Adam Johnson Das geraubte Leben des Waisen Jun Do

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Inhaltsangabe zu „Das geraubte Leben des Waisen Jun Do“ von Adam Johnson

Pak Jun Do hat noch nie einen Film gesehen, kaum je ein Werbeplakat, er findet es merkwürdig, dass woanders Leute Tiere im Haus halten, und wundert sich über Maschinen, die Geld auswerfen. Er kennt keine Ironie, keine Kunst, keine Mode und keine Magazine. Aufgewachsen im nordkoreanischen Waisenhaus Frohe Zukunft, ist er ein winziges Rädchen im großen Getriebe der absurd-grausamen Herrschaft des »Geliebten Führers« Kim Jong Il. Schon ein falsches Wort kann jeden sofort ins Lager bringen.

Doch mit der Zeit beginnt Jun Do an etwas zu glauben, was stärker ist als Staatstreue: Freundschaft und Liebe. Als er die Schauspielerin Sun Moon trifft, lernt er das bedingungslose Vertrauen in einen anderen Menschen kennen. Und nur dafür lohnt es sich zu überleben.

Eine Wahnsinns Geschichte, die einem nicht mehr aus dem Kopf geht

— MariaAlexandra

Bin noch immer beeindruckt. Und nun bestätigt die Gegenwart die Fiktion in Gestalt von Otto Warmbier

— AndreaRhein

Gut geschrieben, fremdbestimmtes Leben in Nordkorea real?

— Behend

Liefert glaubhafte Einblicke in ein verschlossenes Land. Toll erzählte Geschichte.

— Schmiesen

1A-Propaganda.

— Jari

Bedrückende Einblicke in ein nordkoreanisches Leben

— Bea_Me

Ein sehr aktuelles und wichtiges Buch mit vielen Details, von denen man sich wünscht, sie wären nur der Fantasie des Autors entsprungen...

— hannipalanni

Blick ins Innere Nordkoreas und eines Menschen, der sich beinahe mit der absurden Brutalität dieses Landes abgefunden hätte. Doch dann ...

— derlorenz

in all seiner Absurdität und Grausamkeit ein sehr bewegender Roman

— Valilu

Ein spannendes und sehr einfallsreiches Buch!

— lilalaunebaer

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  • Adam Johnson | DAS GERAUBTE LEBEN DES WAISEN JUN DO

    Das geraubte Leben des Waisen Jun Do

    Bookster_HRO

    26. September 2017 um 10:15

    INHALT: Der junge Jun Do (btw: das Pendant zum amerikanischen John Doe, einem Menschen ohne Identität) wächst in einem Waisenhaus in Nordkorea auf und wird von der Regierung zum Spitzel ausgebildet. Im Japanischen Meer soll er feindliche Funksprüche auffangen. Eine Aufgabe, die er mit Bravour meistert, sodass er auf der Karriereleiter aufsteigt und an einem Staatsbesuch in Texas teilnehmen darf. Dieser scheitert in den Augen der Obrigkeit allerdings und Jun Do wird ohne Gerichtsverfahren in ein Arbeitslager deportiert. Nach vielen Monaten unter unmenschlichen Bedingungen gelingt ihm die Flucht indem er den tyrannischen Lagerkommandanten Ga erschlägt und seine Identität annimmt, denn (und das ist der große Aufhänger dieses Romans) in Nordkorea zählt nicht das Individuum selbst, sondern nur seine Geschichte. Do als Ga hat nun viel Macht und große Nähe zum Geliebten Führer Kim Jong Il und kann für sich und seine neu gewonnene Familie die Flucht nach Amerika planen. Doch auch dies gelingt nicht und er muss sich einem langwierigen Verhör stellen, das einer Gehirnwäsche gleicht. FORM: Der Roman ist in zwei Teile geteilt. Zum einen die Lebensgeschichte von Jun Do, die gradlinig und ruhig erzählt wird. Zum anderen die des Kommandanten Ga ab dem Indentitätswechsel. Ab hier wird zwischen den Zeiten und Perspektiven hin und her gesprungen, sodass die eigentliche Geschichte kapitelweise mehr und mehr entblättert wird. Johnsons Schreibstil ist vielseitig. Die Szenen auf dem Meer sind poetisch und warm, die beim Verhör nüchtern und kratzig. Manche Beschreibungen aus dem Arbeitslager werde ich mein Lebtag nicht mehr vergessen, so grausam wird das Elend beschrieben. Alle paar Kapitel wird eine Propagandasendung aus dem Volksempfänger eingestreut, mit der die Bevölkerung rund um die Uhr berieselt wird. Dort wird die „offizielle“ Version des gerade Gelesenen verkündet, natürlich schamlos korrigiert. Mit diesem Kniff wird das perfide System Nordkoreas besonders deutlich. FAZIT: DAS GERAUBTE LEBEN DES WAISEN JUN DO liefert nicht nur einen spannenden Thriller (obwohl das Genre „Thriller“ nicht so richtig passen will), sondern gibt auch einen erschreckenden Einblick in eines der krassesten politischen Systeme unserer Zeit. Ich hoffe sehr, dass das nordkoreanische Volk irgendwann den Weg in die Freiheit findet. Diesen großartigen Roman wird in Nordkorea wohl niemand jemals lesen, für uns Außenstehende ist er als Augenöffner jedoch immens wichtig. Ein beindruckendes Buch – fünf Sterne! *** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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  • Eine Wahnsinns Geschichte, die einem nicht mehr aus dem Kopf geht

    Das geraubte Leben des Waisen Jun Do

    MariaAlexandra

    03. August 2017 um 23:40

    Nord-Korea ist ja gerade wieder ein großes Thema: Es gibt Ärger mit Trump. Aber jenseits der nackten Infos aus den Medien hat man ja kaum ein Gefühl für dieses Land. Adam Johnson vermittelt in diesem Roman solch ein Gefühl und erzählt eine Geschichte, die im Gedächtnis bleibt, weil sie so ungewöhnlich wie genial ist. Der Autor ermöglicht einem das Eintauchen in eine völlig andere Denk-Kultur, eine andere Staatsform, eine Gesellschaft, in die man sich als Europäer kaum hineinversetzen kann. Da wird das Absurde einer Diktatur (die Loyalität der Bevölkerung, das Erdulden, das Schweigen und die Hoffnung auf ein systhemtreues Glück) völlig logisch und nachvollziehbar. Die "Gehirnwäsche" ist schließlich ein elementarer Bestandteil und niemand ist vor so etwas gefeit, der in solch einem System aufwächst. Schein und Sein, Trugbild und Wirklichkeit, Denken und Propaganda werden in eine grandiose Matapher in Romanlänge verpackt. Ist aber nichts für schwache Nerven!!!

