Adam Johnson Nirvana

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Inhaltsangabe zu „Nirvana“ von Adam Johnson

Nach dem Hurrikan Katrina zieht ein Mann mit seinem Sohn durch das verwüstete Loui- siana, um dessen Mutter zu finden. Jahre nach dem Fall der Mauer muss ein ehema- liger Aufseher sich im Stasi-Gefängnis Hohen- schönhausen seiner Vergangenheit stellen. In Palo Alto findet eine schwerkranke Frau Trost im Gespräch mit einem Hologramm ihres verstorbenen Idols, Kurt Cobain – sei- ne Worte »Mir bedeuten Dinge immer erst dann etwas, wenn sie nicht mehr da sind« fangen das Gefühl dieses Erzählungsbandes ein. Denn so unterschiedlich die Geschich- ten dieser Menschen auch sein mögen, steht doch über allen die Frage nach Erlösung – vom Chaos der Gegenwart, vom Schmerz, von den Geistern der Vergangenheit.

Originelle Kurzgeschichten, toll erzählt.

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  • Die Suche nach der (Er-)Lösung

    Nirvana
    serendipity3012

    serendipity3012

    20. January 2016 um 15:09

    Die Suche nach der (Er-)Lösung Bei der Lektüre von Adam Johnsons Kurzgeschichtenband „Nirvana“ habe ich mich immer wieder gefragt, was eine gute Erzählung ausmacht. Ich lese selten Erzählungen, lasse mich gern auf längere Geschichten ein. Adam Johnsons Erzählungen sind großartig, dessen bin ich mir sicher. Nur – warum? Sechs Erzählungen finden wir in „Nirvana“ – dem ersten Buch, dass der Autor nach dem mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneten Roman „Das geraubte Leben des Waisen Jun Do“ veröffentlicht hat. Einem Roman, der ganz offenbar polarisiert: Es finden sich Besprechungen voller Jubel zu diesem Nordkorea-Roman genauso wie Verrisse und jede Menge Unverständnis darüber, dass Johnson einen der höchsten Literaturpreise überhaupt erhalten hat (das heißt, eigentlich ist alles wie immer). Wie man auch dazu steht: Klar ist, dass Johnsons neues Buch Aufmerksamkeit erhält. Kann der Mann (auch) Erzählungen? Er kann. In der titelgebenden Erzählung „Nirvana“ lesen wir von einer Frau, die schwer krank ist und die immerzu Musik von Nirvana hören will. Ihr Ehemann ermöglicht es ihr, mit dem verstorbenen Kurt Cobain zu sprechen – mit einem Hologramm Cobains. Wir befinden uns in einer Welt, die sich von unserer unterscheidet, in der durch Computerprogramme Dinge möglich sind, die verstören – aber eigentlich ist diese Welt nicht sehr weit von unserer entfernt. „Nonc und Geromino“ erzählt von einem Mann, der nach dem Hurrikan Katrina nach der Mutter seines kleines Sohnes sucht. Johnson zeigt gekonnt auf, wie die Gesetze nach der Naturkatastrophe ein Stück weit außer Kraft gesetzt sind und versetzt den Leser in eine Stimmung, die dieser seltsamen Ödnis angebracht scheint. Die vielleicht stärkste Erzählung „Interessant!“ berichtet aus der Sicht der krebskranken Frau eines Pulitzerpreisträgers (ganz zufällig hat er ihn für einen Nordkorea-Roman erhalten), davon, wie diese Frau sich das Leben des Mannes und ihrer Familie ohne sie vorstellt. Ein ehemaliger Gefängnisdirektor eines Stasi-Gefängnisses macht jeden Tag mit seinem Hund seine Runde ganz in der Nähe seines ehemaligen Arbeitsplatzes und sieht sich mit Touristen, Schulklassen und ehemaligen Häftlingen konfrontiert, die ihre Geschichte der Gefangenschaft erzählen. Geschichten, die er so nicht stehen lassen will. In „Mein Freund George Orwell und ich. Eine Geschichte“ versucht er, seine Vergangenheit in einem besseren Licht dastehen zu lassen. „Dark Meadow“ erzählt über einen Pädophilen, der Strategien sucht, seinen Neigungen nicht nachgeben zu müssen, der andere Pädophile „jagt“. Und in „Da lacht das Glück“ kommt der Autor noch einmal auf das Thema Nordkorea zurück und berichtet von zwei Männern, denen die Flucht nach Südkorea gelungen ist – und die darüber gar nicht so glücklich sind. Johnsons Erzählungen leben von ihrem jeweils ganz eigenen Ton. Wenige Sätze braucht der Autor nur, um den Leser ganz hinein zu ziehen in die jeweilige Geschichte, jede Erzählung geschieht in einem ganz eigenen Kosmos, und es ist, als läse man einen ganzen Roman. Seine Protagonisten sind allesamt Verlorene, Verlorene ganz verschiedener Art. Sie suchen nach Lösungen, nach Erlösung. Wir begleiten sie jeweils nur ein kleines Stück und verlassen sie dann wieder. Manches Mal wäre ich gern noch ein wenig bei ihnen geblieben und hätte gern gewusst, wie es mit ihnen weitergeht. Aber gestört hat das nicht. Vielmehr verstärkt sich der Nachhall. Johnsons Erzählungen sind kreativ, originell, melancholisch und auch selbstironisch, wenn an einer Stelle die Grenzen einer Erzählung zu verwischen scheinen – Genaueres soll hier nicht verraten werden. Was auch immer eine gute Erzählung ausmacht – Johnson hat gleich sechs davon geschrieben. Der Autor hat mit seinem Erzählband „Nirvana“ (im Original „Fortune Smiles“) den letztjährigen National Book Award gewonnen. Von mir gibt es eine ausdrückliche Leseempfehlung.

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