Die verlorenen Schwestern

von Adrian McKinty 
4,5 Sterne bei18 Bewertungen
Die verlorenen Schwestern
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Im Vergleich zu den anderen Bänden geht die Charakterentwicklung etwas verloren. Trotzdem noch ein außergewöhnlicher, lesenswerter Krimi.

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Derb, trocken humorvoll mit einem tollen Sean Duffy als Inspector Sergeant.

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Inhaltsangabe zu "Die verlorenen Schwestern"

Nordirland, 1983. Als an einem Septembertag 38 IRA-Terroristen aus einem Hochsicherheitsgefängnis ausbrechen, herrscht höchste Alarmbereitschaft: Unter den Flüchtlingen befindet sich der in Libyen ausgebildete Bombenspezialist Dermot McCann. Inspector Sergeant Sean Duffy drückte mit McCann die Schulbank, weshalb mit einem Mal der MI5 vor seiner Tür steht. Duffy soll McCann finden. Er weiß: Jeden Moment könnten Bomben hochgehen, doch McCann bleibt von der Bildfläche verschwunden. Plötzlich wendet sich McCanns Ex-Schwiegermutter an Duffy. Sie will ihm helfen, allerdings nur unter einer Bedingung: Zuerst muss er das Rätsel um den Tod ihrer Tochter lösen. Vier Jahre zuvor war die Leiche der jungen Frau in einem von innen verriegelten Pub gefunden worden. Alles deutete auf einen Unfall hin, und doch ist die Mutter überzeugt, dass es Mord war. Aber wie sollte der Täter entwischt sein – bei verschlossenen Türen? Duffy ist ratlos, und die Uhr tickt …

Atemlose Verfolgungsjagden, düstere Bombenszenarien und ein schier unlösbarer, Jahre zurückliegender Todesfall. Ein absolutes Muss – nicht nur für Fans von Sean Duffy, dessen Nonchalance ihm diesmal gleich zwei aussichtslose Aufträge beschert!

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783518465950
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:378 Seiten
Verlag:Suhrkamp
Erscheinungsdatum:07.03.2015

Rezensionen und Bewertungen

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    BookfantasyXYvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Derb, trocken humorvoll mit einem tollen Sean Duffy als Inspector Sergeant.
    Zurück in die Vergangenheit des Nord-Irland-Konflikts

    Es ist das Jahr 1983, in dem die IRA (= Irish Republican Army) im Konflikt gegenüber Nord-Irland steht. Nord-Irland steht unter der britischen Verwaltung, und somit unter der Monarchie von Queen Elizabeth und der Eisernen Lady Margret Thatcher. Irland ist eine katholisch geprägte Republik, deren Volk – vor allem die Anhänger der IRA – auf die Straße gehen. In dieser Geschichte spielt der IRA-Anhänger Dermot McCann eine Schlüsselrolle, weil er von der nord-irischen Polizei (RUC) und des britischen Geheimdienstes MI5 und MI6 gesucht wird. Angeblich plant McCann einen Anschlag auf Margret Thatcher. Aber McCann ist untergetaucht. Inspector Sergeant Sean Duffy vom RUC war gerade aus dem Dienst ausgeschieden als er einen Anruf und einen Besuch des britischen Geheimdienstes erhält. Sean Duffy arbeitet nun mit Kate vom MI5 zusammen. Da Dermot McCann ein sogar ein ehemaliger Schulfreund von Dermot McCann war, könnte die Suche nach ihm für Duffy ein leichtes Spiel sein.