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  • (K)ein Leben für den Präsidenten

    Das geraubte Leben des Waisen Jun Do

    Ginevra

    26. February 2017 um 18:34

    Jun Do hat ein außergewöhnliches Schicksal: er ist der Sohn des Leiters eines Waisenhauses in Nord-Korea. Damit steht er ganz unten in der gesellschaftlichen Hierarchie, denn sein Vater muss ihn noch schlechter als die Waisenkinder behandeln, damit ihm ja kein Regelverstoss nachgesagt werden kann. Jun Do entwickelt sich dennoch prächtig: er ist vernünftig, fügsam, fleissig und wird bald in die Armee aufgenommen. Dort erhält er eine Ausbildung zum Dunkelheitskämpfer, was dazu führt, dass er bei streng geheimen Missionen des Staatsdienstes eingesetzt wird. Dabei handelt es sich um gezielte Entführungen japanischer Staatsbürger mit besonderen Talenten oder finanziellem Background. Kollateralschäden wie Totschlag und alle möglichen Menschenrechtsverletzungen sind an der Tagesordnung. Jun Do beginnt immer mehr, seinen Arbeitsplatz und die dahinter stehende nordkoreanische Gesellschaftsordnung in Frage zu stellen – besonders, als er immer intensivere Gespräche mit seinen westlich geprägten Entführungsopfern führt. Doch eine Flucht kommt für ihn nicht in Frage – nicht, bevor er seine längst verschollene Mutter gefunden hat… Der US-amerikanische Autor Adam Johnsson, geb. 1967 in South Dakota, erhielt 2013 für diesen Roman den Pulitzer- Preis für Literatur. Der Autor lehrt in Stanford Creative Writing. Er hat in verschiedenen Magazinen publiziert und zahlreiche Preise und Stipendien erhalten. Für den vorliegenden Roman reiste Adam Johnson ins abgeschottete Nordkorea. Zitat: „Adam Johnsons kühner Nordkorea-Roman ist ein wahres Feuerwerk der Erzählkunst, eine wahnwitzige Geschichte über Freiheit, Wahrheit und Identität. Er ist ebenso die Geschichte verlorener Unschuld wie Spionagethriller und Liebesroman, bevölkert von eigenwilligen, schrägen Figuren – poetisch, erschütternd und unvergesslich.“ Zitat des Autors: „Ehrlich gesagt hatte ich das Gefühl, Nordkoreas tatsächliche Schwärze noch etwas verharmlosen zu müssen. Mich hat dieser Roman beim Lesen richtig gepackt und Jun Dos Schicksal bewegte mich sehr, wobei ich mich immer wieder fragen musste, wieviel Fiktion und wieviel Wahres an dieser Geschichte ist. Die geballte Ladung Menschenrechtsverletzungen, der sarkastische Humor des Autors, dabei aber das aufkeimende Pflänzchen freien Denkens beim Helden Jun Do haben etwas unglaublich Faszinierendes – teilt die Welt aber auch ganz klar auf in gut (USA) und böse (Schurkenstaat Nordkorea). Auf Jun Dos Reise durch dieses fremdartige Land treffen wir immer wieder auf Menschen, die sich arrangiert haben, aber auch auf viel Leid und verborgenen Widerstand. Durch die Liebe und das Vertrauen zu anderen (westlich geprägten) Menschen entwickelt Jun Do sich weiter… und mehr möchte ich natürlich nicht verraten! Für mich persönlich hat dieser Roman zwar einige Längen, aber auch wunderbare, poetische Höhenflüge, und er gibt einen Einblick in die erdrückende Ordnung eines beinahe utopisch erscheinenden Staates.  Fazit: ein interessanter, bedrückender, aber auch humorvoller Roman über ein rätselhaftes Land. 4 von 5 Sternen!

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    • 2
  • Adam Johnson - Das geraubte Leben des Waisen Jun Do

    Das geraubte Leben des Waisen Jun Do

    Jari

    20. October 2016 um 22:01

    Dieses Buch wollte ich von Beginn an lesen, da mich Nordkorea irgendwie fasziniert. Ausserdem hatte ich einige gute Rezensionen darüber gelesen. Doch schlussendlich hatte ich fast ein Jahr, um das Buch zu beenden. Woran lag das? Den ersten Teil, in dem Jun Do auf einem Boot arbeitet und Funksprüche abhört, fand ich sehr eindrücklich. Auch die Reise in die USA zeigt sehr gut auf, wie Politik funktioniert und wie sich Länder gegenseitig imponieren wollen. Wie gesagt, bis dahin gefiel mir das Buch recht gut und ich las mit grossem Interesse vom harten Leben in Nordkorea. Doch mehr und mehr las ich aus anderen Rezensionen (von Bloggern, Amazon über grosse Feuilletons) heraus, dass Adam Johnson gerade mal einmal unter den typisch strengen Auflagen in Nordkorea war. Auch hat der Autor weder in enger Beziehung mit einem asiatischen Land gearbeitet, noch etwas in die  Richtung studiert. Laut vielen Besprechungen ist dieses Buch satirisch zu verstehen. Davon habe ich leider nichts mitbekommen. Viel eher kam mir "Das geraubte Leben des Waisen Jun Do" vor wie 1A-Propaganda: Amerika gut, Nordkorea böse. Ende. Ich finde es sehr schade, dass Johnson sich nicht die Mühe gemacht hat, sich wirklich differenziert mit Nordkorea auseinanderzusetzen, anstatt nur das nachzubrabbeln, was andere bereits vor ihm zum Besten gegeben haben. Wer sich also wirklich für Nordkorea interessiert, steht mit Werken wie z.B. "Pjöngjang" von Guy Delisle besser da. In genannter Graphic Novel wird auf die typische Schwarz-Weiss-Sicht verzichtet, während Johnson sie hier fast bis zur Spitze treibt. Jedoch gab es dazwischen immer wieder Szenen, die sehr spannend zu lesen waren. In diesen stand jedoch Jun Do als Figur im Mittelpunk, sein Handeln, sein Denken. Seine Aufopferung für seine grosse Liebe - eine zwar etwas übertriebene Darstellung, aber dennoch passt es irgendwie zu Jun Do. "Das geraubte Leben des Waisen Jun Do" ist in zwei Teile aufgeteilt, wobei es ab dem zweiten Part einige Perspektivwechsel gibt. Liest man jedoch aufmerksam und achtet auf die unterschiedlichen Personenbezeichnungen, dann verliert man auch nicht so schnell den Überblick. Unterdessen bin ich froh, das Buch durchzuhaben. Es lässt mich eher enttäuscht zurück und wirklich viel Neues habe ich auch nicht erfahren. Ausser, dass Amerika das gelobte Land ist. Aber vielleicht liegt es auch an mir, dass ich Johnsons eigentliche Absichten mit diesem Roman, der übrigens auch den Pulitzer-Preis gewonnen hat, nicht begriffen habe.

