Abbas Khider Ohrfeige

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Inhaltsangabe zu „Ohrfeige“ von Abbas Khider

Ein Flüchtling betritt die Ausländerbehörde, um ein letztes Mal seine Sachbearbeiterin aufzusuchen. Karim Mensy ist wütend und hat nur einen Wunsch: dass ihm endlich jemand zuhört. Vor drei Jahren ist der Iraker aus dem Transporter eines Schleppers gesprungen und wähnte sich in Frankreich – er war aber in der bayrischen Provinz. Drei bizarre Jahre, in denen Karim sich eine neue Lebensgeschichte erfinden muss, durch Formulare, Gelegenheitsjobs und Asylunterkünfte kämpft, auf fragwürdige Freunde einlässt und auf abenteuerliche Liebschaften. Doch mit der Ablehnung seines Asylantrages steht Karim wieder vor dem Nichts. Abbas Khider stellt unser Selbstverständnis einer offenen Gesellschaft in Frage - stimmgewaltig, tieftraurig und voller Witz.

Stimmgewaltiges Buch über ein brandaktuelles Thema. Leseempfehlung!

— isipisi
isipisi

Zermürbender Alltag Geflüchteter in Deutschland zwischen den Mühlen der Behörden & Zukunftsungewissheit. Ernst & glz. humorvoll erzählt.

— November
November

Eine interessante Fluchtgeschichte. Leider viel zu konstruiert.

— Julino
Julino

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  • Buchraettins SuB-Aufbau mit Niveau - Leserunde zu "Gehen, ging, gegangen" von Jenny Erpenbeck

    Gehen, ging, gegangen
    aba

    aba

    Und es geht weiter mit Buchraettins Leserunden im Rahmen ihres "SuB-Aufbaus mit Niveau".

    Leider schon wieder ganz schön verspätet lesen wir im Juni "Gehen, ging, gegangen" von Jenny Erpenbeck.

    Jede/r, die/der mitmachen möchte, ist herzlich willkommen!

    Ich wünsche uns viel Spaß!

    • 124
  • Drei Jahre Deutschland als Flüchtling

    Ohrfeige
    jeanne1302

    jeanne1302

    07. May 2017 um 20:58

    Noch vor den Anschlägen auf das World Trade Center flieht Karim aus dem Irak, eigentlich nur um sich vor dem Militärdienst zu drücken, bei dem seine Frauenbrüste aufgefallen wären. Lieber würde er zu seinem Onkel nach Frankreich, um sich dort einer Operation zu unterziehen und zu studieren. Leider kann man nicht einfach so mal nach Frankreich, also begibt er sich mittels eines Schleppers auf die Flucht und bleibt in Niederbayern hängen, wo er dann Asyl beantragen muss, weil die Gesetze es so wollen. Etwa drei Jahre wird er durch die Mühlen der deutschen Bürokratie geschleudert, bevor er beschließt, in Finnland sein Glück weiter zu versuchen. Zwischen den Eindrücken, die man über Polizei, Ausländerbehörde, Asylantenheim und Caritas bekommt, erhält man zusätzliche Einblicke in die Welt der Flüchtlinge und in politische Situationen und was einem von diesen ziemlich bitteren Eindrücken bleibt, ist ein schaler Nachgeschmack.  Der Alltag eines Flüchtlings wird beschrieben und das ist nicht immer ein schöner. Viel zu oft stoßen die Menschen an ihre Grenzen und aus dem erhofften Glück in einer neuen Heimat und einem ruhigen Leben mit einer Wohnung, einem Studium oder einer geregelten Arbeit, dem Paradies „Deutschland“ oder „Europa“, wird schnell klar, dass man eigentlich vom Regen in die Traufe gekommen ist, nur ohne Bomben und Krieg. Das ungeregelte, stets in der Schwebe liegende Leben, von Behörden und Gesetzen, denen man ausgeliefert ist, treiben manche in die Kriminalität, in die Drogensucht oder in seelischen Ruin.  Ein Leben in Freiheit sieht anders aus - sowohl im Irak als auch in Deutschland. Hat man sein Leben eigentlich selbst in der Hand, wenn man nur von einem zum anderen herum gekickt wird und von grünen Briefen und willkürlichen Entscheidungen aufgrund politischer Veränderungen abhängig ist? Trotz der bedrückenden Beschreibungen liest sich dieses Buch super gut und kommt nicht ohne Humor aus. Ich bin nach dem Lesen doch einwenig niedergeschlagen und muss dies erst einmal verdauen. Wer sich für das Leben von Flüchtlingen interessiert, bekommt hier auf jeden Fall einen sehr guten Eindruck, zumal der Autor selbst Flüchtling war - auch wenn dieses Buch keine Biografie ist - denke ich, dass einiges vom Inhalt doch aus eigenen Erfahrungen besteht.  Es lohnt sich auf jeden Fall zu lesen! 

