Abi Andrews

 2.7 Sterne bei 3 Bewertungen

Alle Bücher von Abi Andrews

Wildnis ist ein weibliches Wort

Wildnis ist ein weibliches Wort

 (3)
Erschienen am 04.10.2018

Neue Rezensionen zu Abi Andrews

Neu
buchstabentraeumerins avatar

Rezension zu "Wildnis ist ein weibliches Wort" von Abi Andrews

Abenteuerroman mit zu vielen sachlichen Informationen
buchstabentraeumerinvor 16 Tagen

Meine Reise wird über See und Land führen, eine heldenhafte Odyssee, ich ganz allein, ein Mädchen, auf einer weiblichen Suche nach Authentizität. (Seite 14)

Island, Grönland, Kanada, Alaska – das sind allesamt Orte der Welt, die ich bereisen möchte. Absolute Sehnsuchtsorte. Ein Roman, in dem eine junge Frau genau diese Länder bereist, ist daher ein Roman, den ich ohne Wenn und Aber lesen muss. In „Wildnis ist ein weibliches Wort“ von Abi Andrews begibt sich Erin hinaus in die Welt, sie will beweisen, dass Frauen genauso Entdecker sein können, wie Männer. Sie will nicht an Heim und Herd gebunden sein, sie will ihren Horizont erweitern und sich selbst an ihre Grenzen bringen. Erleben, wozu sie fähig ist, und gleichzeitig die Kraft der Natur erfahren. „Into the Wild“, aber eben aus Sicht einer Frau. Ein großartiges Thema! Doch leider dämpfte die Umsetzung meine Begeisterung erheblich.

Doch von Anfang an. Während der ersten Seiten war ich fasziniert von Erins Plan und ihren Gedanken. Sie nimmt Bezug auf Christopher McCandless, dem aus „Into the Wild“ bekannten Aussteiger, der in der Wildnis Alaskas lebte, ehe er dort starb. Und sie spricht von Jon Krakauer, dem Autor des Buches, der selbst aktiver Bergsteiger ist. Beides Menschen, die ihr in gewisser Weise ein Vorbild sind. Gleichzeitig aber steht sie der männlichen „Entdecker-Domäne“ sehr skeptisch gegenüber. Sie hinterfragt, weshalb es stets die Männer sind, die Neues entdecken, während die Frauen zuhause bleiben. Dabei seien laut Tests beispielsweise Frauen sogar eher dafür geeignet, in den Weltraum zu fliegen, als Männer.

Diese gedanklichen Exkurse reichern die Geschichte an – gleichzeitig sind sie es aber auch, die mich ungeduldig werden ließen. Wann fängt denn nun endlich Erins Abenteuer an? fragte ich mich immer öfter. Wann wandert sie vollkommen auf sich alleine gestellt durch die Wildnis? Tatsächlich ist sie nämlich sowohl auf ihrem Weg nach Island, als auch dem nach Grönland nicht alleine. Sie wird einerseits begleitet von einer Bekannten, die Erin auf der Überfahrt nach Island kennenlernte, sowie von einigen anderen Menschen – vornehmlich von Männern. Diese Tatsache erstickte die Spannung ein wenig im Keim, denn wie soll eine Protagonistin unter Beweis stellen, wozu Frauen in der Wildnis fähig sind, wenn sie ständig in Begleitung ist? Gewiss, dies ändert sich, sobald sie in Kanada eintrifft, doch letztendlich dauerte es mir bis dahin zu lange.

Genau davor muss ich mich in Acht nehmen – dass mich mein Heimweh zu Fall bringt. Ich mache diese Reise allein, mit mir und für mich selbst, und dieser emotionale Sog ist die Über-Sozialisation, die man von uns Frauen erwartet, die uns gefangen hält und wogegen ich angehen will. (Seite 89)

Darüber hinaus streift die Autorin zahlreiche Themen – wissenschaftliche Erkenntnisse, historische Begebenheiten, sie kommt auf Persönlichkeiten aus der Forschung zu sprechen, etc. Diese flicht sie in die Geschichte ein, aber für meinen Geschmack nicht so, dass sie dieser einen Mehrwert liefern, sonder so, dass sie den Fluss der Geschichte ständig unterbrechen. Jedes Mal, wenn ich mich wieder auf Erin und ihren Weg konzentrieren konnte, wurde ich mit einem gedanklichen Exkurs konfrontiert, der mir teils doch sehr zusammenhangslos erschien. Vielleicht denke ich auch nicht wissenschaftlich genug. Vielleicht gehen bei „Wildnis ist ein weibliches Wort“ Erwartung und tatsächlicher Inhalt der Geschichte zu weit auseinander. Für viele ist das Werk von Abi Andrews sicherlich eine aufregende und anregende Lektüre, für mich war es leider überhaupt nicht das richtige.