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    • 3
  • Nordkorea: groteske Normalität voll absurder Brutalitäten

    Das geraubte Leben des Waisen Jun Do

    derlorenz

    14. February 2016 um 20:05

    Einige Male habe ich überlegt, das Buch beiseite zu legen. Es schildert die absurde Brutalität und Hoffnungslosigkeit des Alltags in Nordkorea in einer ungewöhnlichen Weise, die mir sehr nahe ging. Was dem namenlosen Helden ganz normal vorkommt und „en passant“ beschrieben wird, ist für einen Mitteleuropäer nicht vorstellbar. Ein „normales“ Leben scheint unter den geschilderten Bedingungen völlig unmöglich, weil es komplett fremdbestimmt ist. Nahrung wird (falls welche vorhanden ist) zugeteilt, Kinder und schöne Frauen werden willkürlich verschleppt, Angestellte von der Straße für mehrwöchige Ernteeinsätze eingesammelt. In den Arbeitslagern müssen die Menschen wegen geringster Verfehlungen bis zum Tod durch Erschöpfung schuften. Und in den Wohnzimmern rufen fest eingebaute Lautsprecher zur Denunziation auf, damit es Nachschub für die Lager gibt. Das System ist grotesk unmenschlich wie das in „1984“, aber wohl zu großen Teilen Realität, denn Johnson recherchierte auch vor Ort. Als ich mich dann entschloss weiterzulesen, wandelte sich das Buch plötzlich. Ein Folterknecht wird zum Erzähler, der „Geliebte Führer“ tritt persönlich auf, und die allgegenwärtigen Lautsprecher werden von Johnson geschickt in die Erzählung eingebaut. Als hätte der Erzähler gerade noch rechtzeitig bemerkt, dass er dem Leser zuviel zumutet, kippt die Stimmung ins Groteske. Lustig wird es nicht, eher bringt  der „Geliebte Führer“ eine neue, subtilere Grausamkeit ein. Doch Details und Handlung wirken immer verrückter. Vielleicht, um das unumgängliche (zumindest halbe) Happy End einzuführen. Von der Handlung und dem Waisen Jun Do, dessen Name eigentlich nur ein Sammelbegriff ist, muss ich nicht viel verraten. Es ist keine klassische Romanhandlung, die einen über die Verknüpfung von Handlungssträngen und sympathischen Figuren einfängt. Andererseits macht Johnson dem „creative writing“ auch einige Zugeständnisse. Vielleicht wird seine sprunghafte Erzählweise, gespickt mit unglaubwürdigen Wendungen, dem oben beschriebenen, ganz und gar fremdbestimmten Leben eines Nordkoreaners sogar gerecht. Trotzdem gibt es einen kleinen Punktabzug für den Autor, denn es hätte nicht 682 Seiten gebraucht, um diese Geschichte zu erzählen. Sie hat mich berührt, bestürzt, sogar in Gedanken verfolgt. Aber man hätte sie noch stärker konzentrieren können.

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  • Challenge: Literarische Weltreise 2016

