Achim Koch

 5 Sterne bei 3 Bewertungen
Autor von Der Augenblick, g.r.a.s. und weiteren Büchern.
Autorenbild von Achim Koch (©Achim Koch)

Lebenslauf von Achim Koch

Achim Koch arbeitete in der Bildung, im Theater und in der Entwicklungshilfe, auf dem Balkan und in Afrika, zuletzt in Kamerun und im Tschad. Vor allem ist er aber Schriftsteller und Künstler, mit fließendem Übergang. In jedem seiner Romane ist eine Figur Maler oder Malerin, die sich in der Geschichte mit dem gleichen Thema befasst wie der Autor. Die Werke dieser Künstler wiederum entstehen auch in der Realität. 2009 erschien der historische Roman "An Willem", der sich unter dem Eindruck der Balkankriege mit dem deutsch-dänischen Krieg Mitte des 19. Jahrhunderts beschäftigt, bei dem ebenfalls die Fronten durch Familien und Freundschaften verliefen. 2011 erschien "Das neue Manifest", ein deutsch-deutscher Roman, der der Frage nachgeht, ob der Traum einer gerechteren Gesellschaftsordnung nach 1989 noch realisierbar ist. 2015 erschien "G.R.A.S." wie in den anderen Romanen mit einer grundsätzlichen Frage an unsere Gesellschaft: Kann sich der Glaube an einen dauerhafte Fortschritt nicht auch als Fessel für unser Überleben erweisen? 2016 erschien "Fluchtland", eine Satire über die Situation von illegalen Flüchtlingen in Deutschland, aber vor allem über die deutsche Gesellschaft zwischen Integration und Ablehnung, Hilfe und Selbsthilfe. Manchmal lässt Achim Koch seine Figuren aus dem Rahmen des Romans heraustreten und wir können sie in kurzen Hörstücken wieder treffen, wo sie sich in einen Dialog untereinander oder mit dem Autor begeben: "Der Autor Kommt" - ein Hörstück um "An Willem" "Ermittlungen gegen einen Autor" - ein Hörstück um "Das neue Manifest" "Unsere Welt ohne Autor" - ein Hörstück um "G.R.A.S." "Der Autor findet keine Worte" - ein Hörstück nach "Der Mann hinter dem Bild" "Ein Autor macht sich ein Bild" - ein Hörstück nach "Fluchtland"

Alle Bücher von Achim Koch

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Cover des Buches g.r.a.s. (ISBN: 9783944359311)

g.r.a.s.

 (1)
Erschienen am 31.03.2018
Cover des Buches Der Augenblick (ISBN: 9783944359489)

Der Augenblick

 (1)
Erschienen am 12.11.2019
Cover des Buches Das neue Manifest (ISBN: 9783944359403)

Das neue Manifest

 (1)
Erschienen am 24.12.2017
Cover des Buches Die Lederjacke (ISBN: 9783920591155)

Die Lederjacke

 (0)
Erschienen am 01.01.1992
Cover des Buches Der Autor findet keine Worte (ISBN: 9781514273951)

Der Autor findet keine Worte

 (0)
Erschienen am 10.06.2015
Cover des Buches Ein Autor macht sich ein Bild (ISBN: 9781523237807)

Ein Autor macht sich ein Bild

 (0)
Erschienen am 03.01.2016

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Rezension zu "Der Augenblick" von Achim Koch

Das Wesen der Bilder
Thomas_Lawallvor 3 Monaten

Die Fotos liegen auf der alten Hobelbank. Fee bearbeitet sie nach. So, wie sie das immer tut. Der festgehaltene Augenblick reicht ihr nicht. Auch nicht die Farben. Alles muss irgendwie reduziert werden. Größer kann der Kontrast zu diesem seltsamen Arbeitsplatz, mit den sich kaum noch zu bewegenden Spannzangen, nicht sein. Ihre sehr spezielle Art der Nachbearbeitung muss man sich völlig anders als gewohnt vorstellen.

