Abbas Maroufi Fereydun hatte drei Söhne

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Inhaltsangabe zu „Fereydun hatte drei Söhne“ von Abbas Maroufi

Von schweren Zerwürfnissen erschütterte Familien geraten an ihre Grenzen. So auch Familie Amani, die Abbas Maroufi stellvertretend porträtiert. Einer der Söhne, der Kommunist Madjid, ist aus seiner Heimat geflohen und begegnet als Patient einer Aachener Nervenheilanstalt seiner Vergangenheit. Einer Zeit, in der er und seine Brüder sich gegen den Willen des Vaters politisierten: Assad schloss sich Chomeinis Organisation an und besetzte innerhalb kürzester Zeit wichtige Ämter, Said wurde Mitglied der Mudschaheddin und Iradsch, dem inhaftierten „Revolutionsfeind“, droht die Hinrichtung. Maroufis Stil ist prägnant. Alles ist eins, Erzählebenen gehen nahtlos ineinander über. Folgen wir gerade noch einer Unterhaltung Madjids mit einem Mitpatienten, sitzen wir im nächsten Satz in einem Wagen, der den Geflüchteten zurück in den Iran bringen soll. Der Roman ist ein Spiegel der Revolution, seiner Dynamik kann man sich nicht entziehen. Maroufi verdichtet das Geschehen zu einem geballten Porträt jener dramatischen Zeit.

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    Fereydun hatte drei Söhne
    Makollatur

    Makollatur

    18. March 2017 um 15:13

    Für beinahe jede Nation, jedes Volk oder jeden Kulturkreis finden sich Momente und Punkte in der Geschichte, die einen so markanten und starken Einfluss ausüben, dass sie selbst Jahrzehnte später noch den Ausgangspunkt für Verarbeitungsprozesses bilden. Im Fall des Iran ist dies sicher die islamische Revolution von 1979, in deren Zuge die Regierung des Schahs abgesetzt wurde und das Land in einen bürgerkriegsähnlichen Zustand versank, an dessen Ende schließlich die religiösen Fanatiker die Oberhand behielten. Künstler, Dissidenten oder politische Gegner wurden und werden im Iran nicht selten verfolgt, zensiert oder ins Exil getrieben. Abbas Maroufi, der selbst seit vielen Jahren im Ausland lebt und nur unter erschwerten Bedingungen in seiner Heimat publizieren kann, liefert mit Fereydun hatte drei Söhne eine Familiengeschichte aus der Zeit des revolutionären Umsturzes, die alle Aspekte jener Zeit, politische, gesellschaftliche und private, miteinander in Bezug zu setzen vermag. Fereydun, unter dem Schah Geschäftsführer einer ausländischen Firma im Iran, ist ein regierungstreuer Opportunist, der sich aus politischen Angelegenheiten heraushält und seinen eigenen Vorteil als Maxime seines Handelns versteht. Seine Söhne hingegen, Iradsch, Said, Assad und Madjid, könnten unterschiedlicher nicht sein. In ihnen vereinen sich die politischen Strömungen jener Tage, treten die Gegensätzlichkeiten der iranischen Gesellschaft offen zutage. Zusammengehalten wird dieses bizarre Gebilde von der tatkräftigen und vernunftorientierten Mutter, Banu. Sie bildet den Kitt, der die teils verfeindeten Brüder zusammenhält. Doch Madjid muss fliehen und landet nach einer langen Reise in Deutschland, wo er für mehrere Jahre in eine Psychiatrie eingewiesen wird. Die Erinnerungen und Erlebnisse der Vergangenheit haben seine Identität zerstört; nur eine Schachtel mit Fotos bewahrt Madjid vor dem Verlust seines Selbst.Der Roman entwickelt innerhalb kürzester Zeit eine Sogwirkung, der sich der Leser nicht entziehen kann. Mit einer hohen Dignität, die sowohl dramaturgisch als auch sprachlich konsequent durchgehalten wird, vermittelt der Text eindringlich und authentisch einen Eindruck von den Wirren und chaotischen Zuständen während der Zeit der Umwälzungen im Iran. Nebenbei verteidigt er die Werte der Individualität und Identität und liefert damit die Gegenthese zu Gleichschaltung und Anbiederung, wie sie autoritären Regimen häufig eigen ist. Fereydun hatte drei Söhne verdient die Aufmerksamkeit eines großen Publikums und sollte von allen Interessierten gelesen werden.

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