Der katholische Bulle

von Adrian McKinty 
4,2 Sterne bei71 Bewertungen
Der katholische Bulle
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Fee-ChristineAKSs avatar

Großartige Zeitreise - spannender Fall - auch gut zu hören!

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Toller Krimi/Thriller vor dem Hintergrund der Unruhen in Nordirland in den 80er Jahren. Sean Duffy ist ne coole Socke!

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Inhaltsangabe zu "Der katholische Bulle"

Belfast befindet sich im Ausnahmezustand. Detective Sergeant Sean Duffy ist neu in der Stadt, und gleich bei seinem ersten Fall – der Suche nach einem Serienkiller – muss er sich ins Zentrum des Terrors begeben.

Sean Duffy ist wahrscheinlich der einzige katholische Bulle in ganz Nordirland, denn es ist 1981, und »katholisch sein« steht vor allem für eines: IRA. Die Paramilitärs haben der Polizei den Krieg erklärt, nehmen sie, wo es nur geht, unter Beschuss, jagen Polizeiautos in die Luft. Ihnen gilt Duffy als Verräter. Doch auch unter den Kollegen in Carrickfergus, einem Vorort von Belfast, wohin er nach seiner Beförderung gerade erst versetzt wurde, muss sich der junge Polizist sein Ansehen erkämpfen. Entlang der Frontlinien ermittelt Duffy in zwei Mordfällen, hinter denen ein Serienkiller zu stecken scheint. Eines der Opfer stand in Verbindung mit den höchsten IRA-Kreisen, wo Duffy auf eine Mauer des Schweigens trifft, da jeder, der den Mund aufmacht, mit dem Schlimmsten rechnen muss …

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783518465233
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:384 Seiten
Verlag:Suhrkamp
Erscheinungsdatum:14.07.2014

Rezensionen und Bewertungen

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    Hamburgerinvor einem Jahr
    Kurzmeinung: sehr cool, sehr irisch
    Ein katholischer Bulle im protestantischen Nordirland ...

    muss es zwangsläufig schwer haben und so wird Sean Duffy auch nichts geschenkt. 


    Duffy ist ein junger Polizist, der in den 1980ern in Belfast einen Serienkiller fangen soll, der Schwule zu hassen scheint und nebenbei in bürgerkriegsähnlichen Zuständen zwischen den Verstrickungen der IRA, Sinn Fein, Untergruppen und Geheimdiensten zurecht kommen soll. 


    Klar, dass dies nur Probleme macht und einen Haufen Frustration auslöst, als so gut wie alle Spuren ins Leere laufen und der ehrgeizige Duffy sogar aus den Ermittlungen gedrängt wird.


    Ich mochte McKintys Schreibstil und fand, dass ihm die Zeitreise zurück ins Irland der 80er wirklich gut gelungen ist. Musik, Schlagzeilen, die ganze Atmosphäre dieser Zeit inklusive der allgegenwärtigen Terrorangst, dem Misstrauen, der Schäbigkeit des damaligen Nordirland hat mich erfolgreich mitreisen lassen.


    Sean Duffy mit seinen coolen Sprüchen gefiel mir auch, wenngleich ich nicht immer nachvollziehen konnte, warum er handelt, wie er handelt. 


    Der Fall, sehr verstrickt, aber passend zu den vielen Verstrickungen, Verklemmungen und Unsicherheiten aller Beteiligten des damaligen Belfast, büßte hier und da an Spannung ein und wurde mir dann etwas zu bemüht aufgelöst. 


    Dennoch, für mich war es ein Lesevergnügen und der nächste McKinty wartet schon.