    Die irische Autor Adrian McKinty, der mittlerweile in Australien mit seiner Familie lebt, schuf eine derbe Figur mit Sean Duffy, der gerne bei Vorgesetzten und sogar beim britischen Geheimdienst ein Negativbild hinterlässt. Seine Methoden sind gerne auf Alleingänge ausgelegt, und umgehen manche Vorschrift der britischen Polizei. Sean Duffy muss aber auch mit Problemen kämpfen wie häufiger Alkoholkonsum, ein gestörtes Verhältnis zu Frauen und Missachtung der eigenen Gesundheit. Eigentlich typischen Eigenschaften von Kriminalbeamten, aber hier passen die Eigenschaften zu dem Hauptprotagonisten wie die Faust aufs Auge, denn aufgrund seines Humors und seiner methodischen Vorgehensweise in seinem beruflichen Alltag, wirkt der Sean Duffy sehr sympathisch. Dermot McCann dagegen stellt einen typischen IRA-Terroristen dar, der in der Organisation eine leuchtende Figur darstellt, und somit Respekt bei seinen Leuten für sich verschafft. Ansonsten schreibt Adrian McKinty unterhaltsam und zwischenzeitlich spannende Momente, so dass man am Ende das Buch kaum weglegen möchte. Die Kapitelüberschriften verraten schon einmal ansatzweise, über welche Figuren beziehungsweise Handlungsstränge im nächsten Schritt erzählt wird.

    Mit diesem Thriller habe ich einen neuen Autor entdeckt, dessen Hauptprotagonist Sean Duffy  mir von Anhieb gefiel aufgrund des derben Charakters sowie trockenen und britischen Humors. Mir ist diese Figur ans Herz gewachsen. Das Umfeld um die Figur Dermot McCann gefiel ebenso gut, denn eine alte Opfergeschichte spielt einen Nebenschauplatz in dieser Geschichte, für die McCann indirekt zu tun hatte. Dieser Thriller ist nicht der erste von dem Autor, deren Geschichten sich immer wieder auf die Nord-Irland-Konflikte besinnen. Wer die Nord-Irland-Konflikte aus den 1980er gar nicht oder kaum kennt, erfährt durch diese Geschichten historische Hintergründe der IRA und der britischen Politik-Ära von Margret Thatcher.

    Kommentare: 8
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    Mira20s avatar
    Mira20vor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Immer wieder eine Lese-Highlight!!!
    Der Krimi im Thriller!

    Ich liebe die Reihe um Sean Duffy! Unkonventionell, bissig und immer für eine Überraschung gut! Teil 3 knüpft an keine Vorgängergeschichte an und kann deshalb gut ohne Vorkenntnisse gelesen werden.
    Alle Fälle spielen im politischen Umfeld des Nordirland-Konfliktes der 80er-Jahre und sind auch politisch/historisch interessant.

    Sean Duffy eckt mit seiner unverblümten Art überall an. Als katholischer Bulle im protestantischen Umfeld hat er es ebenfalls nicht einfach. Mit seinen privaten Kontakte, die bis in die IRA hineinreichen, ist er aber für bestimmte Ermittlungen für die Polizei sehr interessant. Als der berüchtigte Kopf einer Terrorzelle der IRA aus einem Hochsicherheitsgefängnis flüchtet, scheint Duffy genau der richtige Mann für dessen Auffinden zu sein. Duffy hat nämlich mit ihm die Schulbank gedrückt und kennt so sein gesamtes Umfeld. Aber wer will schon ein IRA-Verräter sein? Aber dessen Ex-Schwiegermutter macht Duffy ein verlockendes Angebot: Finde den Mörder meiner Tochter (Unfalltod vor 4 Jahren) und ich gebe dir DEN TIPP! Duffy beginnt zu ermitteln.....

    Fazit
    Der Krimi im Thriller! Der Hauptteil des Buches macht die Suche nach der Lösung des Kriminalfalles aus. Duffy muss eine(n) Mörder/in finden, obwohl alles nach einem Unfalltod aussieht. Der Fall ist sehr interessant gestaltet, ist das Opfer doch in einem von innen verschlossenen Raum gefunden worden. Literarische Hinweise geben Infos und Anregungen.
    Zu lesen sind die Krimis sehr kurzweilig, Duffy nimmt sich  selber nicht zu wichtig und seine Lösungsansätze überraschen doch immer wieder. Auch eine ordentliche Portion rabenschwarzer Humor gehören zu allen Büchern dazu. 

