Abaelard

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Autor von Liebesbriefe.

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Liebesbriefe
Liebesbriefe
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Erschienen am 17.03.2014

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Rezension zu "Liebesbriefe" von Abaelard

Liebe im heiligen Schatten der Kirche
Aliknechtvor einem Jahr

Abaelard, ein theologischer Karrierist im mittelalterlichen Frankreich, ist ehrgeizig und gewitzt. Mit scharfem Verstand und mit seinem großen Mundwerk redet er sich auf der Leiter der kirchlichen Lehre schnell empor. Naturgemäß gerät er in zahlreichen theologischen Disputen mit vielen in Streit. Er teilt hart aus und muss viel einstecken. Die alten Authoritäten wollen sich nicht so einfach verdrängen lassen. Als Lehrer lernt er die hochgebildete Heloise kennen und die beiden verlieben sich unsterblich in einander. Die körperliche Begierde ergreift den Theologen und die junge Maid. Bald ist sie schwanger und man heiratet unter widrigen Umständen. 

Der Vormund von Heloise ist aufs äusserste verstimmt und arrangiert als Vergeltung die Kastration des jungen Lovers durch gedungene Strolche. Der so unsanft wieder auf die Theologie zurückverwiesene Abaelard verfolgt nun notgedrungen diesen Weg des Heils weiter. "Für den heiligen Dienst des Altars machte es ihn umso tauglicher, als ihn nun kein fleischliches Gelüst mehr störte." Heloise kommt in ein Kloster und die beiden verlieren sich für einige Zeit aus den Augen. Heloise wird Äbtissin und es entsteht wieder Kontakt zwischen den beiden und Briefe werden ausgetauscht. Ihre Liebe wird eindrücklich geschildert und theologisch aufbereitet. Die  Beziehung wird auf Jesus und die göttliche Liebe projiziert. Nicht alle Argumente sind für heutige Zeitgenossen ohne weiteres nachvollziehbar. 

Nach Abaelards Tod wurde er im Kloster der Äbtissin beigesetzt, wo sie dann neben ihm schliesslich auch ihre letzte Ruhe fand. Nach den Wirren der Revolution wurde das Liebespaar auf den Père-Lachaise umgebettet. Dort liegen die beiden heute immer noch und nur etwa 200m entfernt vom Grab Jim Morrisons von den Doors. 

Die Briefe sind sehr kunstvoll und mit vollendeter Courtoisie geschrieben. Sie breiten die mittelalterlichen religiösen Auffassungen aus und beleuchten gleichzeitig die persönlichen Gefühle, die Anfechtungen und die Schwierigkeiten dieser beider Menschen in ihrer damaligen Zeit. Als Vorlage für heutige Liebesbriefe kann man sie aber kaum gebrauchen. Die religiöse Zentrierung ist uns abhanden gekommen. 

Ausgabe: Abaelard und Heloise Liebesbriefe Manesse Bibliothek der Weltliteratur Zürich 2014 Aus dem Lateinischen von Hans-Wolfgang Krautz. Mit einem Nachwort von Georges Duby.

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Rezension zu "Liebesbriefe" von Abaelard

Angenehme Verliebtheit
BettinaR87vor 4 Jahren

Abaelard und Heloïse. Neben Romeo und Julia wohl eines der berühmtesten Liebespaare der Geschichte. Doch im Gegensatz zu den Italienern verfallen sie keiner Verblendung, leben lang und hinterlassen uns die wohl besten Liebesbriefe überhaupt.

Im Vergleich mit Romeo und Julia verdienen Abaelard und Heloise aber eindeutig den ersten Rang, denn ihr Drama ist so viel verzwickter: Als eine Frau im zwölften Jahrhundert widmet sich Heloïse einer eher unüblichen Karriere. Als Wissenschaftlerin erringt sie allseits großen Ruhm. Ihr Onkel, bei dem sie lebt, stellt ihr Abaelard, einen großen Philosophen, als Lehrer zur Seite. Eine große Leidenschaft entbrennt, die aber als verboten gilt und für einen gehörigen Skandal sorgt. Da hilft es natürlich besonders effektiv, dass Abaelard sich grundsätzlich gegen die herrschende Meinung stellt – und in der Bevölkerung Erfolg damit hat.

Genie und Moderne

Ihrer beider Genie bringt sie in dieser Zeit also auch ordentlich in die Bredouille. Um einem zweifelhaften Schicksal als ‚zu gebildetes Weib‘ zu entgehen, muss sich Heloïse einem Kloster unterstellen und kann deshalb ihren mittlerweile geehelichten Abaelard nicht mehr sehen. Aus dieser Zeit stammen die Liebesbriefe, von denen eins bis fünf in dieser Ausgabe vorliegen.

Gebildet und hochemotional

Schnell ist klar, dass Heloïse definitiv keine normale Frau dieser Zeit ist. Äußerst gebildet wie sie ist, passt sie nicht in das damalige Bild einer Dame. Hinsichtlich ihrer Unterwürfigkeit dem Manne gegenüber aber wohl schon. Noch dazu die Affaire mit ihrem Lehrer und ihre Ablehnung der Ehe, da sie diese als einengend empfindet. Sie ist es auch, die die weltliche Liebe zu Abaelard nicht aufgeben möchte, wie in ihren Briefen äußerst deutlich wird.

Eine Frau der Kontraste, die obschon ihres Status und ihrer Bildung auch ordentlich eifersüchtig werden konnte. Eine Frau, zu der man auch heute noch beim Lesen ihrer Briefe eine persönliche Bindung entwickeln kann. Insgesamt geht weniger um das Paar an sich, sondern eher um Heloïse als Figur. Sie, die Brillante, die Wissenschaftlerin, die Äbtissin.

Gelungene Übersetzung …

Wer Liebesbriefe aus dieser Zeit liest und einen komplizierten Text erwartet, wird mit den ersten Worten sofort eines Besseren belehrt. Die Ausgabe von Manesse beweist, dass nur, weil die Briefe von wahrhaft anno dazumal stammen, sie noch lange nicht komplett irritierend kompliziert übersetzt werden müssen. Außerdem? Dass „klein, aber oho!“ mehr als nur ein Spruch ist. Diese Ausgabe kommt in Hardcover und Stoff gebunden und das gibt dem Lesevergnügen noch den einen kleinen, feinen Kick!

… mit wertvollem Kontext

Inhaltlich begleitet werden die Briefe 1-5 von einem Kommentar, der im Gegensatz zu so manch imposant erscheinendem Text mit der gleichen Einfachheit Licht ins Dunkel bringt, wie es die Briefe selbst auch tun. Das Bild, das hier von Heloise gezeichnet wird, ist ein eher pragmatischeres und damit realistischeres. Zusätzlich findet der Leser immer wieder hilfreiche Anmerkungen, die so manchen Zitathintergrund erhellen und dem Verständnis enorm behilflich sind.

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