Abbas Khider

 4,1 Sterne bei 338 Bewertungen
Autor von Ohrfeige, Der Erinnerungsfälscher und weiteren Büchern.
Autorenbild von Abbas Khider (©Peter-Andreas Hassiepen)

Lebenslauf von Abbas Khider

Flucht, Exil und die Zerstörung einer Person: Abbas Khider, geboren am 3. März 1973 in Bagdad, ist ein deutsch-irakischer Schriftsteller. Bis 2000 war der Schriftsteller auf der Flucht vor dem Regime Saddam Husseins. 2 Jahre lang wurde er in einem irakischen Gefängnis gefoltert, und lebte während seiner Flucht in diversen Ländern wie Jordanien und Libyen. Im Jahr 2000 fand er dann schließlich in Deutschland Asyl. Er studierte in München und Potsdam Literatur und Philosophie. Mit seinem literarischen Programm „Flucht, Exil und die Zerstörung der Person“ gibt er tausenden Anderen eine Stimme und wurde international berühmt. Nebenbei leitet er Schreibwerkstätten für junge arabische Autoren. Für seine Werke wurde er bereits mit der Ehrenurkunde für Literatur von der irakischen Gesellschaft für Kulturförderung, dem Adelbert-von Chamiso-Föderpreis, dem Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil und dem Nelly-Sachs-Preis ausgezeichnet. Außerdem bekam er das Alfred-Döblin-Stipendium, das Arbeitsstipendium der Autorenförderung des Deutschen Literaturfonds und das Arbeitsstipendium in der Villa Aurora. Heute lebt der Autor in Berlin.

Alle Bücher von Abbas Khider

Cover des Buches Der Erinnerungsfälscher (ISBN: 9783446272743)

Der Erinnerungsfälscher

 (82)
Erschienen am 24.01.2022
Cover des Buches Ohrfeige (ISBN: 9783442714902)

Ohrfeige

 (87)
Erschienen am 14.08.2017
Cover des Buches Palast der Miserablen (ISBN: 9783446265653)

Palast der Miserablen

 (55)
Erschienen am 17.02.2020
Cover des Buches Die Orangen des Präsidenten (ISBN: 9783442744619)

Die Orangen des Präsidenten

 (35)
Erschienen am 11.02.2013
Cover des Buches Brief in die Auberginenrepublik (ISBN: 9783442748891)

Brief in die Auberginenrepublik

 (26)
Erschienen am 08.09.2015
Cover des Buches Der falsche Inder (ISBN: 9783442744602)

Der falsche Inder

 (19)
Erschienen am 08.07.2013
Cover des Buches Deutsch für alle (ISBN: 9783446261709)

Deutsch für alle

 (9)
Erschienen am 18.02.2019
Cover des Buches Deutsch für alle (ISBN: 9783442719617)

Deutsch für alle

 (4)
Erschienen am 10.08.2020

Videos zum Autor

Neue Rezensionen zu Abbas Khider

Cover des Buches Palast der Miserablen (ISBN: 9783446265653)
gsts avatar

Rezension zu "Palast der Miserablen" von Abbas Khider

Irak unter Saddam Hussein
gstvor 19 Tagen

„Wie das Land funktionierte, in dem ich lebte, wurde mir erst durch die Treffen im Palast der Miserablen wirklich bewusst. Der Irak war überhaupt kein normales Land, sondern nur ein Flickenteppich von Problemen.“ (Seite 198)

Shams, in der „Herzlichen Hölle“ im Süden des Irak geboren, zieht als kleiner Junge mit den Eltern und seiner heißgeliebten Schwester nach Bagdad. Dort finden sie keine Wohnung, weshalb sie sich im „Blechviertel“ ein Zuhause schaffen. Als Jugendlicher entdeckt er Bücher und wird ein regelmäßiger Besucher des Bücherbasars.

Im neunten Kapitel erklärt sich der Titel des Buches: „Das also waren wir, acht Literaturbegeisterte in der Wohnung eines Blinden. Der Palast der Miserablen“. Dass ihm die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe eines Tages große Probleme bereiten wird, zeigt sich schon zu Beginn: Denn da berichtet der Ich-Erzähler von seiner Gefangenschaft und wiederholt seine diesbezüglichen Erfahrungen am Ende von jedem der sechzehn Kapitel.

Abbas Khider, 1973 in Bagdad geboren, wurde mit 19 Jahren wegen seiner politischen Aktivitäten verhaftet. Nach der Entlassung floh er 1996 aus dem Irak und hielt sich als „illegaler Flüchtling“ in verschiedenen Ländern auf. Seit 2000 lebt er in Deutschland und studierte Literatur und Philosophie in München und Potsdam. „Seine Werke seien Literatur, mit der er die Stimmung seiner Zeit, seiner Generation wiederzugeben versuche, und nicht Autobiografie, stellte Khider 2013 in einem Interview klar und ergänzte lachend, alles darin sei autobiografisch, sogar das Erfundene. Durch die gewisse Distanz der deutschen Sprache als neuer Heimat gelinge es ihm, Betroffenheitsliteratur zu vermeiden und das Grauen in Heiterkeit umzudichten.“ (Wikipedia)


Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat mich das Buch beeindruckt. Ich habe viel über das Leben im Irak und das Leben im Armenviertel erfahren. Je weiter ich in der Lektüre fortgeschritten bin, desto schwerer fiel es mir, das Buch aus der Hand zu legen. Genau dieser distanzierte Stil, der so manch anderen Leser abgestoßen hat, machte es mir möglich, das Grauen bis zum Schluss auszuhalten. Wie schon so oft fand ich es auch diesmal erbaulich mich mit anderen Lebensgewohnheiten und -möglichkeiten auseinander zu setzen. Diesen Schriftsteller werde ich mir weiterhin merken.