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    Gruenentes avatar
    Gruenentevor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Diese Bücher sind für mich auch eine spannende Zeitreise in meine Jugend! Und der Typ ist einfach saucool!
    Sean geht einen gefährlichen Handel ein

    1983 in Irland. Nordirland.
    Sean wurde degradiert und verliert jetzt ganz seinen Job. Soll er nach Spanien auswandern?
    Da brechen über 30 IRA-Gefängnisinsassen aus einem Hochsicherheitstrakt aus. Mit einem der Flüchtigen ging Sean auf die Schule. Jetzt will der MI5, das Sean seinen früheren Kumpel sucht. Dafür wird er auf Zeit wieder eingestellt, sogar mit seinem alten Rang.
    Sean besucht die Familienmitglieder des IRA-Mannes. Da macht ihm die Ex-Schwiegermutter ein Angebot: wenn Sean den Tod an ihrer Tochter aufklärt, gibt sie ihm einenTipp, wo er den Terroristen findet.
    Interessantes locked-Room-Rätsel, gepaart mit dem Terror in Nordirland.
    Ich liebe diese Serie, die Musik, die dort erwhnt wird, der Alltag in Irland, der Typ Sean. Ich warte auf den vierten Teil!!!

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    S
    shitesitevor 3 Jahren
    Kurzmeinung: „Die verlorenen Schwestern“ ist ein rasanter Krimi in der bedrückenden Atmosphäre der Thatcher-Jahre.
    Tolles Setting, faszinierender Fall, cooler Kommissar

    „Endlich!“, so möchte man ausrufen. Ein Krimi, der nicht durch einen ach so besonderen Kommissar beeindrucken will, sondern durch ein sehr geschickt gewähltes Setting begeistert! Zumindest wird es all jenen so gehen, die Inspector Sergeant Sean Duffy (so wie ich) erst jetzt entdecken (Die verlorenen Schwestern ist allerdings schon der dritte Band in einer Reihe rund um diesen Ermittler, auf Englisch liegt mittlerweile sogar bereits ein vierter Teil vor). Auch allen anderen sei der Roman wärmstens empfohlen. Als „den bisher besten Duffy“ hat ihn die Sunday Times gelobt.

    Im Nordirland des Jahres 1983 soll Sean Duffy den IRA-Boss Dermot McCann fassen, der aus dem Gefängnis ausgebrochen ist und früher mit ihm zur Schule ging. Am Ende muss er gleich zwei Fälle lösen. Adrian McKinty verknüpft sie in einer sehr dichten Atmosphäre, im beinahe gleichen Maße getrübt vom irischen Mistwetter und der sozialen Kälte der Thatcher-Ära.

    http://www.shitesite.de/2015/05/22/durchgelesen-adrian-mckinty-die-verlorenen-schwestern/

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    Gulans avatar
    Gulanvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Aktuell die vielleicht beste Krimi-Reihe: Sean Duffy ist einfach ein cooler Typ und Nordirland in den 80ern ein spannender Schauplatz.
    Mit besten Grüßen an die Altmeister!

    Ich sah sie an. Ihre Augen blitzten wütend, das rote Haar zerrte an den Spangen, die es zusammenhielten. „Haben Sie mich verstanden, Inspector?“ „Eigentlich nicht. Wollen Sie damit sagen... Mal sehen, ob wir ganz sicher über dieselbe Angelegenheit sprechen, Mrs. Fitzpatrick. Wenn ich den Mörder ihrer Tochter finde und Ihnen den hinreichenden Beweis für die Täterschaft liefere, dann.. dann...“
    „Dann gebe ich Ihnen Dermot McCann“, sagte sie kaltlächelnd. (S.129-130)