Fazit

„Wildnis ist ein weibliches Wort“ von Abi Andrews liest sich wie eine Mischung aus Abenteuerroman und wissenschaftlicher Arbeit. Erin begibt sich auf eine aufregende Reise in die Wildnis Alaskas und passiert auf ihrem Weg Island, Grönland und Kanada. Sie lernt Menschen dieser Länder kennen, sie lernt die Länder kennen. Es geht um Natur, den Einfluss des Menschen auf die Natur, um Forschung und Wissenschaft, Aussteiger, Abenteurer und Feminismus. Eine bunte Mischung, von der ich mir viel versprach. Leider war die Umsetzung nicht nach meinem Geschmack, mir fehlte ein durchgehender Erzählfluss. Der Roman liest sich zu abgehackt, zu häufig werden gefühlt wahllos Informationen zu Land und Leuten eingestreut, denen ich nichts abgewinnen konnte. Schade, denn an und für sich ist das Thema großartig.

Kommentieren0
2
Teilen
J

Rezension zu "Wildnis ist ein weibliches Wort" von Abi Andrews

Feministische Abenteuer-Avantgarde
jamal_tuschickvor einem Monat

Als Kind wollte Erin auf den Mond fliegen, jetzt steigt sie noch nicht einmal mehr in ein Flugzeug. Wer je in seinem Leben eine lange Reise bei guter Gesundheit unternommen hat, kann eine Feststellung der neunzehnjährigen Engländerin bestätigen, die der Umwelt zuliebe den Atlantik auf einem Frachter befährt. Unterwegs entwickelt die Heldin in Abi Andrews Roman „Wildnis ist ein weibliches Wort“ „ein ungewöhnliches Interesse an Essen und Essenszeiten“, obwohl es bis zur Eintönigkeit Fischeintopf gibt. Im Übrigen sammelt sie Informationen über den Feminismus auf Island und sortiert delfinische Klicklaute in digitale Ordner.
Erin hält es für möglich, dass Orcas den Menschen evolutionär überholt - und auf der Schnellspur eine „kollektive Selbstwahrnehmung“ entwickelt haben.
Sie ist mutig, aber nicht unerschrocken. Wenn sie auf dem Weg nach Alaska durch Kanada trampt, gehört das zu einem, mit einer Filmdokumentation verknüpften Autonomieprojekt, das auch literarisch verankert ist. Erin zitiert Sylvia Plath: „Ich möchte auf offenem Feld schlafen, nach Westen ziehen und nachts frei herumlaufen“. Einer besorgten Fahrerin präsentiert sich die Tochter schwer besorgter Eltern als Vollwaise. Sie kommt von Henry D. Thoreau auf Ted Kaczynski. Im Roman steht nichts anderes als in einem Spiegel Artikel: „In Harvard nahm Kaczynski an einem Experiment von Henry Murray teil. Der Psychologieprofessor testete für die CIA-Vorgängerorganisation OSS Techniken der Gedankenkontrolle. Murray setzte seine ahnungslosen Studenten, darunter Kaczynski, intensiven Verhören aus, die Murray selbst als vehemente, drastische und persönlich herabwürdigende Attacken bezeichnete.“

Erin verfolgt die Auswertungen einer „feministischen Abenteuer-Blog-Avantgarde“. Eine Aktivistin wählt die Kerouac Route, beschrieben in „Unterwegs“, einem Titel aus dem Jahr 1957. Von da bis zu einer Erwähnung des Vaters der kanadischen Eisenbahn ist es nicht weit. Es kommt erstaunlich viel alter Kram vor, einschließlich der Goldrauschgeschichten von Jack London. „Wildnis ist ein weibliches Wort“ antwortet Londons „Ruf der Wildnis“. Erin dekonstruiert den Mountain Man und entdeckt dem Leser „eine Arschloch-Variante des MM – arrogant und selbstgerecht“ sowie den MMM – „den Möchtegern Mountain Man“. Man glaubt oft nicht, dass da eine Neunzehnjährige unterwegs ist und ihre Beobachtungen macht. Mitunter liest sich die Reiseerzählung wie eine Ansammlung umgeschriebener Wikipedia Artikel. In einer Steppe verflachten Wissens weiß Erin, dass „die Dakota (in ihrer Sprache) kein Wort für Tier“ haben. Alles, was auf den Kalenderblättern der Gegenwart eine triviale Dauerrepräsentanz hat, vom Permafrost bis zum altruistischen Bonobo, reiht sich im Text auf. Trotzdem erreicht Erin ihr Ziel. Mit den Interventionen der Erzählerin wird die Wildnis zum weiblichen Weltraum und hört auf, ein exklusiver Paradeplatz männlicher Bewährung zu sein.

Kommentieren0
0
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 12 Bibliotheken

auf 5 Wunschlisten

Worüber schreibt Abi Andrews?

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks