Betrunkene Bäume

von Ada Dorian 
4,1 Sterne bei94 Bewertungen
Betrunkene Bäume
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (78):
Valabes avatar

alt und jung verbindet manchmal mehr als es zuerst scheint

Kritisch (2):
schokoloko29s avatar

Die Geschichte von Katharina und Erich fand ich unglaubwürdig. Dagegen fand ich Naturbeschreibungen von Sibirien sehr schön.

Alle 94 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Betrunkene Bäume"

»Ein wunderschöner, ein perfekter Text.«Klaus Kastberger, Jurymitglied des Bachmann-Preises

»Kraftlos ließ er sich auf die Matratze fallen und legte den Kopf auf das Kissen. Durch die weit geöffneten Fenster drang die warme, duftende Sommerluft und bewegte die Blätter über seinem Kopf. Erich schloss die Augen und lauschte für einige Sekunden dem leisen Knistern, das die Äste an der Tapete erzeugten. Der Stamm reichte bis zur Decke und sorgte dafür, dass die Krone sich fächerförmig ausbreitete.Erich liebte den Geruch der Pflanzen, er erleichterte ihm den Schlaf. Seit die Nachbarin unter ihm gefragt hatte, ob auch er ein Problem mit feuchten Decken habe, war er noch vorsichtiger geworden. Niemand sollte ihm seinen Wald nehmen. Es war alles, was er noch hatte.«

Erich ist über achtzig und verliert Stück für Stück seine Unabhängigkeit. Außerdem trauert er um die Liebe seines Lebens. Als junger Forscher hatte Erich eine Expedition in die Taiga unternommen. In jener Zeit hat er Schuld auf sich geladen, die bis heute nachwirkt und Erich vereinsamen lässt. Dann jedoch tritt Katharina in sein Leben. Sie ist von zu Hause ausgerissen, als ihr Vater die Familie verlassen hat.

Berührend und poetisch beschreibt Ada Dorian die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft, die um Schuld und Verrat, um Heimat und Entwurzelung kreist.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783961010011
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:272 Seiten
Verlag:Ullstein fünf
Erscheinungsdatum:24.02.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 24.02.2017 bei Hörbuch Hamburg erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    BirPetvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Ein kleines, großes Buch über Werte, Freiheit und eigene Grenzen
    Ein leises Buch mit lautem Nachhall

    Dieses Buch hat mich sehr beeindruckt. Sehr still und leise liest es sich und der Nachhall war bei mir jedoch laut und lang.
    Zunächst war ich irritiert, denn bis die Handlung in Gang kommt und sich die einzelnen Handlungsstränge und Personen eine gemeinsame, gesamte Geschichte ergeben, dauert es etwas. Bis dahin ist es jedoch in keinster Weise langweilig oder öde.
    Da wären zunächst der Obdachlose Wolodja mit dem Hund in Sibirien, dann der über 80 jährige Wissenschaftler Erich in einer Dreizimmerwohnung in Berlin, der immer mehr seine Selbstbestimmtheit verliert, um seine Frau trauert und nun droht er auch seinen privaten Wald in seinem Schlafzimmer zu verlieren und dann gibt es noch Katharina, eine Oberstufenschülerin, die von zuhause abgehauen ist, weil es zu einem großen Streit mit ihrer Mutter kam, nachdem ihr Vater die Familie verlassen hat, um in Russland zu arbeiten.
    Erich vereinsamt immer mehr seit seine Frau Dascha nicht mehr bei ihm ist, die vielen Stufen aus und in die 5. Etage sind sehr viele und das Knie mag nicht mehr so recht. Er bekommt eine neue Nachbarin, Katharina und die kommt genau zur rechten Zeit oder kommt Erich zur rechten Zeit in Katharina`s Leben?
    Freundschaft, Liebe, Verrat, Schuld, Würde, Entwurzelung, Entfremdung, Hilfsbereitschaft, Verständnis, Verlust,Trauer und vieles mehr findet man in diesem kleinen Buch, vor allem aber viele Bäume. Wunderschön, gefühlvoll und philosophisch geschrieben.
    Betrunkene Wälder gibt es wirklich, wegen dem Klimawandel, Boden, der immer gefroren war, taut plötzlich und bietet den Bäumen bzw ihren Wurzeln weniger Halt, sie neigen sich zur Seite, wirken betrunken. 
    Ich werde mich wohl noch lange an Woldja mit seinem Laika, Erich und Katharina erinnern, ich werde Wälder und Bäume, ihren Geruch und Farbe anders wahrnehmen. "Betrunke Bäume" hat mich selber sehr nachdenklich gemacht, über Werte, Freiheit und eigene Grenzen.

