Abbas Khider

 3.9 Sterne bei 182 Bewertungen
Autor von Ohrfeige, Die Orangen des Präsidenten und weiteren Büchern.
Autorenbild von Abbas Khider (©Peter-Andreas Hassiepen)

Lebenslauf von Abbas Khider

Flucht, Exil und die Zerstörung einer Person: Abbas Khider, geboren am 3. März 1973 in Bagdad, ist ein deutsch-irakischer Schriftsteller. Bis 2000 war der Schriftsteller auf der Flucht vor dem Regime Saddam Husseins. 2 Jahre lang wurde er in einem irakischen Gefängnis gefoltert, und lebte während seiner Flucht in diversen Ländern wie Jordanien und Libyen. Im Jahr 2000 fand er dann schließlich in Deutschland Asyl. Er studierte in München und Potsdam Literatur und Philosophie. Mit seinem literarischen Programm „Flucht, Exil und die Zerstörung der Person“ gibt er tausenden Anderen eine Stimme und wurde international berühmt. Nebenbei leitet er Schreibwerkstätten für junge arabische Autoren. Für seine Werke wurde er bereits mit der Ehrenurkunde für Literatur von der irakischen Gesellschaft für Kulturförderung, dem Adelbert-von Chamiso-Föderpreis, dem Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil und dem Nelly-Sachs-Preis ausgezeichnet. Außerdem bekam er das Alfred-Döblin-Stipendium, das Arbeitsstipendium der Autorenförderung des Deutschen Literaturfonds und das Arbeitsstipendium in der Villa Aurora. Heute lebt der Autor in Berlin.

Neue Bücher

Palast der Miserablen

 (13)
Neu erschienen am 17.02.2020 als Hardcover bei Hanser, Carl.

Palast der Miserablen

Erscheint am 28.02.2020 als Hörbuch bei Hörbuch Hamburg.

Alle Bücher von Abbas Khider

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Cover des Buches Ohrfeige (ISBN:9783442714902)

Ohrfeige

 (82)
Erschienen am 14.08.2017
Cover des Buches Die Orangen des Präsidenten (ISBN:9783442744619)

Die Orangen des Präsidenten

 (32)
Erschienen am 11.02.2013
Cover des Buches Brief in die Auberginenrepublik (ISBN:9783894017705)

Brief in die Auberginenrepublik

 (24)
Erschienen am 27.02.2013
Cover des Buches Der falsche Inder (ISBN:9783442744602)

Der falsche Inder

 (17)
Erschienen am 08.07.2013
Cover des Buches Palast der Miserablen (ISBN:9783446265653)

Palast der Miserablen

 (13)
Erschienen am 17.02.2020
Cover des Buches Deutsch für alle (ISBN:9783446261709)

Deutsch für alle

 (7)
Erschienen am 18.02.2019
Cover des Buches Deutsch für alle (ISBN:9783442719617)

Deutsch für alle

 (0)
Erscheint am 10.08.2020
Cover des Buches Ohrfeige (ISBN:9783957130426)

Ohrfeige

 (5)
Erschienen am 26.02.2016

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Neue Rezensionen zu Abbas Khider

Neu

Rezension zu "Palast der Miserablen" von Abbas Khider

Hart und poetisch zugleich
Henrike_Hivor 2 Tagen

Puh, schwere Kost.

Abbas Khider schreibt mit voller Wucht und ohne Schnörkel in 2 Zeitebenen über den jungen Iraker Shams, der die ganze Brutalität des Regimes erlebt, der seine Freiheit als Vergessener im Foltergefängnis verliert, nie aber seinen Willen zu überleben. Immer, wenn man als Leser glaubt, es würde aufwärts gehen, z.B. eben beim "Palast der Miserablen" mit weiteren Literaturfreunden, gibt es zeitnah einen Rüchschritt, so wie einen Schlag in die Magengrube, der zu der atmosphärischen Schwere des Buches führt.

