Napoleon

von Adam Zamoyski 
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Napoleon
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Kann ich nicht empfehlen. Oberflächlich, anmaßend, absurd, voller Fehlinterpretationen und Indoktrinationsversuche. Schlimm.

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Inhaltsangabe zu "Napoleon"

«Was für ein Roman war mein Leben», hat Napoleon einmal gesagt. Der Sohn aus einer armen Familie wird mit 26 Jahren General, kaum zehn Jahre später ist er Herr über Europa. Monarchen zittern vor ihm, die Völker bejubeln ihn als Herold einer Zeitenwende. Doch der korsische Komet verglüht so rasch, wie er aufgestiegen ist. Nach den gefeierten Bestsellern "1812" und "1815" legt Adam Zamoyski nun sein Meisterwerk vor - die Biographie des berühmtesten Feldherrn und Herrschers in der Geschichte Europas.
Mit der souveränen Sachkenntnis einer lebenslangen Beschäftigung entführt uns der geborene historische Erzähler Zamoyski in eine Epoche, wie sie dramatischer nicht sein könnte. Er begreift Napoleon im Kontext der Aufklärung, schildert die Stationen dieses unglaublichen Lebens, illuminiert mit sicherer Hand Charaktere und Konstellationen. Aber zugleich versteht er es auf unnachahmliche Weise, den Leser zu unterhalten und die Geschichte mit Leben zu erfüllen. Sein «Napoleon» ist prallvoll mit Anekdoten und ein opulentes historisches Lesevergnügen voller Pointen und scharfsichtiger Beobachtungen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783406724961
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:863 Seiten
Verlag:C.H.Beck
Erscheinungsdatum:18.09.2018

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    Wedmavor 23 Tagen
    Kurzmeinung: Kann ich nicht empfehlen. Oberflächlich, anmaßend, absurd, voller Fehlinterpretationen und Indoktrinationsversuche. Schlimm.
    Oberflächlich, anmaßend, absurd, voller Fehlinterpretationen und Indoktrinationsversuche. Schlimm.

    Auf diese Biographie (Bio)habe ich mich lange gefreut. Vor paar Jahren habe ich eine Bio von Chopin aus der Feder von Zamoyski gelesen und fand sie sehr gut. So detailreich, atmosphärisch sie war, so gut ich da mitgehen konnte! Als ich die Bio von Chopins Lebensgefährtin Georges Sand später las, erschien sie mir blass und nichtssagend, da ich vieles über sie, was darin gar nicht stand, aus Chopins Bio wusste. Auf ein ähnliches erfüllendes, bereicherndes Leseerlebnis wie in Chopin Bio habe ich auch hier gehofft.

    Ich habe mich nicht nur gefreut, ich habe mich auch vorbereitet. Paar Bios von Alexander I. gelesen, um die Besonderheiten dieser Zeit im Gedächtnis aufzufrischen. Als ich dann aber das vorliegende Werk las, war ich schon sehr (negativ) überrascht.

    Bei meinen Vorbereitungen las ich auch kritische Rezensionen zu Zamoyskis früherem Werk „1812“. In einer davon, mit dem Titel „Oberflächlich und voller Vorurteile“, steht: „Selten habe ich ein so stilistisch so gut geschriebenes und zugleich inhaltlich so vorurteilsbeladenes, miserables Buch eines Historikers gelesen.
    Die Quellen des Autors sind frankozentristisch und werden leider sehr selektiv und einseitig verwendet, bzw. interpretiert.
    Zamoyski trieft schon in den ersten 200 Seiten vor antipreussischen und antirussischen Klischees.
    Leider wieder mal eine Art der Geschichtsschreibung, die eher etwas mit der Nacherzählung von Geschichten, die die eigenen Vorurteile illustrieren und propagieren, zu tun hat, als mit sachlicher Analyse und seriösem Quellenstudium.
    Von vernünftig-kritischem Umgang mit Primärquellen ganz zu schweigen...
    Offenbar war der Autor nicht in der Lage die nationalen Mythen seiner Abstammung auch nur in Frage zu stellen.“

    Ich wollte das nicht wahrhaben. Habe inständig gehofft, dass mir all dies hier erspart bleibt. Ich wollte nur eine tolle Bio lesen und anschließend eine begeisterte Rezension verfassen. Diese schreibe ich für mein Leben gern.