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    Medienjournalvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Fängt das politische und gesellschaftliche Geflecht der frühen 80er-Jahre in Nordirland gekonnt ein
    Review: Der katholische Bulle

    Adrian McKintys Der katholische Bulle funktioniert nicht nur als ungemein spannender und wendungsreicher Krimi-Thriller mit einem gewohnt und erwartet dickköpfigen wie starrsinnigen Ermittler mit Ecken und Kanten, sondern fängt auch das politische und gesellschaftliche Geflecht der frühen 80er-Jahre in Nordirland gekonnt ein und liefert wie nebenbei noch Wissenswertes über IRA, FRU und Sinn Féin, ohne den unbedarften Leser mit dem Geschichtsunterricht zu überfordern oder zu langweilen. 
    Mehr gibt es unter: 

    http://medienjournal-blog.de/2014/11/review-der-katholische-bulle-adrian-mckinty-buch/

    Kommentare: 1
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    Langeweiles avatar
    Langeweilevor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Anstrengende Lektüre, meine Erwartungen wurden nicht ganz erfüllt.
    Mörderisches Nordirland

    Das Buch läßt mich einigermaßen zwiegespalten zurück. Der Protagonist Sean Duffy wurde sehr gut beschrieben und wirkte trotz einiger Schwächen sympathisch. Im protestantisch geprägten Nordirland hatte er einen schweren Stand.Die Ermittlungen in zwei Mordfällen und einem angeblichen Selbstmord liefen zähflüssig. Im Jahre 1981 hatte die Polizei noch nicht die Unterstützung durch moderne Technik wie heute. Sehr gelungen fand ich die Einbindung der politischen Geschehnisse der damaligen Zeit in die Geschichte. Der Schreibstil hat mir nicht so gut gefallen.Durch den ständigen Wechsel zwischen Mordermittlung,politischer Lage,Geplänkel mit den Nachbarn,Beziehungsanbahnung,war die Lektüre sehr anstrengend. Buchtitel: Der katholische Bulle

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    badwomanvor 3 Jahren
    IRA, RUC, UVP, UDA, USW..

    Sean Duffy ist Polizist im Belfast der 80er Jahre. Hier herrschen zu dieser Zeit bürgerkriegsähnliche Zustände, keine guten Voraussetzungen für eine Mordermittlung. Zudem ist Duffy noch Katholik, was von der IRA als Verrat angesehen wird, schließlich arbeitet die Polizei für die Briten. Sein erster Fall scheint ein Serienmörder zu sein, der Homosexuelle tötet. Doch auch der vermeintliche Selbstmord einer jungen Frau beschäftigt Duffy. Mit reichlich unkonventionellen Methoden und viel Herzblut versucht er diese Fälle trotz all der Steine, die ihm von verschiedenen Seiten in den Weg gelegt werden, zu lösen. Der Ermittler Duffy ist nicht immer der sympathische Gutmensch, wie man es aus einigen anderen Krimis kennt - er ist teilweise aggressiv, trinkt zuviel und nimmt Geschenke von Verbrechern an. Allerdings behält er immer das Ziel, die Wahrheit herauszufinden, im Blick. Für mich waren diese ganzen Abkürzungen und Namen der politischen Gruppen sehr verwirrend. Das hat meinen Lesefluss ein ums andere Mal gestört. Grundsätzlich finde ich die Idee aber gut, einen Krimi in diesem Milieu anzusiedeln, und so auch Einblick in die damaligen politischen Verwirrungen zu bekommen und auch in den Berufsalltag eines Polizisten zu der Zeit. Bis auf diese mir nicht immer bekannten Begriffe fand ich den Sprachfluss und den Schreibstil aber gut und flüssig und die Handlung recht spannend.

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    Buecherschmauss avatar
    Buecherschmausvor 3 Jahren
    Nordirland 1981