    Sean Duffys Polizeikarriere scheint am Ende. Nach den Vorkommnissen im letzten Fall („Die Sirenen von Belfast“) bereits degradiert, wird er nun aufgrund von Falschaussagen zu einer angeblichen Fahrerflucht vollständig aus dem Dienst entlassen. Doch der Massenausbruch von IRA-Häftlingen aus dem Maze-Gefängnis im September 1983 bringt ihn wieder ins Spiel: Einer der gefährlichsten Ausbrecher ist Dermot McCann, ein Schulfreund Duffys. Der MI5 rekrutiert Duffy und setzt ihn in seinem alten Dienstgrad wieder ein. Sein Auftrag: Dermot McCann aufzuspüren.

    Doch das ist einfacher gesagt als getan. Im Umfeld von McCann redet natürlich niemand, schon gar nicht mit einem Bullen, selbst wenn der katholisch ist. Doch dann bietet sich Duffy eine Chance. Die Ex-Schwiegermutter ist bereit, McCann ans Messer zu liefern. Dafür soll Duffy den Mörder ihrer Tochter Lizzie finden. Doch der Fall ist von der Polizei als Unfall abgeschlossen worden und auf dem ersten Blick scheint das auch plausibel zu sein...

    Adrian McKinty hat mit der Reihe um Sean Duffy eine wirklich bemerkenswerte Kombination aus charismatischer Hauptfigur und spannendem, auf historischen Fakten basierenden Setting geschaffen. „Die verlorenen Schwestern“ ist der dritte Teil der Reihe und spielt zeitlich von September 1983 bis Oktober 1984. Nordirland Anfang der 1980er ist ein permanentes Pulverfass, Katholiken gegen Protestanten, die Terroristen zerfallen noch in zahlreiche Splittergruppen. Immer in der Schusslinie: Die (protestantische) nordirische Polizei und die britische Armee. Permanent gehen Bomben irgendwo hoch oder werden Granatenangriffe verübt. Ständig sucht Duffy sein Auto nach Sprengsätzen ab.

    Ich-Erzähler Sean Duffy muss man einfach mögen. Ein intelligenter, junger Mann, ein wenig unangepasst, draufgängerisch. Autos, Musik, ab und zu eine Frau, Joints, Wodka Gimlets. Das Kind im Manne ist noch allzu gegenwärtig. Doch gleichzeitig versprüht er immer einen Hauch von Melancholie und leichter Depression.

    Der Autor ist selbst in Nordirland aufgewachsen und schildert die Verhältnisse durch seinen Ich-Erzähler sehr authentisch und erfrischend mit viel Zynismus und bissigem Spott („Es regnete, also machte ich die Scheibenwischer an. Diese Gegend von Derry sah durch Regen und Scheibenwischer einfach besser aus.“ (S.90)). Das Buch ist quasi ein Politthriller mit einem innen liegenden Krimi. Und hier packt McKinty noch viel Finesse aus, denn der Fall Lizzie Fitzpatrick beinhaltet das klassische Kriminalthema „Das Rätsel des verschlossenen Raumes“ - mit schönen Grüßen an die Altmeister Poe und Co. Eine weitere Besonderheit an der Sean-Duffy-Reihe sind die zahlreichen Reminiszenzen an die Popkultur. Nur musikalisch hält sich Duffy dieses Mal etwas zurück, was wohl daran liegt, „dass 1983 wohl das schlimmste Jahr in der Geschichte der Popmusik der letzten zwei Jahrzehnte werden würde“ (S.13).

    Diese Reihe hat einfach alles, was gute Kriminalliteratur für mich ausmacht: Eine smarte Hauptfigur, einen spannenden Schauplatz, politisch-gesellschaftliche Hintergründe, schwarzen Humor und außerdem literarisches Niveau. „Die verlorenen Schwestern“ fügt sich da qualitativ nahtlos ein. Unbedingt empfehlenswert.

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    michael_lehmann-papevor 4 Jahren
    Hervorragender Thriller

    Hervorragender Thriller

    Sean Duffy ist und bleibt eine Provokation.

