Adrian McKinty Die Sirenen von Belfast

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Inhaltsangabe zu „Die Sirenen von Belfast“ von Adrian McKinty

Der prüfende Blick unter den Wagen gehört zu Sean Duffys Morgenritual. Im Nordirlandkonflikt stehen Autobombenanschläge auf der Tagesordnung, und als katholischer Bulle ist er die perfekte Zielscheibe der IRA. Als er und sein Kollege McCrabban auf einem verlassenen Firmengelände in Belfast einen tiefgekühlten Torso finden, ist für ihre Vorgesetzten die Sache klar: Der Konflikt hat ein weiteres Todesopfer gefordert. Wie immer glaubt Duffy nicht an einfache Lösungen und gräbt tiefer. Eine heiße Spur führt ihn in die USA, doch als sich in Nordirland die Lage zuspitzt, wird Duffy plötzlich das wahre Ausmaß des Falles klar … Ein Torso in einem Koffer, ein tätowierter Hautfetzen und eine teuflisch schöne Witwe – Detective Sergeant Sean Duffy ist zurück mit einem Fall, der ihn tief in die Wirren des Nordirlandkonflikts zieht. Er stößt auf skrupellose Geldgeschäfte und familiäre Abgründe. Bald schon wird er selbst Opfer seiner Ermittlungen.

Düster und athmosphärisch wie Teil 1, aber Story nicht ganz so gut, darum nur 4 Sterne

— Fee-ChristineAKS
Fee-ChristineAKS

Starker Thriller, der mir aber nicht ganz so gut wie Teil 1 gefallen hat. Dennoch 4 Sterne +!

— LinusGeschke
LinusGeschke

Atmosphärisch, düster, derb.

— WolfgangHaupt
WolfgangHaupt

So muss ein Buch sein. Mitreißend, gute Charaktere, eine klasse Atmosphäre und eine perfekt ausgearbeitete Story. Begeisternd!!!

— BerniGunther
BerniGunther

Politik, Geschichte, Spannung, gepaart mit einem störrischen charismatischen Iren um einen verzwickten Mordfall – was will Leser mehr?

— DunklesSchaf
DunklesSchaf

Wie immer Fakten und Fiktion sehr unterhaltsam vermischt. Dazu gibt es ein Wiedersehen mit dem DeLorean DMC-12!

— Gulan
Gulan
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    Die Sirenen von Belfast
    WolfgangHaupt

    WolfgangHaupt

    Aye, da muss man fast eine Rezension schreiben. Es fängt in Nordirland im Jahre 1983 an, eine Zeit, in der man besser woanders gelebt hätte. Die IRA gegen die RUC, die englische Armee, die gerade Richtung Falkland unterwegs sind. Inspector Duffy ahnt es, die Zeiten werden härter. Das ist der Hintergrund des Buchs. Einer, der mich echt an das Buch gebunden hat. Unverbraucht, toll erzählt, ohne erhobenen Zeigefinger, ohne Polemik. Es reicht, wenn man es zeigt. Niemand gefällt die Situation, es war ja nicht nur die Gewalt dort ein Problem. Die Politik spielt groß mit, die Wirtschaft stagniert, jeder Arbeitsplatz, der verloren geht, ist ein möglicher Attentäter.  Angetan hat es mir der Protagonist, eine coole Socke, einer mit Orden, der ihm aber sichtlich egal ist. Bringt ihm ja sowieso nichts. Wer da ist, muss helfen, gegen die aufbegehrenden Katholiken mitmarschieren. Umso problematischer, wenn man selbst einer ist. Ein Mann zwischen den Fronten, der sein Bestes gibt, wenn er mag. Alkohol ist Thema, wer je in Irland war, weiß es ganz genau, da geht oder ging es den Nordiren sicher nicht besser.  Mittendrin ein Mord, der sich schwierig gestaltet, weil natürlich mehr dahinter steckt, als man anfangs glaubt.  Es transportiert viel Lokalkolorit, den Geist der Zeit, und bleibt es am Ende doch ein Krimi. Es hat mich an Ken Bruen erinnert, ein wenig an Ross Thomas, und doch bleibt es eigenständig.  Es zieht hinein, lässt einen teilhaben am vergangenen Terror, dem Leid, das solche Konflikte mit sich bringen.  Sean Duffy gibt sich die volle Dröhnung, sprich die Nachrichten, die von den täglichen Gewalttaten der IRA berichten.  Polizeireviere, die Bunkern gleichen, vollgepanzerte Fahrzeuge, Beamte, die vor dem Fahrtantritt den Unterboden nach Quecksilberzündern prüfen.  Ein Leben in abgestumpfter Angst, der Gewohnheit an das Unausweichliche, kann es doch jeden erwischen.  Es rührt auf, lässt einen nachdenklich zurück.  Ach ja, der Krimi: Gut angelegt, ein paar Twists und Turns, die einem zwar nicht die flache Hand auf die Stirn treiben, aber doch vom Standard abweichen. So möchte ich ein Buch lesen. Eines, auf das ich mich jedes Mal gefreut habe, wenn ich wieder Zeit zum Lesen hatte.  Deswegen: Kaufempfehlung. Aye!

