Das geraubte Leben des Waisen Jun Do

von Adam Johnson 
4,1 Sterne bei122 Bewertungen
Das geraubte Leben des Waisen Jun Do
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

Positiv (88):
Antigone8s avatar

Erzählt wird der Alltag in Nordkorea und doch mutet es für den westlichen Leser wie eine satirische Dystopie an. Lesenswert!

Kritisch (11):
Jaris avatar

1A-Propaganda.

Alle 122 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Das geraubte Leben des Waisen Jun Do"

Pak Jun Do hat noch nie einen Film gesehen, kaum je ein Werbeplakat, er findet es merkwürdig, dass woanders Leute Tiere im Haus halten, und wundert sich über Maschinen, die Geld auswerfen. Er kennt keine Ironie, keine Kunst, keine Mode und keine Magazine. Aufgewachsen im nordkoreanischen Waisenhaus Frohe Zukunft, ist er ein winziges Rädchen im großen Getriebe der absurd-grausamen Herrschaft des »Geliebten Führers« Kim Jong Il. Schon ein falsches Wort kann jeden sofort ins Lager bringen.

Doch mit der Zeit beginnt Jun Do an etwas zu glauben, was stärker ist als Staatstreue: Freundschaft und Liebe. Als er die Schauspielerin Sun Moon trifft, lernt er das bedingungslose Vertrauen in einen anderen Menschen kennen. Und nur dafür lohnt es sich zu überleben.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783518465226
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:685 Seiten
Verlag:Suhrkamp
Erscheinungsdatum:16.06.2014

Videos zum Buch

Rezensionen und Bewertungen

Neu
4,1 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne59
  • 4 Sterne29
  • 3 Sterne23
  • 2 Sterne11
  • 1 Stern0
  • Sortieren:
    A
    Amy86vor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Schräg aber gut!
    ...so würde ein Film über Nordkorea werden, wenn er von Tarantino verfilmt würde...

    Was man ganz klar sagen muss: Dieses Buch ist einfach anders. Anders als in den meisten Büchern über Nordkorea, die von tragischen Fluchtgeschichten handeln, spielt hier beinahe das gesamte Buch in Nordkorea. Sogar Kim-Jong-il selbst wird sehr grotesk dargestellt.

    Das Buch hat mich sehr gut unterhalten, auch wenn es weit weg von der Realität ist. 

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Kathrin_Schroeders avatar
    Kathrin_Schroedervor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Abgedreht und/oder realistisch - zum Teil mit Längen
    Preisgekröntes Buch über das Leben in "Nordkorea"

    Das geraubte Leben des Waisen Jun Do von Adam Johnson

    Erscheinungstermin: 16.6.2014 gelesen als gebrauchtes Taschenbuch (rebuy) im Februar bis Juni 2018

    Genre: Gegenwartsliteratur, politische Literatur

    Wie schon aus dem Lesedatum ersichtlich, ist mir dieses Buch zu lesen nicht durchgehend leicht gefallen. Ende Februar habe ich die Hälfte des ersten Teils gelesen, das Buch aber dann für gut 3 Monate zur Seite gelegt. Auch nachdem ich es jetzt doch relativ schnell zuende gelesen habe, fällt mir die Bewertung nicht leicht. Für mich teilt sich dieses Buch in 3 Teile.

    Die ersten beiden Teile erzählen von Jun Do, dem Waisen bzw. Mitbewohner eines Waisenhauses, der von allen als Waise behandelt wird. Die Kindheit und Jugend wird zwar überzogen, aber dennoch gut lesbar und spannend beschrieben. Als Erwachsener wird Jun Do wie andere Waisen in besonders riskanten Bereichen eingesetzt: Als Tunnelbauer nach Südkorea, als Entführer von geeigneten Personen z.B. in Japan und als politischer Funker. Dieser Bereich, für mich der zweite Teil von drei Teilen, hat sich extrem gezogen. Er war weder realistisch, noch überzeichnet mit realer Basis noch so überdreht unterhaltsam wie der letzte Teil. Hier habe ich eine längere Pause eingelegt, bevor ich das Buch weiter und zuende gelesen habe.

    Im dritten Teil gibt es einen Perspektiv/Personenwechsel und diverse Sprünge zwischen verschiedenen Zeitstrukturen. Dieser Teil ist fantasievoll, abgedreht und trotz aller Brutalität unterhaltsam.