    Euphoria

    Ginevra

        Liebe Lovelybookerinnen und –booker, habt Ihr Lust, im Jahr 2016 auf Weltreise zu gehen – literarisch gesehen? Dann begleitet mich durch 20 verschiedene Lese- Regionen! Die Aufgabe besteht darin... -  12 Bücher in einem Jahr zu lesen;-   Mindestens 10 verschiedene Regionen auszuwählen (zwei Regionen dürfen also doppelt vorkommen);-   Autor und/oder Schauplatz und/oder eine bzw. mehrere der Hauptfiguren müssen zu dieser Region passen.-   Bitte postet Eure Rezensionen und Beiträge bei den passenden Regionen;-   Auch Buchtipps ohne Rezension sind jederzeit willkommen;-   Am Ende des Jahres zählen Eure 12 Rezensionen - bis zu zwei Kurzmeinungen sind erlaubt!-   Eure Beiträge werde ich verlinken;-   Einstieg und Ausstieg sind natürlich jederzeit möglich;-   Genre und Erscheinungsjahr sind egal:-   Hörbücher, Graphic Novels, Biographien, Krimis, Literatur – bei dieser Challenge ist alles erlaubt!Gut geeignet sind z.B. die Bücher verschiedener Literaturpreise oder Empfehlungslisten (Booker- Preis, Preis des Nordischen Rats, ZEIT- Liste zur Neuen Weltliteratur, usw.).Diese Challenge eignet sich also auch hervorragend dazu, den SuB abzubauen, oder um andere Challenges damit zu kombinieren.Unter den TeilnehmerInnen, die die Challenge erfolgreich beenden, verlose ich am Ende des Jahres drei Bücher aus meinen Beständen - natürlich passend zum Thema!Ich freue mich sehr auf Eure Beiträge und werde zu jeder Region ein Unterthema erstellen, so dass es etwas übersichtlicher wird. Einige Tipps und Empfehlungen werde ich schon mal vorab anhängen - Ihr müsst davon natürlich nichts lesen. Dann wünsche ich uns allen...Bon voyage – Buon viaggio - Have a nice trip - Tenha uma boa viagem - Приятной поездкиСчастливого пути - ¡Qué tengas un buen viaje! -旅途愉快!- すばらしい旅行をなさって下さい。-Gute Reise! TeilnehmerInnen:abaAberRushAmayaRoseAriettaArizonaarunban-aislingeachBellastellaBellisPerennisBibliomaniablack_horseBonniereadsbooksBuchraettinBücherwurmBuchinaCaroasCode-between-linesConnyMc CorsicanaCosmoKramerDaniB83DieBertaDunkelblauElkeelmidiGelindeGinevraGingkoGruenentegstGwendolinahannelore259hexepankiInsider2199IraWirajasbrjeanne1302kopikrimielseKruemelGizmoleiraseleneleseratteneuleseleaLeonoraVonToffiefeelesebiene27leucoryxLexi216189lieberlesen21LibriHollylittleowllouella2209MaritaGrimkeMinnaMminorimiss_mesmerizedmozireadnaninkaNightflowerOannikiOrishapardenPetrisPMelittaMPostboteRyffysameaSchlehenfeeschokolokoserendipity3012Sikalsnowi81StefanieFreigerichtstefanie_skysursulapitschiSvanvitheTalathielTanyBeeTatjana89Thaliomeevielleser18wandablueWanderdueneWedmawerderanerWollywunderfitz

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    • 1702
  • Jun Do's Leiden

    Das geraubte Leben des Waisen Jun Do

    rallus

    Kann man ein Buch schlecht finden was die Ungeheuerlichkeit der Mächtigen einer Diktator anprangert, was die Foltermethoden an unschuldigen Menschen beschreibt, was uns ein Einzelschicksal detailliert zeigt, ein Mensch der nicht durch seine Schuld in die Fänge des Geheimdienstes kommt, wie so viele, und dessen Methoden ausgesetzt wird? Ich habe für mich beschlossen zu sagen, dass ich das Buch persönlich nicht gut finde. Die Gründe werde ich gleich erläutern. Das geraubte Leben des Waisen Jun Do spielt in Nordkorea. Pak Jun Do wächst im Waisenhaus auf, aber nicht weil er Waise ist, sondern weil sein Vater als Aufseher dort arbeitet.  Er wird im Militär eingesetzt, raubt Menschen aus Japan, verbringt die Zeit auf einem umgebauten Fischerkutter und erlebt die - aus westlicher Sicht - sehr schräge Art und Weise seines geliebten Führers Kim Jong II seine Untergebenen zu führen. Natürlich fragt man sich ob dies auch alles so richtig ist, wie es hier dargestellt wird, doch man glaubt gerne diesen Darstellungen, die des öfteren doch mal ins Groteske abgleiten. Aber sind Diktaturen nicht alle grotesk? Sehr schräg werden die Beschreibungen, als Jun Do nach Texas reist. Jun Do lernt Englisch von einem gekidnappten Schwarzen und spricht anscheinend flüssig in Amerika mit allen Beteiligten. Nach seiner Reise wird er festgenommen und des Hochverrates angeklagt. Aber auch ab jetzt schwankt die Stimmung des Buches nicht, sie ist irgendwie heiter und unbedarft, Rippenbrechende Schläge werden mit einem Lächeln entgegengenommen, ja die Geschichte dreht im zweiten Teil des Buches regelrecht ins Groteske ab. Nach einiger Zeit wird klar dass Jun Do sich in sich zurückzieht, dorthin wo ihm keiner folgen kann und alle Erlebnisse und Erzählungen sind in der kleinen Kammer seines Gehirnes, werden mit der Wirklichkeit vermischt und der Leser verirrt sich immer mehr in die Märchenwelt des Jun Do. So weit so gut, doch muss dies über 400 Seiten dauern? Es passiert im eigentlichen Sinne nicht mehr viel, die Beschreibungen wiederholen sich, man weiß was der Autor uns sagen will, aber er entläßt einen nicht. Was genau bezweckt er damit?! Sicher sind die Zustände in Nordkorea untragbar und die Art der Unterdrückung menschenverachtend und grausam. Auch hat Adam Johnson einen guten Kniff gefunden diese Zustände in Form eines Buches zu schildern, aber.... Es ist zu lang, es ist einfach nicht gut erzählt, es hat für einen Roman keine gute Spannungsführung, ja es langweilt regelrecht gegen Ende hin. Jun do ist einer der wenigen die dem Regime entfliehen können, wenn auch nur ins Innere. "'Und das, was die Leute zurücklassen, einen Rasierpinsel, ein Paar Schuhe, wie lächerlich das hinterher wirkt, man kann es mit Händen fassen, ober ohne den Menschen hat es jede Bedeutung verloren.' 'Was habe ich denn geschafft?' 'Das hier' sgate er, 'das, was Du machst.''wWas mache ich denn?''Es gibt kein Wort dafür, weil es noch nie jemand getan hat.'" Am Ende ist man erleichtert dass das Buch zu Ende ist. Ein Märchen mit guten Ansätzen aber einer insgesamt schlechten Ausführung, für mich keine gute literarische Umsetzung des Themas in Romanform.  

