Abdalrachman Munif

 3.4 Sterne bei 34 Bewertungen
Autor von Salzstädte, Am Rande der Wüste und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Abdalrachman Munif

Salzstädte

Salzstädte

 (28)
Erschienen am 12.07.2005
Am Rande der Wüste

Am Rande der Wüste

 (3)
Erschienen am 15.01.2005
Zeit der Saat

Zeit der Saat

 (2)
Erschienen am 01.12.2009
Das Spiel von Licht und Schatten

Das Spiel von Licht und Schatten

 (1)
Erschienen am 07.07.2011
Östlich des Mittelmeers

Östlich des Mittelmeers

 (0)
Erschienen am 15.03.2007

Neue Rezensionen zu Abdalrachman Munif

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Jaris avatar

Rezension zu "Salzstädte" von Abdalrachman Munif

Abdalrachman Munif - Salzstädte
Jarivor einem Jahr

Salzstädte sind Orte, an denen man nicht dauerhaft leben kann und in diesem Sinne erzählt Abdalrachman Munif vom Einfall der Amerikaner in ein bis dato ruhiges Dorf. Der Grund dafür: Öl. Mit dem Versprechen, dass alle Bewohner reich werden würden, werden die Familien entwurzelt, umgesiedelt und die Männer als Arbeitskräfte in Lager gebracht.
Dieses Buch ist der erste Band einer fünfteiligen Saga der arabischen Geschichte und zeigt kritisch auf, was die Ölförderung für Opfer brauchte. Dieser unverstellte Blick auf Geschehenes sorgte dafür, dass dem Autor seine saudi-arabische Staatsbürgerschaft entzogen wurde. Munif ist unangenehm, denn er weiss auch, wovon er berichtet, arbeitete er selbst doch ebenfalls in der Ölindustrie.
Trotz der Wichtigkeit dieses Werkes hatte ich meine liebe Mühe damit. Nicht, dass es zäh gewesen wäre, eher im Gegenteil. Das Buch war mir persönlich leider zu aussenstehend. Wir begegnen vielen Figuren, jedoch erobert sich keiner wirklich den Platz als Hauptfigur. Somit fehlte mir ein roter Strang, der mich in diese harte Realität hineingezogen hätte.
Dennoch bleiben mir die Schilderungen im Kopf. Wie sich das Leben dieser einfachen Leute von heute auf morgen ändert und keiner fragt sie nach ihrer Meinung. Die Amerikaner sind ihnen fremd, ihr Verhalten ergibt keinen Sinn. Versprechungen werden gemacht, aber nicht gehalten.
Auch wenn es vielleicht eher unwahrscheinlich ist, dass ich die anderen vier Teile ebenfalls lesen werde, so war es dennoch eine aufschlussreiche Lektüre. Es bietet einen tiefen Einblick in die arabische Seele und hilft dabei, Zusammenhänge zu sehen, die bis ins 21. Jahrhundert hineinreichen.
Mein einziger grosser Kritikpunkt ist, dass die weibliche Perspektive fast gänzlich fehlt. Frauen kommen anfangs gegen Ende am Rande kurz vor, ansonsten sind alle handelnden Charaktere männlich. Dies kann man damit erklären, wie die Familienstrukturen aufgebaut sind und dass vor allem Männer in der Ölförderung arbeiten. Aber trotzdem sind diese Männer doch irgendjemandes Söhne, Brüder, Ehemänner…
Ja, es hätte mich auch sehr interessiert, wie die Frauen mit dieser Katastrophe umgegangen sind bzw. sich mit diesem neuen Leben abgefunden haben. Denn schliesslich wurden nicht nur die Männer entwurzelt, sondern auch die Frauen des Volkes.

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Aruns avatar

Rezension zu "Salzstädte" von Abdalrachman Munif

Wüste und Öl
Arunvor 5 Jahren

Klappentext:
Wadi al-Ujun, das Tal der Wasserquellen. Nur der Regen, die Karawanen und das Gebet bestimmen den Rhythmus der Oase. Bis eines Tages Fremde die Stille jäh zerreißen, Amerikaner, die nur nach einem trachten: dem Öl unter dem Wüstensand. Voller Schrecken erleben die Dorfbewohner, wie erst die Palmen, dann sie entwurzelt werden.

Meine Meinung:
Gerade ein Buch beendet das zu meiner Horizonterweiterung dienen sollte „Salzstädte“
Für mich neu ein arabischer Schriftsteller: Abdalrachman Munif dessen Roman in Saudi-Arabien angesiedelt ist. Laut Klappentext soll das Buch in Saudi-Arabien verboten sein.
Hat mich vom Thema her sehr angesprochen, um 1930 erste Ölfunde in der Wüste und damit das Aufeinanderprallen von unterschiedlichen Kulturen; Arabern, Beduinen und Amerikanern.
Doch das Lesevergnügen hielt sich meinerseits doch sehr in Grenzen. Die Darstellung des Kulturschocks wurde hauptsächlich aus der Sicht der Landesbewohner geschildert und das der Menschen aus dem Westen wurde fast gänzlich ausgeklammert, hätte gerne beide Seiten gesehen/gelesen.
Für einen Mitteleuropäer auch die Lebensweise, die Gebräuche und Denkweise der Wüstenbewohner nur schwerlich nachvollziehbar.
Zudem gab es keine durchgängige Story und der Autor glänzte mit einen eher blumigen Sprache die auch eine gewisse Langatmigkeit enthielt.
Es gab einige lustige Begebenheiten (Emir) aber von Spannung konnte ich nicht viel entdecken.