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    Phyrias avatar
    Phyriavor 6 Monaten
    Bedrückende Roman

    Erich ist über 80 und kann seinen Alltag nicht mehr so bewältigen wie es ihm lieb wäre. Er trauert seiner seiner Unabhängigkeit und seiner Frau nach und findet Zuflucht in seiner Wissenschaft, seiner großen Leidenschaft den Bäumen. Zufälligerweise zieht in die freie Wohnung ihm gegenüber die 17jährige Katharina ein, die von Zuhause weggelaufen ist und ganz alleine versucht über die Runden zu kommen. Schnell entsteht eine Verbindung zwischen ihnen, Erich nimmt ihre Hilfe an und gemeinsam schaffen sie es ihrer Einsamkeit zu entkommen, wenn auch nur für einen kurzen Augenblick. 

    Ada Dorian ist mit ihrem Debütroman eine eher ruhige und unaufgeregte Geschichte gelungen. Die Stimmung während des Lesens ist bedrückend und ich bekam das Gefühl, dass die beiden Protagonisten in ihrer Einsamkeit und Isolation absolut verloren sind. Erich kämpft gegen die Einsamkeit und um seine Selbstständigkeit während Katharina sich verlassen fühlt, der Vater ist in Sibirien, die Mutter hat ihn davon nicht abgehalten und lebt auch sonst ein Leben für sich während Katharina seit Jahren schon zwischen den Stühlen steht und nicht weiß was sie machen soll. 
    Man weiß nicht wohin der Roman einen entführt, immer wieder werden Rückblenden verwendet um uns Erich's Zeit in Sibirien nahe zu bringen, dem Abschnitt seines Lebens in dem er als Wissenschaftler so viel über Bäume gelernt und sich verliebt hat. Mit der Zeit wird einem immer klarer wieso Erich nie wieder zurück gereist ist. Wieso er in diesem hohen Alter alleine lebt und das hat mich wirklich traurig gemacht. Vom Verhalten her ist er eher still, liebenswürdig und leicht schroff was aber eher mit seinem Umstand zusammenhängt. Sein Körper lässt ihn langsam im Stich und doch versucht er es zu verdrängen, möchte nicht von seiner Tochter in ein Pflegeheim gesteckt werden und will für sich selbst sorgen können. All das ist sehr authentisch dargestellt, man kommt nicht umhin um ihn und auch seine verpasste Chance zu trauern. Seine Liebe zu den Bäumen ist ehrlich gesagt wirklich rührend, das ist so ziemlich die einzige Konstante in seinem Leben. 
    Es ist kein Buch das einen unglaublich emotional werden lässt, die Emotionen spielen sich eher zwischen den Zeilen ab. Sie sind nicht ganz greifbar und doch versteht man wie es Erich und Katharina ergeht. Katharina war manchmal wirklich sehr blauäugig, sie ist wie eins dieser betrunkenen Bäume, über die Erich erzählt. Vor lauter Kummer und Trotz verlässt sie ihr Zuhause um sich alleine durchzuschlagen was natürlich nicht so einfach ist wie sie es sich gedacht hatte. Durch Erich bekommt sie eine Aufgabe und hat auch die Chance sich auf das Wichtige zu besinnen. 
    Es wurden in diesem Roman wirklich einige Themen angeschnitten, die nicht ausreichend erzählt wurden und nicht die Tiefgründigkeit erhalten haben, die sie verdient hätten sodass ich als Leser manchmal in der Luft hing. Man bekommt das Gefühl, dass die Autorin noch viel mehr hätte erzählen wollen, ihr aber nicht genug Seiten zur Verfügung standen. Insgesamt hätte ich mir mehr von der Geschichte gewünscht, mehr Treffen zwischen Erich und Katharina, mehr Gespräche, größeren Einblick in die Zeit in Sibirien, die Gefühle, Gedanken und auch etwas mehr Einblick in die Nebencharaktere, denn wie schon erwähnt gibt es die meisten Informationen zwischen den Zeilen zu finden. 
    Insgesamt jedoch ein Roman der durch seine ruhige Erzählweise und die Thematik überzeugen kann, bei dem aber auch viel Potenzial ungenutzt blieb. 