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  • Nicht wirklich ein Roman

    Ohrfeige
    Leseloewe12

    Leseloewe12

    14. March 2017 um 17:06

    In diesem Buch erzählt Karim Mensy seine Lebensgeschichte. Er wächst im Irak auf, flüchtet nach Deutschland und verbringt hier einige Jahre in denen er auf die Anerkennung seines Asylantrags wartet. Der Asylantrag wird abgelehnt und der Erzähler will in Finnland sein Glück versuchen. Wichtig: die Geschichte spielt vor der großen Flüchtlingswelle vor 2 Jahren. Für mich kein Roman, eher eine Dokumentation eines Asylverfahrens. Leider sind die Gründe für die Flucht zu dünn und konstruiert. Die Brustgeschichte und Vergewaltigung / Mord an der Jugendfreundin ist wie ein Fremdkörper in den Rest der Geschichte hineingepflanzt. Auch: jetzt bastle ich mir mal eine glaubwürdige Story für mein Asyl hat bei mir eher Unverständnis als Mitgefühl ausgelöst.Da das Ende schon am Anfang beschrieben wird, fehlt mir die Spannung, sonst hätte man doch noch hoffen können dass er es Asyl zu bekommen.

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2016: Die Challenge mit Niveau

    aba

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2016 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2016 bis 31.12.2016 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2016 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.Nimmst du die Herausforderung an?Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2016 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.Ich freue mich auf viele Anmeldungen!Teilnehmer:19angelika63AgnesMAmayaRoseanushkaArizonaaspecialkateban-aislingeachBarbara62BlaetterwindblauerklausbonniereadsbooksBookfantasyXYbookgirlBuchgespenstBuchinaBuchraettinCara_EleaCaroasCorsicanacrimarestricyranaczytelniczka73Deengladia78DieBertadigraEeyoreleerinrosewellFarbwirbel FederfeeFornikaFrauGonzoFrauJottfreiegedankenfrlfrohsinngefluegeltermondGela_HKGetReadyGinevraGirl56GruenenteGwendolinahannelore259hannipalanniHeldentenorIgelaInsider2199JoBerlinK2kkatrin297krimielselenikslesebiene27LesefantasieleselealesenbirgitleseratteneuLibriHollylisibooksLiteraturmaria1Marika_RomaniaMaritzelmarpijeMartina28MauelaMercadoMiamoumiss_mesmerizednaddoochNadja_KloosnaninkaNepomurksNightflowerNilNisnispardenPetrisPocciPrinzessinAuroraschokoloko29serendipity3012SikalsofiesolveigsommerleseStefanieFreigerichtsternchennagelSumsi1990suppenfeesursulapitschiTanyBeeTintenfantasieTochterAliceumbrellavielleser18wandabluewiloberwortjongleurzeki35

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    • 2951
  • Rezension zu "Ohrfeige"

    Ohrfeige
    lisibooks

    lisibooks

    13. December 2016 um 16:06

    Bei diesem Cover muss man einfach genauer hinsehen. DIe knallige Farbe, der Handumriss und natürlich der plakative Titel haben mich zum Lesen bewogen.Erzähler des Romans ist Karim, der als Flüchtling nach Ddeutschland kam. Das Thema ist noch immer brandaktuell und im Roman mal aus Sicht eines Flüchtlings das ganze verrückte System, den Lebensalltag und die Deutschen vor Augen geführt zu bekommen, ist interessant. Der Autor bringt viel WItz und Satire in Karims Situation und stattet ihn mit einem körperlichen Defizit aus, das seine Lage teils noch komischer macht.Leider ist die Sprache des Romans allemal auf Schulniveau. Ich habe noch kein anderes Buch des Autors gelesen, und werde es hiernach wohl auch nicht. Des Weiteren ist man in Zeiten von Facebook und Co. mittlerweile gesättigt von kleinen Geschichten, die die Lebenswelt von Flüchtlingen verdeutlichen sollen. Dieser Roman mutet ingsgesamt nicht als wirklich mehr als eine solche Geschichte an.Das Ende bringt nochmal eine Überraschung, die für mich ein typisches "Ich beende eine Deutschklausur, weil die Zeit vorbei ist" Gefühl hervorgerufen hat.Alles in allem ist Karims Geschichte amüsant, schnell zu lesen, aber nicht mehr als Mittelmaß.