    So war das damals, 1981, in Nordirland. Eine sehr bedrückende Zeit, die heute so weit entfernt scheint und in die Adrian McKinty mit seinem Auftaktroman um den "katholischen Bullen" Sean Duffy auf beeindruckende Weise zurück versetzt.
    In dichtem Abstand kamen Nachrichten über Autobomben, Brandanschläge, Rachemorde, Hungerstreiks und Krawalle zwischen IRA-Anhängern und protestantischen Extremisten, Polizei und Armee über die Nachrichtenkanäle. Eine verfahrene, scheinbar unlösbare, ungemein gewalttätige Auseinandersetzung.
    Die Lager standen sich unversöhnlich gegenüber. Und so hatte es auch einige Brisanz, wenn ein katholischer Nordire für die verhasste protestantische "Besatzungsmacht" in Dienst stand. Auch Sean Duffy treffen Misstrauen und mehr oder weniger unverholene Feindschaft. Aber er ist stur, überzeugt, das Richtige zu tun. Und er ist erfolgreich. 
    So kniet er sich auch in den neuesten Mordfall hinein: Ein Homosexueller ist das Opfer, eine abgetrennte Hand und klassische Musiknoten spielen eine Rolle und stellen sehr bald die Verbindung zu einem zweiten Mord, ebenfalls verübt an einem Homosexuellen, her. Die Sache scheint klar: Das Werk eines homophoben Serienkillers. 
    Aber da tauchen Beziehungen zur IRA auf, der vermeintliche Selbstmord eines jungen Mädchens beschäftigt Duffy und er erkennt, dass Alles in Nordirland eine politische Dimension besitzt. 
    McKinty erzählt von den Ermittlungen spannend und genau, es geht rau zu, Duffy ist nicht zimperlich, dabei aber gebildet und moralisch integer. Das nordirische Wetter gibt das Seinige zur allgemeinen Trostlosigkeit hinzu. Musik spielt eine große Rolle, klassische aber auch zeitgenössische.
    Das ist atmosphärisch sehr gut getroffen und die zeithistorischen Ereignisse sind auf eindrückliche Weise in das Krimigeschehen integriert. Ein Krimi, der Lust macht auf die nächsten Bände der Reihe.

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    VeraPestels avatar
    VeraPestelvor 3 Jahren
    Nordirland in den 80ern

    Belfast. Bomben.Terror. IRA. Katholiken und Protestanten. Und dazwischen Sergeant Sean Duffy, der katholische Bulle. Gerade erst hat er seinen Dienst in Carrickfergus angetreten, ein Haus in einer protestantischen Siedlung gekauft. Schon wird ein Mann erschossen in einem Auto aufgefunden. Ihm fehlt eine Hand. Sie wurde abgeschnitten und liegt neben ihm. Die Arbeit der Polizei und der Spurensicherung wirkt dilettantisch, ein Urteil ist schnell gefällt. Es war ein sogenannter Judasmord, ausgeführt von der IRA, um zu zeigen, was mit Verrätern passiert. Doch Sergeant Duffy glaubt nicht daran. Die obligatorischen Münzen fehlen. Außerdem findet die Pathologin ein Notenblatt beim Toten.

    Die Zeiten sind hart und voller Gewalt. Straßenschlachten und Anschläge bestimmen diese Zeit. Die Lage ist angespannt. Jeden Morgen kontrolliert Duffy seinen Wagen. Es könnte eine Bombe versteckt sein. Schließlich hat die IRA ein Kopfgeld auf katholische Bullen ausgesetzt. Nach einem abendlichen Einsatz, es gibt Unruhen wegen des Hungerstreiks von IRA-Leuten, wird er noch einmal gerufen. Ein weiterer Mann wird erschossen in seinem Haus gefunden. Auch ihm fehlt eine Hand, wieder fehlen die Münzen und ein Notenblatt wurde dem Toten in die Hand gelegt. Nach Zufall sieht das nicht aus. Homosexuell waren beiden. Ist das das Motiv? Homosexualität war damals in Nordirland verboten.

    Für noch mehr Verwirrung sorgt eine weitere Tote, die erhängt in einem Waldstück gefunden wird. Es sieht nach Selbstmord aus. Oder gibt es einen Serienmörder? Hat die Ermordetet etwas mit den beiden Männern zu tun? Sergeant Duffy ermittelt in alle Richtungen, was nicht unbedingt gerne gesehen wird. Zu klar scheinen anfangs die Fakten. Zu schwierig sind die Ermittlungen in einem vom Terror gebeutelten Land. Außerdem setzt sich Duffy gerne über Anweisungen hinweg. Hat zwischendurch hier und da ein Techtelmechtel, oder spült seinen Ärger mit Alkohol runter, kifft und wirkt zerbrechlich. Und welche Rolle spielen der Stadtrat und ein Mitglied der Partei Sinn-Fein?

    Der Alltag ist unsicher. Polizeieinsätze gefährlich. Oft regiert die blanke Angst. Auch im Mannschaftsbus. Manchmal kann man sich in der eigenen Straße nicht sicher sein. Straßensperren überall. Und überall Mitglieder der IRA, die man nicht erkennt, es könnte auch der Nachbar sein.
    Das war Irland im Jahre 1981. Ohne Handy. Ohne Computer und E-Mails. Eine DNA Analyse war noch nicht möglich.

