Bereits im ersten Satz jeder Kurzgeschichte schafft es Abil Hasanov uns in den Bann seiner Sprache zu ziehen. Wenn wir immer weiterlesen wollen...dann hat der Dichter uns gewonnen...
Abil Hasanov schreibt mit der einfachen und gleichzeitig vieldeutigen Klarheit eines Menschen, der viel gelitten, eingesetzt und gewagt hat.
Ein unbeschreiblicher Mix aus Gefühlen und Textgattungen erklingt in uns beim Lesen. Wehmut, Sanftheit, Schmerz, Gewalt und Liebe vermischen sich in poetischen Märchen, Fabeln, Anekdoten, Erinnerungen und Lehrstücken.
Aus der Stille der Lektüre scheint die Stimme eines Vorlesers zu dringen. Abil Hasanov ist ein wahrhaftiger Erzähler und man kann ihn sich nicht ohne Publikum vorstellen. Er ist einer, um den sich Menschen scharen mit der Bitte: Erzähle uns etwas von uns, wie das Leben ist und was Liebe bewirken kann..
Nun ist dieses Publikum auch im deutschsprachigen Bereich vorhanden, denn der Autor schreibt aus dem Exil über sein Geburtsland Aserbeidschan. Literatur ist sein Instrument Kritik zu äussern, und das Adjektiv "verlassen" des Titel bekommt, wie mir scheint, mehrere Bedeutungen. Verlassen kann vieles werden: Heimat, Ideale, menschliche und politische Korrektheit...ja der Mensch selbst kann sich oder zumindest einen Teil seiner Seele verlieren.
Wir Menschen sind alle von Verlust gezeichnet. Doch was Politik und Wirtschaft an Bedeutung zerstören- ein Dichter versucht immer wieder Sprache und Wahrheit zu retten und neue Hoffnung zu kreieren. Abil HAsanovs Kurzgeschichten setzen sich - man könnte sagen "international" im wahrsten Sinne des Wortes - für eine bessere Welt ein. Sie sind kein Aufschrei, sondern ruhige aber starke humanitäre Spracharbeit. Mit jeder Zeile seiner bezaubernden Geschichten können wir aufatmen. Denn sein Erzählfluss will uns Richtung Menschlichkeit tragen.