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    fasersprosses avatar
    fasersprossevor 8 Monaten
    Schieflage

    Wenn du dein Leben auf ein instabiles Fundament gebaut hast kann es dir passieren, dass du irgendwann in eine Schieflage gerätst. Du merkst, dass du den Halt verlierst und anstatt eine Korrektur einzuleiten krallst du dich fest an der aufgestellten Ordnung.

    Ada Dorian hat dieses Paradigma ihren Protagonisten angelegt. An Erich zeigt sie, wie das Alter seinen Lebensplan aufweicht. Im Zustand der schwindenden körperlichen Kräfte wird er auf sich selbst zurückgeworfen. Wo früher seine Forschungen und seine Familie Platz eingenommen haben breiten sich nun Erinnerungen aus an eine Zeit, in der er Schuld auf sich geladen hat.

    Und sie zeigt Katharina, die von ihren Eltern auf deren eigenen brüchigen Untergrund gestellt wurde und fortan schwanken muss zwischen Mutter und Vater. 

    Der Leser erfährt die Geschehnisse aus unterschiedlichen Perspektiven. Wolodja hat den jungen Erich durch die Taiga geführt. Nach dieser Forschungsreise ging einer in seine Freiheit und der andere in seine selbstgewählte Gefangenschaft. Dascha verließ ihre Heimat und folgte Erich nach Deutschland. Ihre Tochter Irina versorgt ihren alt gewordenen Vater. Alle tragen ihre eigenen Blickwinkel zur Geschichte bei und am Ende sind alle Bilder befüllt.

    Treffsicher legt Ada Dorian den Finger auf die Wunde. Und Wunden gibt es reichlich. Sie hat die Thematik der Heimat, der Entwurzelung und der Schuld tiefsinnig aufgezeigt und Personen erschaffen, die einen Platz in mir gefunden haben. Über weite Strecken hat mich ihr grandioses Spiel mit Worten gebannt. Doch gelegentlich brach es ab, wechselte auf eine neutrale Ebene. Die eine oder andere Handlung war für mich nicht plausibel, wie z. B. spontan nach Russland zu reisen ohne ein Visum zu haben. Das ist für mich jedoch neben der Großartigkeit dieser Geschichte nur eine Randnotiz.

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    W
    Waschbaerinvor 9 Monaten
    Jugend und Alter. Geben und Nehmen

    Das Buch "Betrunkene Bäume" von Ada Dorian gehört zu ser Kategorie "stille Bücher". Es gibt weder einen spannungsgeladenen Anfang noch ein aufregendes Ende. Und trotzdem sprüht der Roman vor Leben. Dem Leben des jungen Erich, als auch des alten und gebrechlichen.

    Der Roman ist auf unterschiedlichen Zeitebenen angesiedelt und springt hin und her, ohne das der Leser verwirrt ist.