    Für mich hätte die zweite Hälfte des ersten Buchteiles deutlich gekürzt werden sollen, der Rest macht den Buchpreis für den Autoren nachvollziehbar.

    Was das Buch definitiv nicht ist: Ein realistischer Roman über die Verhältnisse in Nordkorea - aber das Buch ist auch keine rein abgedrehte Fiktion, sondern irgendetwas dazwischen, das zum Nachdenken auffordert.

    #DasgeraubteLebendesWaisenJunDo #AdamJohnson #Rezension #KathrinliebtLesen

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    awogflis avatar
    awogflivor 4 Monaten
    Surrealer, total wahrer Wahnsinn im Operettenstaat Nordkorea

    Dieser 2013 mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnete Roman ist bedauerlicherweise bisher völlig an mir vorbeigegangen. Dann entdeckte er mich kürzlich zufällig auf dem Weg zu einer Aussichtsplattform, ich stolperte quasi über ihn. Am Tag der Annäherung von Nord- und Südkorea beschloss ich nun, dass es Zeit ist, mich mit diesem Werk zu beschäftigen.

    Wahnsinn! Ich fasse noch immer nicht, was mir bisher entgangen ist, da bin ich doch glatt unvermutet über eine Perle, ein Kleinod gestolpert.

    Der Waise Jun Do hat kein eigenes Leben, keine Familie, sein ganzes Dasein und sein Lebenszweck ist dem großen Führer Kim Jog Il (als Stellvertreter natürlich den ausführenden Parteibonzen), seinen Bedürfnissen, Wünschen und Forderungen gewidmet. Durch diese Konstellation schlittert und laviert er durch ein atemberaubendes total fremdbestimmtes Leben, das in seiner Grausamkeit tragisch, episch und opernhaft in seiner Groteskheit und Absurdität aber fast operettenhaft wirkt. Fast so wie wir uns den geliebten Führer Nord-Koreas vorstellen, so wie uns dieser wahnwitzige eitle Zwerg in den Medien präsentiert wird.

    Ich hoffe, ich kriege die Analogien richtig zusammen, denn der Stil dieses irrwitzigen Entwicklungsromans ist einzigartig. Der Roman hat von seiner lapidaren Grausamkeit her sehr viel von Remarques Im Westen nichts Neues gemischt mit sehr viel Kafka, und einem Schuss Anarchie der Monty Pythons, aber nicht die humorvollen Szenen sondern die brachial-grotesken. Somit sind die nicht seltenen sehr gewalttätigen Sequenzen aber auch etwas verträglicher, weil sie durch die Absurdität etwas weniger realistisch wirken.

    "Das wahre Leben hatte ihn wieder - man hatte ihn für eine neue Aufgabe eingeteilt, und Jun Do machte sich keine Illusionen darüber, was das bedeuten mochte. Er drehte sich wieder zu den Anzugträgern um. Sie redeten über einen kranken Kollegen und spekulierten, ob er wohl Nahrungsmittel bei sich im Haus gehortet hatte und wer die Wohnung bekommen würde, wenn er starb."

    Eine kafkaeske surreale menschenverachtende Münchhausiade, die so perfekt mit abstrusen Fakten über Nord-Korea gestrickt und eng gewoben ist, dass man nicht erkennt, wo die Wahrheit aufhört und die Fiktion beginnt - ich bin ENTZÜCKT!! 😍😍😍😍

    Beispielsweise entführen die Nordkoreaner in China, Japan und Südkorea massenweise Personen,  die irgendwer haben will: den Sushi Koch und den Leibarzt für den geliebten Führer, Frauen für Generäle, Schauspieler um die Filmindustrie aufzubauen ..... Am Anfang dachte ich mir noch, dieses abstruse Gschichtl ist gut erfunden, dann empfand ich es als so arg, dass es schon wieder wahr sein könnte. Nach einer ausführlichen Recherche, ob so was wirklich im großen Stil stattgefunden hat, fiel ich aus allen Wolken: Das ist tatsächlich in der Realität so passiert. Das geschiedene Schauspielerehepaar wurde aus Südkorea entführt, die Schauspielerin ist tatsächlich bei einer Auslandstournee geflüchtet und hat in Wien um politisches Asyl angesucht. Massenweise Japaner wurden entführt, um als Sprach- und Japanischlehrer zu fungieren, damit die Koreaner in einer japanischen Passagiermaschine nicht auffallen und einen Terroranschlag durchführen konnten. Unpackbar! Insgesamt 30 Entfürhungen hat Nord-Korea zugegeben mehr als 100 haben alleine die Japaner nachweislich dokumentiert.