    Für die Welt in Irland im Jahre 1983 als katholischer „Bulle“ in Diensten einer britisch gesteuerten Polizei. Nicht umsonst hat er sich antrainiert, bei jedem Einsteigen in seinen BMW vorher den Wagen auf Bomben hin zu untersuchen.

    Eine Provokation aber auch für Teile seiner Vorgesetzten, denn nicht nur, das Duffy einem guten Joint nicht unbedingt abgeneigt gegenübersteht, vor allem ist er einer, der nicht locker lässt, wenn er erst einmal in einem Fall steckt. Und dabei auch vor prominenten Namen keinen Rückzieher machen würde.

    Gerade hat er es einigermaßen geschafft, mit seinem engsten Kollegenkreis ein Verhältnis aufzubauen (Vorurteile gelten nicht nur von katholischer Seite her gegen „Bullen“, sondern auch von überwiegend protestantischen Kollegen gegen „Papisten“), da wird ihm sein letzter Fall doch noch zum Verhängnis.

    Geschickt eingefädelt wird er des Dienstes enthoben, degradiert, abgeschoben.

    Zugleich erlebt „Maze“, das Gefängnis für IRA Mitglieder, einen Massenausbruch. Und einer der Entkommenen stellt für die britische Regierung ein echtes Problem dar. Einer, mit dem Duffy zu Schulzeiten Kontakt hatte. In dessen Umfeld er selbst den „Blutigen Sonntag“ miterlebt hat. Dessen Familie er kennt. Und dessen Gefährlichkeit Duffy durchaus einschätzen kann.

    Der Geheimdienst tritt an Duffy heran und bietet einen Deal an. Rehabilitation und eine dienstliche Freikarte, wenn Duffy Dermon McCann aufspürt.

    Der Beginn einer gefährlichen Ermittlung. Und eines weiteren „Geschäftes“. Denn es gibt jemanden, der bereit wäre, McCann zu verraten. Aber das hat seinen Preis. Erst wenn Duffy einen sehr persönlichen Fall, einen alten Mord aufklärt, wird er Informationen erhalten.

    So sind es im Kern zwei Fälle, die McKinty im Thriller ausbreitet, die beide je für sich vertrackt und gefährlich für Duffy werden. Wie kann ein Mord in einem von Innen verriegelten Raum geschehen sein? Das muss doch ein Unfall gewesen sein, oder?

    Und wie kann Duffy an einen weit vorausplanenden, sehr erfahrenen Terroristen herankommen, der als Fachmann für Sprengstoff seinen langsam verblassenden Namen in der IRA zu neuem Glanz führen will?

    Harte Szenen warten dabei zum Ende hin auf den Leser und so trocken-sympathisch Duffy zu wirken versteht (gerade in der Gegenwart von Frauen), wenn es darauf ankommt, der Gerechtigkeit Genüge zu tun sind da wenig moralische Schranken im „katholischen Bullen“, vor allem, wenn er selber angegriffen wird.

    Das alles bettet Mckinty, gewohnt intensiv, ein in die bürgerkriegsähnlichen Zustände im Belfast jener Jahre, die ständige Unsicherheit, die ständige Bedrohung, die ständigen Anschläge (eine starke Szene beschreibt die Wirkung einer Bombe auf ein Polizeirevier). Die Verluste auf allen Seiten, den Fanatismus und, daneben, die kleinen Pflanzen von Beziehungen und Hoffnungen, die in der bombenkraterumsäumten Welt dennoch entstehen.

    Hart, klar, atmosphärisch dicht, mit genügend „Rätseln“ für den Leser, sich an den Fällen den Kopf mit zu zermartern und im Blick auf einen Mann, der sich in einer zerstörten und sich zerstörenden Welt bewegt, ohne zu resignieren, liefert McKinty wieder einen überzeugenden Thriller, der das Lesen überaus lohnt.

