Adolf Muschg Die Japanische Tasche

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Inhaltsangabe zu „Die Japanische Tasche“ von Adolf Muschg

Beat Schneider hat etwas Unverzeihliches getan, was ihn seine Ehe mit LouAnne kostet. Sie ist eine außergewöhnliche Zeichnerin, die nicht nur auf seine Liebe, sondern auch auf seine Fürsorge angewiesen ist. Umso kostbarer ist ihm die japanische Tasche, die ihm LouAnne geschenkt hat und die er nicht aus den Augen lässt. Bis er auch sie verliert. Das Leben Schneiders, eines originellen Historikers, der an Karriere nicht interessiert ist, steht unter dem besonderen Schutz seiner einstigen Kinderfrau, die er Alcina nennt und die ihm nach ihrem Verschwinden ein beträchtliches Erbe hinterlassen hat. Sie hat ihm Märchen erzählt und die Traumlogik der Märchen scheint auch in Schneiders Leben zu walten. Nicht nur dieses Motiv verbindet Adolf Muschgs neuen Roman „Die Japanische Tasche“ mit „Sutters Glück“ (2001). Denn auch dessen Hauptfigur, der ehemalige Gerichtsreporter Emil Gygax, den seine Frau Ruth Sutter nannte, taucht hier wieder auf, aus gutem Grund. Freundschaft und Liebe, Abschied und Verluste, die rätselhaften Verbindungen im Leben der Menschen, familiäre Bande und solche jenseits der Familie, die vielleicht noch stärker sind, spielen eine zentrale Rolle in diesem schönen, schwebend-geheimnisvollen Roman, der von einer großen Liebe und ihrem tragischen Verlauf erzählt.

Der Roman wirkt verworren, etwa irreal und abgehoben und trifft leider gar nicht meinen Geschmack!

— sommerlese
sommerlese

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  • Mir fehlte der rote Faden

    Die Japanische Tasche
    sommerlese

    sommerlese

    30. May 2016 um 14:18

    "*Adolf Muschg*" war Professor für deutsche Sprache und Literatur in Zürich und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Sein Roman "*Die Japanische Tasche*" erschien 2015 im "*Beck Verlag*". Der Schweizer Beat Schneider ist Historiker, nicht an Karriere interessiert und heiratet seine Studentin LouAnne. Sie ist eine außergewöhnliche Zeichnerin und wegen einer Behinderung auf seine Fürsorge angewiesen. Sie schenkt ihm die japanische Tasche, die er sehr mag. Bei einer Zugfahrt gibt es einen tragischen Personenunfall, Schneider verliert die Tasche. Dieser Roman hat mich zuerst sprachlich erstaunt, mit einigen Gedichten wunderbar unterhalten und leider mit den Figuren verwirrt. Es geht um Freundschaft und Liebe und Abschied und Verluste. Hier werden familiäre Konstellationen angedeutet, aber die wahren Gefühle werden nicht offen ausgesprochen. Anfangs gibt es noch eine klar erkennbare Rahmenhandlung, aber dann verändern sich die Gegebenheiten und man erkennt nicht mehr den roten Faden. Mir kommt die Handlung sehr rätselhaft vor und es geht wohl hauptsächlich um das Ende, das Sterben. Die Geschichte ist abgehoben und wirkt irgendwie irreal, wie ein Traum oder eine Phantasie. Es ist für mich unerklärlich, lange mühte ich mich mit dem Text ab und versuchte die Fäden zu entwirren. Es ist mir nicht gelungen. Dabei gibt es Metaphern, die sich mir nicht erklären. Schade! Mir fehlt einfach die Aussage, die der Autor hier ausdrücken will. Bis zu der Zugszene konnte ich gut in den Roman eintauchen, danach wurde es für mich immer schwieriger, der Handlung zu folgen. Die Charaktere haben mich überhaupt nicht angesprochen, sie sind einfach langweilig. Als ich gelesen habe, dass hier Figuren aus älteren Romanen des Autors in den aktuellen Roman eingebaut wurden, fehlte mir der Hintergrund dieser Bücher. Die Tasche steht meiner Meinung nach für die Symbolik des Weiblichen, des Geburtskanals und als Beat Schneider die Tasche seiner Frau verliert, geht auch die Ehe in die Brüche. Der Auslöser ist aber auch eine Aufnahme von LouAnnes Scham, die Beat überreagieren lässt. Er schlägt seine Frau, die Ehe ist beendet und LouAnne geht in eine psychiatrische Klinik. Der Autor Adolf Muschg mag ein großer Schweizer Schriftsteller sein, doch leider fehlt mir für sein Buch der Sinn. Ich bin von diesem Roman sehr enttäuscht.