    Jun Do entwickelt sich im Laufe des Romans und wechselt in Folge seiner fehlenden persönlichen Identität und eines Glücksfalls auch sehr schnell zu der Identität des Generals Ga, den er in Notwehr umgebracht hat. In einem Staat, in dem alle vorauseilenden Gehorsam gewohnt sind, brauchen nur zwei bis drei einflussreiche Personen inkl. der große Führer diese Scharade unterstützen, schon folgen alle der Münchhausiade. Sogar die Ehefrau, die einen Treuetest des Führers oder ihres ehemaligen Gemahls vermutet, steigt in das Spiel ein. Zudem wird dieser Glücksfall von Jun Do noch gefördert, da Kommandant Ga einer der größten und unbeliebtesten Verbrecher des Landes war, der sogar von Kim Jong Il gehasst wird, weil sich beide gar so ähnlich sind.

    In der ganzen skurrilen Geschichte steckt noch viel mehr drinnen, aber ich kann dem ganzen gar nicht gerecht werden, erstens wahrscheinlich überhaupt nicht in meiner Rezension und dann schon gar nicht, ohne massiv zu spoilern. Bei all den Absurditäten, die sich nach Recherche auf jeden Fall zu einem Großteil als wahr erweisen, ist Adam Johnson möglicherweise der tiefste, intensivste  ausführlichste und wahrhaftigste Blick auf den Operettenstaat Nordkorea mit dem Vorbild des Shogunats und in die verwirrten Seelen des geknechteten, mit Stockholm Syndrom gepeinigten Täter- und Opfervolks zugleich gelungen.

    Fazit: Einer der Höhepunkte in meinem Buchjahr - sowohl aus politischer, dramaturgischer und sprachlicher Sicht ein absoluter Knüller, der auf jeden Fall in meine All-Time-Favourites eingeht! Aber eben ein bisschen abstrus in seiner Realität und sicher nicht für Jedermannfrau geeignet.

    Kommentare: 6
    70
    Teilen
    Bookster_HROs avatar
    Bookster_HROvor einem Jahr
    Adam Johnson | DAS GERAUBTE LEBEN DES WAISEN JUN DO

    INHALT: Der junge Jun Do (btw: das Pendant zum amerikanischen John Doe, einem Menschen ohne Identität) wächst in einem Waisenhaus in Nordkorea auf und wird von der Regierung zum Spitzel ausgebildet. Im Japanischen Meer soll er feindliche Funksprüche auffangen. Eine Aufgabe, die er mit Bravour meistert, sodass er auf der Karriereleiter aufsteigt und an einem Staatsbesuch in Texas teilnehmen darf. Dieser scheitert in den Augen der Obrigkeit allerdings und Jun Do wird ohne Gerichtsverfahren in ein Arbeitslager deportiert. Nach vielen Monaten unter unmenschlichen Bedingungen gelingt ihm die Flucht indem er den tyrannischen Lagerkommandanten Ga erschlägt und seine Identität annimmt, denn (und das ist der große Aufhänger dieses Romans) in Nordkorea zählt nicht das Individuum selbst, sondern nur seine Geschichte. Do als Ga hat nun viel Macht und große Nähe zum Geliebten Führer Kim Jong Il und kann für sich und seine neu gewonnene Familie die Flucht nach Amerika planen. Doch auch dies gelingt nicht und er muss sich einem langwierigen Verhör stellen, das einer Gehirnwäsche gleicht.

    FORM: Der Roman ist in zwei Teile geteilt. Zum einen die Lebensgeschichte von Jun Do, die gradlinig und ruhig erzählt wird. Zum anderen die des Kommandanten Ga ab dem Indentitätswechsel. Ab hier wird zwischen den Zeiten und Perspektiven hin und her gesprungen, sodass die eigentliche Geschichte kapitelweise mehr und mehr entblättert wird.