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    • 3
  • Ein rasanter zweiter Teil.

    Die Sirenen von Belfast
    VeraPestel

    VeraPestel

    03. January 2016 um 18:52

    Das Buch Die Sirenen von Belfast ist der zweite Band aus der Sean-Duffy-Serie des irischen Autors Adrian McKinty. Nachdem ich den ersten Band Der katholische Bulle mehr als zügig gelesen hatte, musste ich mich unbedingt auf den nächsten Teil stürzen, um zu erfahren, wie es mit Sergeant Duffy weitergeht. Außerdem hatte mich der im Hintergrund schwelende Nordirlandkonflikt in den Bann gezogen, wenn man das überhaupt so salopp ausdrücken darf, schließlich war es eine umwälzende, katastrophale Zeit, in die McKinty seine Handlungen gelegt hat. Niemals werde ich die Bilder aus den damaligen Nachrichten vergessen. Die IRA wütete, die Bevölkerung litt unter der strengen Hand Margaret Thatchers, die Arbeitslosigkeit erreichte ungeahnte Höhen, die Menschen litten und versanken in Hoffnungslosigkeit. All dies wird in Die Sirenen von Belfast sehr plastisch dargestellt, immer wieder erfahren wir Dinge aus dem Alltagsleben der Menschen, die mich nachdenklich machen. Wie konnte man damals leben? Ganz ohne Hoffnung und Frieden? Mit Angst? Sergeant Duffy muss jeden Morgen unter seinen Wagen schauen, das ist Routine, das darf er nie vergessen, denn es könnte eine Bombe unter seinem Wagen kleben, denn er ist als katholischer Bulle in Nordirland nicht gerade beliebt. Diese Szene wiederholt sich ständig, wird aber nicht langweilig, weil sie eine Strategie des Überlebens in einer Zeit des Bürgerkrieges darstellt. Es ist das Jahr 1982. Duffy steht mit seinem Kollegen in einer verlassenen Turbinenhalle und wird beschossen. Ein Nachtwächter hat sie informiert, in der Halle ist eine Blutspur entdeckt worden. Doch der Schütze braucht eine Weile, bis er merkt, dass er auf die Polizei feuert. Er stellt das Feuer ein. Duffy verfolgt die Blutspur, die bis zu Containern führt. Er durchsucht sie und findet einen Koffer, der einen männlichen Torso enthält. Wer war der Tote und wann wurde er ermordet? Und wie? Die Pathologin findet heraus, dass die Leiche eingefroren war, wie lange, kann sie nicht sagen. Duffys Kollege untersucht den Koffer genauer und findet einen Namen. Duffy geht dieser Spur nach und findet einen weiteren Toten … einen Sympathisanten und Anhänger der IRA. Dieser Mordfall scheint klar und ist zu den Akten gelegt worden, doch Duffy entdeckt Lücken und sucht Verbindungen. Haben die Morde etwas miteinander zu tun? Ist die junge und attraktive Witwe des IRA-Mannes so unschuldig, wie sie behauptet? Weiß sie mehr? Doch niemand sagt etwas. Es gibt Dinge, die in Nordirland untereinander geregelt werden. Dieser zweite Teil ist genauso rasant wie der erste. Immer wieder scheinen die Ermittlungen ins Leere zu laufen, bis sich doch Verflechtungen ergeben. Und Duffy, der einsame Wolf, versucht ein bisschen Liebe und landet in einer großen Katastrophe. Es ist schon beeindruckend, was dieser Mensch aushält. In Nordirland. In einer Zeit, in der man zäh sein musste. In der man nicht verzweifeln durfte.