    Leider kam es deutlich anders. In der gesamten Länge, vom Anfang bis Ende, war ich nicht müde, das Buch aus der Hand zu legen, so „fesselnd“ war es. Ich musste mich regelrecht zwingen, es wieder aufzunehmen und weiterzulesen. Die Schreibe erwies sich als klobig, anmaßend und ungenießbar. Nach dem ersten Viertel, für den ich sehr lange gebraucht habe, da andere Sachbücher mir viel lieber waren, habe fest vorgenommen, diese Bio auf jeden Fall zu Ende zu lesen: das jüngste Werk des von mir bis dahin geschätzten Autors. Das gelang mir aber nur durch die Ausübung eiserner Disziplin: Zwei Kapitel jeden Abend. Ohne Wenn und Aber. Gott, hat mir dieses armselige Pamphlet meine Leseabende ruiniert! Wie oft bin ich gedanklich abgeschweift! Musste dann die Stellen nochmals durchgehen. Ich war für jede Ablenkung zu haben. Und bei dem nächsten Wortwahl-/ Meinungsmachespielchen, was oft genug vorkam, wollte ich das Buch am liebsten in die hinterste Ecke pfeffern und es dort vergessen. Ich habe mich, insb. im letzten Viertel, regelrecht geekelt.

    In der ersten Hälfte hatte ich oft den Eindruck, ich laufe gegen gläserne Wände. Mir war, als ob ich mich beim Lesen in einem engen Rohr, einer Art Kaleidoskop befinde, das mir zwar bunte Bilder zeigt, diese aber so verstellt, dass mir vom bloßen Zuschauen übel wird. Spätestens in der zweiten Hälfte, ab der Stelle, als es um Alexander I. Zar von Russland ging, war mir klar, dass 95% aus der obigen Rezension stimmen, ausgenommen die Bemerkungen über den guten Stil, und genauso bei dieser Bio hätten stehen können.

    Je weiter ich las, desto klarer kam durch, dass der werte Autor bis in die Haarspitzen russophob ist. Ähnlich schaut es mit den Preußen aus. Im letzten Viertel hat er so viel Stoff zur Annahme geliefert, dass ich denken musste: Russophob ist noch sehr milde gesagt. Glühender Russenhasser passt da viel besser.

    Schon allein durch die Auswahl: a) der Quellen; b) den daraus entnommenen Zitate, die er in seinen Text integriert; c) durch die Wortwahl an sich betreibt Zamoyski plumpe Meinungsmache und bedient hemmungslos „die Mythen seiner Abstammung“, wie der Rezensent von 1812 absolut treffend zum Ausdruck gebracht hatte. Polen ist bei dem werten Autor der Nabel der Welt, Dreh- und Angelpunkt der wichtigen polit. Entscheidungen. Seltsam nur, dass man nur bei ihm so etwas liest. Andere Autoren, die über diese Zeit schreiben, erwähnen dieses Land eher selten und erst recht nicht in solcher Häufigkeit und enormer Wichtigkeit wie Zamoyski es zu tun pflegt.

    Die Aufgabe, die er sich selbst gestellt hatte, hat er wenig bis gar nicht erfüllt. „Mein Ziel in diesem Buch besteht nicht darin, zu rechtfertigen oder zu verdammen, sondern vielmehr in all seinen Facetten das Leben des Mannes zusammenzusetzen, der als Napoleone Buonaparte geboren wurde…“, schreibt er im Vorwort. An mehreren Stellen hatte ich aber den Eindruck, dass er Napoleon unter seine Fittiche genommen und seinen Verteidiger zum Besten gegeben hat. Dabei hat er die wohl bekannten Griffe verwendet wie: Appelle an die Emotionen, Kinderfreundlichkeit, Mitleid, Menschlichkeit der Leser usw., um seinen Schützling möglichst positiv darzustellen und ihn zu rechtfertigen, wobei er selten die Chance ausgelassen hatte, die Gegenseite möglichst negativ darzustellen. Wenn man auf die Wortwahl achtet, bekommt man genug Beispiele: Alles, was Napoleon und seine Verbündeten betrifft, wurde positiv, hochjubelnd oder neutral dargestellt, egal, welche Gräueltaten er beging und welch gestörtes Verhalten er an den Tag legte. Was Russen oder Preußen angeht, wurde zu 95% mit negativem, abwertendem Vokabular bestritten. Auf Brechen und Biegen versucht Zamoyski Russland als einen Aggressor darzustellen. Das fällt wirklich auf, wenn man auf seine Wortwahl achtet. Mehr zum Thema lesen Sie in z.B. „Feindbild Russland. Geschichte einer Dämonisierung“ von Hannes Hofbauer oder auch „Propaganda als Machtinstrument“ von A. Bleyer.