    Johnsons Schreibstil ist vielseitig. Die Szenen auf dem Meer sind poetisch und warm, die beim Verhör nüchtern und kratzig. Manche Beschreibungen aus dem Arbeitslager werde ich mein Lebtag nicht mehr vergessen, so grausam wird das Elend beschrieben. Alle paar Kapitel wird eine Propagandasendung aus dem Volksempfänger eingestreut, mit der die Bevölkerung rund um die Uhr berieselt wird. Dort wird die „offizielle“ Version des gerade Gelesenen verkündet, natürlich schamlos korrigiert. Mit diesem Kniff wird das perfide System Nordkoreas besonders deutlich.

    FAZIT: DAS GERAUBTE LEBEN DES WAISEN JUN DO liefert nicht nur einen spannenden Thriller (obwohl das Genre „Thriller“ nicht so richtig passen will), sondern gibt auch einen erschreckenden Einblick in eines der krassesten politischen Systeme unserer Zeit. Ich hoffe sehr, dass das nordkoreanische Volk irgendwann den Weg in die Freiheit findet. Diesen großartigen Roman wird in Nordkorea wohl niemand jemals lesen, für uns Außenstehende ist er als Augenöffner jedoch immens wichtig. Ein beindruckendes Buch – fünf Sterne!

    *** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

    Kommentieren0
    4
    Teilen
    MariaAlexandras avatar
    MariaAlexandravor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine Wahnsinns Geschichte, die einem nicht mehr aus dem Kopf geht
    Eine Wahnsinns Geschichte, die einem nicht mehr aus dem Kopf geht

    Nord-Korea ist ja gerade wieder ein großes Thema: Es gibt Ärger mit Trump. Aber jenseits der nackten Infos aus den Medien hat man ja kaum ein Gefühl für dieses Land.
    Adam Johnson vermittelt in diesem Roman solch ein Gefühl und erzählt eine
    Geschichte, die im Gedächtnis bleibt, weil sie so ungewöhnlich wie genial ist.
    Der Autor ermöglicht einem das Eintauchen in eine völlig andere Denk-Kultur, eine andere Staatsform, eine Gesellschaft, in die man sich als Europäer kaum hineinversetzen kann.
    Da wird das Absurde einer Diktatur (die Loyalität der Bevölkerung, das Erdulden, das Schweigen und die Hoffnung auf ein systhemtreues Glück) völlig logisch und nachvollziehbar. Die "Gehirnwäsche" ist schließlich ein elementarer Bestandteil und niemand ist vor so etwas gefeit, der in solch einem System aufwächst.
    Schein und Sein, Trugbild und Wirklichkeit, Denken und Propaganda werden in eine grandiose Matapher in Romanlänge verpackt.
    Ist aber nichts für schwache Nerven!!!

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Ginevras avatar
    Ginevravor 2 Jahren
    (K)ein Leben für den Präsidenten

    Jun Do hat ein außergewöhnliches Schicksal: er ist der Sohn des Leiters eines Waisenhauses in Nord-Korea. Damit steht er ganz unten in der gesellschaftlichen Hierarchie, denn sein Vater muss ihn noch schlechter als die Waisenkinder behandeln, damit ihm ja kein Regelverstoss nachgesagt werden kann.
    Jun Do entwickelt sich dennoch prächtig: er ist vernünftig, fügsam, fleissig und wird bald in die Armee aufgenommen. Dort erhält er eine Ausbildung zum Dunkelheitskämpfer, was dazu führt, dass er bei streng geheimen Missionen des Staatsdienstes eingesetzt wird. Dabei handelt es sich um gezielte Entführungen japanischer Staatsbürger mit besonderen Talenten oder finanziellem Background. Kollateralschäden wie Totschlag und alle möglichen Menschenrechtsverletzungen sind an der Tagesordnung. Jun Do beginnt immer mehr, seinen Arbeitsplatz und die dahinter stehende nordkoreanische Gesellschaftsordnung in Frage zu stellen – besonders, als er immer intensivere Gespräche mit seinen westlich geprägten Entführungsopfern führt. Doch eine Flucht kommt für ihn nicht in Frage – nicht, bevor er seine längst verschollene Mutter gefunden hat…

