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Rezension zu "ANNA SEGHERS: Das siebte Kreuz" von ANNA SEGHERS

Das siebte Kreuz
Angel10vor 3 Jahren

Der Roman spielt 1937 in Deutschland.
Sieben Häftlingen aus einem Konzentrationslager (Westhofen) gelingt die Flucht. Der Lagerkommandant lässt für sie  sieben Kreuze errichten. Schon nach einigen Stunden wird der erste Entflohene eingefangen.
Es wird der  Protagonist Georg Heisler auf seinem Weg in die Freiheit geschildert, Wer hilft ihm? wer nicht?
Literaturkritiker Marcel Rech-Ranicki bezeichnete dieses Buch als einen Roman "gegen die Diktatur schlechthin". Es entstand im Exil.


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Rezension zu "ANNA SEGHERS: Das siebte Kreuz" von ANNA SEGHERS

Beeindruckende Einblicke...
pardenvor 6 Jahren

BEEINDRUCKENDE EINBLICKE...

Sieben gekuppte Platanen auf dem "Tanzplatz" des Konzentrationslagers Westhofen sind durch Querbalken als Folterkreuze für sieben aus dem Lager geflohene Häftlinge hergerichtet. Sechs Männer müssen ihre Flucht bald mit dem Leben bezahlen. Nur dem Mechaniker Georg Heisler gelingt es, den Verfolgern zu entkommen.
Nach vielen gefährlichen Tagen der Flucht aus dem großen Gefängnis, das Deutschland in den Tagen der Hitlerherrschaft war, findet er den Weg in die Freiheit. Das siebte Kreuz im Lager Westhofen bleibt leer...

Dieses Buch, das kurz vor dem zweiten Weltkrieg im Exil entstand, machte Anna Seghers weltberühmt. Es sprach für Deutschland in einer Zeit, als sonst fast nur mit Abscheu von Deutschland gesprochen wurde.
Die Passion des ungekreuzigten Heisler ist ein Volksbuch, das aus dem durch Hitler erneuerten Mittelalter herausfinden hilft. "Wir fühlten alle", heißt es am Schluss, "wie tief und furchtbar die äußeren Mächte in den Menschen hineingreifen können, bis in sein Innerstes, aber wir fühlten auch, dass es im Innersten etwas gab, das unangreifbar war und unverletzbar."

Anna Seghers legt hier kein einfach zu lesendes Buch vor. Der althergebrachte Schreibstil erschwert einen Einstieg in die Geschichte, die oftmals bedrückend erscheint. Wenn man sich aber darauf einlässt, erkennt man, wie gut es Anna Seghers gelungen ist, die Situation der damaligen Zeit bis ins Kleinste zu skizzieren. Sie zeichnet ein ausgesprochen vielschichtiges Portrait der Lebenswirklichkeit im Dritten Reich, wobei es selten "schwarz" und "weiß" gibt, was es um so bedrückender macht.
Die Situation der Fliehenden verlangt von jedem Einzelnen, der damit in Berührung kommt, eine Gewissensprobe. Seien es Mitläufer, überzeugte Nazis, Antifaschisten im Geiste, ehemalige Freunde oder zufällige Begegnungen - jeder erkennt angesichts der Situation, dass er sich für oder gegen etwas entscheiden muss. Ob Georg Heisler auf seiner Flucht jemandem vertrauen kann oder nicht, entscheidet sich im Kontakt selbst - es gibt keine Sicherheit, für niemanden. Alle möglichen Folgen wollen da von jedem einzelen überdacht werden - Folgen meist nicht nur für einen persönlich, sondern eben auch für sein Umfeld, Ehefrau und Kinder... Zweifel, Gewissen, Überzeugungen, Menschlichkeit, Ängste sind zentrale Themen dieses Romans.

Durch den ständigen Wechsel der Perspektiven gelingt es Anna Seghers, ein mehrdimensionales Bild der damaligen Zeit zu zeichnen und den Leser zu einem zwar unbeteiligten Zeitzeugen zu machen, doch das ein oder andere Mal fragt man sich beklommen, wie man sich selbst in der Situation verhalten hätte. So mancher, der Georg Heisler auf seiner Flucht begegnet, entscheidet sich erst in dem Kontakt zu ihm, teilweise von sich selbst überrascht oder enttäuscht.
Wie einfach ist es, aus heutiger Sicht im Brustton der Überzeugung zu sagen: "Das könnte mir nicht passieren". Nach der Lektüre dieses Buches teile ich diese Überzeugung nicht mehr. Für niemanden. Und das ist eine erschütternde Erkenntnis.

Dennoch ist das Buch letztlich auch ein Symbol der Hoffnung. Gerade dieses letzte Kreuz, leergeblieben - nicht nur für die Mithäftlinge ein Zeichen, sich nicht aufzugeben und an das zu glauben, das im Innersten unangreifbar und unverletztbar ist, egal was geschieht.

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Gespräche aus der Community

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Favoles avatar

Auf der Suche nach verborgenen Schätzen nehmen wir uns nun den Klassiker "Das siebte Kreuz" von Anna Seghers vor. Bei vielen war dies ja Schullektüre, bei mir jedoch nicht. Da ich aber vermute, dass es nicht gerade leichte Kost ist, freue ich mich, dass hier mit euch in dieser Leserunde zu lesen. 

Natürlich darf jeder gern mitlesen, der Interesse daran hat!

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