, wirken dezent kühl und blühen eigentlich erst in der Fantasie des Lesers so richtig auf, sofern er sich die Mühe macht, über das Gelesene nachzudenken. „Herr Jakob träumt“ ist nicht als spannende Ablenkung gedacht und die Handlung plätschert eher lautlos dahin. Ein paar skurrile bis absurde Episoden lockern das Geschehen etwas auf und erzeugen Spannung, die sich letzten Endes jedoch wieder recht leise im Sande verläuft.

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    dieschmitts avatar
    dieschmittvor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Ein leises, aber eindringliches Buch über die Welt und das Leben.
    Ein leises, aber eindringliches Buch über die Welt und das Leben.

    Zum Inhalt:

    Die Schnellebigkeit der Zeit fordert. Sie kann auch Überfordern. Herr Jakob sehnt sich nach Schlaf, erholsam, gemütlich und einfach wunderbar langsam. Kann er beschließen einfach zu schlafen und sich der Welt zu entziehen? Wenn ja, was passiert dann?


    Meine Meinung:

     

    Herr Jakob ist müde, so müde. Er will nur noch schlafen, alles langsamer machen. In diesem Buch können die Leser mit Herrn Jakob ein Stück seines Weges mit ihm gehen. Der Alltag überfordert Herrn Jakob, Bedürfnisse seiner geschiedenen Frau, seiner Tochter und seiner Arbeit lähmen ihn. Alltägliche Dinge des Lebens, wie Schreiben von der Stadt, finanzielle Engpässe setzen ihn zusätzlich unter Druck.

    Einen Ausgleich findet er normalerweise in seinem kreativen Hobby, aber auch das wirkt auf einmal nicht mehr.

     

    Ich war sehr schnell in dem Buch angekommen, die Welt von Herrn Jakob und seine Erlebnisse haben mich immer wieder in Erstaunen versetzt. Der Schreibstil der Autorin unterstützte dies noch, da er sehr anschaulich und detailliert war. Und ich zwischen den geschriebenen Worten auch Bilder von Augen hatte. Die Szenen waren sehr ausführlich beschrieben und brachten mich nicht nur zum Staunen, sondern auch zum grinsen, wenn ich mir die beschriebenen Szenen ausmalte.

     

    Herr Jakob fand ich sehr sympathisch, etwas weltfremd, aber das fand ich stimmig, denn er fühlt sich in der Welt ja nicht wirklich zu Hause. Seinen inneren Zwiespalt bekommt man im Laufe des Buches immer mehr mit und ich konnte diesen auch sehr gut nachvollziehen.

     

    Der Sinn des Buches lässt mich nachdenklich zurück. So wie in dem Buch, kann man sich auch im Leben fragen, was ist Realität, was ist das Bild, das man sich selbst macht. Mich wird die Frage nach der Langsamkeit noch etwas weiter beschäftigen. Das Buch hat ein offenes Ende, wer das nicht mag, wird hier vielleicht eher unzufrieden nach dem Lesen sein. Ich selbst mag das, weil ich mir im Nachhinein noch Gedanken über ein Buch machen kann.

     

    Wer leise Bücher mag, und eine Mischung aus Realität und Fantasie gerne liest, ist hier richtig.

     

    Fazit:

    Ein leises, aber eindringliches Buch über die Welt und das Leben.

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    Edelstellas avatar
    Edelstellavor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Wunderschöne Fabulierkunst und psychologisches Feingefühl! Ein Buch zum Wohlfühlen und Runterkommen!
    Herr Jakob traut sich was!

    „Über die Entdeckung des Winterschlafs und das Anhalten der Zeit“


    So steht es auf dem Buchrücken und ich finde es ist der Klinikseelsorgerin A.S. Dowidat ganz hervorragend gelungen, genau das dem Leser wunderbar zu veranschaulichen in einer Geschichte um den Bibliothekar Herrn Jakob, der sich immer mehr in Träume verliert, Tagträume genauer gesagt.

    Immer mehr verwischen Grenzen und Herr Jakob fühlt bald beide Welten als seine Welten. So stark ist sein Wunsch nach einem langen Schlaf, seine Ex-Frau und seine beiden Töchter entfernen sich immer mehr und eine fantastische Reise beginnt......


    Auf dieses philosophische und empathische Buch über Herr Jakob muss man sich einlassen als Leser. Es ist nicht schwer sich mit diesem Mann zu identifizieren, denn er ist wie viele nicht mehr der Hektik der Zeit gewachsen. Die Autorin versteht es mit eingefügten Traumbildern, Sehnsucht zu wecken nach Innehalten und Langsamkeit. Wieder aufmerksam Innenschau zu betreiben. Sich sich selbst wieder anzunähern. Herr Jakob ist stellvertretend für die von uns, die das einfach Leben wieder zu schätzen wissen und er zeigt auf, wie es vielleicht möglich wäre, in einer Geschichte, die viel Symbolkraft in sich trägt.


    Frau Dowidat verfügt über eine wunderschöne Fabulierkunst und einem großen psychologischen Feingefühl für die Figuren in ihrem Buch. Da die Protagonisten gar nicht so detailgenau beschrieben wurden, hat der Leser Spielraum sich zu identifizieren und auch vielleicht ihm nahestehende Personen in Ihnen zu erkennen. Sehr klug ausgedacht und ein Genuß des langsamen Lesens garantiert. Ein schönes Geschenk für gestresste Zeitgenossen und für beste Freunde. Ich vergebe 5 Lesesterne. Danke dafür A.S. Dowidat.