    Der US-amerikanische Autor Adam Johnsson, geb. 1967 in South Dakota, erhielt 2013 für diesen Roman den Pulitzer- Preis für Literatur. Der Autor lehrt in Stanford Creative Writing. Er hat in verschiedenen Magazinen publiziert und zahlreiche Preise und Stipendien erhalten. Für den vorliegenden Roman reiste Adam Johnson ins abgeschottete Nordkorea.
    Zitat: „Adam Johnsons kühner Nordkorea-Roman ist ein wahres Feuerwerk der Erzählkunst, eine wahnwitzige Geschichte über Freiheit, Wahrheit und Identität. Er ist ebenso die Geschichte verlorener Unschuld wie Spionagethriller und Liebesroman, bevölkert von eigenwilligen, schrägen Figuren – poetisch, erschütternd und unvergesslich.“

    Zitat des Autors: „Ehrlich gesagt hatte ich das Gefühl, Nordkoreas tatsächliche Schwärze noch etwas verharmlosen zu müssen.

    Mich hat dieser Roman beim Lesen richtig gepackt und Jun Dos Schicksal bewegte mich sehr, wobei ich mich immer wieder fragen musste, wieviel Fiktion und wieviel Wahres an dieser Geschichte ist. Die geballte Ladung Menschenrechtsverletzungen, der sarkastische Humor des Autors, dabei aber das aufkeimende Pflänzchen freien Denkens beim Helden Jun Do haben etwas unglaublich Faszinierendes – teilt die Welt aber auch ganz klar auf in gut (USA) und böse (Schurkenstaat Nordkorea). Auf Jun Dos Reise durch dieses fremdartige Land treffen wir immer wieder auf Menschen, die sich arrangiert haben, aber auch auf viel Leid und verborgenen Widerstand. Durch die Liebe und das Vertrauen zu anderen (westlich geprägten) Menschen entwickelt Jun Do sich weiter… und mehr möchte ich natürlich nicht verraten! Für mich persönlich hat dieser Roman zwar einige Längen, aber auch wunderbare, poetische Höhenflüge, und er gibt einen Einblick in die erdrückende Ordnung eines beinahe utopisch erscheinenden Staates. 

    Fazit: ein interessanter, bedrückender, aber auch humorvoller Roman über ein rätselhaftes Land. 4 von 5 Sternen!

    Kommentare: 1
    11
    Teilen
    Jaris avatar
    Jarivor 2 Jahren
    Kurzmeinung: 1A-Propaganda.
    Adam Johnson - Das geraubte Leben des Waisen Jun Do

    Dieses Buch wollte ich von Beginn an lesen, da mich Nordkorea irgendwie fasziniert. Ausserdem hatte ich einige gute Rezensionen darüber gelesen. Doch schlussendlich hatte ich fast ein Jahr, um das Buch zu beenden. Woran lag das?

    Den ersten Teil, in dem Jun Do auf einem Boot arbeitet und Funksprüche abhört, fand ich sehr eindrücklich. Auch die Reise in die USA zeigt sehr gut auf, wie Politik funktioniert und wie sich Länder gegenseitig imponieren wollen. Wie gesagt, bis dahin gefiel mir das Buch recht gut und ich las mit grossem Interesse vom harten Leben in Nordkorea.

    Doch mehr und mehr las ich aus anderen Rezensionen (von Bloggern, Amazon über grosse Feuilletons) heraus, dass Adam Johnson gerade mal einmal unter den typisch strengen Auflagen in Nordkorea war. Auch hat der Autor weder in enger Beziehung mit einem asiatischen Land gearbeitet, noch etwas in die  Richtung studiert.

    Laut vielen Besprechungen ist dieses Buch satirisch zu verstehen. Davon habe ich leider nichts mitbekommen. Viel eher kam mir "Das geraubte Leben des Waisen Jun Do" vor wie 1A-Propaganda: Amerika gut, Nordkorea böse. Ende.

    Ich finde es sehr schade, dass Johnson sich nicht die Mühe gemacht hat, sich wirklich differenziert mit Nordkorea auseinanderzusetzen, anstatt nur das nachzubrabbeln, was andere bereits vor ihm zum Besten gegeben haben. Wer sich also wirklich für Nordkorea interessiert, steht mit Werken wie z.B. "Pjöngjang" von Guy Delisle besser da. In genannter Graphic Novel wird auf die typische Schwarz-Weiss-Sicht verzichtet, während Johnson sie hier fast bis zur Spitze treibt.
    Jedoch gab es dazwischen immer wieder Szenen, die sehr spannend zu lesen waren. In diesen stand jedoch Jun Do als Figur im Mittelpunk, sein Handeln, sein Denken. Seine Aufopferung für seine grosse Liebe - eine zwar etwas übertriebene Darstellung, aber dennoch passt es irgendwie zu Jun Do.