     Schon allein bei den Gründen für den Russland-Feldzug stellt Zamoyski es so dar, als hätte Napoleon keine andere Wahl, als dort einzufallen. Das ist so absurd wie in etwa Versuche eines windigen Advokaten, der den weltbekannten Vergewaltiger verteidigt und argumentiert bei der Ergründung des nächsten Vorfalls, die Dame hätte den werten Herren regelrecht dazu gezwungen, an ihr seine ach so unbezwingbare Männlichkeit zu versuchen. Als Grund, weshalb dieser Feldzug nicht geglückt war, gab Zamoyski an, das Wetter wäre es gewesen. Russlands Unverwundbarkeit erklärt er bloß durch seine Größe. Mehr war da angeblich nicht. Nur die Kälte und die Größe waren es also, die den größten General Europas, so „gar nicht hochjubelnd“ wurde hier Napoleon genannt, zur Rückkehr motiviert und sein Russlandfeldzug vermiest hätten. Kein Witz. So steht es im vollen Ernst da. Den russischen General Kutuzov nennt Zamoyski den: „… verschlagenen, gichtgeplagten, dickleibigen Fünfundsechzigjährigen mit der Gabe, Tatsachen zu verfälschen, um sich eine Aura zu schaffen…“ Kap. 37. Noch abwertender geht es wohl kaum. So etwas wie Anstand, Respekt, Rücksicht oder auch Pietät sind dem werten Autor weitestgehend unbekannt. Das musste ich noch an vielen anderen Stellen denken.

    Bei der Beschreibung Alexanders I. ist er etwas zurückhaltender, aber solche Adjektive wie dumm und ängstlich sind auch hier gefallen. Seltsam nur, dass sich nur Zamoyski zu solcher Darstellung erdreistet. In keiner anderen Quelle, in keiner Biographie von Alexander I. habe ich so etwas in der Art vernommen. Alexander I. war alles andere als dumm oder ängstlich. Sonst wäre er nicht als Befreier Europas gefeiert. Das Wort Aggressor verwendet der werte Autor nie in Bezug auf seinen Schützling. Mehrmals taucht das Wort Frieden nach dem Namen Napoleons auf. Frage: Wie hat er bloß geschafft, sich ganz Europa zu unterwerfen, wenn er so ein ehrenhafter und friedfertiger man gewesen war? Hier sieht man: Der werte Autor war sich also nicht schade, die Dinge um die hundertachtzig Grad zu drehen, Weiß schwarz, das Schwarze aber wieder weiß zu tünchen und das Ergebnis seiner propagandistischen Bemühungen als der Wahrheit letzten Schrei an die arglosen Leser zu liefern. Was sagt man dazu.

    An vielen wichtigen Stellen fehlten die Quellenangaben. Mit diesen geht er so lieblos um, wie mit vielen anderen Dingen. Und so oft hat sich der werte Autor selbst als Quelle angegeben, das besagte 1812, schon allein das war mir herzlich wenig seriös bis lächerlich.

    Der Gipfel, quasi als Überraschung zum Schluss war, dass der werte Herr Autor es fertiggebracht hatte, die Völkerschlacht bei Leipzig, 13-19 Oktober 1813, bei der Napoleon die entscheidende Niederlage erlitt, die ihn zwang, sich aus Deutschland zurückzuziehen, so darzustellen, dass diese nur schwer als solche zu erkennen ist. Der Begriff Völkerschlacht, der durchaus einen Wiedererkennungswert besitzt, denn seit 1913 wurde dort auf einem weitläufigen Gelände ein imposantes Denkmal errichtet, der seitdem von vielen Besuchern, mich eingeschlossen, bewundert wurde, taucht erst gar nicht auf.