    Wobei die Befürchtung am Ende entstehen könnte, dass McKinty seinen „Duffy“ auserzählt hat. Was abzuwarten bleibt.

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    Haversvor 4 Jahren
    Nordirland, Mitte der achtziger Jahre

    Die Thriller aus der Sean Duffy-Reihe des Autors Adrian Mc Kinty, geboren und aufgewachsen in Carrickfergus, zeichnen sich dadurch aus, dass der Autor konkrete Ereignisse des Nordirlandkonflikts in den Plot einarbeitet und so die authentische Atmosphäre Belfasts vermittelt. Und das gelingt ihm auch in „Die verlorenen Schwestern“ wie immer ganz hervorragend.

    Sean Duffy ist beurlaubt. Kein Inspektor mehr, sondern wieder einfacher Streifenpolizist (vgl. dazu „Die Sirenen von Belfast“). Den Frust über die Suspendierung von der RUC betäubt er mit jeder Menge Alkohol und dem einen oder anderen Joint, Computerspielen und natürlich dem üblichen Progressive Rock. Ein deprimierendes Leben für einen engagierten Polizisten.

    Das Blatt scheint sich zu wenden, als der britische Geheimdienst seine Hilfe benötigt, denn unter den aus dem Hochsicherheitsgefängnis The Maze entflohenen politischen Häftlingen ist auch der ehemaliger Schulfreund Duffys, Dermot McCann. Er ist ein Sprengstoffexperte, weshalb beim MI5 sämtliche Alarmglocken läuten. Seinen Aufenthaltsort kennt niemand, aber Duffy könnte es mit seinen Verbindungen aus der gemeinsamen Vergangenheit herausbekommen. Dafür verspricht man ihm die Säuberung seiner Akte und die Rückkehr in den aktiven Dienst. Er willigt ein und startet die Ermittlungen.

    McCanns Schwiegermutter könnte und würde Sean Duffy einen Tipp bezüglich McCanns Aufenthaltsort geben, wenn, ja wenn er einen Cold Case lösen würde. Es geht um den nicht aufgeklärten Mord an ihrer Tochter, deren Leiche vor vier Jahren in einem Pub gefunden wurde, wobei die Türen damals von innen verschlossen waren…

    In „Die verlorenen Schwestern“ wagt McKinty ein Experiment und verbindet einen Politthriller mit dem klassischen Motiv des herkömmlichen Kriminalromans, dem  „locked room mystery“. Und es funktioniert. Spannend von Anfang bis Ende führt der Autor seine Leser in das Alltagsleben während der gewalttätigen Auseinandersetzungen in Nordirland, wo man vor dem Einsteigen zuerst den Unterboden des PKWs kontrolliert – es könnte ja eine Sprengladung angebracht worden sein.

    Allerdings empfehle ich zum besseren Verständnis die Lektüre der beiden Vorgängerbände, zum anderen sollte man sich vor der Lesen wenigstens in Grundzügen mit der politischen Situation während der „Troubles“ in Nordirland vertraut machen, um das Gelesene besser verstehen und sich eine eigene Meinung zu den Geschehnissen bilden zu können. Denn natürlich kann McKinty, auch wenn er diese Zeit selbst erlebt hat, die Ereignisse nur aus seiner subjektiven Sicht schildern und bewerten.

    Ursprünglich als Trilogie geplant, gibt es im Original mittlerweile schon den vierten Thriller mit Sean Duffy zu lesen – und ich hoffe, es werden noch mehr!

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    hundertwassers avatar
    hundertwasservor 4 Jahren
    Das Problem des verschlossenen Raums

    Mit „Die verlorenen Schwestern“ schickt Adrian McKinty seinen katholischen Bullen Sean Duffy in seinen nunmehr dritten Einsatz – und dieser ist verzwickter als alle Fälle, mit denen er zuvor zu tun hatte. Nach seiner Degradierung aufgrund seines letzten Falles (Die Sirenen von Belfast) muss sich Duffy nun wieder als normaler Streifenbeamter im Pulverfass Nordirland in den 80ern seiner Haut erwehren. Diese Lage ist höchst angespannt, zwischen IRA, Thatcher und Paisley brennt die Luft. Und ausbaden müssen dies Männer wie Sean Duffy.