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    • 5
  • Emotional anstrengend

    Das geraubte Leben des Waisen Jun Do

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    15. May 2015 um 10:58

    Ich habe noch nie ein Buch so voller Leid gelesen. Zwar sind es zum Großteil fiktive Figuren und somit ist auch ihr Leid fiktiv. Aber die Erzählung ist - zumindest vermute ich das - so dicht an der Realität dran, dass es bestimmt Personen auf der Welt gibt und gab, die so gelitten haben. Sogar noch mehr, wenn man bedenkt, dass der Autor nach eigenen Aussagen Nordkoreas tatsächliche Schwärze etwas verharmlosen musste. Es ist kein schönes Buch. Es ist kein angenehmes Buch. Ich selbst habe nach ca. 50 Seiten - nach dem völlig sinnlosen Tod einer jungen Frau - das Buch für ein/zwei Tage zur Seite gelegt und nur weil ich nicht schon wieder ein Buch aus meinem Lesekreis nicht zu Ende lesen wollte, habe ich weitergelesen. Aber es ist ein guten Buch. Es hat zurecht den Pulitzer-Preis gewonnen. Das Buch ist handwerklich gut gemacht. Es ist gut zu lesen und ich denke, die von mir emotionale Belastung ist so gewollt. Das Buch soll keinen Spass machen, es soll keine leichte Lektüre sein. Es zeigt einfach, wie das Leben in Nordkorea vermutlich ist. Empfehle ich das Buch? Muss man es gelesen haben? Nein. Ein ganz klares Nein. Ich gehe sogar soweit, ein Mindestlesealter von vielleicht 20 zu empfehlen. In meinen Augen muss man das Buch verkraften können. Ich bin mir nicht sicher, wer die Zielgruppe für dieses Buch ist. Möglicherweise ist es eines dieser Bücher, die nur gelesen werden, weil es Preise gewinnt und in Bestsellerlisten steht.

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  • Große Verlosung zum Leserpreis 2014: 5 Buchpakete mit je 50 Büchern!

    Die Seiten der Welt

    Daniliesing

    Lust auf eins von 5 riesigen Buchpaketen zum Leserpreis 2014? Bestimmt hat es der ein oder andere von euch schon entdeckt: Seit gestern suchen wir beim Leserpreis 2014 wieder eure Lieblingsbücher des Jahres. In insgesamt 16 Kategorien könnt ihr die Bücher und Autoren nominieren, die euch 2014 am meisten begeistert haben, ganz egal, ob euch das Buch vor Spannung bis mitten in die Nacht wachgehalten hat, ihr Tränen gelacht oder aber mitgefühlt und -gefiebert habt. Nominiert ab sofort eure persönlichen Lieblingsbücher & -autoren und ermöglicht es ihnen so, es auf unsere Shortlists für die Abstimmungsphase zu schaffen, die am 20. November beginnt. Die Bücher und Autoren, die dann wiederum die meisten Stimmen erhalten, bekommen den Leserpreis in Gold, Silber und Bronze, der am 28.11. vergeben wird! Also schnell nominieren / abstimmen / Gewinner anschauen! ---- Unsere große Verlosung für euch! Da der Leserpreis für uns jedes Jahr wieder etwas ganz Besonderes ist, möchten wir unsere Freude daran mit euch teilen. Wir werden nach der Bekanntgabe der Leserpreis-Gewinner insgesamt 5 Buchpakete mit jeweils 50 Neuerscheinungen verlosen. Fünf Gewinner dürfen sich also über eine ordentliche Ladung neuen Lesestoff freuen! Und wer kann nicht schöne neue Bücher gebrauchen? 1. Um an der Verlosung teilzunehmen, gibt es verschiedene Möglichkeiten - 3 der 5 Buchpakete verlosen wir unter allen Bloggern, die auf ihrem Blog über den Leserpreis berichten und darauf verlinken. Bitte teilt uns den Link zu eurem Blogbeitrag hier in einem Kommentar mit (wer mir schon eine E-Mail mit dem Link geschickt hat, muss dies nicht doppelt tun). http://www.lovelybooks.de/leserpreis/ Grafiken zum Einbinden in den Blog findet ihr hier. 2. Wenn ihr keinen Blog habt, könnt ihr alternativ auf den Social Media Kanälen wie Facebook, Twitter, Google + usw. auf den Leserpreis hinweisen. Unter allen, die das machen, verlosen wir noch mal 2 Buchpakete mit 50 Büchern. Wichtig ist hier, dass ihr euren Beitrag öffentlich teilt und ihn uns hier verlinkt. Bitte verlinkt in eurem Kommentar hier direkt auf eurer Posting und nicht auf euer gesamtes Profil. Außerdem müssen in eurem Social-Media-Posting unbedingt der und der Hashtag #Leserpreis enthalten sein. http://www.lovelybooks.de/leserpreis/ 3. Ihr habt weder einen Blog, noch seid ihr auf einem der Social Media Kanäle aktiv? Dann verratet uns hier in einem Kommentar das beste Buch, das ihr in diesem Jahr gelesen habt. Unter allen, die das machen, verlosen wir noch mal 5 einzelne Bücher, die die jeweiligen Gewinner auf ihren Wunschzetteln haben. Ihr dürft natürlich auch 1 & 2 oder 1, 2 & 3 kombinieren und so eure Chancen steigern :-) Wir wünschen euch ganz viel Spaß & bitte vergesst nicht, eure Lieblingsbücher zu nominieren & später abzustimmen! PS: Die angehängten Bücher und die auf dem Foto sind ein Beispiel, was sich im Buchpaket befinden könnte. Wir haben hier aber eine ganz bunte Auswahl und ihr könnt euch dann von einem riesigen Überraschungsbuchpaket begeistern lassen :)

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    • 1298
  • Ein Buch, welches nachhaltig beschäftigt