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  • Das Problem anderer Leute: Die Sirenen von Belfast - Adrian McKinty

    Die Sirenen von Belfast
    DunklesSchaf

    DunklesSchaf

    Um mal die Gewohnheiten zu durchbrechen, will ich heute mit einem Zitat beginnen, dass mich sofort auf der zweiten Seite gepackt hat: „Und so drohte das Ende, wie jeder Polizist wusste, nicht im Kampf Gut gegen Böse, sondern willkürlich in einem Bombenanschlag, einer schiefgelaufenen Verfolgungsjagd oder in einer Schießerei mit einem halb senilen Wachmann in einer verlassenen Fabrik im nördlichen Belfast.“ Und schon sind wir mitten drin – mit dem halb senilen Wachmann… Als Sean Duffy gemeinsam mit seinem Kollegen Crabbie auf einem verlassenen Fabrikgelände einen Koffer mit einem Torso findet, ist das erst der überraschende Anfang. Während die Chefetage einen weiteren Anschlag der IRA vermutet, kann Duffy das nicht so recht glauben. Warum sollte die IRA sich die Mühe machen, einen Mann tief zu frieren, zu zerteilen und zumindest seinen Torso in einen Koffer zu verstauen und in einem Müllcontainer einer verlassenen Fabrik wegzuwerfen? Und woher zum Teufel sollte die IRA Arbin haben? Ein seltenes Gift, auch Paternostererbse genannt, mit dem der Mann getötet wurde und welches Duffy und sein Team nach ausgiebiger Suche nicht einmal in ganz Nordirland finden können. Und dann führt ein Hinweis am Koffer nach Islandmagee und einem anderen Mord, den die IRA begangen haben soll…. Auch im zweiten Teil um den katholischen Polizist Sean Duffy lässt sich der Nordirlandkonflikt nicht wegdenken. Duffys täglicher Blick unters Auto, um Bomben zu suchen, ständige Alarmbereitschaft und Einsätze in Brandherden des Bürgerkriegs und die tägliche Spannung, welche in Duffys Straße herrscht, zeigten dies bereits im ersten Teil. Dies hat sich nicht geändert, doch wesentlich erweitert. Die IRA hat neue Methoden entdeckt und die Besetzung der Falklandinseln treibt den Schweiß auf die Stirn der Polizisten der RUC, denn die Grenzkontrollen wurden größtenteils von der Britischen Armee durchgeführt, die jetzt abgezogen werden. Daneben ermittelt Sean Duffy an einem Mord. Wie auch im letzten Teil erweisen sich die Ermittlungen als zäh und nervenaufreibend, doch diesmal ist mir das mehr aufgefallen. Die Kollegen der anderen Einheiten sind eher weniger auskunftsfreudig und die Hauptstadt lässt sich mit ihren Untersuchungen auch eher Zeit. Matty ist wie gewohnt unwillig, auch wenn er seinen Job dann doch erledigt, derweil Crabbie fleißig für seine Prüfung büffelt, auf eine Beförderung hofft und Seans moralischer Ratgeber ist, der ihn aber geflissentlich ignoriert. Überhaupt ist Duffy störrisch wie immer. Vor großen Namen, ob nun Polizeipräsident oder die große, mächtige USA, hat er weder Angst noch Respekt. Beharrlich nagt er an dem Fall und lässt sich von seinem Spürsinn nicht abbringen, auch wenn dieser ihn in eine ganz andere Richtung bringt, als er dachte und er mehrfach zurück gepfiffen wird. Mit dabei diesmal eine Reise in die USA, ein Verlust, zwei neue Flammen, eine geheimnisvolle Frau mit Bibelzitaten, ein alkoholisierter Fast-Unfall, eine Schießerei wie im Wilden Westen und ganz viel Geschichte Nordirlands, die McKinty nicht nur geschickt ein flicht, sondern zu einem seiner Hauptakteure macht, so dass der Leser zwar ganz viel Fakten bekommt, aber dies so geschickt verpackt, dass man es gar nicht merkt. Fazit: Politik, Geschichte, Spannung, gepaart mit einem störrischen charismatischen Iren um einen verzwickten Mordfall – was will Leser mehr? Natürlich noch einen Teil und diesen Wunsch hat McKinty uns Lesern schon erfüllt.