    "Das geraubte Leben des Waisen Jun Do" ist in zwei Teile aufgeteilt, wobei es ab dem zweiten Part einige Perspektivwechsel gibt. Liest man jedoch aufmerksam und achtet auf die unterschiedlichen Personenbezeichnungen, dann verliert man auch nicht so schnell den Überblick.

    Unterdessen bin ich froh, das Buch durchzuhaben. Es lässt mich eher enttäuscht zurück und wirklich viel Neues habe ich auch nicht erfahren. Ausser, dass Amerika das gelobte Land ist. Aber vielleicht liegt es auch an mir, dass ich Johnsons eigentliche Absichten mit diesem Roman, der übrigens auch den Pulitzer-Preis gewonnen hat, nicht begriffen habe.

    Kommentare: 2
    6
    Teilen
    derlorenzs avatar
    derlorenzvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Blick ins Innere Nordkoreas und eines Menschen, der sich beinahe mit der absurden Brutalität dieses Landes abgefunden hätte. Doch dann ...
    Nordkorea: groteske Normalität voll absurder Brutalitäten

    Einige Male habe ich überlegt, das Buch beiseite zu legen. Es schildert die absurde Brutalität und Hoffnungslosigkeit des Alltags in Nordkorea in einer ungewöhnlichen Weise, die mir sehr nahe ging. Was dem namenlosen Helden ganz normal vorkommt und „en passant“ beschrieben wird, ist für einen Mitteleuropäer nicht vorstellbar.

    Ein „normales“ Leben scheint unter den geschilderten Bedingungen völlig unmöglich, weil es komplett fremdbestimmt ist. Nahrung wird (falls welche vorhanden ist) zugeteilt, Kinder und schöne Frauen werden willkürlich verschleppt, Angestellte von der Straße für mehrwöchige Ernteeinsätze eingesammelt. In den Arbeitslagern müssen die Menschen wegen geringster Verfehlungen bis zum Tod durch Erschöpfung schuften. Und in den Wohnzimmern rufen fest eingebaute Lautsprecher zur Denunziation auf, damit es Nachschub für die Lager gibt. Das System ist grotesk unmenschlich wie das in „1984“, aber wohl zu großen Teilen Realität, denn Johnson recherchierte auch vor Ort.

    Als ich mich dann entschloss weiterzulesen, wandelte sich das Buch plötzlich. Ein Folterknecht wird zum Erzähler, der „Geliebte Führer“ tritt persönlich auf, und die allgegenwärtigen Lautsprecher werden von Johnson geschickt in die Erzählung eingebaut. Als hätte der Erzähler gerade noch rechtzeitig bemerkt, dass er dem Leser zuviel zumutet, kippt die Stimmung ins Groteske. Lustig wird es nicht, eher bringt  der „Geliebte Führer“ eine neue, subtilere Grausamkeit ein. Doch Details und Handlung wirken immer verrückter. Vielleicht, um das unumgängliche (zumindest halbe) Happy End einzuführen.

    Von der Handlung und dem Waisen Jun Do, dessen Name eigentlich nur ein Sammelbegriff ist, muss ich nicht viel verraten. Es ist keine klassische Romanhandlung, die einen über die Verknüpfung von Handlungssträngen und sympathischen Figuren einfängt. Andererseits macht Johnson dem „creative writing“ auch einige Zugeständnisse.

    Vielleicht wird seine sprunghafte Erzählweise, gespickt mit unglaubwürdigen Wendungen, dem oben beschriebenen, ganz und gar fremdbestimmten Leben eines Nordkoreaners sogar gerecht. Trotzdem gibt es einen kleinen Punktabzug für den Autor, denn es hätte nicht 682 Seiten gebraucht, um diese Geschichte zu erzählen. Sie hat mich berührt, bestürzt, sogar in Gedanken verfolgt. Aber man hätte sie noch stärker konzentrieren können.

