Abraham B. Jehoschua Spanische Barmherzigkeit

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Inhaltsangabe zu „Spanische Barmherzigkeit“ von Abraham B. Jehoschua

Abraham B. Jehoschua erzählt in seinem meisterhaft komponierten Roman von einem erfolgreichen Leben und von dem Preis, der dafür gezahlt werden muss. Als der Regisseur Jair Moses zu einer Retrospektive seiner Filme nach Santiago de Compostela eingeladen wird, will er die Reise nach Spanien in Begleitung von Ruth, seiner langjährigen Weggefährtin, genießen. Aber dann ruft ein verstörendes Bild in seinem Hotelzimmer vergessen geglaubte Erinnerungen wach: Eine Filmszene, in der Ruth als junge Frau einem Bettler am Straßenrand die Brust geben sollte, führte zum Zerwürfnis mit dem Drehbuchautor, seinem engsten Freund. Wie konnte es so weit kommen? Die Konfrontation mit seinen alten Filmen, noch dazu in der fremden Sprache, lässt Moses tief in seine Vergangenheit eintauchen und ihn die Ereignisse von damals in einem neuen Licht sehen. Der überwältigende Wunsch nach Versöhnung wird für ihn zum Auslöser für die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte.

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    Spanische Barmherzigkeit
    Wolkenatlas

    Wolkenatlas

    21. October 2013 um 10:02

    Der Name des 1936 geborenen israelischen Schriftstellers Abraham B. Jehoschua ist im deutschsprachigen Raum nicht unbedingt ein allgegenwärtiger Begriff. Leider. Seine Liste bereits erschienener Bücher,  bei Piper verlegt, auf der sich so großartige Romane wie "Der Liebhaber", "Die Passion des Personalbeauftragten" und "Freundesfeuer" befinden, ist fast nur mehr im gut sortierten Antiquariat zu haben. Sein Roman "Spanische Barmherzigkeit" stellt einen alternden Regisseur in den Mittelpunkt des Geschehens, Jair Moses, der zu einer Retrospektive seiner Filme nach Santiago de Compostela eingeladen ist, wohin er mit der Hauptdarstellerin seiner frühen Filme, der auch schon älteren, aber noch immer bezaubernden Ruth, reist. Die beiden teilen sich ein Zimmer, wie auch sonst vieles im Leben, ohne sich gegenseitig zu irgendetwas verpflichtet zu sein. Überraschend für Moses, konzentriert sich die Retrospektive hauptsächlich auf seine frühesten Filme. Filme, die er noch mit seinem ersten Drehbuchautor und ehemaligen Liebhaber Ruths gedreht hatte. Eine Zusammenarbeit, die wegen einer am Ende herausgeschnittenen Szene geendet hatte, in der Ruth einem Bettler am Straßenrand die Brust geben sollte. Nach Einspruch Ruths hatte Moses die Szene gestrichen, was einen Bruch der Abmachung der beiden Partner zur Folge hatte. Zusätzlich findet Moses im Hotelzimmer ein Bild, das so sehr an diese Szene erinnert, dass er sich Gedanken zu machen beginnt, ob hinter der ganzen Retrospektive nicht seine ehemaliger Freund und Partner steckt. Virtuos führt Abraham B. Jehoschua den Leser in die künstlerische Welt des Filmemachers ein, indem er den Leser behutsam mit in die Filmvorführungen nimmt und dabei an den Gedanken des alternden Moses teilhaben lässt, der, konfrontiert mit seinem frühen Schaffen, noch dazu in der ihm fremden Sprache, die Vergangenheit nicht nur künstlerisch, sondern auch privat aufzuarbeiten beginnt. Symbolisch betrachtet, beziehen sich die Filme auch auf die Situation im damals noch jungen Staate Israel und sind ebenso ein Spiegel der damaligen, jungen israelischen Kunstszene. Durch die von den Organisatoren zur Verfügung gestellten Betreuer erfährt Moses spät, dass die ursprüngliche Idee zur Retrospektive und die Filmauswahl, wie längst vermutet, durch Trigon gelenkt worden ist. Wieso? Der Regisseur versucht, dies bereits in Santiago de Compostela herauszufinden, kommt dabei aber nur langsam weiter. Moses sieht es als Herausforderung, sich seiner Vergangenheit und dem Freund zu stellen. Wieder in Israel, stellt er sich dieser Aufgabe, auch jener der Versöhnung mit seinem alten Freund, mit interessanter Konsequenz. Abraham B. Jehoschua breitet seinen Text langsam und würdevoll vor dem Leser aus, der einzig und allein bereit sein muss, auf große Gesten und rasante Tempi zu verzichten. Wunderschöne Szenen und Sätze folgen aufeinander, kongenial übersetzt, sodass der Text selbst bereits zum Kunstwerk wird. "Moses schenkt Ruth, die noch immer im Bett liegt, ein Lächeln. Ihr Haar liegt aufgebreitet auf dem Kissen, das sie im Nacken stützt, und in ihren schönen Augen glitzern Tränen, voller Dankbarkeit für den sonderbaren, behutsamen Weg, den ihr Begleiter gewählt hat, um eine verdrängte, aber nicht ausgelöschte Erinnerung in ihr wieder wachzurufen." Je weiter man in diesen Kunstraum des "Films im Roman" eindringt, desto langsamer will man sich entlang der Gedankengänge und Erzähllinien weiterbewegen, einfach, weil man meistens versucht ist, die Sätze mehrfach zu lesen, einfach um ihre poetisch inspirierte Schönheit länger auskosten zu können. Aus der Perspektive eines reflektierenden, nüchternen und allwissenden Erzählers, der für Dialoge quasi unsichtbar wird und dem Hauptprotagonisten Moses immer wieder das Steuer überlässt, zeichnet der Autor, scheinbar ganz nebenbei, großartige Figuren. Selbst auf den ersten Blick unwichtige und nebensächliche Tatsachen und Momente werden so perfekt in die Textur integriert, dass man hier wirklich von einem meisterhaft komponierten Roman sprechen muss. "Spanische Barmherzigkeit" ist ein großartiger Roman eines viel zu unbeachteten Schriftstellers, der sich mit der Reflexion über einen großen Lebenserfolg und dem damit verbundenen, vom Leben geforderten Preis beschäftigt. Ein großer Roman über die Filmkunst, über die Liebe und über die Freundschaft. Zu guter Letzt, ein großer Roman über Israel. Absolute Empfehlung. (Erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at Roland Freisitzer; 10/2013)

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