Was ist das überhaupt, ein Hurenwaibel, das war die erste Frage, die ich mir bei dem Buchtitel stellte. Kurz und prägnant: „Oberaufseher über Gewichte, Geschäfte und die liebe Lust im Mittelalter“.
Ausführlicher: bereits gegen Ende des 15. Jahrhunderts gehörten die Aufgaben des Weibels, später des Feldweibels, zu den wichtigsten Funktionen im Fähnlein. Eine Sonderstellung nahm der Hurenweibel ein, der als Führer des Trosses, bei entsprechender Größe desselben, Hauptmannssold erhielt Die Moral war in dieser Gruppe damals nicht sonderlich gefragt. So genannte Hurenwaibel (Offiziere für das Weiber- und Hurenvolk) sorgten dafür, dass nicht jede Marketenderin zum Freiwild wurde.
Und da in Mindelheim Ausnahmezustand herrscht, wenn die Stadt das Frundsbergfest feiert und sich wieder einmal ins Mittelalter versetzt, ist die Idee des Autors, einen Krimi hier spielen zu lassen, im Ansatz wirklich nicht schlecht…… aber was er daraus gemacht hat, das ist leider ein Trauerspiel…..
Mittendrin beim Historischen Altstadtfest ist Michael Greiner, der das freie Wochenende fernab vom Münchener Medientrubel nutzen will, alte Freunde zu treffen und in Erinnerungen zu schwelgen. Doch daraus wird nichts ein ehemaliger Schulkamerad Greiners wird mitten im Getümmel umgebracht. Greiner und Hauptkommissar Lukas Teufel haben alle Hände voll zu tun, die Hintergründe des Mordes aufzuklären, die besserwisserische Staatsanwältin einzubremsen und Greiners Konkurrentin Paula auf Abstand zu halten. Die Spuren führen das ungleiche Duo sogar in die Mindelheimer Partnerstadt Schwaz, wo im Mittelalter die ergiebigste Silbermine der damals bekannten Welt betrieben wurde. Doch die Lösung des Falles liegt näher und ist alltäglicher, als es zunächst ausschauen mag….
Nun gut, bereits bei der Römerschanze fand ich die Beschreibungen, wie die Polizei - nach Verständnis des Autors – arbeitet, ziemlich fraglich. Hier aber – da reicht Kopfschütteln wirklich nicht aus. Ich würde Herrn Schregle dringend empfehlen, sich vor dem nächsten Krimi einmal Hilfe und Unterstützung bei der „echten“ Kripo zu suchen, damit er einen Einblick in die reale Arbeit und Vorgehensweise der Beamten bekommt….
Da beobachtet Anna als einzige diesen Mord; sie hat genau hingesehen in diesem Moment. Okay, noch verständlich, dass sie erst mal kein Wort hervorbringt und so geschockt ist, dass sie einen „Zusammenbruch“ erleidet. Auch noch klar, dass ein Arzt sie erst mal ruhig stellt und die Polizistin Jana nicht mit ihr sprechen kann. Nehmen wir nun mal an, dass Anna wirklich so ein Sensibelchen ist, dass ihr dieser Mord so nahe ging, dass sie wirklich ins Krankenhaus muss. Aber – was haben die Ärzte mit ihr gemacht; sie ins Koma versetzt? Wie wahrscheinlich ist es, dass Ihr ein Polizist vor die Tür gesetzt wird, damit die Presse nicht an Sie herankommt? Gut, der Punkt…die über „Leichen gehenden Medien“ – der geht an Herrn Schregle, da kennt er sich ja aus…*g*…aber das tendiert wohl zu Null, dass die Kripo sich ausgerechnet DARÜBER Sorgen machen würde….
Und warum war sie den ganzen Roman lang nach wie vor „nicht ansprechbar“? Warum hat Hauptkommissar Teufel nicht mal den VERSUCH gemacht, mit der einzigen Hauptzeugin zu reden – also bitte, wie „realistisch“ ist DAS denn?
Imgrunde genommen gibt es die zwei Punkte hier von mir nur für die echt tolle Beschreibung des Frundsbergfestes und die genau recherchierten - und auch verständlich und gut erklärten -historischen Hintergründe dazu.
Alles andere war für mich wirklich nicht spannend oder nachvollziehbar, sei es die Ehefrau, die nicht trauert, seien es die geschäftlichen Belange, auf die Teufel & Co. sich mangels anderer Alternativen einschiessen, sei es die Beteiligung von Greiner oder eher sogar die Mitarbeit von ihm….
Und das Ende….also da schweigen wir wohl besser darüber. Irgendwie musste nun ja eine Lösung her….klar….nur das ist also wirklich an den Haaren herbeigezogen….
Übrigens – was ist eine „ sehr rechthaberische Aura?" Da musste ich dann doch noch herzhaft lachen über diesen „Super“ Satz…..
Achim Schregle
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Das Allgäu – bei genauem Hinsehen auch keine heile Welt – nur : man redet nicht darüber. Man bringt keine Schande über die seinen.....
genau so ist es, zumindest kennt der Autor seine Pappenheimer…*g* - und was würde ich jetzt dafür geben, den Krimi über den grünen Klee loben zu können, u.a. eben aus diesem Grund ! Aber leider, leider…… ich kenne zwar wirklich wesentlich schlechtere Werke, aber gut oder ein „must have“ -- – nein, das ist dieses Buch wirklich nicht.
Um was geht es denn – um Michael Greiner, einen Fernsehreporter aus München, der ursprünglich aus Mindelheim kommt, und Lukas Teufel, der das Kommissariat in Memmingen leitet. An einem Samstag, als Greiner auf Heimatbesuch ist, wird auf der Römerschanze ein totes Baby gefunden. Und bald darauf eine zweite Leiche…
Nun, ich hoffe nur, dass ich nie in den Umkreis der Kommissare des Autors komme…..rätselhafte Spuren, minimale Indizien – aber das volle Programm sofort und gleich ….. was wäre das für eine Verschwendung von Zeit und (Steuer) Geldern ! Und obwohl Teufel, der durchaus sympathisch rüberkommt, immer wieder erklärt, dass er keine Vor-Verurteilung treffen will, zieht er das durch….,u.a. aufgrund eines „Bauchgefühls“. Man merkt hier also schon recht deutlich, dass genaue Recherchen zur Polizeiarbeit fehlen – dafür sind die Reporterszenen sicher viel realistischer. Der Leser kann sich zwar denken, was „eine Schalte“ ist, aber ein bisschen weniger branchenüblicher Jargon wäre hier entschieden besser gewesen.
Die Story selber ist nicht mal schlecht gemacht, wenn auch doch sehr unrealistisch. Dem Autor ging es wohl mehr darum, die typische Wesensart der Allgäuer darzustellen – und das ist ihm auch gut gelungen. Das Ende des Buches dann war – zumindest für mich – keine grosse Überraschung. Und die „heile Welt“ damit auch wieder hergestellt….
Was mich etwas überraschte, ist die holprige Sprache, ist bzw. war der Autor doch mal Mitarbeiter bei einer Zeitung. Und dem Lektorat würde ich empfehlen, doch nochmal „sehenden Auges“ über das Buch zu gehen –es gibt einige Namensverwechslungen und sonstige Fehler.
Ich habe den nächsten Band des Autors schon hier liegen – mal sehen, ob dieser dann nicht doch besser wird, ich würde es ihm –und mir! – wünschen.
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