    Das geraubte Leben des Waisen Jun Do

    Hexchen123

    Der Autor, Adam Johnson, erzählt die Geschichte des Waisenjungen Jun Do. Dieser wächst in einem Waisenhaus in Nordkorea auf und glaubt selbst nicht, dass er ein Waise ist. Sehr schnell merkt der Leser, dass Waisenkinder so ziemlich wie der letzte Dreck behandelt werden. Ein Kind aus dem Waisenhaus wird immer die schlimmsten und gefährlichsten Arbeiten übernehmen müssen, so auch Jun Do. Erst Tunnelkämpfer, dann auf einem Schiff um den Funk abzuhören, später als Held und zum Schluss im Straflager. Adam Johnson verschont den Leser nicht mit Grausamkeiten, welche sich hinter den Grenzen von Nordkorea abspielen. Die vielen kleinen Geschichten in der Geschichte lassen den Leser erschaudern und man denkt nur, hoffentlich entspricht dies nicht alles der Wahrheit. Der Autor hat 3 Jahre für seinen Roman recherchiert, so dass die Handlungsweisen von diesem Staat wohl leider doch wahr sind. Die Geschichte des Protagonisten Jun Do ist fiktiv. Mein Fazit: Ich glaube mir fiel es noch nie so schwer, eine Rezension zu schreiben. Dieses Buch hat mich nachhaltig beschäftigt und wird wohl noch sehr lange in meinem Gedächtnis bleiben. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Schonungslos zeigt uns Adam Johnson die Missstände in Nordkorea auf. Im Nacken immer die Angst der Bevölkerung vor dem Lager. Paralell zum Lesen musste ich noch etwas im Internet forschen, da ich kaum glauben konnte, dass es solche Zustände im heutigen Jahrhundert noch gibt. Leider entspricht es der Realität. Beim Lesen habe ich eine große Wut und Traurigkeit empfunden, eine Enttäuschung darüber, dass der Rest der Welt nichts tun kann und einfach nur zuschaut. Auch wenn der Anfang des Buches etwas schwer zu lesen ist, so lohnt es sich doch, sich hier durchzukämpfen. Der Schreibstil ist flüssig, die Geschichte keine leichte Unterhaltung. Für dieses Buch muss man sich Zeit nehmen. Ich bin sehr froh, diesen Roman gelesen zu haben und kann ihn wirklich nur jedem empfehlen.Nicht umsonst hat der Autor, Adam Johnson, den Pulitzerpreis erhalten. Das Cover ist wunderschön gestaltet. Es zeigt die Sehnsucht, die Freiheit, das Leben.

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    • 2

    Arun

    03. November 2014 um 21:12
  • irgendwie verrückt und bizarr

    Das geraubte Leben des Waisen Jun Do

    Gruenente

    Es ist mir nicht möglich zu diesem Buch eine Meinung zu fassen. Ich war froh, als es endlich zuende war. Die erste Hälfte hat mich auch gepackt und begeistert, wie hier die schrecklichen Lebensverhältnisse in Nordkorea fast satirisch beschrieben wurden. Der zweite Teil war mir aber zu irre und unwahrscheinlich. Aber hierzu erschien im November in der Zeit ein Artikel überaktuelle Hinrichtungen in diesem unglaublichen Staat, daraus folgt hier ein Zitat: "Daher führt auch eine der gängigen Perspektiven im Westen, Nordkoreas Herrscher sei halt irgendwie verrückt und bizarr, in die Irre. 80 öffentliche Exekutionen an einem Tag – wenn es denn stimmt – sind kühl kalkulierter Terror gegen das eigene Volk. Es ist eine Methodik unterdrückerischer Regime." Irgendwie verrückt und bizarr ist das Buch auch.  Unbeschreiblich. Ich kann nur hoffen, das mindestens einige Sachen übertrieben sind? Der Autor hat wohl auch vor Ort recherchiert (soweit das dort überhaupt erlaubt ist). Amnesty International muss da total verzweifeln. Die Menschen ohne Hoffnung, voller Pseudopatriotismus, sonst droht Erschiessung, Folter, Lager. Niemandem ist zu trauen, der "geliebte Führer" vollkommen irre und unvorhersehbar. Wahrheiten werden total verdreht, bis sie ins gewünschte Bild passen. Keiner kann sich sicher fühlen. Jeder misstraut jedem. Wenn die satirischen Elemente nicht währen, könnte ich das Buch gar nicht ertragen. Ich habe jetzt nichtssagende 3 Sterne vergeben, weil ich das Buch nicht objektiv bewerten kann.

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    • 3
  • Ein Leben in Nordkorea.

    Das geraubte Leben des Waisen Jun Do

    Casey

    31. July 2014 um 17:43

    Autor: Adam Johnson Titel: Das geraubte Leben des Waisen Jun Do Originaltitel: The Orphan Master’s Son Genre: Roman Erschienen: 2013 Verlag: Suhrkamp Verlag Umfang: 684 Seiten Der Waise Pak Jun Do wächst unter bescheidenen Verhältnissen im Waisenheim Frohe Zukunft in Nordkorea auf. Er arbeitet hart, kennt keine Spielfilme, keine Liebe und auch kein Vergnügen. In seiner Jugend wird er ins Bergwerk degradiert und erwirbt die Fähigkeit, im Dunkeln zu sehen. Zu sehen und zu kämpfen. Doch damit beginnt erst das Leben eines Mannes, der viele Leben leben wird. Als ich das Buch begonnen habe, wusste ich nicht, was ich davon halten sollte. Als ich die Hälfte gelesen hatte, wusste ich es immer noch nicht. Heute habe ich es fertig gelesen und weiß immer noch nicht. Im Allgemeinen ist es kein wirklich brillantes oder schlechtes Buch. Das begründet sich darin, dass der Protagonist nie wirklich sympathisch oder unsympathisch wirkt. Ich persönlich fühlte auch nicht unbedingt mit Jun Do mit, obwohl es zahlreiche Situationen gäbe, in denen Mitgefühl durchaus aufkommen könnte. Dennoch beschreibt der Autor diese immer auf eine Art und Weise, dass man als Leser nicht direkt berührt wird. Was dieses Buch ausmacht, und womit es den Pulitzer Preis auch wirklich verdient hat, ist die Tatsache, wie glaubwürdig die Situation der Bewohner Nordkoreas beschrieben wird. Adam Johnson tut das nie auf eine aufbauschende und eindringliche Art und Weise – er beschreibt einfach. Und dieser Stil passt perfekt zur Umgebung Nordkoreas, einem Land, dessen Bewohner nicht wissen, wie unsere Welt aussieht, die nur eine Propaganda-Version von dieser geschildert bekommen. Bewohner einer Diktatur können es sich nicht leisten, eine eigene Meinung zu haben, sie müssen es sogar fürchten. Und das bringt der Autor auf eine so ehrliche Art in die Geschichte ein, dass man als Leser sehr nachdenklich zurückgelassen wird.