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  • Gibt denen eine Stimme , die von der Gesellschaft überhört werden

    Ohrfeige
    Das_Leseleben

    Das_Leseleben

    06. October 2016 um 16:43

    Karim betritt die Ausländerbehörde in Bayern um seiner Sachbearbeiterin eine Ohrfeige zu geben, sie zu fesseln und ihr seine wahre Geschichte zu erzählen… Meine Meinung: Die Sprache von Abbas Khider ist direkt, sachlich und sarkastisch, trotzdem hat sie mich mitten ins Mark getroffen. Mit seinem Protagonisten Karim hat der Autor eine Figur geschaffen,die dem Leser das Seelenleben eines Geflüchteten näher bringt ohne dabei etwas zu beschönigen. Der Leser begleitet Karim, wenn auch nicht immer ganz chronologisch, durch den den deutschen Alltag eines Geflüchteten, der lernen muss sich mit Kniffen und Tricks im Behördendschungel zu recht zu finden. In kurzen Schlaglichtern erfahren wir auch wie Karim´s Leben vor der Flucht ausgesehen hat, was ihn zur Flucht aus dem Irak bewegt hat und wie er sich sein neues Leben erträumt hatte. Ein Buch das trotz seiner immer wieder aktuellen Thematik nichts an Humor und Staunen, aber auch dem wohl bekannten deutschem Behörden Starsinn einbüßt ohne dabei an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Was Abbas Khider wohl dadurch schafft in dem er seine eigenen Erfahrungen als politischer Flüchtling zu Grunde legt. Trotzdem ist der Roman nicht biografisch, vielmehr gibt er denen eine Stimme die in unserer Gesellschaft gerne überhört werden. Wär jetzt denkt das Ohrfeige, wieder ein ‚Gut-Menschen-Buch‘ ist, der irrt gewaltig. Die sogenannte ‚Vorurteile‘ kommen hier auch zu Wort, aber sie werden nicht ausgenutzt, sondern viel mehr wird erklärt wird, warum es dazu kommt. Aus diesem Grund gibt es auch nicht wirklich eine Verallgemeinerung, sondern alle Figuren bleiben Individuen. ‚Ohrfeige‘ ist ein Roman, welchen ich vor allem Skeptikern und Deutschlandfanatikern zum Lesen geben möchte. Der Roman der es definitiv wert ist gelesen zu werden. (Original: http://das-leseleben.webnode.com/news/zwei-bucher-ein-them/ )

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  • Auf der Flucht!

    Ohrfeige
    Petris

    Petris

    13. August 2016 um 09:45

    Man beginnt zu lesen und ist sofort gefesselt von der Erzählstimme dieses jungen, verzweifelten Mannes, der dennoch noch nicht ganz aufgegeben hat! Sensibilisiert durch die Flüchtlingskrise des vergangenen Jahres denkt man sofort an die Bilder von 2015. Doch schon bald wird klar! Hier handelt es sich um die Zeit rund um Saddam Husseins Fall vor mehr als zehn Jahren.Karim Mensy will eigentlich nur eins, dass ihm endlich jemand zuhört, seine Geschichte anhört. Dazu greift er zu drastischen Mitteln, fesselt und knebelt seine Sachbearbeiterin, um ihr alles zu erzählen.Es ist eine traurige Geschichte, auch wenn sie nichtmal außergewöhnlich ist, keine Verfolgung ist Hintergrund der Flucht, sondern ein „Luxusproblem“, der Wunsch nach einer Schönheits-OP und die Angst vor Diskriminierung im eigenen Land. Allerdings ist es ein Makel, der für Männer wirklich belastend ist! Karim sind in der Pubertät Brüste gewachsen. Ist das Grund genug, um zu fliehen? Hören Sie Karim zu und lassen Sie ihn erzählen. Er bemüht sich, versucht ehrlich zu bleiben, ist fleißig und tut alles, was er kann, um Arbeit zu bekommen, Deutsch zu lernen, studieren zu können,… Aber Bürokratie und Gesetze werfen ihm einen Prügel nach dem anderen vor die Füße. Am Ende verliert er, weil der Irak ja nun befriedet ist, auch noch seinen Asylstatus. Wieder muss er sich in die Hände eines Schleppers begeben. Sein Ziel ist Finnland.„Statt in der Universität war ich im Obdachlosenheim, in der Goethemoschee und im Enlil. Statt mit Studenten und Professoren gab ich mich mit Kriminellen, Fanatikern und Strichern ab. Und jetzt? Ich stehe wieder ganz am Anfang.“ S. 218Eine eindrückliche Geschichte über den harten Alltag der Geflüchteten, der viele zu Kriminellen werden lässt, zu Fanatikern und Menschen auch völlig zerstört. Karim hat noch Kampfgeist und Hoffnung, aber wie lange werden diese noch reichen,…Wunderbar geschrieben, eindrücklich erzählt. Die titelgebende Ohrfeige bildet den Rahmen! Mir hat’s großartig gefallen!

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    • 3
  • Flucht, Ungewissheit, Warten und nichts erreicht?