    Erich, ein junger Wissenschaftler aus der ehemaligen DDR kommt zu Forschungszwecken in die sibirische Taiga. Sein russ. Assistent Wolidja hilft ihm bei seinem Unterfangen, sorgt dafür, dass dieser unerfahrene junge Mann in der Wildnis überlebt. Es geht um Bäume, deren Leben und Wachstum Erich erforschen will. Doch dann lernt er die Liebe seines Lebens kennen, die auch später mit ihm zurück in die DDR geht.

    Doch nun im Alter ist Erich allein. Seine Frau hat ihn bereits vor Jahren verlassen, als er sein Versprechen, im Alter mit ihr wieder zurück in ihre Heimat zu gehen, nicht einhält. Doch er kann und will nicht. Sein schlechtes Gewissen über den früheren Verrat an einem der ihm vertraute, lässt es nicht zu. Für Erich ist die Einsamkeit leichter zu ertragen, als sich dem zu stellen, was ihn quält.

    Der Leser erlebt, wie einsam das Alter sein kann, wenn die jungen Menschen die alten nicht verstehen. Seine Tochter stellt Pflegekräfte ein, die von Erich vertrieben werden. Kein Wunder, züchtet er in seiner Wohnung doch Bäume, von klein bis groß, was natürlich niemand wissen soll.

    Erst als er Katharina, eine junge Ausreißerin die in der gegenüberliegende Wohnung einzieht kennenlernt, wird Erich aus seinem Alltagstrott herausgerissen, Katharina ist auf der Suche nach ihrem Vater, der in Sibirien arbeitet.

    In diesem Buch treffen Jugend und Alter aufeinander. Es ist ein Geben und Nehmen. 

    Zu Beginn hatte ich keine Vorstellung, was es mit den betrunkenen Bäumen auf sich hat. Doch im Laufe des Buches erfährt man immer mehr über Permafrost und was passiert, wenn das Klima sich drastisch verändert.

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    uli123s avatar
    uli123vor einem Jahr
    Menschen und Bäume entwurzelt man nicht

    Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel neues Sachwissen sich aus einem Unterhaltungsroman ziehen lässt. So auch bei dem vorliegenden Buch, dessen ungewöhnlicher Titel Bezug nimmt auf ein mir bis dato unbekanntes Naturphänomen, dessen Erforschung sich der inzwischen über achtzigjährige Protagonist Erich zeitlebens verschrieben hat. Als junger Wissenschaftler reist er aus der DDR für Forschungszwecke in die sibirische Taiga, wo er in seinem russischen Assistenten Wolodja einen Freund und in Dascha die Liebe seines Lebens findet. Dascha folgt Erich später in dessen Heimat und wird seine Frau. Im Alter steht er  dennoch alleine da, obwohl Dascha nicht vorverstorben ist, und kämpft zusehends gegen seine Altersgebrechen. Geblieben ist ihm seine Liebe zu Bäumen, die er in seiner Plattenbauwohnung züchtet. Als er die Ausreißerin Katharina kennenlernt, deren Vater die Familie verlassen hat, um in Sibirien zu arbeiten, sieht er eine Chance, frühere Fehler wieder gutzumachen.