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    • 2
    Bella5

    Bella5

    09. September 2015 um 11:55
  • Die Sirenen von Belfast

    Die Sirenen von Belfast
    Aoibheann

    Aoibheann

    24. April 2015 um 10:47

    Der prüfende Blick unter den Wagen gehört zu Sean Duffys Morgenritual. Im Nordirlandkonflikt stehen Autobombenanschläge auf der Tagesordnung, und als katholischer Bulle ist er die perfekte Zielscheibe der IRA. Als er und sein Kollege McCrabban auf einem verlassenen Firmengelände in Belfast einen tiefgekühlten Torso finden, ist für ihre Vorgesetzten die Sache klar: Der Konflikt hat ein weiteres Todesopfer gefordert. Wie immer glaubt Duffy nicht an einfache Lösungen und gräbt tiefer. Eine heiße Spur führt ihn in die USA, doch als sich in Nordirland die Lage zuspitzt, wird Duffy plötzlich das wahre Ausmaß des Falles klar … Ein Torso in einem Koffer, ein tätowierter Hautfetzen und eine teuflisch schöne Witwe – Detective Sergeant Sean Duffy ist zurück mit einem Fall, der ihn tief in die Wirren des Nordirlandkonflikts zieht. Er stößt auf skrupellose Geldgeschäfte und familiäre Abgründe. Bald schon wird er selbst Opfer seiner Ermittlungen. „Die Sirenen von Belfast“ ist der zweite Teil um Detective Sean Duffy und er hat mich genauso begeistert wie sei Vorgänger. Die Figur Sean Duffy ist mir sympathisch, mit einer großen Klappe und dahinter doch einem sehr menschlichen Kern, der ganz gerne auch mal mit dem Kopf durch die Wand will.  Er ist nicht perfekt und hat sich keine komischen Spleens zugelegt. Zumindest hat der Autor bisher dankenswerter Weise darauf verzichtet  einen weiteren absolut kauzigen Ermittler zu erfinden. Die gesamte Atmosphäre ist düster; Angst, Wut, Frust und Verzweiflung der Bewohner sind nahezu greifbar, genauso wie die Gefahr, der sich die Polizisten zu jener Zeit jeden Tag aufs Neue aussetzen. Ich war von dem Buch sehr begeistert, der dritte Band wartet auch bereits darauf gelesen zu werden.