    Ohrfeige
    Ancareen

    Ancareen

    07. August 2016 um 20:11

    Karim braucht wieder einen Schlepper wie schon vor 3 Jahren. Diesmal will er aus Deutschland nach Finnland gebracht werden. Seine Flucht aus dem Irak dauerte 5 Wochen und sollte ihn eigentlich nach Paris zu Onkel Murat führen. Doch die Schlepper setzten ihn im Winter in Dachau aus. Und nun? Er wird von der Polizei aufgegriffen, inhaftiert, registriert, verliert seine 500 Dollar Startkapital und seine Zigaretten. Dann gelangt er nach Bayreuth in ein Asylantenheim, um dort auf die Entscheidung zu warten, die sein Leben 2001 endlich beginnen lassen kann. Doch zuvor braucht er noch eine Geschichte, denn den wahren Grund für seine Flucht, gibt er nur Ärzten und der Krankenkasse preis. Er träumt von einer Operation, einem Studium, einer Ehefrau und einer guten Arbeit. Doch alles kommt anders. Zunächst geht die Reiseweiter in eine kleine Asylbewerber - WG in der Kleinstadt Niederhofen an der Donau. Dann erhält er eine zweijährige Aufenthaltserlaubnis, aber keinen Deutschkurs. Chancenlos landet er im Obdachlosenheim und der 11. September 2001 hat tiefgreifende Auswirkungen auf sein Leben. Nur die Arbeit in einer Zeitarbeitsfirma hält ihn über Wasser. Der Irakkrieg ist zu Ende und die Aufenthaltserlaubnis wird widerrufen. Was bleibt: Unterrauchen in die Illegalität und Flucht. Dynamisch und ohne Umschweife erzählt Karim von seinem Leben und dem anderer junger Männer. Das Warten auf die grünen Briefe mit der Entscheidung der Behörde, die Streitereien, die aus Langeweile und Frust Alltag sind. Deutsch zu lernen ist aussichtslos. Dafür geht man am besten für ein paar Wochen in den Knast. Da sind Einheimische, von denen man lernen kann. Einige der Bewohner der WG stehlen, dealen mit Drogen, andere lassen sich auf Sexdienste ein, um zu etwas Geld zu kommen. „Statt mit Studenten und Professoren gab ich mich mit Kriminellen, Fanatikern und Strichern ab.“ Die „Integrationsjobs“ der Behörden, meist Gartenarbeit oder Gebäudereinigung, bringen 1 Mark die Stunde und es dürfen nicht mehr als 80 Stunden pro Woche sein. Den Deutschkurs gibt es erst, wenn man ein Jahr in Deutschland gearbeitet hat. Auch so kann Leben in Deutschland sein. „Wir standen mittendrin und doch waren wir meilenweit von allem entfernt. Die Einheimischen gingen shoppen, wir wärmten uns an ihren Leben.“ Heimatlos, isoliert, aber immer voller Hoffnung, dass alles gut wird und sich ein Platz zum Leben findet, anders lässt sich das kaum ertragen. Karim erzählt seine Geschichte Frau Schulz, einer von ihm an ihren Schreibtischstuhl gefesselten und geknebelten Beamtin in der Ausländerbehörde Niederhofen. Aber das traut man dem sympathischen jungen Mann eigentlich gar nicht zu. Humorvoll, entwickelt die Geschichte ihren eigenen Sog, ohne Happy End, mit spürbarer Resignation.

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  • Wahnsinn - ein toller Roman - absolut lesenswert

    Ohrfeige
    Nil

    Nil

    11. July 2016 um 13:49

    Was passiert mit einem Menschen, der aus seiner Heimat flieht, weil das Leben dort nicht mehr lebenswert ist oder er/sie verfolgt wird? Was geht in dieser Person vor und wie findet sie sich im neunen Land zurecht? Wie wird so ein Mensch in der Fremde aufgenommen? Wie offen ist die Gesellschaft ihn/sie aufzunehmen? All diese Fragen sind momentan aktueller denn je und beschäftigen viele von uns. Kaum jemand, der nicht auf irgendeine Art und Weise mit dem Flüchtlingsthema in Berührung kommt. Sei es direkt oder indirekt. Dieser Roman mit dem provokanten Titel „Ohrfeige" von Abbas Khider gibt Außenstehenden die Chance solch einen Flüchtenden teilweise zu begleiten mit all den Anstrengungen und Absurditäten des deutschen bürokratischen Alltags. Er selbst, Abbas Khider, hat die dramatische Erfahrung der Flucht und der Staatenlosigkeit am eigenen Leib erlebt und ist nach vielen Jahren in Deutschland sesshaft geworden, studierte und ist nun Schriftsteller. Er weiß also sehr gut wovon der schreibt. Und er schreibt wohlbemerkt auf Deutsch! Und das in einer fulminanten tollen Prosa, wahnsinn! Ich habe das Buch förmlich inhaliert. Abbas Khider schreibt provokant, mitreißend und gut. Er gehört für mich definitiv zu den Entdeckungen des Jahres 2016! Fazit: Wer die Augen nicht vor dem verschließt was in der Welt passiert und sich für seine Mitmenschen und noch dazu guter Literatur interessiert, sollte diesen Roman lesen! Es lohnt!!!