    Das Buch zu lesen lohnt sich wirklich. Anders als man aufgrund des vorderen Klappentextes meinen könnte, ist es nicht vorrangig ein Buch über eine Freundschaft zwischen Alt und Jung (Erich und Katharina). Sie verbindet eher eine Zweckgemeinschaft. Vielmehr dominiert das Thema Liebe, und zwar zur Natur in Gestalt von Erichs Bäumen und zu anderen Menschen (Dascha). Viel Raum nimmt auch die Darstellung des Prozesses der Alterung ein, ohne allerdings traurig zu stimmen, stemmt sich Erich doch auf durchaus humorvolle Weise dagegen, z.B. indem er sich listig seiner Pflegekräfte entledigt. Auflockernd wirkt der Erzählfluss, indem im Wechsel Geschehnisse in Sibirien Jahrzehnte zuvor und in der Gegenwart geschildert werden. Wolodjas Vergangenheit, seine Verbindung zu Erich, der Gang ihrer Beziehung zur selben Frau – alles kommt zunächst bruchstückhaft zu Tage und fügt sich erst später zu einem Ganzen. Die Sprache ist recht poetisch und bildhaft. Das unwirtliche Sibirien hat man gut vor Augen und erhält einen lehrreichen Eindruck über die dortige Natur und ihre Menschen, die in Jurten oder gar wie zeitweise Wolodja in den berüchtigten Arbeitslagern hausen.

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    E
    echidnavor einem Jahr
    Eine besondere Geschichte


              Erich ist jemand, der die Bäume liebt. So sehr, dass er mit seinen 80 Jahren immer noch nicht aufhören kann mit seinen Forschungsarbeiten. Als junger Mann war er in Sibirien unterwegs, um die Bäume zu erforschen, dem Phänomen der betrunkenen Bäume auf der Spur. Damals hat er etwas getan, wofür er sich immer noch schuldig fühlt und was ihn daran hindert, dorthin zurück zu gehen, noch nicht mal seiner Frau zuliebe, die schon vor Jahren zurück in ihre russische Heimat gezogen ist.
    Mittlerweile lebt er fast vereinsamt in seiner heruntergekommenen Wohnung und muss lernen zu akzeptieren, dass er durch sein Alter nicht mehr so unabhängig ist, wie er gerne sein möchte. Erst durch Katharina, einem Mädchen, das von zuhause ausgerissen ist und in die leerstehende Wohnung ihm gegenüber zieht, gelingt es ihm, sich zu öffnen und wieder jemanden in sein Leben zu lassen.


    Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es ist eine warmherzige Geschichte, die so schön beschrieben wird, dass man die Wärme, die zwischen den auf den ersten Blick so kühlen Charakteren wächst, spüren kann. Mir hat es sehr gefallen, dass die Geschichte nicht chronologisch erzählt wird, sondern dass es zwei Erzählstränge gibt, die Gegenwart und die Vergangenheit, die sich miteinander abwechseln. So erfährt man nach und nach mehr über die Charaktere und deren Vergangenheit, wodurch man ihr Verhalten in der Gegenwart allmählich immer besser verstehen kann.


    Die Charaktere sind wirklich einzigartig. Besonders Erich ist ein sehr interessanter Charakter, den man wahrscheinlich bis zum Schluss nicht ganz ergründen kann. Er liebt die Natur so sehr, dass er in seinem Schlafzimmer unter echten Bäumen schläft. So jemand bleibt einem einfach im Gedächtnis. Ich bin froh darüber, dass ich ihn ein kleines Stückchen auf seinem Weg begleiten durfte.
            

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    Federfees avatar
    Federfeevor einem Jahr
    Erinnerungen eines alten Mannes; die Liebe zum Wald und gebrochene Versprechen


    3,5 Sterne von 5

    Richtig überzeugen konnte mich dieser in zwei Zeitebenen erzählte Roman nicht. Dazu ist mir zu unklar, worum es wirklich geht und das Ende ist mir zu abrupt.


    Der über 80jährige Erich versucht verzweifelt, alleine klar zu kommen und seine Selbständigkeit zu bewahren. Er hat zwar eine Tochter, die ständig nach ihm guckt, ihm einen Rollator und eine Pflegerin verschafft, aber er will das alles nicht und schon gar nicht in ein Heim.


    Er trauert seinem Beruf nach und seiner Frau. Erst nach und nach erfahren wir, was es mit ihr und seiner Liebe zu Sibirien auf sich hat. Lediglich eine Nachbarin, ein junges Mädchen, eine Ausreißerin, vermag zu ihm durchzudringen, weil sie ihm hilft, ohne sich aufzudrängen und weil sie aus einem bestimmten Grund Fragen zu Sibirien hat.