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  • Überbordend in den Motiven und hervorragend in der Sprache

    Die Japanische Tasche
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    01. October 2015 um 13:34

    Überbordend in den Motiven und hervorragend in der Sprache Vielfach sind die Verbindungen zwischen den Personen, aber auch zwischen Ereignissen (wie eben dem Verlust der im Titel erwähnten japanischen Tasche), denen Adolf Muschg in seinem neuen Roman nachgeht, nachspürt, nachsinnt und bis in symbolbehaftete, märchenartige Tiefen auslotet. So beginnt der Roman zwar zunächst in der (scheinbaren) Gegenwart der Ereignisse und des Professors für schweizerische Geschichte, Beat Schneider, in einem einfachen Zug, erster Klasse, auf dem Weg nach Hause. Aber weder die Zugfahrt noch das „zu Hause“ sind die einfachen, klaren Orte, die vielleicht in den Begriffen mitschwingen können. Einen „Personenunfall“ zwingt den Zug zu einem längeren Stopp (und, darauf sei hingewiesen, zumindest der Begriff des „Personenunfalls“ (wenn nicht sogar dieser konkrete) werden mit dem Leben von Beat Schneider eng verbunden werden. Später dann, wenn die Linien der Erzählungen beginnen, zusammen zu laufen. Das „zu Hause“, ein Atelier an einer Villa, auch dies ist nicht einfach nur ein Ort des Rückzugs oder des Wohlgefühls, die Villa ist ein Ort, der eine Familiengeschichte mit unschönen Wendungen nur zu gut kennt, das Atelier ein Ort, an dem Schneider selbst Höhen Tiefen erlebt und erlitten hat. Und der Ort, von dem nun die Fäden der Geschichte nach hinten und nach vorne sich ausspinnen werden. Aus vielen Perspektiven heraus, soweit, dass irgendwann Schneider selbst seinen Mittelpunkt im Buch ein stückweit räumen wird für seine Freundin, Verbündete, Verbundene, oft aber auch entschwindende Elinor. Tochter des „guten Hauses“ und seiner prägenden Figur, ihrer Mutter Alice. Und mitten drin Schneider, der „andere Gründungsfiguren“ in seinen historischen Forschungen sucht und der eigentlich „das tapfere Schneiderlein“ aus dem Märchen ist. Was aber nur er und seine ehemalige Kinderfrau wissen, die ihm al jene Märchen nahgebracht hat (und seine finanziellen Mittel zudem noch), als Teil des Lebens, die nun immer wieder in ihm lebendig werden, in die er manches Mal versinkt, deren Symbolik sein Erleben mitgestalten. Und nicht nur seins. Viele Fäden nimmt Muschg auf, geht Personen und deren Ergehen und deren Verflechtungen nach, erzählt die Ehegeschichte Schneiders mit LouAnne (und dieser ominösen japanischen Tasche), der Zeichnerin, der Frau, die ihn benötigt und die er dennoch verliert, und die von Alice und die von Elinor bis hin zum Weiderauftreten „Sutters“, der Hauptfigur seines letzten Romans, der für Beat Schneider eine ungeahnte Nähe in sich trägt und eine Schlüsselfigur im letzten Teil dieses Romans ebenso darstellt. Fäden, die Muschg mit Ruhe aufnimmt. Für die er sich Zeit lässt, ohne sprachlich zu sehr auszuschweifen. Es reichen wenige Worte, eine kleine, innere Reaktion, um dem Leser plastische Bilder (allein schon die Toilette des stehenden Zuges) hautnah spürbar vor Augen zu stellen. Während das Eindringen in abstraktere Welten dafür breit erzählt wird, den Leser ein um das andere Mal zurückblättern lässt, um in den kräftigen sprachlichen Bildern nicht den Überblick über die Fäden der Handlung zu verlieren. „Jeder beherbergt ein Universum….Ist das nicht wunderbar. Und damit lebt sie noch lange nicht. Leben passiert durch Vernetzung. Und das Netz steht in den Sternen. Zeigen können wir es noch nicht…..wir können in sein Minimum dringen und es entwischt uns immer ins noch Kleinere“ Ein Satz im Buch, der fast programmatisch auch das Buch selbst beschreibt. Aber fantasieren, emotional spüren, das vielleicht. In diesem breit vernetzten, fantasievollen, allerdings hier und da überbordenden Roman, in dem sich der Leser auch zu konzentrieren hat, auf die Bedeutung der Symbole, die Funktion der Märchen, das Ergehen der Personen in der fassbaren und der Gedankenwelt. Sprachlich hervorragend und anregend bildet dieser umfassende Roman allerdings auch vielfache Herausforderungen und (gewollte) Brüche samt so manchen „Abgleitungen“ in Abstraktionen hinein, die vermeintlich klare Linien immer wieder zu wilden Kurven gestalten. Eine empfehlenswerte Lektüre trotz (oder gerade wegen) der vielen Volten, die Muschg im Buch schlägt.

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