Die Zeitebene in den Slums wird eigentlich ganz positiv erzählt, etwas kindlich naiv, geprägt von der Liebe zur Familie und zu Büchern, aber eben auch mit der Angst im Kopf, von der Geheimpolizei abgeholt zu werden.
Die 2. Zeitachse im Gefängnis ist total bedrückend, mit kurzen, harten Abschnitten, sehr beklemmend geschrieben ... ob Shams Zeit abläuft?

Ein sehr trauriger Roman, der mich emotional getroffen hat. Wenn man sich die Parallelen zum realen Leben des Autors vor Augen führt (inkl. eigener Haft) ist davon auszugehen, dass dieses Buch auch eine Art literarischer Reflektion eigener Erlebnisse mit der Diktatur sein könnte.

Schonungslos, traurig, poetisch - mich hat das Buch sehr berührt, und gleichzeitig bin ich unendlich dankbar dafür, nie persönlich Krieg und/oder Diktatur erleben zu müssen.

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Rezension zu "Palast der Miserablen" von Abbas Khider

Bleibt anständig und sanftmütig und lest mehr Bücher
Beustvor 3 Tagen

In Abbas Khiders Büchern gibt es zwei unverwechselbare Besonderheiten: Das ist zum einen die Innensicht in einen Menschen, der Diktatur, Haft und Folter erlebt und überlebt hat. Und das ist zum anderen eine ganz besonderes Deutsch, das in seiner ungekünstelten Direktheit, dem schnörkellos Einfachen die orientalische Lust am Erzählen locker rüberbringt.

„Der Palast der Miserablen“ erzählt das Leben von Shams und seiner Schwester Qamer in einem Familienroman. Die Handlung begleitet die Familie aus der südirakischen Provinz in das elende Blechviertel Bagdads und Shams Weg vom Jungen zum Mann. Gegliedert sind die Kapitel durch den Blick in die Zelle, in der Shams sitzt und zurückblickt.

Überzeugend ist die Erzählperspektive „von unten“ und „von innen“. Die Auswirkungen der großen Politik, der Diktatur, der Irak-Kriege und des Embargos werden wirksam in Shams‘ Familie: Fernab des Geschehens und ohne es begreifen zu können leidet die Familie unter den Militärdiensten der Männer, den Verstümmelungen und Soldatentode. Raketen schlagen in dem Dorf ein, in dem Shams zur Welt kam, aber dass es gegen Kuweit geht und welchen Verlauf der Krieg nimmt, das ist so fern wie die Märchengeschichten des Großvaters, die aber mehr orientalische Weisheit und Wahrheit enthalten als die engherzigen, rationalen Haltungen der Entscheidungsträger im Dorf. Der Umzug in den Bagdader Slum, ins Blechviertel zeigt die liebevollen Bemühungen der Familie um Normalität, um ein trautes Heim. Diese Bemühungen werden durch gestaltlose Gefahren und gefährliche Gestalten bedroht: durch Armut und  Krankheit sowie durch Banditen und den Geheimdienst.

Was wissen wir über die Irakkriege und wie bewerten wir es? Dass Saddam Hussein ein Diktator war, sein Regime korrupt und seine Söhne keine Menschenfreunde, ist bekannt. Aber haben wir beim Eingreifend der Amerikaner im ersten Golfkrieg an die Auswirkung des Bombardements auf die Familien im Südirak nachgedacht? Haben wir das 13-jährige Embargo gegen den Irak nicht eigentlich gut gefunden, weil es den Aggressor kleinhielt? Dass zwischen 1991 und 1996 hunderttausende Kinder im Irak verhungerten und sich die Lage erst durch das „Öl-gegen-Lebensmittel-Programm“ etwas verbesserte, ist heute kaum allgemeiner Wissensstand, auch wenn man es problemlos googeln kann. In Khiders Roman wird der abstrakte Hinweis auf die „notleidende Zivilbevölkerung“ beklemmend lebendig und erhalten Gesichter: die von Hussein und Zahrra, Qamer und Shams.