    Adrian McKinty lässt seinen Bullen in dieser aufgeladenen Atmosphäre leben. Es ist auch seine Zeit, denn er selbst wurde 1968 in Belfast geboren. Mir hat er diese Zeit noch einmal nahe gebracht und ich möchte Sean Duffy besser kennenlernen, noch weiter in diese Zeit schauen, die oft besungen wurde, und freue mich auf den nächsten Roman aus Belfast.

    Videorezension: https://www.youtube.com/watch?v=SBCSquQjvyY




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    Chumhavor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein katholischer Bulle im protestantischen Nordirland - das kann nur interessant sein.
    Serienkiller zwischen den Fronten

    Detective Sergeant Sean Duffy ist ein katholischer Bulle im protestantischen Nordirland. Er hat eine neue Stelle angenommen – genau im „Auge des Sturms“ – in Belfast. Im Jahr 1981, in der Hochphase des Terrors zwischen Nordirland und der Republik Irlands, beginnt seine neue Tätigkeit direkt mit einem kniffligen Fall. Ein Serienmörder treibt sein Unwesen und hat es auf Homosexuelle abgesehen.
    Schon allein die Tatsache, als katholischer Bulle in Nordirland zu ermitteln ist schwierig, aber einer der Toten war kein Unbekannter in Kreisen der Untergrundbewegungen. Einfach ist es nicht die verschiedenen Gruppierungen auseinander zu halten – ich habe es auch nach einiger Zeit einfach ignoriert beim Lesen.
    Als Leser bekommt man die Situation ganz genau zu spüren, doch Sean Duffy setzt unbeirrt der Schwierigkeiten, die sich ihm in den Weg stellen, seine Arbeit fort. Eins haben aber alle Iren gemeinsam – die Trinkfestigkeit!
    Das Buch schildert gut die Stimmung und Situation zu dieser Zeit – und im Moment vermehren sich die Unruhen ja auch wieder, doch für einen Krimi ist es mir etwas zu langatmig und hat zu wenig Spannung. Der Protagonist ist sehr sympathisch, aber die Geschichte lässt zu Wünschen übrig.

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    D
    dowi333vor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Turbulentes Ende
    Nichts wie es scheint

    Mai 1981. Sean Duffy ist neu in der Stadt. Der frisch beförderte Detective Sergeant ist einer der wenigen katholischen Polizisten in Nordirland und jeder in der Stadt scheint es zu wissen. Duffy arbeitet nach erfolgreichem Abschluss seines Studiums der Psychiologie an der Queen's University für das Carrickfergus RUC und ist mit seinem ersten Fall befasst. Mitten in den Unruhen des Nordirlandkonfliktes wird ein Mann um die Dreißig tot aufgefunden. Sein Hinterkopf wurde weggeschossen, sein Gesicht halb eingefallen, die rechte Hand abgetrennt. Zunächst sieht alles nach einer „gewöhnlichen“ Exekutierung eines Informanten aus. Doch die Hand, die bei der Leiche gefunden wird, gehört einem anderen, und zwar Andrew Young, bekannter Homosexueller, der wenig später ebenfalls tot aufgefunden wird. Der Tote Nr. 1, Tommy Little, ist wesentlich bedeutender, als zunächst angenommen. Er ist Kopf der FRU.

    Ein Serienmörder bringt Homosexuelle um. Zumindest hat es den Anschein. Duffy erhält anonyme Schreiben, in denen der Mörder weitere Taten ankündigt, sofern die Vorfälle nicht öffentlich gemacht werden.

    Die Ressourcen der Polizei sind erschöpft, da wird Lucy Moore, Exfrau eines Hungerstreikenden, die kurz vor Weihnachten spurlos verschwunden ist, erhängt im Wald aufgefunden. Nach Aussage der Familie wollte sie nach Belfast; Freunde besuchen. Was die Familie bisher nicht wusste, Lucy war schwanger. Statt nach Belfast, war sie tatsächlich auf dem Weg nach Glasgow, um abzutreiben. Doch dazu kam es jedoch nicht. Nur zwei Tage nachdem sie Kind zur Welt gebracht hat, begeht offensichtlich sie Selbstmord begangen. Lucy wird erhängt im Woodburn Forest aufgefunden.