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Wolkenatlass avatar

Rezension zu "Das Spiel von Licht und Schatten" von Abdalrachman Munif

Rezension zu "Das Spiel von Licht und Schatten" von Abdalrachman Munif
Wolkenatlasvor 9 Jahren

"Der Traum eines eigenen Staates"
"Das Spiel von Licht und Schatten" ist nach "Salzstädte" und "Zeit der Saat" der dritte und abschließende Teil des Romanzyklus "Mudun al-milh" (dt. "Salzstädte Trilogie").

Der 1933 in Amman geborene Abdalrachman Munif studierte Jura und Ökonomie, arbeitete für eine Ölfirma in Syrien und war Chefredakteur einer irakischen Fachzeitschrift, sowie als Wirtschaftsexperte für die OPEC tätig, bevor er sich 1981 ganz dem Schreiben widmen konnte. Nach der Beendigung des Romanzyklus "Mudun al-milh" entzog ihm die saudiarabische Regierung die Staatsbürgerschaft. Der Autor starb nach vielen Wanderjahren 2004 in Damaskus.

In der fiktiven Stadt Moran, Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, herrscht Sultan Churaibit. In ruhigem, erhabenem Ton erzählt Munif von den kriegerischen Eroberungen des Sultans, seinen politischen und freundschaftlichen Verwicklungen mit den Engländern und den unerbittlichen Machtkämpfen der unzähligen Ehefrauen des Sultans in seinem Harem. Sehr präzise gezeichnet ist auch der eigenartige Umgang Churaibits mit seiner Familie.

"Es war immer dasselbe: Die Forderungen der Mütter und der Kinder mehrten sich von Mal zu Mal, je nach Anzahl der Kinder, die an der Montagssitzung teilnahmen. Arfan Hadschras war bemüht, alles zu notieren, soweit es seine langsame Hand zuließ. Nachdem er den Stift mit den Lippen befeuchtet hatte, machte er drei saubere Kopien der Forderungen und legte ein Blatt in die Akte für seine Majestät, das zweite zur Information in seine eigene Akte und die dritte Kopie übergab er Dughaim Sarhud, der sie mit Stempeln und einer Unterschrift versah und den unvermeidlichen Satz darunterschrieb: Geprüft - Ausführen."

Während Churaibit unermüdlich Krieg führt um seinen Staat zu vergrößern, wächst auch die Zahl seiner Ehefrauen und Kinder. Munif zeichnet sehr eindringliche Bilder von der differenzierten Art der Erziehung, die der Sultan seinen verschiedenen Söhnen zukommen lässt. Die permanent latent vorhandenen Spannungen im Harem, die durch den Wunsch, der jeweils eigene Sohn möge die meisten Vorzüge des Sultans erhalten und in seiner Gunst ganz vorne gereiht sein, entstehen, versucht der Sultan durch brutale und unschöne Methoden zumindest oberflächlich in den Griff zu bekommen.

Die Wichtigkeit und Vielschichtigkeit der Rollen der verschiedenen Söhne und anderer Protagonisten, wie z.B. die des Engländers Hamilton, sind psychologisch sehr fein gezeichnet, auch wenn der Stoff dieses Romans in schwächeren Händen leicht zu einem seifenoperähnlichen Drama á la Orient verkommen hätte können.

Abdalrachman Munifs Kunst ist es aber, die ständig gärende Gerüchteküche im Harem und die Schilderungen der Kriegshandlungen und Machtkämpfe des eigensinnigen Sultans Churaibit so kunstvoll mit der Geschichte seines Landes zu verknüpfen, dass man bei genauem Lesen sehr rasch spürt, wie groß das Format dieses Autors ist. Seine der orientalischen Erzähltradition verpflichtete Sprache, in der die Nachklänge von "1001 Nacht" noch als dezenter Duft mitschwingen, ist in ihrer unerbittlichen Ruhe und Zielstrebigkeit ausschlaggebend für den Sog, den dieses Buch entwickelt.

"Das Spiel von Licht und Schatten" ist ein großes Buch eines noch viel zu unbekannten Schriftstellers, dessen Werke nicht nur literarisches Gewicht, sondern auch immense Wichtigkeit für das Verständnis des Islams und der arabischen Welt haben.

(Erstveröffentlicht aus www.sandammeer.at, Roland Freisitzer; 02/2010)

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