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    • 2
  • Zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit - Die Situation junger Asylsuchender in Deutschland

    Ohrfeige
    tausend_leben

    tausend_leben

    10. July 2016 um 20:05

    "Stumm und starr vor Angst hockt sie in ihrem Drehstuhl, als hätte die Ohrfeige sie betäubt. {...} Was bedeutet es für mich, wenn ich weder in der Heimat noch in der Fremde leben darf? Frau Schulz?"Karim kommt aus dem Irak - und er ist stinksauer. Er hat seiner Sachbearbeiterin Frau Schulz in der Ausländerbehörde etwas mitzuteilen. Doch wie so oft will sie ihm nicht richtig zuhören. Um sich Gehör zu verschaffen, verpasst Karim Frau Schulz eine Ohrfeige, fesselt sie an ihren Stuhl - und erzählt ihr seine Geschichte...In "Ohrfeige" setzt sich Autor Abbas Khider mit der Situation junger Asylbewerber in Deutschland am Anfang des neuen Jahrtausends auseinander. Als der junge Iraker diesen Roman vor vier Jahren begonnen hat, konnte er noch nicht ahnen, welche Brisanz er bei seiner Veröffentlichung haben wird. Wie ergeht es jungen Asylsuchenden, wenn sie in ihrer neuen "Heimat" ankommen? Wie fühlen sie sich? Mit welchen Hürden haben sie zu kämpfen? Was erleben sie in den Mühlen deutscher Behörden? Und welche Zukunftsaussichten haben sie?Aus der Sicht des jungen Irakers Karim erleben die Leser verschiedene Stufen des Asylverfahrens und die Odysee, die Flüchtlinge erleben bis sie hier eine dauerhafte Heimat finden - oder eben auch nicht. Während seiner verschiedenen Stationen in Bayern kreuzen zahlreiche Flüchtlinge Karims Weg - jeder mit seiner eigenen Geschichte. Mehr oder weniger gemeinsam versuchen sie Erlebtes hinter sich zu lassen, sich auf ihr neues Leben in diesem fremden Land einzulassen - und den Alltag und die Hürden der Bürokratie zu meistern. Aber das ist leichter gesagt als getan - wenn einen die deutsche Bürokratie zum Nichtstun verdammt. Kein Sprachkurs, keine Arbeit, keine Wohnung."Im Exil entstehen so viele seltsame Probleme und Rätsel, auf die man als normaler Mensch nie kommen würde. Schwierigkeiten aller Art brechen so plötzlich und unerwartet wie Naturkatastrophen über einen herein. Wir sind komplett ausgeliefert. Um zu überleben und nicht vollständig wahnsinnig zu werden, brauchen wir die Vermittler, die Mafiosi, die Geldgeilen, die Schmuggler, die bestechlichen Polizisten und Beamten, wir benötigen all die Blutegel, die von unserer Situation profitieren wollen."Die Leser tauchen ein in eine beeindruckende Geschichte aus Hoffnung, Verzweiflung, Ausgrenzung, Bürokratie und endlosem Warten und Bangen. Dennoch verliert Karim nicht seinen Humor - und das wirre soziale Gefüge und die vielen, zum Teil skurrilen, Charaktere im Asylbewerberheim lassen einen auch immer wieder schmunzeln. Man fragt sich unweigerlich, wie viel von dem Roman der Autor wirklich erlebt haben könnte. Allerdings fragt man sich ebenfalls unweigerlich, ob Khider tatsächlich das deutsche System so erlebt hat wie im Buch beschrieben. Mir erscheinen Khiders Beschreibungen Deutschlands oft so stereotypisch. Polizisten sind grausam, rassistisch und voreingenommen und Beamten sind bürokratisch, gefühl- und anteilnahmslos. Es ist wohl leider nicht ganz unwahrscheinlich. Ich hoffe aber sehr, dass Abbas Khider hier absichtlich eine sehr überzogene Darstellung gewählt hat."Den irakischen Behördenapparat habe ich beizeiten hassen gelernt, weil er so chaotisch und bürokratisch ist wie eine göttliche Strafe, die keine Gnade kennt. Nun aber gab mir die stumpfsinnige entseelte