    Kommentieren0
    3
    Teilen
    ralluss avatar
    rallusvor 3 Jahren
    Jun Do's Leiden

    Kann man ein Buch schlecht finden was die Ungeheuerlichkeit der Mächtigen einer Diktator anprangert, was die Foltermethoden an unschuldigen Menschen beschreibt, was uns ein Einzelschicksal detailliert zeigt, ein Mensch der nicht durch seine Schuld in die Fänge des Geheimdienstes kommt, wie so viele, und dessen Methoden ausgesetzt wird? Ich habe für mich beschlossen zu sagen, dass ich das Buch persönlich nicht gut finde. Die Gründe werde ich gleich erläutern.

    Das geraubte Leben des Waisen Jun Do spielt in Nordkorea. Pak Jun Do wächst im Waisenhaus auf, aber nicht weil er Waise ist, sondern weil sein Vater als Aufseher dort arbeitet.  Er wird im Militär eingesetzt, raubt Menschen aus Japan, verbringt die Zeit auf einem umgebauten Fischerkutter und erlebt die - aus westlicher Sicht - sehr schräge Art und Weise seines geliebten Führers Kim Jong II seine Untergebenen zu führen. Natürlich fragt man sich ob dies auch alles so richtig ist, wie es hier dargestellt wird, doch man glaubt gerne diesen Darstellungen, die des öfteren doch mal ins Groteske abgleiten. Aber sind Diktaturen nicht alle grotesk? Sehr schräg werden die Beschreibungen, als Jun Do nach Texas reist. Jun Do lernt Englisch von einem gekidnappten Schwarzen und spricht anscheinend flüssig in Amerika mit allen Beteiligten. Nach seiner Reise wird er festgenommen und des Hochverrates angeklagt.

    Aber auch ab jetzt schwankt die Stimmung des Buches nicht, sie ist irgendwie heiter und unbedarft, Rippenbrechende Schläge werden mit einem Lächeln entgegengenommen, ja die Geschichte dreht im zweiten Teil des Buches regelrecht ins Groteske ab. Nach einiger Zeit wird klar dass Jun Do sich in sich zurückzieht, dorthin wo ihm keiner folgen kann und alle Erlebnisse und Erzählungen sind in der kleinen Kammer seines Gehirnes, werden mit der Wirklichkeit vermischt und der Leser verirrt sich immer mehr in die Märchenwelt des Jun Do.

    So weit so gut, doch muss dies über 400 Seiten dauern? Es passiert im eigentlichen Sinne nicht mehr viel, die Beschreibungen wiederholen sich, man weiß was der Autor uns sagen will, aber er entläßt einen nicht. Was genau bezweckt er damit?! Sicher sind die Zustände in Nordkorea untragbar und die Art der Unterdrückung menschenverachtend und grausam. Auch hat Adam Johnson einen guten Kniff gefunden diese Zustände in Form eines Buches zu schildern, aber....

    Es ist zu lang, es ist einfach nicht gut erzählt, es hat für einen Roman keine gute Spannungsführung, ja es langweilt regelrecht gegen Ende hin. Jun do ist einer der wenigen die dem Regime entfliehen können, wenn auch nur ins Innere.

    "'Und das, was die Leute zurücklassen, einen Rasierpinsel, ein Paar Schuhe, wie lächerlich das hinterher wirkt, man kann es mit Händen fassen, ober ohne den Menschen hat es jede Bedeutung verloren.' 'Was habe ich denn geschafft?' 'Das hier' sgate er, 'das, was Du machst.''wWas mache ich denn?''Es gibt kein Wort dafür, weil es noch nie jemand getan hat.'"

    Am Ende ist man erleichtert dass das Buch zu Ende ist. Ein Märchen mit guten Ansätzen aber einer insgesamt schlechten Ausführung, für mich keine gute literarische Umsetzung des Themas in Romanform.


     

    Kommentare: 4
    19
    Teilen
    Ein LovelyBooks-Nutzervor 3 Jahren
    Emotional anstrengend

    Ich habe noch nie ein Buch so voller Leid gelesen.
    Zwar sind es zum Großteil fiktive Figuren und somit ist auch ihr Leid fiktiv. Aber die Erzählung ist - zumindest vermute ich das - so dicht an der Realität dran, dass es bestimmt Personen auf der Welt gibt und gab, die so gelitten haben. Sogar noch mehr, wenn man bedenkt, dass der Autor nach eigenen Aussagen Nordkoreas tatsächliche Schwärze etwas verharmlosen musste.