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    Magpievor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Ein skurriles Buch, das entschleunigt.
    Ein etwas skurriles Buch über die Entschleunigung

    "Herr Jakob träumt" ist anders als alle Bücher, die ich bisher gelesen habe. Es handelt von einem überkorrekten Mann mittleren Alters, der von Stress und Hektik des alltäglichen Lebens überfordert ist und in eine Art Trägheit verfällt, die schließlich in einem Winterschlaf endet. Dadurch lernt er, die Welt mit anderen Augen zu betrachten.
    Der Schreibstil war anfangs etwas gewöhnungsbedürftig für mich, da die Menschen nie mit Vornamen genannt werden und wenig wörtliche Rede darin vorkommt. Es wirkt daher wie eine Erzählung aus der Distanz. Die langen Sätze zwingen den Leser, das Buch mit der nötigen Ruhe zu lesen. Was sich auch lohnt!
    Trotz des gewöhnungsbedürftigen Stils liest man sich schnell ein und genau diese Art des Schreibens lässt einen an einigen Stellen überlegen, was jetzt der realen Welt angehört und was Herr Jakob geträumt hat.
    Es ist eine wunderschöne, entschleunigende Geschichte, die einen zum Nachdenken zwingt und nach der man sich nch Ruhe und Gelassenheit sehnt.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    ASDowidats avatar
    Liebe Lovelybooksleserinnen und -leser,

    den Winter einfach verschlafen? - So macht es Herr Jakob!

    Zu meinem ersten veröffentlichen Roman "Herr Jakob träumt" lade ich euch herzlich zu einer winterlichen Leserunde ein.

    Hier der Klappentext und die Buchbeschreibung:

    »Sie sind also tot?«, fragte Herr Jakob.
    »Jaja«, erwiderte Frau Wanke und drängte Herrn Jakob sanft, aber bestimmt zur Seite. Es hatte angefangen zu regnen und sie hatte keinen Schirm dabei, Herr Jakob mutmaßte, dass vielleicht auch Tote nicht nass werden wollten.
    »Entschuldigung«, sagte er, »kommen Sie doch erst einmal herein.« Im Hausflur nahm er ihr den Mantel ab und hängte ihn an die Garderobe.


    - Über die Entdeckung des Winterschlafs und das Anhalten der Zeit -

    Hin und wieder gelingen Herrn Jakob kleine Fluchten aus seinem Leben als Bibliothekar und Berufspendler. Doch die zunehmenden Anforderungen des Alltags und eine als bedrohlich empfundene Hektik wecken in ihm eine immer stärkere Sehnsucht nach Ruhe. Die Gespräche mit einem Huhn bringen ihn endgültig dazu, sich nicht länger gegen sein Bedürfnis zu wehren: Herr Jakob beschließt zu schlafen.
    Traum und Wirklichkeit verschränken sich allmählich, und Herr Jakob muss sich fragen, ob seine Traumwelt weniger wahr ist als die sogenannte Realität. Sind Wachen und Schlafen nur zwei Bewusstseinszustände oder vielmehr zwei Welten, deren Wege auf wundersame Weise miteinander verbunden sind?
    Nachdem er das Glück des Winterschlafs entdeckt hat, fühlt Herr Jakob sich auch im Wachzustand zu neuen Wahrnehmungen befähigt. Dann trifft er auf eine Gleichgesinnte, die allerdings noch Probleme mit dem Durchhalten längerer Schlafperioden hat.
    Die Geschichte von einem Menschen, der sich auf eine außergewöhnliche Reise begibt und dabei einen erstaunlichen Ort entdeckt.

    Es ist ein leiser Roman aus dem Bereich literarische Belletristik. Für Leserinnen und Leser, die es eher philosophisch-hintergründig denn actiongeladen mögen. Beeinflusst hat mich dabei der Stil von Hartmut Lange.

    Ich stelle fünf Print-Exemplare (Taschenbuch) und 10 E-Books zur Verfügung, wahlweise als Mobi- oder EPUB-Datei. Gebt daher bei der Bewerbung bitte das gewünschte Format an.

    Auf der Website zum Roman gibt es Weiteres von Herrn Jakob zu erfahren: www.herrjakobtraeumt.de

    Ich freue mich auf den Austausch und bin sehr gespannt, da dies die erste Leserunde ist, die ich veranstalte. Ich bitte vorab um Verständnis, dass ich aufgrund meines anderes Berufes in der Klinikseelsorge vielleicht nicht jeden Tag in der Diskussion präsent sein kann.

    Viel Glück bei der Bewerbung und vorweihnachtliche Grüße,
    A.S. Dowidat

    Aktualisierung am 30.12.2017: Die Gewinner stehen nun fest und erhalten Post - die Print-Gewinner habe ich in der Plauderecke aufgelistet.

    ASDowidats avatar
    Letzter Beitrag von  ASDowidatvor 8 Monaten
    Danke für die Rezension und die Kommentierungen! LG, A.S. Dowidat
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