deutsche Verwaltung wirklich den Rest. Ich war schon nach wenigen Minuten des Nachdenkens erschöpft von all den Stolpersteinen, die ich umgehen musste, und versuchte an einer Lebensgeschichte zu basteln, die das Gesetz anerkennen würde."Der Schreibstil des Autors hat mir sehr gefallen - flüssig, knapp, kurzweilig und leicht satirisch. Der Autor verwendet für seine Geschichte überwiegend einfache Worte, aber sie ist komplexer als sie beim ersten Durchlesen erscheint. Sie erzählt vom Leben und von den Träumen junger Männer, die in der Fremde zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit schwanken, zwischen Humor und Aggression, zwischen Rückhalt und Verzweiflung. Bewusst lässt der Khider die Deutschen nicht zu Wort kommen in seinem Roman. Er soll die Augen öffnen für die Sicht der Asylsuchenden - und das gelingt ihm ganz hervorragend. Die ewig gleichen Gesichter im Asylantenheim, der Wunsch nach Kontakt zu Einheimischen, die verzweifelte Suche nach Abwechslung, die Sprachprobleme, die fehlende Zukunftsperspektive."Andere, normale Bürger waren wie Fabelwesen aus einem fernen Märchenland für uns, die wir bei unseren Streifzügen durch die Stadt beobachten konnten oder durch den Zaun hindurch sahen, der das Asylantenheim umgab. Hellhäutige Menschen aller Art, vermummt in dicke, warme und schöne Kleidung, die sehr gepflegt aussahen. Saubere Kinder, hübsche Mütter, stolze Väter."Ganz bewusst spielt Abbas Khider auch mit den Asylgründen. Denn Karim ist gar kein politisch Verfolgter. Er ist aus ganz anderen Gründen aus seinem Land geflüchtet. Doch mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Die Geschichte findet ihren Ausklang in den Zeiten nach dem 11. September 2001."Nach diesem verdammten Tag wurde der wichtigste Ausdruck für uns Araber in Deutschland: verdächtig. Ich hätte niemals gedacht, dass Terroristen, die sich in den Bergen des Hindukusch in Afghanistan versteckt hielten, mit ihren Anschlägen in den USA mein Leben im bayrischen Niederhofen komplett auf den Kopf stellen könnten. Aber auch das ist wohl Globalisierung."Schade, ich wäre sehr gerne zur Autorenlesung gegangen, als der Autor im Literaturhaus in Köln war - und hätte Abbas Khider einige Fragen zu seinem Werk gestellt. Leider konnte ich an dem Tag nicht. Dafür habe ich aber einen Artikel im Feuilleton der FAZ gelesen, in dem Julia Encke ein interessantes Interview mit dem Autor geführt hat - über das Buch, Khiders eigene Erlebnisse und wie er zum Thema Flüchtlingsproblematik steht.Ich kann den Roman empfehlen und finde ihn sehr lesenswert."Wir sind alle wie die geschmacklosen und billigen Produkte aus dem Ausland, die man bei Aldi und Lidl finden kann. Wir werden mit dem Lastwagen hierhergeschleppt wie Bananen oder Rinder, werden aufgestellt, sortiert, aufgeteilt und billig verkauft. Was übrig bleibt, kommt in den Müll."Über den AutorAbbas Khider wurde 1973 in Bagdad geboren und mit 19 Jahren wegen seiner politischen Einstellung verhaftet. Nach seiner Entlassung floh er 1996 aus seinem Heimatland und hielt sich als illegaler Flüchtling in verschiedenen Ländern auf, bevor er 2000 seine Heimat in Deutschland fand. Hier studierte er Literatur und Philosophie. "Ohrfeige" ist bereits der vierte Roman des jungen Irakers. 2008 erschien sein Debütroman "Der falsche Inder". Seine Romane verfasst der Autor nicht in seiner Muttersprache, sondern in Deutsch. Er wurde bereits mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet, zuletzt mit dem Nelly-Sachs-Preis und dem Hilde-Domen-Preis. Abbas Khider lebt und arbeitet in Berlin.