    Keiner stellt einen Zusammenhang zwischen den Vorfällen her. Nur Duffy hat ein ungutes Gefühl, wie sollte es auch anders sein. Weder glaubt er daran, dass ein Serienmörder Nordirland heimsuchen könnte, noch dass Lucy Selbstmord begangen hat. Er beginnt zu ermitteln, verrennt sich und muss schließlich die „Schwulenmorde“ abgeben. (Mangels öffentlichem Interesse wurde in Lucys Fall die Akte längst geschlossen.)

    Duffy behält Recht und es kommt zu einem dramatischen Show-down, bei dem der tragische Held schwer verletzt wird. Er überlebt wie durch ein Wunder.

    Des Rätsels Lösung serviert der Täter, der neue Chef der FRU und gleichzeitiger Spitzel der IRA, Freddie Scavanni, Duffy schließlich auf dem Silbertablett, er erläutert ihm die großen Zusammenhänge und gesteht bei der Gelegenheit noch einen weiteren Mord.

    Das Buch liest sich spannend, schließlich ist der Weg das Ziel. Die Buchstabensuppe der irischen Organisationen ist jedoch äußerst verwirrend, insbesondere wenn man mit den nordirischen „Troubles“ nur ansatzweise vertraut ist. Durchaus ein Roman, denn man weiterempfehlen kann.

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    Gulanvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Hungerstreik, Straßenschlachten und mittendrin Sergeant Duffy auf Mörderjagd: Der Autor lässt das Pulverfass Nordirland 1981 wiederaufleben.
    Hier ist alles politisch.

    Mai 1981: Die Welt bangt nach dem Attentat um Papst Johannes Paul II. und das Vereinigte Königreich erwartet freudig die Königliche Hochzeit. Und in Nordirland? The Troubles are still going on. Da werden in Carrickfergus zwei Mordopfer aufgefunden, wie sich bald herausstellt Homosexuelle. Der Täter kündigt weitere Taten gegen Schwule an. Der junge Sergeant Sean Duffy wird mit den Ermittlungen beauftragt.

    Ein Setting genau nach meinem Geschmack. Nordirland im tiefsten Konflikt. Ein Pulverfass. Katholiken gegen Protestanten. IRA vs. Loyalisten vs. Polizei/Armee. Hungerstreikende Häftlinge, Bomben, Brennende Busse, Straßenschlachten. Die Atmosphäre ist zum Zerreißen gespannt. Mitten in dieser Lage soll Duffy einen Serienmörder finden, den womöglich ersten nichtsektiererischen Nordirlands. Doch Duffy wird schnell feststellen: In Nordirland ist alles politisch.

    Adrian McKinty ist in Nordirland aufgewachsen, er weiß also, wovon er schreibt. Und das tut er in einer zugleich beeindruckenden Authentizität wie auch literarischen Virtuosität.

    „In Belfast gab es wieder Ärger. Signalraketen zischten über den heraufziehenden Abendhimmel. Ein Gazelle-Hubschrauber flog tief übers Wasser des Lough. Kleine Kinder gingen am Revier vorbei und zeigten sich gegenseitig, wie man am besten einen Molotowcocktail über den Zaun warf.Eine Stadt, gemartert vom eigenen Blitzkrieg. Eine Stadt, die ihre eigenen Brunnen vergiftete, ihre eigenen Felder versalzte, sich das eigene Grab schaufelte...“ (S.68)

    „Der katholische Bulle“ ist der Auftakt zu einer Reihe um Sean Duffy. McKinty bleibt über das ganze Buch eng bei seiner Hauptfigur. Dadurch transportiert der Autor auch ein großes Stück nordirischen Alltag in diesen Krimi. Duffy ist ein junger, intelligenter und aufstrebender Polizist um die 30. Musik, Alkohol, Autos, Frauen, Testosteron. Außerdem ist er als Katholik in der fast ausnahmslos protestantischen Polizei und einer vollständig protestantischen Nachbarschaft ein echter Exot – dies ist allerdings zwangsläufig nicht immer komfortabel. Die Gespräche sind derb, die allgemeine Stimmung wie das Wetter vorherrschend trüb und regnerisch. Man versucht, sich mit den Gegebenheiten abzufinden. Duffy und auch seine Kollegen vermitteln dabei einen angenehm zynischen Blick auf den Religionskonflikt.