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  • Das geraubte Leben des Waisen Jun Do

    Das geraubte Leben des Waisen Jun Do

    Hackuchan

    Pak Jun Do hat noch nie einen Film gesehen, kaum je ein Werbeplakat, er findet es merkwürdig, dass woanders Leute Tiere im Haus halten, und wundert sich über Maschinen, die Geld auswerfen. Er kennt keine Ironie, keine Kunst, keine Mode und keine Magazine. Aufgewachsen im nordkoreanischen Waisenhaus »Frohe Zukunft«, ist er ein winziges Rädchen im großen Getriebe der absurd-grausamen Herrschaft des »Geliebten Führers« Kim Jong Il. Nur ein falsches Wort kann jeden sofort ins Lager bringen. Doch mit der Zeit beginnt Jun Do an etwas zu glauben, was stärker ist als Staatstreue: Freundschaft und Liebe. Als er die Schauspielerin Sun Moon trifft, lernt er das bedingungslose Vertrauen in einen anderen Menschen kennen. Und nur dafür lohnt es sich zu überleben. Ich habe mich mit der Rezension zu diesem Buch sehr schwer getan und es lange heraus geschoben. Der Grund dafür war nicht, dass ich das Buch nicht gut gefunden hätte sonder, dass dieses Buch eine Geschichte erzählt, die man erst verdauen muss. Man kann es nicht einfach zur Seite legen und sich sagen: "Das ist Fiktion!" Oder wie bei der Nachkriegsliteratur: "Das war einmal und jetzt ist es vorbei! Die Welt darf es nur nicht vergessen." Es spielt sich noch heute vor unser aller Augen ab und wir können nichts dabei tun als zu sehen. Sehr wichtig finde ich die Tatsache, dass dieses Buch auf aufwendiger Recherche und auf wahren Begebenheiten beruht. Natürlich gibt es keinen Jun Do und keinen Kommandanten Ga, aber es gibt Nordkorea und all diese Menschen, die dort leben. Jede Szene in diesem Buch ist im einzelnen zu ertragen, doch wenn man sich vor Augen hält, dass dies sich so vor unser aller Augen in einem kleinen Land, auf der anderen Seite der Welt ereignet, muss man zwangsläufig das Buch zur Seite legen und einen Moment durchatmen. Jede Figur in diesem Roman könnte dort drüben in dieser oder einer anderen Form so leben. Es ist keine reine Fiktion und auch kein einfacher Bericht über das Leid dieser Menschen - es ist ein Roman der Extraklasse! Die Hauptfigur Jun Do entwickelt sich in diesem Buch. Man fängt mit dem treuen Bürger Jun Do an und hört mit dem freien Kommandanten Ga auf. Wie sich dieser Wandel vollzieht muss man selber lesen, denn nur "erzählen" kann man diese Geschichte nicht. Man muss sie selber lesen und - wie ich selber noch machen werde - wahrscheinlich nicht nur einmal. Denn Adam Johnson versteht es, die wahren Aussagen so in seine Geschichte zu weben, dass nur sehr aufmerksame Leser damit zurecht kommen. Es lohnt sich auch einen Stift zur Hand zu haben! Die wahre Schönheit dieses Romans zeigt sich in Adam Johnsons Schreibstil. Es liest sich trotz aller Verzweigungen und trotz der Komplexität flüssig und lässt sich auch so geniessen. Wer Lust und Laune hat, kann sich mehr mit diesem Buch beschäftigen und zum Beispiel erkennen, dass die Haie im ersten Teil nicht einfach nur Haie sind und dass sich der Kreis am Ende schliesst. Trotz aller Grausamkeit, Trauer und Einsamkeit enthält dieser Roman eine wunderschöne Darstellung der Liebe und der Freiheit. Trotz des schalen Beigeschmacks sollte man sich in einigen Situationen das Lachen nicht verkneifen, auch wenn es manchmal etwas makaber zu und her geht. Man kann sich im Nachhinein damit beschäftigen und die Absurdität dieses Landes verurteilen. Es lohnt sich diesen Roman mit all seinen Facetten zu geniessen.