Ebenso dieses Buch, für das die üblichen Muster des Schreibens keine Bedeutung haben. Nahezu in jedem einzelnen Satz passiert etwas besonderes, auch wenn es nur das vermeintlich Augenblickliche und Unmittelbare ist. Fast geht es Leserinnen und Lesern so wie den Uhren, die plötzlich ihren Dienst versagen, sowie einer ganz bestimmten Sorte Autos, die plötzlich einfach stehen bleiben. So als ob mit der Zeit und dem Augenblick etwas nicht stimmt.

Achim Koch stellt uns aber nicht nur faszinierende Momente vor, sondern ebensolche Charaktere. Fees Bruder Fabian sieht, denkt und handelt ebenfalls in anderen Kategorien. Wenn ihm beim Anschauen der Fotos seiner Schwester die Tränen kommen, dann spürt er "Schmerz und Verhängnis" nicht etwa wegen der Motive, sondern er sieht sie "in den Farben".

Als Kind wollte er nicht mit den anderen spielen, war anwesend, aber nahm nie teil. Eigentümlicherweise ist er Spieleentwickler geworden. Computerspiele sind ihm Beruf und Berufung. Wenn er auf seiner Tastatur zu "trommeln" beginnt, ist er der Welt entrückt. Dennoch ist er sehr verlässlich. Fee, die in der ehemaligen Wohnung der Eltern lebt, besucht er täglich. "Punkt zehn bis Punkt siebzehn."

Gegenwart vermischt sich mit Vergangenem. Fee war beruflich, im Auftrag einer Menschenrechtsorganisation, in Myanmar unterwegs. Dort sollte sie Fotos von der Unterdrückung der Rohingya, einer muslimischen Minderheit, welche im ehemaligen Birma nicht als eigenständige Bevölkerungsgruppe anerkannt sind, im Rakhaing-Staat machen.

Das Foto der "Zeugin 16" und das damit zusammenhängende Schicksal dreier schwer misshandelter und getöteter muslimischer Frauen beschäftigt sie unentwegt. Vielleicht war es in diesem Fall ganz besonders schwierig, den richtigen Moment zu finden, etwas Authentisches, als Gegenteil zur plakativen Sensation oder Pose: "Wie kann man einen authentischen Ausdruck eines bislang unbekannten Menschen erfassen?"

Die Motive ihrer Fotos sieht sie stets aus einer kritischen Distanz heraus. Hinterfragen ist für sie Normalität. Meinungen ihrer Agentin Selma, ihres Bruders Fabian oder Onkel Viktors, die sich diametral unterscheiden, sind für sie von existenzieller Bedeutung. Ihre eigenen festgehaltenen Momente sieht und beurteilt "Fee" auch in Zusammenhang mit weltbekannten Kollegen wie Don McCullin, Dorothea Lange, Eddie Adams, Malcolm Brownes, Rodriguez Parves, Paul Hansen oder Kevin Carter.

Was ist das Wesen der Bilder? Woher nehmen sie ihre Wirkung? Sterben und Tod in einem Moment festzuhalten kann nicht nur unabsehbare Folgen beim Betrachter, sondern bekanntlich auch bei der Person hinter der Kamera auslösen. Wie kommt es zu der Motivation, das Grauenhafte überhaupt abbilden zu wollen? Sensationslust oder etwas wie Romantisierung? Gibt es gar eine "Schönheit des Todes"? Wie kann man die Würde des Menschen bewahren oder "Selbstinszenierung" vermeiden?

"Der Augenblick", der die Grenzen von Fiktion und Realität wie in einem impressionistischen Gemälde verwischt, und in einem völlig unerwarteten Finale gipfelt, gibt keine Antworten. Wenn es jedoch auf Fragen keine Antworten gibt, ist vielleicht die Fragestellung falsch. Genau in den Untiefen jener Ambivalenz bewegt sich dieses Buch. "Onkel Viktor", der sich gerade mit dem Thema "Verschwinden" beschäftigt, bringt das Dilemma der Fotografie, die ebensolches nicht zulassen will, auf den Punkt:

"Sie versucht, den winzigen Moment, in dem sich die Zeit in die Vergangenheit wegschleicht, festzuhalten."

Psychologie der Sichtweisen in kritischer Distanz zum Fotojournalismus und eine Analyse des Augenblicks in Romanform. Prädikat "besonders wertvoll".

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