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Cover des Buches Brief in die Auberginenrepublik (ISBN: 9783442748891)
kaelles avatar

Rezension zu "Brief in die Auberginenrepublik" von Abbas Khider

Vom Regen in die Traufe
kaellevor 25 Tagen

Salim Al-Kateb führt eigentlich ein gutes Leben im Irak. Das endet, als sein Lesekreis an der Universität von der Polizei hochgenommen wird - sie haben verbotene Bücher gelesen. Salim landet im Gefängnis, kommt aber durch die Intervention seines Onkels kurzzeitig auf freien Fuß. Diese Zeit nutzt er für eine Flucht nach Libyen. Von dort aus versucht er Kontakt mit seiner Freundin Samia aufzunehmen, ohne ihr Leben zu gefährden. Erst nach drei Jahren erfährt er von einer geheimen Brieftransportorganisation, die Briefe von Leuten wie ihm über Ägypten und Jordanien in den Irak bringen, verborgen in Kofferräumen, Bussen, LKWs. Salim nutzt diese Möglichkeit und schickt einen Brief an Samia auf die Reise. Wir befinden uns im Jahr 1999.

Das Buch besteht aus sieben Kapiteln. In jedem Kapitel ist der Brief eine Station weiter und wir erhalten Einblick in das Leben desjenigen, bei dem sich das Schreiben gerade befindet. Dabei wird klar, wie deprimierend das Leben in den betreffenden Ländern ist: allesamt stark patriarchalisch geprägt, keine Meinungsfreiheit, eigentlich überhaupt keine wirkliche Freiheit, denn der kleinste Fehltritt kann Gefängnis, Folter, Tod bedeuten. Kriege zerstören Städte, Soldaten verlieren ihr Leben. Zwar gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Staaten. So ist beispielsweise die Versorgung mit Lebensmitteln in Libyen recht gut, während die Iraker sich hauptsächlich von Auberginen ernähren müssen, weshalb das Land von den Jüngeren auch Auberginenrepublik genannt wird. Dennoch wird beim Lesen klar, dass man in keinem der Länder leben möchte.

Ob der Brief ankommt, möchte ich hier nicht verraten. Es gibt aber auf jeden Fall überraschende Stationen und der Schluss macht Hoffnung auf sich anbahnendes Aufbegehren gegen all die Ungerechtigkeiten. Insgesamt finde ich die Konstruktion dieses Romans sehr ungewöhnlich und damit erfrischend anders.

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Cover des Buches Palast der Miserablen (ISBN: 9783446265653)
UlrikeZas avatar

Rezension zu "Palast der Miserablen" von Abbas Khider

Bewegend, traurig, hoffnungsvoll
UlrikeZavor 4 Monaten

Auch wenn der „Palast der Miserablen“ von Abbas Khider keine Autobiografie ist, so hat man beim Lesen des Romans das Gefühl, viel aus dem Leben des Autors zu erfahren. Er nimmt uns mit in das Bagdad seiner Kindheit. Dort ziehen Shams und seine Schwester mit ihren Eltern aus dem Süden hin in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Doch alles, was die Familie erwartet, ist ein Leben in Armut neben Müllbergen, auch wenn immer wieder ein Funke Hoffnung aufkeimt, z. B. als die Schwester kurzzeitig ein erfolgreiches Business betreibt und es fast den Anschein hat, dass die Familie nun zumindest finanziell ausgesorgt hat. Trost findet Shams in der Literatur, auf dem Büchermarkt der Stadt und später mit Gleichgesinnten, mit denen er sich über das Gelesene austauschen kann.  

Die zweite zeitliche Ebene, die im Roman eingeflochten ist, lässt uns von Anfang an erkennen, dass auch die Zukunft nicht das erhoffte bessere Leben bringen wird. Am Ende eines jeden Kapitels erfahren wir immer kürzeren Einschüben, wie Sham seine Zeit als Gefangener fristet.

Ein wunderschönes Buch, in dem der Autor uns in das Leben im Irak unter Saddam Hussein mit all seinen Entbehrungen und Schwierigkeiten eintauchen lässt. Uns mit dem Protagonisten immer wieder neue Hoffnung schöpfen lässt und uns zusammen mit Shams auch immer wieder desillusioniert. 

Und so schafft der Autor zumindest bei mir das, was einer seiner Charaktere im Buch bezweifelt: „Glaubst du ernsthaft, dass sich irgendwer da draußen für unsere Probleme interessiert? Wir sind doch nur eine schnelle Zeitungsschlagzeile oder eine Kurzmeldung in den Nachrichten wert. Die seltsamen Eingeborenen dieses fernen Unruhestaates, den man „Irak“ nennt.“

Und hier sehen wir wieder einmal, was Literatur zu leisten vermag, indem sie Geschichten erzählt, die uns bei der Lektüre ein Land, das wir nur noch in eher negativen Schlagzeilen wahrnehmen, und dessen Menschen näher bringt. 

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Letzter Beitrag von  Dajobamavor 2 Jahren

Ertauscht.... Aber mach dir keinen Kopf, ist nicht so schlimm! Kann ich sicher tauschen!

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Zusätzliche Informationen

Abbas Khider wurde am 03. März 1973 in Bagdad geboren.

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