    Sehr gefallen hat mir in diesem Debutroman die bildhafte, unverbrauchte und poetische Sprache.

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    G
    Gisevor einem Jahr
    Mit der Sprache die Bilder des Buches erleben

    Betrunkene Bäume – das sind Bäume, die durch die globale Erwärmung den Halt verlieren und schief wachsen. Diesem Phänomen ist Erich nachgegangen, inzwischen ist er 80 Jahre alt, doch diesen Forschungen fühlt er sich immer noch verpflichtet. Das gerät allerdings damit in Konflikt, dass er zunehmend seine Selbständigkeit verliert, so dass seine Tochter ihn gerne in ein Pflegeheim geben möchte. Als die 16jährige Katharina in der leerstehenden Nachbarwohnung unterkommt, nachdem sie von zu Hause ausgerissen ist, lernen die beiden sich näher kennen und helfen einander aus. Wie lange jedoch kann das gut gehen?

    Sowohl Katharina wie auch Erich sind wie die betrunkenen Bäume, die verzweifelt nach einem möglichen Halt suchen. Diese Suche lässt sie einige Gemeinsamkeiten finden. Doch einen richtigen Halt zu finden, dafür ist ihre jeweilige Situation zu labil. Was das genau bedeutet, erzählt die Autorin Ada Dorian nach und nach, so dass erst zum Schluss ein gesamtes Bild entsteht. Sehr vorsichtig und einfühlsam bleibt sie dabei, lässt die Geschichte selbst wirken, ohne zu werten. Dabei kann sich der Leser von der Sprache verführen lassen, um so den Bildern hinter den Worten nachzuspüren. Das geht manchmal zu Lasten der Spannung, stattdessen fordert das Buch vom Leser die Zeit, die Worte wirken zu lassen.

    Nicht ganz überzeugt hat mich das Ende der Erzählung, es kam zu schnell, hier scheint mir die Autorin aus dem Takt gekommen zu sein. Insgesamt ist das Buch nicht zum Nebenherlesen geeignet, wer sich aber darauf einlassen kann, wird mit einer ruhigen, dafür sprachlich äußerst gelungenen Geschichte belohnt.

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    JDaizys avatar
    JDaizyvor einem Jahr
    Ein wortgewaltiger, berührender Roman

    "Auf der Fensterbank füllten sich die Blätter wieder mit Leben, nur der Selbstmörder wollte nicht so recht. Von der Eckbank und aus dem niedrigen Winkel im Sitzen bildeten die Pflänzchen einen dichten Wald. Einen Miniaturwald, von dem Erich wusste, wie er später in voller Größe aussehen würde. Obwohl er lange in keinem Wald gewesen war, erinnerte er sich, wie es sich anfühlte, an einem heißen Tag im Schatten eines Baumes mit großer Krone zu sitzen. Er wusste, wie es im Wald roch, wie die Zusammensetzung des Bodens sein musste und welche Pflanzen den Unterwuchs bildeten. Er konnte den Wald bereits spüren."