    Hier und an vielen anderen Stellen musste ich an Zamoyskis antizipiertem Bild seiner Leser verzweifeln. Dieses Werk ist pure Beleidigung an die Intelligenz der Leser. Seiner Meinung nach, die man durch seine Art der Stoffdarbietung und die Wortwahl klar vermittelt bekommt, hat sein Leser keine Ahnung von nichts, die Infoversorgung ist da als gleich Null eingeschätzt worden. Denken und kritisch betrachten kann seine Leserschaft, seiner Meinung nach, auch nicht. Schon allein wie Zamoyski in dieser Bio Schwerpunkte setzt, spricht Bände, welch miserabler Meinung der werte Autor von seinen Lesern ist. Sex sells und alles daran Angrenzendes steht für ihn an der ersten Stelle. Dementsprechend wurde der Leser mit unwichtigem Zeug überhäuft, was der werte Autor hpts. zu seinen Meinungsmacherzwecken benutzt.

    Was Napoleon angeht: Aus vielen Schilderungen geht es hervor, dass er das war, was man heute einen Psychopathen nennt: frauenfeindlich, hinterlistig, schizophren, paranoid, da von Minderwertigkeitskomplexen geplagt, grausam, egoistisch usw. Aber der werte Autor hat ihn doch als seinen Schützling auserkoren und tat so unschuldig, als ob er einen ehrenhaften Mann verteidigte. Vielerorts stellte sich Zamoyski auf die Seite seines Schützlings, wobei er, wie um seinen im Vorwort beschriebenen Vorhaben zumindest teilweise zu erfüllen, den Schein der gewollt wirkenden Neutralität an den Tag legte. Vielerorts wurde Napoleon aber geradezu verherrlicht, was durch entspr. Vokabular deutlich wurde.

    Was ich ärgerlich wie unverständlich fand: Weshalb Zamoyski unter dem Deckmäntelchen eines Pophistorikers seine Russophobie öffentlich ausleben durfte? Warum bekam er so eine Bühne, so eine prächtige Möglichkeit, seine kruden Ansichten unter die Leser zu bringen? Dieses Machwerk wurde übersetzt, vllt auch noch in andere Sprachen. Die Antwort ist, fürchte ich, schaut so aus, dass ich die am liebsten auch nicht wahrhaben möchte, leider aber muss. Mal habe ich Folgendes vernommen: Warum werden historische Bücher immer neu geschrieben? Um die historischen Ereignisse durch die Neuinterpretationen rückwirkend an die herrschende Ideologie der Machtinhaber optimaler anzupassen. Dieses Machwerk ist ein Paradebeispiel dafür. Um das mit den Worten von Rainer Mausfeld zu sagen („Warum schweigen die Lämmer?“, „Lügen die Medien?“, „Fassadendemokratie und Tiefer Staat“): Damit die Massen das glauben, was sie glauben sollen. Solche Dinge hat auch Noam Chomsky viel früher z.B. in „Manufacturing Consent“ gesagt.

    Es ist bloß so: Wer versucht, die Meinungsmache gegen bestimmte Nationen, ihre Oberhäupter und Länder zu betreiben statt neutral zu erzählen, wofür er die historischen Gegebenheiten verdreht und diese subjektiv wie stark verbogen darstellt, wer seine Leser mit Absurditäten überhäuft und sie sonst geringschätzt, der darf sich über die wenig begeisterten Rückmeldungen nicht wundern.

    Abgesehen davon, dass der werte Autor selbst sehr bescheiden dasteht.

     

    Das Buch ist recht dick und schwer geraten. Wer es in den Händen während des Lesens halten möchte, der hat dann gleich sein Krafttraining mitabsolviert. Die Schrift kann ich nicht gerade augenfreundlich nennen.

    Ich wollte bloß eine gute Bio lesen, in die damalige Zeit eintauchen, vllt etwas mehr über Napoleon und die Seinen erfahren. Stattdessen habe mich fast auf jeder Seite geärgert.

    Ich finde es traurig und inakzeptabel, dass man heute auch in Sachbüchern eine bestimmte Ideologie mitgeliefert bekommt, ob man es will oder nicht. Neutrale, objektive Darstellungen gehören wohl der Vergangenheit an.

    Da lese ich lieber die Biographien des älteren Datums, da ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass man nicht als Fläche für Indoktrination der heute Mächtigen behandelt wird.

    Ein Stern für dieses Machwerk halte ich für angemessen. Zamoyski ist bei mir unten durch.

     

    Kommentare: 4
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    Sikalvor 2 Monaten
    Ein ordentlicher Schmöker, aber über Napoleon habe ich noch nicht viel gelesen. Darum freue ich mich nun darauf.
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