Adriana Altaras Doitscha

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Inhaltsangabe zu „Doitscha“ von Adriana Altaras

Im Tohuwabohu zwischen »Germany’s Next Topmodel« und Bar-Mizwa - das zweite Buch von Adriana Altaras In ›Titos Brille‹ hat sich Adriana Altaras der Geschichte ihrer Vorfahren gewidmet. Ebenso mitreißend und witzig erzählt sie nun von ihren pubertierenden Söhnen und ihrem Alltag in Berlin. Ein faszinierendes, vielstimmiges Porträt jüdisch-deutscher Gegenwart und ein unvergessliches Buch über Familie in all ihren tröstlichen und irrsinnigen Facetten.

Rundherum gelungen - gern mehr !!!

— HEIDIZ
HEIDIZ

Relativ amüsant zu lesen, habe aber nicht lange durchgehalten - das Thema ist eher langweilig und zu oft durchgekaut worden.

— zukunftskind
zukunftskind

Voll Temperament und viel hintergründigem Humor - wie alle Bücher von Adriana Altaras!

— solveig
solveig

Deutsch-jüdische Familiengeschichten mit Pubertätskonflikten, Identitätskonflikten und viel Humor.

— Zeilenende
Zeilenende

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    Doitscha
    HEIDIZ

    HEIDIZ

    28. August 2017 um 13:38

    Ich mochte die Schauspielerin Adriana Altaras schon immer sehr gern - als ich davon erfuhr, dass sie auch schreibt, war mein Interesse geweckt. Ich fand die Geschichte vorab interessant und begann zu lesen ... und las und las und las ...   von einer Mutter, die auspackt !!!   Das mir vorliegende Buch ist das zweite aus ihrer Feder. "Titos Brille" erzählte von den Vorfahren der Autorin. Jetzt schreibt sie von ihrer eigenen Familie, ihren Söhnen und ihrem Leben in Berlin. Der ganz normale Wahnsinn sozusagen, und den präsentiert die Autorin lebendig, witzig und charmant. Sie - die Jüdin mit ihren beiden Söhnen - und ihr Mann, der Nichtjude, wie geht das zusammen ??? Berlin in der Gegenwart - Berlin und eine ganz normale Familie !!!!   Echt unterhaltsam und echt aufschlussreich - das kann ich zusammenfassend sagen. Der Stil der Autorin ist so wie sie - schlagfertig und charmant. witzig und analytisch.   Leseprobe: ========   Am nächsten Morgen sieht es nach Regen aus. Auch das noch. So schön der Friedhof Weißensee ist, so romantisch jüdische Friedhöfe überhaupt sein können, so unglaublich hässlich und ausschließlich funktional ist der jüdische Friedhof an der Heerstraße. Schlecht mit den Öffentlichen zu erreichen, kaum Parkplätze, das Gelände öde, ohne Bäume und Bänke, dafür hundert Prozent koscher. ...   Rundherum gelungen - gern mehr !!!

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  • So schwer und doch so leicht