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  • leider ohne Biss

    Ohrfeige
    VeraPestel

    VeraPestel

    29. May 2016 um 15:33

    Er hat diese Frau Schulz geohrfeigt und an ihren Stuhl gefesselt mit Klebeband. Sie soll endlich einmal zuhören und die wahre Geschichte von Karim Mensey hören, der aus dem Irak flüchtete mithilfe von Schleppern, nach Paris zu seinem Onkel wollte und in Dachau aus einem Lieferwagen geworfen wurde. Auf diese Art und Weise hören auch wir ihm zu. Dass seine Sachbearbeiterin bei der Ausländerbehörde, die Frau Schulz, kein Wort Arabisch versteht, interessiert ihn nicht. Zu lange hat er die Bürokratie in Deutschland ertragen, war nur eine Nummer, musste warten, durfte erst nach einem Jahr Arbeit einen Sprachkurs belegen, lernte einen Lebenslauf auswendig, um als Flüchtling anerkannt zu werden und schämte sich wegen des eigentlichen Grunds, nämlich Brüste. Irgendwann wuchsen ihm Brüste. Er hoffte, in Deutschland schnell Arbeit zu finden und Geld für eine Operation sparen zu können. Dann kam der 11. September und alles änderte sich. Aufgrund der Flüchtlingsthematik habe ich zu diesem Buch gegriffen. Ich hatte viele Fragen. Kenne die schrecklichen Bilder aus den Medien. Doch diese Flüchtlingsgeschichte ist schon älter. Sie beginnt im Jahre 2000. Die Heime waren noch nicht derart überfüllt und über Quoten wurde noch nicht gesprochen. Mit der heutigen Situation kann ich den Roman also nicht vergleichen. Recht spannungslos plätschert die Erzählung dahin. Mir fehlt die Tiefe. So ein Schicksal ist doch schrecklich! Fern des Heimatlandes, abgestellt in einem Heim mit anderen, die geflohen sind, einer ewigen Warterei auf Anerkennung ausgesetzt, was macht man da? Karim kifft. Der Text wird von kursivierten Passagen unterbrochen, die sich als das reale Geschehen entpuppen. Der Rest ist Fantasie. Eine Abrechnung und Rache. Was mache ich nun mit dem Roman? Was ich gesucht habe, erfinde ich dazu oder baue die Ansätze aus. Das Heimweh, zerschlagene Hoffnungen auf ein besseres Leben kommen nur in Ansätzen, ich baue mir die Zimmer und Häuser selbst, in denen Karim lebt, stelle mir vor, wie er in der bayerischen Provinz angestarrt wird. Seine Reaktion auf die Anschläge in Amerika kommt langsam. So warte ich auf den Ausbruch des Autors, auf Emotionalität, doch es kommt nichts. Schade. Das Thema trägt viel, all die Facetten und Nuancen lässt er aus. Autobiografisch sei der Roman nicht, erklärt Khider in einem Interview. Er lässt seine Erfahrungen einfließen und verfremdet ein wenig. Denn er teilt das Schicksal seines Protagonisten Karim. Er ist aus dem Irak geflohen, allerdings weil er politisch aktiv war, im Gefängnis gefoltert wurde, und das mit 19 Jahren. Durch mehrere Länder führte ihn seine Flucht, er hielt sich als Illegaler auf und gelangte nach Deutschland, wo er eine neue Heimat fand. Bei solch einem Schicksal erwarte ich mehr Biss, schließlich weiß er, wovon er spricht. Er soll nah an mich heranrücken und mich fertigmachen, sodass ich mich auf dem heimischen Sofa und mit dem gut gefüllten Kühlschrank wie eine verwöhnte Wohlstandsgöre fühle. Aber nichts. In einem Interview mit Denis Scheck erklärte er, dass er zeigen wolle, dass man als Flüchtling nur eine Nummer ist, kein Mensch, kein Schicksal. Das ist leider oft so, wenn man in die Bürokratie gerät. Sein Thema ist jedoch viel größer. Wie las ich in DIE ZEIT: Man liest dieses Buch und wundert sich regelrecht, wie aus diesem Stoff ein so langweiliger Roman werden konnte. Ein netter Schlusssatz.

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  • Leider weniger gut, als erwartet

    Ohrfeige
    Schmitzorek

    Schmitzorek

    13. May 2016 um 16:16

    Bayern 2004. Seit drei Jahren steckt Karim hier fest, obwohl er eigentlich nach Frankreich gewollt hatte, doch der Schlepper hat ihn Anfang 2001 einfach mitten in Bayern, mitten in der Nacht, mitten auf einer einsamen Landstraße aus seinem Wagen geworfen. Jetzt steht er seiner gefesselten und geknebelten Sachbearbeiterin gegenüber, die ihm vor einigen Tagen den Ausweisungsbescheid zugestellt hat. Nach drei Jahren Asylverfahren will er, dass ihm endlich mal jemand zuhört. Und er erzählt seine Geschichte. --- Khider beschreibt das Schicksal eines Asylsuchenden in Bayern, der tragischerweise gar nicht dorthin wollte, nun aber der Asylmaschinerie Deutschlands ausgeliefert bleibt - für ganze drei Jahre. Leben auf engstem Raum, ohne Deutschkenntnisse, ohne Kontakt zur "normalen" Bevölkerung, Anfeindung, Konfrontation mit einer völlig anderen Kultur und dann auch noch gelangweilte und desinteressierte Sachbearbeiter im Asylverfahren. Den Hilfesuchenden wird es nicht leicht gemacht, persönliche Schicksale bleiben unbeachtet, so auch bei Karim. Das Leid und die Verzweiflung, die dadurch entsteht/entstehen kann und die daraus folgenden Konsequenzen (Gewalt, Extremismus, Depression, Straftätigkeit), beschreibt Khider an mehreren Personen in seinem Roman. Wirkmächtig sind seine Zeilen jedoch nicht, Ergriffenheit und Anteilnahme stellt sich selten ein. Trotz der Anschläge auf das World Trade Center, welche Karim und seine Freunde mit Erschrecken, Bedauern und Trauer von Deutschland aus beobachten. Vielleicht, weil der Roman in einer Zeit erscheint, in der die Umstände in Asylheimen, die Massen an Flüchtlingen, die aufkommende Gewalt und der Unmut der Bevölkerung weitaus größere Wellen schlägt als Khider es in seinem Roman, der in den Jahren 2001-2004 spielt, beschreibt.