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    Arun

    14. July 2014 um 18:41
  • Erschreckend, weil so wahr

    Das geraubte Leben des Waisen Jun Do

    mecedora

    Jun Do kennt vieles nicht, was für die meisten jungen Menschen unserer Welt normal, ja selbstverständlich ist. Er hat noch nie einen Film gesehen, findet das Halten von Haustieren allein um des Kuschelns und Besitzens willen höchst seltsam, kennt nur eine kleine Anzahl verschiedener Haarschnitte, die der Staat seinen Bürgern erlaubt, weiß, dass man nicht einfach frei äußern darf, was man möchte. Denn das Lager lauert - auf jeden, der gegen die strengen Regeln und obstrusen Vorschriften in seiner Heimat verstößt, der sich auch nur des kleinsten Vergehens schuldig macht. Oder aus irgendeinem Grund im Weg ist. Jun Do wächst in Nordkorea auf - dem sonderbarsten und vielleicht auch grausamsten, sicherlich aber unfreisten und abgeschottetsten Land unserer Zeit. Er lebt im Waisenhaus und trägt, wie alle Kinder dort, den Namen eines großen Volkshelden. Denn Jun Do ist kein Individuum mit eigenem Namen, eigener Identität und eigener Geschichte - er ist ein Rädchen in der großen Maschinerie des Staates und der Herrschaft des Geliebten Führers Kim Jong Il. Individualität zählt nichts, Austauschbarkeit alles. Freiheit ist etwas, was es nicht gibt, in keiner Form. Doch als Jun Do die Schauspielerin Sun Moon auf beinah wahnwitzigen Wegen kennenlernt, ändert sich alles. An der absurden Geschichte dieses jungen Mannes lässt Adam Johnson für Leser in aller Welt einen Staat und eine Realität entstehen, wie sie schrecklicher - und realer - nicht sein könnte. Denn sie ist real. Macht man sich dies klar, ist das, was und wie erzählt wird, nur noch mutiger, ja gerissener, als es anfangs scheint. Man kann sich beim Lesen kaum sicher sein, was der Realität in diesem abgeschotteten Land tatsächlich entspricht und was Fiktion ist. Was vielleicht übertrieben, überspitzt dargestellt ist und was in dieser Grausamkeit tatsächlich genau so mitten in unserer Welt abläuft.  Regelmäßig sind mir Schauer von Gänsehaut über den Rücken gelaufen, als ich in Adam Johnsons kühnen Roman eingetaucht bin. Kunstvoll konstruiert, wahrhaft gekonnt erzählt, temporeich, beinah wahnwitzig einfallsreich, erschreckend plastisch und fast schon schamlos humorvoll wird von Grauen und Zuständen, von Ereignissen und so selbstverständlichen wie unverständlichen Dingen geschrieben.  Und dabei werden ganz basale Aspekte des Menschseins angesprochen: Freiheit. Identität. Wahrheit. Liebe. Aspekte, die in Nordkorea unter Strafe stehen, strebt man nach ihnen. Kann man über eine Diktatur, die in diesem Jahr ganz aktuell wieder einmal auf äußerst bedrohliche Art und Weise ins Rampenlicht der internationalen Berichterstattung gerät, ein humorvolles Buch schreiben? Ein humorvolles Buch mit einem hohen inhaltlichen wie literarischen Anspruch, das sowohl Unterhaltung bietet als auch Aufklärung über einen Staat, über den man so wenig weiß?  Adam Johnson beweist mit "Das geraubte Leben des Waisen Jun Do", dass das sehr wohl geht. Und das auf ganz unvergessliche Weise.  Dieses Buch hat mich ebenso berührt wie unterhalten, mich ebenso aufgeklärt wie schockiert, mich mit schrägen Figuren beschenkt und meine Welt um eine Facette reicher gemacht - eine Facette, die auf ganz eigene Art fasziniert. Für sein Buch wurde Adam Johnson in diesem Frühjahr der Pulitzerpreis verliehen - sehr zu recht. Ein grandioses Buch. Eines der besten, die ich dieses Jahr las. Und ein sehr wichtiges noch dazu. Absolut empfehlenswert.

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    Arun

    12. July 2014 um 21:19
  • Ein Gesang aus der Hölle

    Das geraubte Leben des Waisen Jun Do

    alasca

    Ein Gesang aus der Hölle Dieses erschütternde Buch ließ mich fassungslos zurück. Die knapp 700 Seiten habe ich in weniger als zwei Tagen gelesen, meine Stimmung danach war auf dem Nullpunkt. Tatsächlich ist kaum ein deprimierenderes Setting vorstellbar als das Nordkorea dieses Buches. Die gnadenlose Gehirnwäsche einer Propagandamaschine, die niemals ruht, wird einem beklemmend nahe gebracht. Eltern erklären ihren Kindern früh, dass es eine innere und eine äußere Wahrheit gibt. Die äußere Wahrheit bestimmt das Sprechen und Handeln, die innere das tatsächliche Empfinden, über das man sich mit geheimen Zeichen – einer Handbewegung, einem Fingerdruck, einer Kopfhaltung verständigt. Trifft wirklich der Staat alle Entscheidung bis auf die privateste Ebene? Bekommt Frau tatsächlich einen Ersatzehemann zugeteilt, wenn der Ehemann stirbt? Werden wirklich alle schönen Mädchen aus den Dörfern nach Pjöngjang beordert, um als Trostmädchen (staatlich bestellte Prostituierte) zu arbeiten oder als Ehefrau Politbonzen zugeteilt zu werden? Gibt es wirklich Pflanzen, die Kimilsungie oder Kimjongilie genannt wurden? Wirklich in jeder Wohnung einen Lautsprecher, aus dem den ganzen Tag Propaganda dringt? Hin- und hergerissen zwischen sämtlichen Ratings zwischen keinem und fünf Sternen, habe ich erstmal recherchiert. Woher hat der Autor seine Detailkenntnis? Zum einen beschäftigt er sich schon länger mit dem Thema Propaganda in jeder Form, erfuhr ich. Außerdem jahrelange Recherche und ein einziger, durch die Regierung straff kontrollierter Besuch im Land, bei dem er nicht mit einem einzigen Einwohner sprechen konnte, denn der Kontakt zu Ausländern ist strafbar. „Was ich durch meine Recherche herausgefunden habe,” sagt Johnson, “ist, dass die meisten Nordkoreaner ihre Geschichte nicht erzählen können. Es ist aber wichtig, dass andere davon erfahren.“ Was geschieht, wenn eine amtliche nationale Fiktion jedem seine Rolle zuschreibt? Was passiert mit den persönlichen Sehnsüchten und Wünschen, wenn Ehrlichkeit lebensgefährlich ist? Wann und wie käme jemandes wahrer Charakter zutage? Das ist der Stoff für einen Roman, der offenbar tatsächlich in der Hauptsache Fiktion ist, aber so intensive Szenarien erschafft, dass sie sich anfühlen wie die wirklichste aller Wirklichkeiten. Der Autor arbeitet sowohl mit dramatischen wie auch satirischen Stilmitteln; nicht nur das totalitäre Nordkorea wird seziert, auch auf die USA fallen kritische Schlaglichter aus ungewohntem Blickwinkel. Erzähler ist nicht nur Jun Do (John Doe), sondern auch ein Verhörspezialist aus dem Folterbunker Kim Il Sungs wie auch der Volksheld Kommandant Ga, dazu immer wieder Sequenzen aus den Propagandalautsprechern, die die verzerrte Sicht der Partei wiedergeben. Man bekommt im Lauf der Lektüre regelrecht ein Gefühl dafür, wie sich Ereignisse der nationalen Fiktion anpassen lassen… Die meisten Rezensenten loben zudem, das Buch übermittle den wahren Geist von Liebe und Aufopferung. Da ist sicher was dran; Jun Dos Geschichte hat einen verhalten optimistischen Ausgang, der zu einem unermesslichen Preis erkauft wird. Was aber bei mir nachwirkt, ist nicht dieser kleine Sieg von Liebe und Vertrauen, sondern das Bild einer grausamen Welt, bevölkert mit Albtraumgestalten, regiert von Wahnsinnigen. Ein Gesang aus der Hölle.

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