    Professor Erich Warendorf ist über achtzig und wohnt in einer eher verlassenen Gegend, die durch Leerstand in den alten, abgewohnten Wohnhäusern gezeichnet ist. Seine Gesundheit ist nicht mehr die beste und seine Tochter würde ihn gern in einem Pflegeheim unterbringen. Doch wie ein bekanntes Sprichwort sagt: "Einen alten Baum verpflanzt man nicht so leicht." Und so wehrt sich Erich mit Händen und Füßen gegen diese Entscheidung.
    Mit viel Gefühl beschreibt die Autorin seine Traurigkeit, seine Ängste und seinen wachen Geist. Immer wieder gibt es Rückblicke in seine berufliche und private Vergangenheit, wobei mir ganz besonders seine spannende Forschungsreise in die Taiga mit seinem Begleiter Wolodja und seinem namenslosen Laika, und seine tiefe Liebe zu seiner Frau Dascha im Gedächtnis geblieben sind.
    Als es Ärger mit der Haushälterin gibt, trifft Erich eher unerwartet auf die junge Ausreißerin Katharina. So unterschiedlich die zwei auch auf den ersten Blick erscheinen mögen, verbindet sie mehr als ihre Wohnungen im gleichen Haus. Die zwei kommen sich immer näher und es entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft, die beiden Luft zum Atmen und neue Impulse gibt.

    Wird Erich Katharina davon überzeugen können, wieder zur Schule und zurück nach Hause zu gehen? Oder wird Katharina bei Erich bleiben und so seine drohende Unterbringung im Heim abwenden können? Und was hat es mit dem verschlossenen Schlafzimmer auf sich? Welches Geheimnis verbirgt Erich dort vor der Außenwelt?

    Auch wenn es für die Geschichte nicht vorrangig ist, hat mich der Besuch von Erich und seiner Tochter in einer Seniorenresidenz und sein Gespräch mit Herr Hofmann sehr bewegt. In diesen wenigen Worten steckt so viel Tiefe und Wahrheit. Wir alle werden älter. Und wie wird es uns dann ergehen? Immer wieder habe ich während der Geschichte das Verhalten von Irina gegenüber ihrem Vater hinterfragt und bin zu keinem abschließenden Ergebnis gekommen. Man könnte es verstehen, man könnte es kritisieren und man könnte es (in Gedanken) selbst besser oder schlechter machen. Doch wer weiß das schon BEVOR man nicht selbst in genau so einer Situation gesteckt hat.
    Auch die Vergleiche zwischen dem alternden Erich und "seinen" Bäumen finde ich sehr gelungen. Es steckt so viel Poesie und Kraft in diesen Zeilen. Schwankend, gefangen, gebrochen, aber mit einem unbändigen (Überlebens-)Willen - auch oder gerade - in schwierigen Zeiten.

    Das Buch wurde am 24. Februar 2017 im Ullstein-Verlag veröffentlicht. Es überzeugt als kleines Hardcover mit einem griffigen Schutzeinschlag und einem Lesebändchen und ist zudem hochwertig verarbeitet.
    Mit dem Titel konnte ich zu Beginn nicht wirklich viel anfangen. Aber NACH dem Lesen passt er perfekt und bekommt eine symbolhafte Bedeutung für die Geschichte. Das Cover selbst ist unaufdringlich und überzeugt eher durch die Anordnung der Schrift und mit seiner wunderschönen Farbgestaltung als durch die Abbildung, die Bäume, Büsche oder Gräser vermuten lässt.


    Fazit:
    Ein wortgewaltiger, berührender Roman über das Älterwerden, über verratene und neugeknüpfte Freundschaft, über die Sehnsucht und die unerschütterliche Liebe zu den Eltern, dem Partner und der Heimat und den eigenen Wurzeln. Meine absolute Leseempfehlung.  

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    jenvo82s avatar
    jenvo82vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein stiller Roman, der einen kleinen Lebensausschnitt ins rechte Licht rückt. Eine Geschichte über Neuanfänge, Versäumnisse und Fügungen.
    Der Wissenschaftler, der die Bäume liebt

    „Es gibt Straßen in großen Städten, die sehen in hundert Jahren noch aus wie heute, weil sie bereits vor hundert Jahren so ausgesehen haben, dachte er. Und es gibt Straßen, die ihr Gesicht permanent verändern. Seine Straße gehörte zu der letzteren.“