    „Ist nicht lustig, der Zweite zu sein, der bei einem Hungerstreik abkratzt. Alle erinnern sich an den Ersten. Der Zweite hat die Arschkarte gezogen. Für den werden sie keine Lieder schreiben.“ (S.11)

    Die Atmosphäre kommt hervorragend rüber und auch die Handlung ist über weite Strecken überzeugend. Lediglich zum Ende hin überdreht McKinty meines Erachtens ein wenig, aber die Fans des politischen Krimis werden bei diesem Buch auf jeden Fall gut bedient.

    Sergeant Duffy ist übrigens ein großer Musikfan und McKinty gibt mit diesem Krimi (wenn man mitschreibt) auch eine sehr akzeptable Playlist an die Hand. Zur Einstimmung hier mal eine der Lieblingsbands von Duffy (mit Dank für den Tipp an derschneemann.net):

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    Themistokeless avatar
    Themistokelesvor 4 Jahren
    Der katholische Bulle

    Dieses Buch entführt einen nach Nordirland, in die Zeit des Nordirlandkonflikts, was man in der Atmosphäre des Buches sehr stark spürt. In meinen Augen einer der gelungeneren Aspekte an diesem Krimi. Obwohl es leider auch so ist, dass der Nordirlandkonflikt einfach als bewusste Tatsache angenommen wird, die Situation und das Drumherum nur denen wirklich klar sein können, die sich mit diesem Teil der irisch-britischen Geschichte ein wenig auseinandergesetzt haben, denn erläutert wird so gut wie nichts.

    Zunächst fiel mir der Einstieg in dieses Buch nämlich sehr schwer, aufgrund der Tatsache, dass man direkt in eine verwirrende Situation mit vielen unbekannten Charakteren geworfen wird und nicht richtig nachvollziehen kann, worüber sie sprechen, was sie da eigentlich genau gerade machen, wo sie eigentlich sind etc. Als Einstieg in meinen Augen eine seltsame Wahl, kam ich danach doch zunächst erst mal sehr schleppend nur in das Buch hinein.

    Erschwerend kam hinzu, dass ich mit dem Protagonisten und Titelgeber, Sean Duffy, nicht richtig warm werden konnte, war er doch in meinen Augen ein eher sehr seltsamer Kommissar, da es sich bei ihm ständig um Alkohol, Sex und Drogen drehte, was ich doch durchaus eigenartig fand, besonders auch durch seinen Job. Es ist nicht so, dass er mir vollkommen unsympathisch fand, aber er war einfach kein Charakter, der für mich so richtig stimmig war, auch wenn die Situation und Zeit, in welcher er lebt sicher zu solch einer Art führen können.

    Ansonsten jedoch ist der Krimi eigentlich durchaus spannend, wenn auch eher etwas trockener geschrieben, jedoch hat er einfach sehr viele interessante Aspekte, welche diesen trockeneren Schreibstil durchaus aufwiegen. Zumal ich es einfach mochte, dass er noch in einer Zeit spielt, in der Handys noch nicht existierten und die Forensik in vielen Bereichen auch noch sehr in den Kinderschuhen steckte, was einfach die Ermittlungen komplizierter und etwas komplexer macht. Allein aus diesem Grund weicht der Krimi schon sehr vom Gros ab. Gekoppelt mit der Tatsache, dass der Nordirlandkonflikt noch so einige Besonderheiten in der Atmosphäre, wie auch  den Gegebenheiten rund um den Fall ausmachen, fand ich diesen Aspekt wirklich sehr interessant.

    Ein etwas anderer Krimi, bei dem ich es durchaus von Vorteil finde, wenn man sich mit dem Nordirlandkonflikt ein wenig besser auskennt und den ich nur dann empfehlen kann, wenn man auch mit einem verwirrenden Einstieg und eher trockenem Schreibstil klar kommt.

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