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  • A town called Malice

    Die Sirenen von Belfast
    Wassollichlesen

    Wassollichlesen

    22. March 2015 um 14:15

    Es ist eine Schande. Es ist wirklich eine Schande. Es ist eine Schande, dass ich Adrian McKintys Lesung im Rahmen der diesjährigen lit.Cologne am 18. März verpasst habe. Das passiert mir nicht nochmal.Nach dem mich der erste Teil um Sean Duffy so begeistert hat, ist es nur logisch, dass ich auch den zweiten Teil gelesen habe. Und der gefällt mir noch besser. Es macht unbedingt Sinn "Der katholische Bulle" vorher zu lesen, nicht nur, weil es zweifellos ein tolles Buch ist, sondern vor allem, weil hier das Setting geklärt wird: wo und wann spielt die Geschichte, wie ist das Umfeld, was ist los in Nordirland, wer sind die Akteure, usw. . In "Die Sirenen von Belfast" wird nicht mehr darauf eingegangen - gut so, denn nichts nervt mehr als ständiges Wiederholen der Vorgeschichte. Aber auf ein paar Sachen verzichtet McKinty auch in diesem Teil, neben der Rahmenbedingungen, nicht: Wodka Gimlet, Musik und vor allem auf seinen abgefahrenen und durchweg unterhaltsamen Schreibstil - rasant, flapsig und ungemein witzig. Es war wirklich eine Genugtuung für mich, dieses Buch zu lesen. Die Zeit vergeht wie im Fluge. Der Plot ist sehr gelungen, ich hatte keine Ahnung, wie das ganze Wirrwarr aus Hinweisen und Fährten verstrickt ist , jedenfalls bis zum großen Feuerwerk am Ende des Buches, das alles aufklärt.Atmosphärisch schafft es McKinty, trotz verbesserten Arrangement von Duffy zu den ortsansässigen Verbrechern, eine ständige Bedrohung aufrecht zu erhalten. Es könnte schließlich ständig irgendetwas in die Luft fliegen, IRA sei Dank. Nicht zuletzt bewiesen durch ein von Raketenbeschuss zerstörtes Polizeirevier. Dazu werden die Nachbarn aus reiner Langeweile und Ausweglosigkeit schnell zu Lynchmördern. Alles sehr, sehr unschön und sehr realistisch. Es gefällt mir sehr gut, wie McKinty die Geschichte weiterhin im Nordirlandkonflikt angesiedelt hat. Dabei bleibt es diesmal aber nicht, sondern auch der Fall "John DeLorean" wird sehr gekonnt in die Geschichte eingebaut. Wir erinnern uns: in Nordirland stand die Fabrik, in der die Zeitmaschine aus "Zurück in die Zukunft", der DeLorean DMC 12, produziert wurde. So ist es nur passend, dass das allseits beliebte Zitat auf der ersten Seite eines Buches in diesem Fall ein Dialog von Marty McFly und Doc Brown aus "Zurück in die Zukunft" ist. Da hatte mich das Buch auch unterbewusst wohl schon überzeugt. Ganz nebenbei besetzten zeitgleich die argentinische Armee die Falklandinseln und der Zodiac Killer treibt sein Unwesen in der Bay Area.Besonders auffallend ist, dass die Musik, im letzen Teil hat Sean Duffy schon bewiesen, dass er ein großer Musikliebhaber ist, noch mehr in den Mittelpunkt rückt. Für jede Lebensphase hat Duffy die passende musikalische Untermalung auf Lager, sei es um eine amerikanische Blondine zu verführen, oder um nach einem miesen Tag mit einem Wodka Gimlet runterzukommen. So ist es nur richtig, dass auch einzelne Kapitel die Namen von Liedern erhalten, so beginnt das erste Kapitel und somit auch das Buch mit "A town called Malice". Adrian McKinty und Sean Duffy, das passt einfach. Ich habe nichts auszusetzen an dem Buch und das Ende und der Epilog machen neugierig auf den nächsten Teil "Die verlorenen Schwestern", den ich mir sicher nicht entgehen lassen werde. Jetzt schaue ich erstmal "Zurück in die Zukunft" und freue mich auf meinen Trip nach Belfast und Nordirland im Juni.

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  • Zurück in der Hölle

    Die Sirenen von Belfast
    hundertwasser

    hundertwasser

    Zurück in die Hölle auf Erden schickt Adrian McKinty seinen katholischen Bullen Sean Duffy im zweiten Teil seiner Romanreihe um den irischen Inspector. Irland im Jahr 1982, das sind IRA-Terror, Bomben unter Autos und nicht endend wollende Gewalt. Inmitten dieses Chaos stößt Duffy zusammen mit seinem Partner auf den Torso eines Amerikaners, der in einem Koffer entsorgt wurde. Der irische Schnüffler klemmt sich hinter die Fährt um dem Geheimnis des Toten auf die Spur zu kommen und ahnt dabei nicht, dass er sich damit mächtige Gegner schafft. Auch der zweite Teil dieser Romanreihe ist Adrian McKinty wieder vorzüglich gelungen. Nach der Trilogie um den irischen Gangster Michael Forsythe („Der sichere Tod“, „Der schnelle Tod“ und „Todestag“) entsteht hier die nächste großartige Reihe, die mit der Voranschreiten der Titel immer mehr an Profil gewinnt. Mit einer prägnanten und großartigen Schreibe ausgestattet schafft es Adrian McKinty dem Police-Procedural-Roman neue Facetten abzugewinnen. Er strukturiert seinen Roman mit Tempo, um dann wieder abzubremsen, er beschleunigt um Sean plötzlich wieder in eine Sackgasse zu manövrieren. Der Leser bleibt gespannt an den Ermittlungen dran. Symptomatisch seien hier zwei Kapitelüberschriften angeführt: Kapitel 10 „Fortschritte“, Kapitel 11 „Keine Fortschritte“. Hier schimmert der grimmige Humor des irischen Autoren durch, dessen markante Schreibe in der momentanen Krimilandschaft singulär ist. An dieser Stelle sei auch die gelungene Übersetzung durch Peter Torberg hervorgehoben, die viel der einzigartigen Wortspiele doch noch ins Deutsche hinüberrettet. Sean Duffy ist ein Protagonist, dem man noch zahlreiche weitere Einsätze im Höllental Belfast in den 80ern wünscht (und der Epilog deutet dies Gottseidank schon an). Beste Krimilektüre für den Sommer!