Der Text enthält sich Vorwürfen, bleibt gelassen und konzentriert sich auf ein anders Ziel: Shams innerer Weg und beschrittener äußerer Pfad heraus aus dem Elend - nicht dem materiellen, wohlgemerkt, sondern dem seelischen und dem intellektuellen. Literatur und lesen öffnen Shams - und seinem Autor - die Pforten in das irdische Paradies und ermöglichen ihm, sich befruchten zu lassen, auszutauschen und auszudrücken. Die Bagdader Kapitel sind eine Liebeserklärung an das Lesen und kontrastierenden seine wohltuende Wirkung mit dem erstarkenden Druck von Armut und staatlicher Repression. „Wir lachten wesentlich mehr als früher, vermutlich, weil wir sonst die ganze Zeit geweint hätten.“ (S. 252).

Khiders einfacher Tonfall verrät noch immer die angenommene Sprache. Seine Muttersprache ist Arabisch, seine Literatursprache ist Deutsch. In einem Interview äußerte er einmal, dass vom Schrecken auf Arabisch zu erzählen, für ihn zu schwer wäre. Auf Deutsch aber sei ihm die Möglichkeit gegeben. Das tut der Wahrheit seiner Geschichte keinen Abbruch, auch nicht der Glaubwürdigkeit seiner Dialoge oder dem Humor der vielen Einfälle. Im Gegenteil.

Das Erzählte zeichnet sich durch eine teilnehmende Beobachtung aus, in der eine Sanftheit und Menschlichkeit mitschwingt, die einer charakterlichen Grundhaltung des Autors entspringen dürfte. Die Lehre aus dem Erlebten lautet wie der Grundsatz für den Historiker: Erzählt „ohne Zorn und Eifer“. Bleibt anständig und sanftmütig und lest mehr Bücher.

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M

Rezension zu "Palast der Miserablen" von Abbas Khider

Tiefgründig!
Manu57vor 3 Tagen

          Ich war total gespannt auf dieses Buch, denn ich kannte den Schriftsteller bisher nur vom hörensagen.

Ich habe mich seit einiger Zeit intensiver mit der Problematik von Flüchtlingen beschäftigt, auch aus dem Irak und finde, das  Abbas Khider die Lebensumstände im Irak sehr gut beschreibt, denn so oder ähnlich habe ich es auch von Irak Flüchtlingen selbst erzählt bekommen.

Es wird von Sams Hussein und seiner Familie erzählt, die aus dem Süden Iraks nach Bagdad ziehen, in der Hoffnung auf ein besseres Leben.

Doch ihre Träume erfüllen sich nicht und sie müssen ein Leben in Armut, auf einer Müllhalde, bestreiten.

Der Überlebenskampf dieser Familie wird eindrucksvoll geschildert, aber auch, wie Sams das Abitur macht und wie er um ein gutes Leben kämpft.

Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der sich fragt, warum Flüchtlinge diese Strapazen, ja sogar oft unter Lebensgefahr, auf sich nehmen, um ein besseres Leben zu haben.



        

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Gespräche aus der Community

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LovelyBooks lädt auch im Jahr 2020 zu spannenden Challenges ein.

Und auf euch warten tolle Gewinne.
Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist natürlich 2020 wieder dabei!

Liest du gerne Bücher mit Niveau?
Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.


15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2020 bis 31.12.2020 lesen.

Es gelten nur Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.
Auch Neuauflagen – 2020 erschienen - von Klassikern.

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Nimmst du die Herausforderung an?

Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2020 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.

Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.

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Letzter Beitrag von  miro76vor 9 Stunden

Ich freue mich schon drauf. Ich darf es in der Runde lesen.

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Abbas Khider wurde am 03. März 1973 in Bagdad geboren.

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