    Doch nicht lange währt sein Streifendienst, er wird vom britischen Geheimdienst schnell wieder zurück in Amt und Würden gesetzt, da ein Problem nationaler Tragweite droht. Duffys ehemaliger Klassenkamerad Dermot McCann ist aus einem Hochsicherheitsgefängnis ausgebrochen. Dort war er inhaftiert, weil er ein gefürchteter Bombenleger der IRA ist und in Libyen in einem Terrorcamp seine Kunst verfeinert hatte. Duffy wird auf den Flüchtigen angesetzt und stochert im Nebel.
    Da taucht plötzlich auch noch die Ex-Schwiegermutter Dermot McCanns auf und verspricht dem katholischen Bullen einen Deal: sie gibt ihm einen Tipp bezüglich des Aufenthaltsortes McCanns, dafür löst Duffy ein lang zurückliegendes Mysterium. Ihre Tochter wurde damals in einem von innen verschlossenen Pub tot aufgefunden – Mord wie die Schwiegermutter glaubt. Duffy muss zu allem Überfluss nun auch noch dieses Rätsel lösen, ehe er sich hinter die Fährte Dermot McCanns klemmen kann.

    „Die verlorenen Schwestern“ ist ein verschachtelter Krimi, der diesmal mit zwei unterschiedlichen Fällen aufwartet und zugleich eine Verbeugung vor dem „Locked Room Mystery“, also dem Problem des verschlossenen Raums ist. Dieses Topos faszinierte Krimiautoren wie John Dickson Carr, Edgar Allen Poe oder Edmund Crispin schon vor Jahrzehnten – und eben Adrian McKinty auch noch heute. In seinem Blog und auch in „Die verlorenen Schwestern“ wirf er einen Blick zurück auf diesen Krimizweig und schafft einen ganz eigenen faszinierenden Fall, der sich dann aber vollkommen rational aufklärt.

    Auch der dritte Fall von Sean Duffy ist wieder sensationell gut geschrieben, voller popliterarischer und geschichtlicher Bezüge und schafft es, ein eindrückliches Bild vom Nordirland-Konflikt zu zeichnen. „Die verlorenen Schwestern“ ist hohe Krimikunst – wie bei McKinty nicht anders zu erwarten – und darüber hinaus auch geschichtlich höchst interessant. Der Leser sollte ein gewisses Maß an Interesse und Hintergrundwissen für die irische Problematik der 80er Jahre mitbringen, wenn man den Roman in seiner Tiefe genießen will. So oder so ist dieser Roman ein wirkliches Highlight in der Krimilandschaft und sollte auf jeden Fall gelesen werden.
    Der einzige Kritikpunkt, der aber auch nicht auf den Inhalt gerichtet ist, ist die Gestaltung des Buches durch Suhrkamp. Warum mitten in der Reihe nun bei der Gestaltung vom Hardcover auf das Paperback-Format umgestiegen wurde, ist für mich nicht ersichtlich. Im Regal macht sich diese hervorragende Reihe nun etwas merkwürdig mit diesem Formatwechsel. Dieses Problem (wenn man es so nennen will) ist wohl eher etwas für Buchsammler, aus ästhetischer Sicht finde ich die Gestaltung aber nicht ganz gelungen. Inhaltlich aber ganz große Krimikunst!

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    S
    schreiberlingvor 6 Tagen
    Kurzmeinung: Im Vergleich zu den anderen Bänden geht die Charakterentwicklung etwas verloren. Trotzdem noch ein außergewöhnlicher, lesenswerter Krimi.
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    bücherelfes avatar
    bücherelfevor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Endlich ein Ermittler, der Harry Hole ebenbürtig ist!
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