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    • 2
    Arun

    Arun

    04. October 2014 um 00:17
  • 1982 in Belfast, hart für einen katholischen Bullen

    Die Sirenen von Belfast
    Gruenente

    Gruenente

    10. August 2014 um 10:36

    Sean Duffy ist der katholische Bulle in Nordirland. Seit den Ereignissen im ersten Band ist er auch im Besitz eines Ordens, respektiert und für manche ein Held. Beruflich läuft also alles gut, soweit man in Belfast 1982 von gut sprechen kann. Vor jeder Autofahrt wird der Boden des Wagens kontrolliert, ob dort nicht eine Bombe versteckt wurde. Eingeschlagene Scheiben, Kugeln, Beschimpfungen stehen einfach auf der Tagesordnung in diesem gefährlichen Leben. 20% Arbeitslosigkeit, keine Perspektiven. Mich wundert es, dass überhaupt noch jemand in diesem Land blieb. Da wird ein Torso in einem alten Koffer gefunden. Wer steckt dahinter? Die Aufklärungsrate für Morde ich gering, da fast alles auf Kosten von Paras, Terroristen oder so geht. Der Fall führt Sean bis in die USA, zu mehreren Frauen, es gibt viele Tote, viel Alkohol und Gewalt. Und dabei finden die Leute in seiner Straße auch noch Zeit für Rassismus. Trotz der grauenhaften Zeit ist das Buch mit ironischem Ton und (schwarzem) Humor unterlegt. So ein Ton begeistert mich immer wieder. Ohne diesen Fatalismus könnte man die Zeit dort wohl als Polizist nicht überstehen. Einige tun das auch nicht, wie die hohe Selbstmordrate beweist. Duffy glaubt aber an die gute Sache, geht zwar über Grenzen, doch immer nur so weit, wie sein Gewissen es erlaubt. Allerdings treibt dieses ihn auch in Situationen, aus denen er nicht unbeschadet wieder rauskommt. Ein spannender Krimi, der den Leser auch musikalisch in die 80iger Jahre zurückführt und die Hintergründe wie auch das Alltagsleben im Trouble-Irland nahebringt.