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  • Lesenswert...vor allem für Zweifler

    Ohrfeige
    Sumsi1990

    Sumsi1990

    03. May 2016 um 13:16

    Ich habe mir dieses Buch gekauft, da mir die Hintergründe der Flüchtlinge interssierten. Klar handelt es sich hier nicht um eine Biografie bzw. Erlebniserzählung, sondern um einen Roman, trotzdem hat mich die Thematik interessiert.Was mir an diesem Buch extrem gut gefallen hat, war die Schreibweise. Ich kenne viele Bücher, die einen politischen Hintergrund haben, dann aber extrem schwer zu lesen sind. Da ich persönlich eher die Leserin bin, die zur Zerstreuung liest, sind solche für mich aber nicht das Richtige.Inhaltlich war für mich interessant, dass ich mit dem Protagonisten nicht immer einer Meinung war. Er war bzw. ist mir nicht in allen Punkten sympathisch :) Doch genau das macht dieses Buch wahrscheinlich aus. Es polarisiert jedenfalls und alle werden dazu eine eigene Meinung haben. Zu befürchten ist nur, dass diejenigen, deren Meinung durch solche Literatur evt. ins Wanken geraten könnte, nicht zu diesen Büchern greifen.Mir hat der Roman jedenfalls wirklich gut gefallen, auch wenn ich nicht sagen kann, ob sich dieser auf Dauer in meinem Gedächtnis festsetzt.

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  • Hautnah

    Ohrfeige
    solveig

    solveig

    23. April 2016 um 10:31

      „Ich habe keine Wahl, obwohl dieser Planet riesig ist. In Bagdad konnte ich nicht bleiben, in Deutschland darf ich nicht bleiben.“ So lautet das Fazit, das der junge irakische Flüchtling Karim Mensy nach seinem drei Jahre und vier Monate währenden Aufenthalt in Deutschland zieht. Für Flüchtlinge scheint es keinen Platz für ein zufrieden stellendes, selbstbestimmtes Leben zu geben. Sachlich, in deutlichen Worten lässt der Autor seinen Protagonisten persönlich von seinem Schicksal erzählen. Sein unkomplizierter, ungekünstelter Stil hilft dabei, leicht in die Geschichte hinein zu finden und flüssig zu verfolgen. Sehr bildhaft schildert Karim, wie er in Bayern strandet, obwohl sein eigentliches Ziel Paris war. Er erzählt seiner Sachbearbeiterin von der Ausländerbehörde Frau Schulz, die sozusagen stellvertretend den Platz des Lesers einnimmt, von den vielen Ortswechseln in immer wieder andere Lager und den Problemen, denen er als Flüchtling gegenübersteht. Hautnah erlebt der Leser mit, welcher Art die Schwierigkeiten sind, die Karim im Alltag bewältigen muss: Geldmangel, starre Gesetze, die Bürokratie, den Papierkrieg, der nur mit einem Dolmetscher zu bewältigen ist. Der Flüchtling selbst wird selten als Mitmensch angesehen, sondern als ein Problem, das gelöst werden muss. Und immer wieder Warten. Denn die Probleme drehen sich im Kreis: Mit dem Geld, das er vom Sozialamt erhält, kann er keinen Deutschkurs bezahlen; Ohne Deutschkenntnisse gibt es für den Abiturienten, der gern studieren möchte, keine vernünftige Arbeit; Einen bezahlten Deutschkurs bekommt er aber erst bewilligt, wenn er ein Jahr im Land gelebt hat  -  vorausgesetzt, sein Asylgesuch ist anerkannt. Als es nach drei Jahren schließlich so scheint, als könne er endlich beginnen, sich in Deutschland ein neues Leben aufzubauen, wird Iraks Diktator Saddam gestürzt und Karims Fluchtursache nichtig, er soll zurück in den Irak… Abbas Khider greift das immer wieder aktuelle Problem der Flüchtlingspolitik auf  -  diesmal aus der Sicht eines Betroffenen.

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  • Schnörkellos und eindringlich

    Ohrfeige
    SEKO

    SEKO

    20. April 2016 um 09:18

    Ein deutscher Flüchtlingsroman von einem, der weiß wovon er spricht. "Statt in der Universität war ich im Obdachlosenheim, in der Goethemoschee und im Enlil. Statt mit Studenten und Professoren gab ich mich mit Kriminellen, Fanatikern und Strichern ab. Und jetzt? Ich stehe wieder am Anfang. Wieder muss ich mit einem Schlepper weiterziehen .." Khiders Roman schildert schnörkellos und eindringlich das Leben der Flüchtlinge in Deutschland zwischen Schleppern, Behörden und den eigenen Strukturen dieser Parallelwelt, die viele von uns nicht zur Kenntnis nehmen. Eine empfehlenswertes Buch - auch als Lektüre für die Sekundarstufe.

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