Adolf Muschg Sax

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Inhaltsangabe zu „Sax“ von Adolf Muschg

<p>Es ist nicht die Heizung, wenn es im Haus "zum Eisernen Zeit" im schweizerischen Münsterburg in den Wänden klopft. Die drei jungen Rechtsanwälte, die als „Trockenwohner“ in die nicht geheuere Dachwohnung ziehen, scheinen die Wiedergänger eher anzuziehen, als sie zu vertreiben. Das beginnt mit dem Freiherrn von Sax und seiner tödlichen Schädelwunde – sie ist bis heute an der erhaltenen Mumie zu besichtigen –, aber mit ihm endet es nicht, ja nicht einmal mit dem „Gespenst des Kommunismus“ und den bösen Geistern des 19. und 20. Jahrhunderts. Eine Mitgift des Herrn von Sax spukt freilich durch alle Kapitel dieses Romans: die berühmteste Minnehandschrift des Mittelalters, die er als Kriegsbeute mitgehen ließ. Diese Handschrift lebt. Wer sie öffnet, wird mit Haut und Haar hineingezogen. Das gilt auch für dieses Buch. Mit Figuren wie von Fellini und einer labyrinthischen Architektur bereitet uns der Roman ein ungeheueres Leseerlebnis. Wer den Sehnsüchten, Liebesgeschichten, Plänen und Karrieren von Muschgs Figuren nachforscht und dabei die dünne Wand zwischen den Lebenden und Toten durchstößt, begegnet der Frage, die beide Seiten umtreibt: die nach dem gelebten und dem ungelebten Leben. Spannend, hoch erotisch und visionär: das Leseabenteuer einer Geisterbeschwörung.</p>

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  • Rezension zu "Sax" von Adolf Muschg

    Sax
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    01. December 2010 um 16:09

    Geister des Lebens Der Beginn des Buches klärt zunächst den äußeren den Rahmen, in dem die Geschichte sich bewegen wird und den Anlass, aus dem heraus alles, was passiert, geschehen wird. Peter Leu bewohnt das elterliche Haus und besitzt zumindest drei Probleme. Zum einen werden seine finanziellen Mittel knapp, zum zweiten ist seine Ehe nur mehr ein Schatten ihrer selbst und zum dritten liegt beides am Haus. Spezieller an manchen Bewohnern des Hauses, die nicht fassbar, nicht körperlich im Raume stehen und dennoch die Nerven Schritt für Schritt zermürben. Gespenster gehen um. Sein Geschäftspartner Schinz hat da eine Idee. Ähnlich wie ein durchfeuchtetes Haus trocken geheizt werden muss, ähnlich bietet er dem verzweifelten Leu Trockenbewohner an. Drei junge Anwälte, deren einer der Sohn des Bankiers Schinz ist, die den oberen Stock für eine Weile bewohnen und von den Geistern ausnüchtern sollen. Und so beginnt die Geschichte der Protagonisten und ihrer Verwicklungen in die Zeit, die Geschichte, die Liebe und das Leben. 1970 beginnt der Einzug, zeitmodern links bis kommunistisch sind die jungen Anwälte, die im Lauf der Jahre vieles erleben. Von der freien Liebe bis zur prallen Erotik und echter Sehnsucht, von dem Miteinander hin zu eigenen Wegen, von der Betrachtung der Frage des Unterschiedes zwischen einem gelebten und einem ungelebtem Leben (ohne klare Antwort). Allerdings eines gelingt den Bewohnern in der Zeitspanne von 1970 bis 2013 nicht, das trocken wohnen eben. Wie auch, wenn die Gespenster des Hauses im Sinne des Autors eine allegorische Aufgabe in sich tragen im Blick auf das Leben, wenn Wichtiges offen bleibt und ungelebt im Raume steht? Wenn die Suche nach Glück, die das eigentliche Thema des Buches darstellt, eine über den Tod hinausreichende sein mag? Die Suche nach Glück, die auch die Nebenströme des Buches inhaltlich füllt. Die Lebensgeschichte des Titelgebers, des Freiherrn von Hohensax (der ebenfalls als Gespenst seinen Auftritt hat) wird ebenso erzählt, wie die eines ehemaligen Astronomen. Endgültig vermischen sich die Zeiten und Ebenen des Buches durch diese Nebengeschichten, die hier und da zu Hauptgeschichten werden. Denn die berühmteste Minnehandschrift des Mittelalters, der Codex Manasse, war im Besitz des Freiherrn und, da der Codex im Buch geöffnet wird, strömen auch die Figuren des Codex durch die Seiten des Buches. Viele Ebenen bietet Muschg in seiner Geschichte, Ebenen, die, obwohl zeitgeschichtlich getrennt, dennoch durch die Leitfragen des Lebens miteinander verbunden sind. Was ist Leben? Wo ist Glück? Immer wieder legt Muschg den Finger auf die Wunde aller Zeiten, wie schnell das gehen kann, dass Chancen vorbeiziehen, ungenutzt bleiben, vertändelt werden. Interessant, denn alle Protagonisten des Buches haben im wirtschaftlichen Bereich wenig Sorgen. Im Gegenteil, Erfolge stellen sich bei den jungen Anwälten bald ein, ein Erbe tut ein übriges dazu, auch die Personen der Historie haben den Kampf um das tägliche Brot nicht nötig. So kann Muschg ungestört vom alltäglichen Lebenskampf den Fokus allein auf das richten, was ihn im Roman umtreibt, die Frage nach gelebtem oder eben versäumten, ungelebtem Leben. Sprachlich ist das Buch über jeden Zweifel erhaben. Kraftvoll, bildhaft und dennoch dem Jargon der entsprechenden zeit je angemessen, nutzt der Autor sein feines Sprachempfinden und seine vielfältigen sprachlichen Möglichkeiten, um das Gemeinte jeweils prägnant und klar mit allen mitschwingenden Assoziationen und Emotionen auf den Weg zu bringen. Dennoch verlangt das Buch hohe Konzentration ob der vielen Wege zwischen den Zeiten und zwischen den Welten. Dann aber öffnet sich eine Gedankenwelt, die mit dem Ende des Buches noch lange nicht abgeschlossen sein wird. Denn das Jenseits erwartet auch die Protagonisten des Romans, ohne eine Form der ewigen Ruhe in den Raum zu stellen. Über den Rand der Buchdeckel hinaus wird so der Leser mit hineingezogen in diese existentiellen Fragen auch des eigenen Lebens, die kaum zu beantworten sind und dennoch Tag für Tag nach Antwort rufen. Diese Beunruhigung des Lebens ist Muschg vortrefflich gelungen und allein schon dafür lohnt dieses, hochphilosophisch angelegte, Buch.

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