    Es ist kein schönes Buch. Es ist kein angenehmes Buch. Ich selbst habe nach ca. 50 Seiten - nach dem völlig sinnlosen Tod einer jungen Frau - das Buch für ein/zwei Tage zur Seite gelegt und nur weil ich nicht schon wieder ein Buch aus meinem Lesekreis nicht zu Ende lesen wollte, habe ich weitergelesen.
    Aber es ist ein guten Buch. Es hat zurecht den Pulitzer-Preis gewonnen. Das Buch ist handwerklich gut gemacht. Es ist gut zu lesen und ich denke, die von mir emotionale Belastung ist so gewollt. Das Buch soll keinen Spass machen, es soll keine leichte Lektüre sein. Es zeigt einfach, wie das Leben in Nordkorea vermutlich ist.

    Empfehle ich das Buch? Muss man es gelesen haben?
    Nein. Ein ganz klares Nein.
    Ich gehe sogar soweit, ein Mindestlesealter von vielleicht 20 zu empfehlen. In meinen Augen muss man das Buch verkraften können.

    Ich bin mir nicht sicher, wer die Zielgruppe für dieses Buch ist. Möglicherweise ist es eines dieser Bücher, die nur gelesen werden, weil es Preise gewinnt und in Bestsellerlisten steht.

    Kommentieren0
    1
    Teilen

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu
    Daniliesings avatar
    Mit "Das geraubte Leben des Waisen Jun Do" ist dem US-amerikanischen Schriftsteller Adam Johnson ein beeindruckender Roman gelungen, der einen außergewöhnlichen Einblick ins Nordkorea von heute ermöglicht. Durch seine Hauptfigur Jun Do lässt der Autor den Leser in eine ferne Welt schlüpfen und bringt sie ihm ganz nahe!

    Mehr zum Inhalt:
    Pak Jun Do hat noch nie einen Film gesehen, kaum je ein Werbeplakat, er findet es merkwürdig, dass woanders Leute Tiere im Haus halten, und wundert sich über Maschinen, die Geld auswerfen. Er kennt keine Ironie, keine Kunst, keine Mode und keine Magazine. Aufgewachsen im nordkoreanischen Waisenhaus Frohe Zukunft, ist er ein winziges Rädchen im großen Getriebe der absurd-grausamen Herrschaft des »Geliebten Führers« Kim Jong Il. Nur ein falsches Wort kann jeden sofort ins Lager bringen.

    Doch mit der Zeit beginnt Jun Do an etwas zu glauben, was stärker ist als Staatstreue: Freundschaft und Liebe. Als er die Schauspielerin Sun Moon trifft, lernt er das bedingungslose Vertrauen in einen anderen Menschen kennen. Und nur dafür lohnt es sich zu überleben.


    --> Leseprobe

    Lasst euch von Adam Johnsons außergewöhnlichem Erzählstil mitreißen und euch  von seiner Geschichte über Freiheit, Wahrheit und auch Liebe fesseln. Wir suchen zusammen mit Suhrkamp Nova 25 Testleser für diesen unvergesslichen Roman. Vorraussetzung ist, dass ihr im Gewinnfall zeitnah am Austausch in den Leseabschnitten dieser Leserunde teilnehmt und abschließend eine Rezension schreibt.

    Beantwortet nur noch die folgende Frage bis zum 01. April 2013 und ihr habt die Chance auf eines der Bücher:

    Jun Do hat viele Dinge unserer modernen Welt noch nie kennen gelernt. Was würdet ihr, die ihr viele dieser Dinge für vollkommen normal haltet, wohl am meisten vermissen, wenn ihr sie plötzlich nicht mehr hättet? Worauf könntet ihr gar nicht verzichten? Und was würde euch vielleicht überhaupt nicht fehlen?


    ###YOUTUBE-ID=wFZs6ZSkapw###
    mecedoras avatar
    Letzter Beitrag von  mecedoravor 5 Jahren
    Und meine ist nun auch endlich online: http://www.lovelybooks.de/autor/Adam-Johnson/Das-geraubte-Leben-des-Waisen-Jun-Do-1024563301-w/rezension/1048855625/ Herzlichen Dank für dieses tolle Buch, die Lektüre war wirklich ein Erlebnis und ich werde das Buch sehr lange nicht vergessen.
    Zur Leserunde

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks