Adam Alter

 4.5 Sterne bei 2 Bewertungen
Autor von Unwiderstehlich.

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Cover des Buches Unwiderstehlich (ISBN:9783492242226)

Unwiderstehlich

 (2)
Erscheint am 02.12.2019

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Rezension zu "Unwiderstehlich" von Adam Alter

Belohnungszentren und Levelaufstieg
Thomas_Lawallvor 8 Monaten

Wie lange wohl bleibt eine E-Mail ungelesen, die an eine Büroadresse gesendet wurde? Mit der Vermutung, dies würde um die zehn Minuten dauern, irrte sich Adam Alter gewaltig. Es sind gerade mal sechs Sekunden. Um wieder maximale Produktivität zu erreichen, benötigt man, laut "Schätzungen", ca. 25 Minuten. Je nach Menge der eingehenden Nachrichten ist leicht auszurechnen, ob Arbeitnehmer bei permanenten Unterbrechungen die geforderte Produktivität überhaupt noch erreichen können ...

Solche und andere Beispiele führt der Autor und Psychologe bis ins Detail aus. Reichlich Futter für die Fraktion der Internetverächter oder Smartphoneverweigerer, wie der Rezensent einer ist. Doch man befindet sich auf einsamem Posten angesichts der ständig wachsenden Nutzergemeinde, die zudem immer jünger wird. Was können schon ein paar Verweigerer ausrichten, wenn Facebook Instagram für eine Milliarde Dollar kauft(e). Es ist aussichtslos. Wer so viel Geld investiert, weiß warum. Millionen "Süchtiger" sorgen schnell für satten Gewinn, trotz immenser Kosten. 

Und daran wird "Unwiderstehlich" nichts ändern, denn jene, die es betrifft, werden keine Zeit, Lust oder beides haben, dieses Buch zu lesen. Sie werden nichts über die Mechanismen erfahren, welche sie "süchtig nach Euphorie" macht, wie eine "Flut an Wohlbehagen" funktioniert oder wie sich die "Wahrheit über Sucht" definiert. Denn wer will schon hören, dass süchtig machendes Verhalten die gleichen Belohnungszentren im Gehirn bedient wie bei Heroinsüchtigen ...

Sucht wird demzufolge nicht mehr auf den sog. Drogenmissbrauch reduziert. Neben suchterzeugenden Substanzen können "suchterzeugende Verhaltensweisen" längst nicht mehr geleugnet werden. "Verhaltenssucht" heißt das Zauberwort und sie scheint sich auf einem unaufhaltsamen Vormarsch zu befinden. Schulkinder verbringen zwei Drittel ihrer Zeit mit Schlafen und Schule. Das verbleibende Drittel füllt der Umgang mit elektronischen Medien.

Adam Alter bietet neben seiner ebenso umfangreichen wie ausführlichen Beweisführung auch Lösungsansätze, insbesondere auch im Hinblick auf sein eigenes Kind, welches in "eine Welt voller Bildschirme" geboren wurde. Neben durchaus vernünftigen Mechanismen, wie Eltern eine begleitende Heranführung an die unterschiedlichen Medien dosieren sollten, enthält das Buch auch einige fragwürdige Methoden. Die Beschreibung eines Armbands, welches Stromstöße verabreicht, hört sich an wie ein übler Scherz. Schlechte Angewohnheiten durch Bestrafung aus der Welt zu schaffen bietet alles, nur keine "vielversprechenden Ansätze"!

Überaus ambivalent gestaltet sich auch das Kapitel "Gamification". Die Muster für Verhaltenssüchte werden quasi umgepolt, so dass sie "Gutes bewirken". Beispielsweise werden unangenehme und unbeliebte Arbeitsvorgänge umgestaltet, ähnlich wie ein Computerspiel. Belohnungen wie Pokale, Bestenlisten und Levelaufstieg gegen Langeweile und Alltagsroutine also. Letztlich vielleicht aber nur eine Manipulation auf anderer Ebene.

Es bleibt also schwierig. Was nutzt beispielsweise der wissenschaftliche Beweis, dass blaues Licht dem Gehirn den Tagesanbruch signalisiert? Intensive Nutzung des Smartphones vor der Nachtruhe soll demnach für massive Schlafstörungen verantwortlich sein. Dem gegenüber stehen Ausführungen von Benutzern, die belegen, dass ihnen ihr Lieblingsgerät beim Einschlafen sogar extrem hilfreich sei. Wie immer, wird in alle Richtungen diskutiert werden. Das wird lange dauern. Jahre. Und wie die Zukunft aussieht, weiß selbst der Autor nicht. Das, was uns heute beunruhigt, ist in zehn Jahren wahrscheinlich längst ein alter Hut ...
 
Unzählige Zitate und Forschungsergebnisse der Kollegen, in einem umfangreichen Anhang belegt, machen das Buch dennoch zu einem Meilenstein zum Stand der Dinge aus wissenschaftlicher Sicht. Höchst amüsant gestalten sich auch Rückblicke in die Geschichte der Videospiele, beispielsweise in Sachen "Tetris" oder "Super Mario Bros." Nicht weniger interessant ist die Abteilung Spielautomaten, insbesondere die Manipulation derselben ...

Ebenfalls nicht gewusst: 30.000 Bücher soll es geben, die das Leben einfacher machen. Gehört dieses Buch etwa auch dazu? Macht es gar "süchtig?" Sicher nicht, doch die einzige "Sucht", die sich tatsächlich entwickeln könnte, ist jene, einmal darüber nachzudenken, was man täglich so tut und vielleicht einfach lassen könnte. Was sicherlich nur in kleinem Kreis passieren wird. Aber immerhin!

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