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  • Spannend und ohne Zorn

    Die Sirenen von Belfast
    Havers

    Havers

    07. August 2014 um 20:27

    „Die Sirenen von Belfast“ ist nach „Der katholische Bulle“ der zweite Teil der Sean Duffy-Trilogie. Handlungsort ist wie bereits im Vorgänger das nordirische Carrickfergus, die Kleinstadt nordöstlich von Belfast. Wir schreiben das Jahr 1982, und wegen des Falklandkrieges sind die britischen Truppen ausgedünnt. Der Alltag in Nordirland ist noch immer geprägt von Schusswechseln und Bombenanschlägen – und dem Heulen der Sirenen in den Straßen.  Und als ob das noch nicht genug wäre, werden Sean Duffy, mittlerweile mit einem Orden ausgezeichnet und zum Detective Inspector befördert, und sein Kollege Detective Constable McCrabban zu einer stillgelegten Fabrik gerufen, weil dem Wachmann dort eine Blutspur aufgefallen ist. Bei der Durchsuchung entdecken sie einen Koffer, in dem sich ein kopfloser Torso befindet, dessen Obduktion ergibt, dass das Opfer Amerikaner war und vergiftet wurde. Weit interessanter ist aber die Herkunft des Koffers, der einem angeblich von der IRA auf seinem Bauernhof erschossenen Soldaten gehört hat. Seine Witwe geizt nicht mit ihren Reizen, denen sich auch Duffy bei der Befragung nicht entziehen kann. Aber das wahre Ausmaß des Mordfalls wird ihm erst klar, als ihn seine Ermittlungen bis in die USA führen, obwohl die dortigen Behörden Informationen zurückhalten und mauern, was das Zeug hält… Adrian McKinty, geboren und aufgewachsen in Carrickfergus, hat diese harten Jahre, in denen seine Trilogie angesiedelt ist, vor Ort miterlebt und das merkt man seinen Thrillern auch an. Die Atmosphäre ist stimmig, er transportiert den Zeitgeist (unter anderem auch durch die eingestreuten Musiktitel und Bands, die Duffy hört). Ergänzt wird dies durch die Verquickungen des Mordfalls mit realen Geschehnissen (siehe DeLorean).  Sein Protagonist ist ein Heißsporn, der, wenn er sich in einen Fall verbissen hat, nicht mehr locker lässt und, mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln, ganz gleich ob legal oder sich in einer Grauzone bewegend, die Wahrheit herausfinden will. Für Frustrationen ist hier kein Platz, und wenn es einmal nicht so läuft, wie er es sich vorstellt, trägt er dies mit Fassung und Galgenhumor.  McKinty riskiert einen Blick zurück – spannend und ohne Zorn. Der abschließende dritte Teil ist im Original bereits unter dem Titel „In the morning I’ll be gone“ erschienen. Wir dürfen gespannt sein!

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  • Düster-faszinierendes Belfast

    Die Sirenen von Belfast
    Ellen-Dunne

    Ellen-Dunne

    08. July 2014 um 02:27

    Kurzzusammenfassung:  Detective Inspector Seán Duffy ist ein katholischer Kriminalpolizist in den frühen 80ern in Belfast. Als wäre das allein nicht schon genug Ärger, taucht ein in einen Koffer gestopfter Torso eines amerikanischen Touristen auf. Erste Ermittlungserfolge verlaufen rasch im Sand, und es sieht nach einem weiteren ungeklärten Mordfall aus. Doch Inspector Duffy nimmt das nicht so schnell hin … Meine Meinung: Also von Natur aus bin ich ja kein Ermittler-Fangirl. Die erscheinen mir oft alle irgendwie gleich. Doch zwei Ausnahmen gibt es: Jackson Brodie aus den hervorragenden Romanen vonKate Atkinson. Und Seán Duffy aus Belfast. Dabei trinkt der natürlich wie ein Loch. Ist immer ein wenig zu sehr auf seinen Stil bedacht. Und auf die Frauen. Es sei denn, er ist mit ihnen in einer Beziehung. Da wird dann alles ganz schwierig und zum Scheitern verdammt. Aber Seán liest auch viel. Und hat immer eine Antwort, wenn sein Boss mal wieder beim Kreuzworträtsel hängt. Und er hat Rückgrat. Also gut, ich geb’s zu – ich bin ein Fangirl von Seán Duffy. Und von Adrian McKinty’s Stil. Er beschreibt die fast schon erstickend düstere Atmosphäre im Belfast der 80er mit knappen, oft fast poetischen Worten, die für mich an Spannung jede Handlung übertreffen. Gut, ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich eine Anhängerin nordirischer Geschichten bin. Aber. So gut rübergebracht wie von McKinty sind sie selten. Außerdem mag ich den lakonischen, oft rabenschwarzen Humor, der trotz der so hoffnungslos tragischen Situation, in der sich die Stadt zu der damaligen Zeit befand, durchschlägt. Eben ganz Belfast. Tja, und was ist nun mit dem Fall? Der steht, schon wie beim Vorgänger Der katholische Bulle (empfehle ich ebenfalls!) im Hintergrund der Atmosphäre. Trotzdem fand ich ihn interessant und war mir bis zum Schluss unsicher, wer denn nun und was denn nun. Und wie immer sind die Antworten in Duffys Fällen keine einfachen. Dafür begegnen wir “so nebenbei” einer der großen Wirtschaftshoffnungen (und später Skandale) Belfasts – den DeLorean-Werken. “Zurück in die Zukunft”-Fans haben also auch was von der Lektüre. Fazit: I LOVE SEÀN DUFFY. Und seine Geschichten. Ich hoffe, ich begegne ihm noch oft.  Dicke Empfehlung für alle, die gerne stilistisch gute, atmosphärisch dichte und schwarzhumorige Stories von der Insel lesen. Hinweis: Diese Rezension bezieht sich auf die englische Originalausgabe. Doch was man hört, soll die Übersetzung von Peter Torberg sehr gut sein.

