„Sanctuary – Flucht in die Freiheit“ war ganz anders als ich es anhand des Klappentexts erwartet hatte: Statt einer Dystopie, in der jeder amerikanische Bürger einen ID-Chip zur vollständigen Überwachung eingepflanzt bekommt und die Protagonisten verzweifelt versuchen, undokumentiert zu bleiben, drehte sich der Roman um illegale Migration.
Es wurde ein Szenario in nur sieben (zum Erscheinungszeitpunkt zwölf) Jahren gesponnen, in dem der amerikanische Präsident eine Mauer bauen und Migranten radikal deponieren ließ. Mit einem einzigen Scan-Vorgang sollte dank der ID-Chips direkt ersichtlich sein, wer „echter“ Amerikaner war, wer nur ein unerlaubter Einwanderer. Wie die Autorinnen im Nachwort anmerken, sei die Geschichte von Trumps erster Amtszeit inspiriert und bereits damals zu Teilen Realität gewesen.
Obwohl ich das Buch in nur zwei Tagen beendet hatte, konnte es mich nicht richtig in seinen Bann ziehen. Ich mochte Vali und Ernie sowie die anderen Undokumentierten, die sie auf ihrer Flucht trafen, irgendwie blieb das schreckliche Leid, welches die Millionen von Migranten teilten, allerdings ziemlich blass. Es wurde von Arbeitslagern, Schlägen oder Vergewaltigungen, teilweise sogar Tötungen berichtet, ohne dass ich emotional wirklich ergriffen wurde. Vielleicht hätte es dafür einige Seiten mehr gebraucht oder auch nur einen kurzen Blick in die Zeltlager inmitten der Wüste – eine Szene, in der die Hauptfiguren selbst dorthin verschleppt würden, wäre sicher eindrucksvoll gewesen. An vielen Stellen gab es außerdem spanische Sätze, die nicht übersetzt wurden, was mich bei der Häufigkeit irgendwann störte.
Am Ende wurde nicht endgültig geklärt, wie es mit dem Migranten außerhalb des unabhängigen Kaliforniens weitergehen würde oder was mit (SPOILER) Valis und Ernies Mutter nach ihrer Festnahme am Bahnhof (SPOILER ENDE) geschehen war, ansonsten fand ich es in Ordnung.
Fazit: „Sanctuary – Flucht in die Freiheit“ war für mich weder Highlight noch Enttäuschung. Das Buch zog geradezu an mir vorbei, ohne einen größeren Eindruck zu hinterlassen, wenngleich es eigentlich ein wichtiges Thema behandelte.