    Inhalt

    Der in die Jahre gekommene Wissenschaftler Erich Warendorf, bemüht sich, seinen Lebensabend in der Abgeschiedenheit seiner Wohnung zu verbringen und arbeitet nach wie vor für ein Projekt in den unwirtlichen Regionen der Taiga, einer Landschaft, die ihn bereits in jungen Jahren ungemein gefesselt hat. Dort fand er nicht nur seine große Liebe, sondern auch einen echten Freund, der ihn durch die Wälder führte und ihn die wunderbare Natur, die Unabhängigkeit jahrhundertealter Bäume zeigte. Erich verlor im Lauf seines Lebens Frau und Freund und kämpft nun einen ungerechten Kampf gegen das Alter und seine Tochter, die ihn in ein Pflegeheim geben möchte. Nur die junge Nachbarin Katharina, ist die einzige, die er in sein Schlafzimmer lässt, in dem sich ein ganzer Wald befindet, die einzige, die ihn nicht bevormundet und mit der er sich seinen letzten Wunsch erfüllen möchte: Zurück nach Sibirien, dorthin, wo sein Herz immer noch weilt und die Menschen, die er liebt.

    Meinung

    In ihrem Debütroman schafft die junge deutsche Autorin Ada Dorian einen liebevollen Mikrokosmos, der intensiv und mit wunderschöner Sprache einen Lebensausschnitt zweier Menschenleben zeigt, denen ihre Einsamkeit und Sehnsucht nach der Ferne gleichermaßen vertraut ist, obwohl sie mehrere Generationen trennen. Besonders schön empfand ich die Interaktion der Protagonisten miteinander, ihr Einfühlungsvermögen und den damit verbundenen Tiefgang der Gefühle. Ein junges Mädchen, auf der Suche nach ihrem Vater und ein alter Mann auf der letzten Reise, die ihn zu den Wurzeln seiner Vergangenheit zurückführen wird.

    Die Geschichte findet auf mehreren Ebenen statt, die den Leser sowohl die Ereignisse der jüngsten Entwicklung zeigen, als auch die Ursachen, die weit zurückliegen in einer Zeit, in der Erich noch ein junger Mann war und sein Leben einen Verlauf nahm, dem er nun noch einmal folgen möchte. Beide Erzählstränge harmonieren miteinander, so dass der Leser dem Geschehen leicht folgen kann und sich die wenigen Protagonisten zu einem runden Leseerlebnis zusammenfinden.

     Im Zentrum dieser teilweise philosophischen Erzählung stehen sehr menschliche Verhaltensweisen, die sich damit auseinandersetzen, wie schwer es ist einen Neuanfang zu wagen, wie bedrückend die persönlichen Versäumnisse im Alter werden können und wie plötzlich und unerwartet sich diverse Fügungen des Schicksals einstellen können. Dennoch setzt die Autorin den Fokus auf ein selbstbestimmtes Entscheiden, auf eine willentliche Möglichkeit, das Beste aus dem Leben herauszuholen, auch wenn das im schlimmsten Fall bedeutet, Dinge im Nachhinein anders zu gestalten, sich selbst zu einer Rückkehr zu animieren.

    Fazit

    Ich vergebe 4,5 Lesesterne für einen stillen, doch ergreifenden Roman, der wichtige Inhalte vermittelt, über die es sich nachzudenken lohnt. Eine Geschichte über Menschen, die erkannt haben, dass sie nur dann perfekt funktionieren, wenn sie ein Gegenüber haben, einen anderen, dem sie vertrauen können und ein Lebensziel, welches sich nicht vorrangig auf die Selbstverwirklichung stützt, sondern auf die Liebe, die Aufrichtigkeit und die Integrität, zu der Menschen fähig sein können, wenn sie nur wollen. Ein tolles Leseerlebnis, dass mich weitgehend fesseln konnte, auch wenn ich mit dem etwas abrupten und vorhersehbarem Ende nicht ganz einverstanden war – gerne hätten es noch ein paar Seiten mehr sein dürfen.

     

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