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  • Lebt von der dichten Atmosphäre

    Die Sirenen von Belfast
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    11. June 2014 um 13:10

    Lebt von der dichten Atmosphäre Sean Duffy ist wieder hergestellt. Im Dienst und wiederum dabei, jeden Morgen prüfend unter seinen BMW zu schauen. 1982 herrscht Krieg in Belfast. Katholiken (in Form der IRA) gegen Protestanten (in Form der Staatsmacht). Mittlerweile werden ganze Polizeistationen mit Boden-Boden Raketen dem Erdboden gleichgemacht und ständig Quecksilberzünder unter den Autos unliebsamer Personen platziert. Aller Grund zur Vorsicht also für Sean Duffy, der als katholischer Kriminalbeamter der IRA als Verräter ein Dorn im Auge ist und in seinem überwiegend von Protestanten bewohnten Viertel auch nur leise auftreten sollte. Auch wenn er einiges bei den Bewohnern seit den Ereignissen vor ein paar Monaten gut hat. Schlimmer aber als all diese professionelle Anspannung wird in diesem neuen Roman die innere Einsamkeit, das langsame Zerfallen seiner Ideale, die Distanz im privaten Bereich an Duffy nagen. Reichlich unprätentiös nämlich endet, zumindest zunächst, die im vorigen Band der Reihe aufgebaute Liebesbeziehung zur Pathologin Laura. Ein erstes Indiz im Übrigen auch, was den Stil McKintys angeht, dass an manche Stellen doch zu lapidar, fast lieblos mit (lange aufgebauten) Handlungssträngen umgegangen wird. Auf dem Hintergrund der Liebe der beiden im letzten Roman und unter welch zusammen schweißenden äußeren Umständen diese entstand, wirkt dieses Ende nicht sonderlich real. Auch „der Fall“, ein aufgefundener, männlicher Torso, für eine unbestimmbare Zeit tiefgefroren, wirkt über weite Strecken des Buches nur sehr am Rande mit. Überwiegend dagegen, und das sehr gut, sehr dicht und sehr überzeugend, führt McKinty den Leser in diese harte Zeit in Irland zurück. Hoffnungslosigkeit, Arbeitslosigkeit, Gewalt, Bürgerkrieg, Attentate an der Tagesordnung, Sirenen allüberall, ein unbeschwertes Leben kaum möglich. Fast riecht man den Rauch der vielen Krater, der dunstigen Luft, spürt die Bedrohung in jeder Gasse im Zuge der häufig auf Polizeifahrzeuge fliegenden Steine. Geschickt baut Mckinty den Unternehmer DeLorean und dessen „irische Geschichte“ mit in die Handlung ein, lässt seine n Protagonisten Duffy das ein oder andere Auge auf attraktive Frauen werfen, wie McKinty überhaupt diesen Sean Duffy sehr gründlich, sehr intensiv und in die Tiefe gehend als Person auslotet. Um in ihm die Verhältnisse innerlich widerzuspiegeln. Auch das gelingt hervorragend. Diese einsamen Abende mit chinesischem Fast Food, Whisky und einer schier unerschöpflichen Sammlung an Schallplatten, innerlich wie ausgehungert nach Leben, nach Lust, nach Berührung, äußerlich cool, hart, konsequent. Auch wenn der eigentliche Fall erst im überzeugend und spannend geratenen Finale des Romans zum Tragen kommt (in dem der Autor Freund und Feind, wie gewohnt, nicht schont), bietet McKinty ein ganz besonderes, atmosphärisch sehr dichtes Leseerlebnis, welches das Lesen durchaus lohnt.

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