    Doitscha
    Zeilenende

    Zeilenende

    02. June 2016 um 09:24

    Inhalt lt. Verlagshomepage David wäre gerne Israeli. Er ist nicht nur hochbegabt, sondern auch hochpubertär und raunzt seinen westfälischen Vater beim Abendessen regelmäßig mit »Ey, Doitscha« an, was ebenso regelmäßig zum familiären Eklat führt. Deutscher zu sein, ist keine einfache Sache, gesteht Adriana Altaras, erst recht nicht in einer jüdischen Familie …Mit Aaron, Davids Patenonkel, ist Adriana Altaras seit ihrer Jugend befreundet. Sie wollten damals auswandern nach Israel, das für sie ähnlich verlockend war wie für die Surfer Hawaii. Doch sie blieben und nutzten das schlechte Gewissen der Deutschen, um umsonst Bahn zu fahren oder schulfrei zu bekommen. Als Aaron stirbt, spitzt sich der Generationenkonflikt in der Familie Altaras zu. David hält nichts mehr in Berlin, er verabschiedet sich kurzerhand ins Gelobte Land, und die Erzählerin reist hinterher – auf der Suche nach dem verlorenen Sohn zwischen Klagemauer, Kibbuz und See Genezareth.   Auftakt Adriana Altaras eröffnet ihr Buch mit einem Knüller: Ein nächtlicher Polizei-Einsatz in der Wohnung der Altaras, zwei weise Beamte mit Migrationshintergrund (der dritte sitzt wahrscheinlich im Wagen), Pastakochen, Möbelfachsimpelei und Signieren im Nachthemd. Das erste Kapitel ist rasant, irrsinnig und zu verrückt, um wahr zu sein. Wahrscheinlich ist es auch gar nicht wahr, aber das spielt keine Rolle. Es ist überzeugend erzählt. Ein starkes erstes Kapitel ist immer eine Gefahr. Eröffnet ein Roman mit einem lauten Knall, muss er die erzeugte Spannung das gesamte Buch über halten. In der „Anekdotenliteratur“ muss jede einzelne Anekdote so gestaltet sein, dass sie der vorhergehenden Anekdote gegenüber nicht allzu stark abfällt. Besser noch wäre es, dem Knall Nachhall zu verschaffen. Altaras gelingt dieser Nachhall, indem sie ihre Denk-, Schreib- und Lacher-Geschwindigkeit hoch hält und sie im Folgenden mit nachdenklichen Passagen würzt, aber nie ihren Anspruch vergisst: Zwerchfell-Muskelkater.   Perspektiv-Wechsel Deutsch-jüdischer Alltag in Deutschland scheint eine sehr komplizierte Angelegenheit zu sein. Wer sich davon überzeugen möchte, der lese das Buch. Gleiches gilt für die Aufzucht pubertierender Testosteron-Bomber. Gepaart ist es eine Bombe: Die Adoleszenz ist eine Phase der Identitäts-Suche, das Judentum in Deutschland ist nach / auf Grund der Shoa ebenso auf der ständigen Suche nach einer eigenen Identität, die mit zahlreichen Widersprüchen umgehen muss. Altaras erzählt die Konflikte aus verschiedenen Perspektiven: Ihrer eigenen, ihrer beiden Söhne, ihres Mannes und einiger anderer Personen. Besonders anschaulich werden die Konflikte in den Schilderungen von Mutter und älterem Sohn. Die Anlage der Konflikte, die Vermischung von Adoleszenz und jüdischer Identität, deutet wohl eine Hoffnung an: Man kann sich von der Shoa nicht emanzipieren, wie man sich von seinen Eltern emanzipiert. Aber das Judentum in Deutschland beginnt, sich zu emanzipieren: Ihr Sohn liebäugelt heftig mit dem Zionismus aber genauso mit der FDP. Die Frage „Gehen oder bleiben?“, die existentielle Frage aller Juden in Deutschland (nach Altaras) wird zur Adoleszenz-Frage. Am Ende steht eine erfolgreich bewältigte Krise: Ein Fingerzeig auf das zukünftige deutsch-jüdische Verhältnis? Bei manchem Perspektivwechsel drängen sich weniger existentielle Fragen auf: Ist er wirklich stärker? Seit wann sind Teenager eigentlich so grässlich un-ironisch? Was ist ein „Antosopofe“? Stärker ist keiner von beiden, das Thema zieht sich aber als roter Faden durch das Buch. Die zweite Frage wird nicht beantwortet, ergibt sich aber aus dem Zusammenhang. Die dritte Frage wird gar nicht gestellt: Seit wann sind Jugendliche so wenig ironisch? Ich war in dem Alter jedenfalls sehr viel ironischer. Alles, was ich gesagt habe, war ernst gemeint, aber so vorgetragen, dass ich es nicht so gemeint hätte.   Kleine Schwächen Ein „Antosopofe“ ist ein Anthroposoph. Das ist die Weltanschauung, die hinter den Waldorf-Schulen steckt, zumindest theoretisch. Praktisch gibt es unter „Antosopofen“ natürlich auch Liberale und Orthodoxe … Mir drängt sich gerade eine Parallele zum Judentum auf, vielleicht müsste ich das Buch dahingehend noch einmal lesen. Der „Antosopof“ ist die einzige nennenswerte Schwäche des Buches. Also nicht der „Antosopof“, sondern das Stilmittel. Jede der auftretenden Figuren hat einen eigenen Sound, der hier und da nervig ist. Dass die Tante manchmal in italienisch parliert und die Passagen leider nicht übersetzt sind, lässt sich verschmerzen. Die Bedeutung lässt sich aus dem Kontext erschließen. Nervig ist der Sound der Jugend, das „Schreiben wie gesprochen“. Jugendsprache schön und gut, aber irgendwann „reischt“ es. Zugegeben, das ist Mäkelei auf höchstem Niveau. Die Kapitel der Jugendlichen sind keine Anhäufungen von „Ey“ und „Alda“, aber es wirkt zu oft gewollt lustig, als dass ich die Imitation von Jugendsprache unkommentiert übergehen könnte.   Fazit Das beeindruckendste Kapitel ist der Bericht über eine Fahrt nach Jugoslawien, auf den Spuren der Vergangenheit. Zuerst dachte ich, was das Kapitel soll. Es wirkt zunächst deplaziert im Buch, es ist sperrig, der Ton wechselt abrupt. Doch der Bericht packte mich. Von Zeile zu Zeile wurde er spannender. Adriana Altaras nimmt ihre Leser*innen mit auf eine Reise in ihre Erinnerungen, in Verletzungen und den schmerzhaften Prozess der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Sie beschreibt eine gequälte Seele. Auch wenn der Ton leichter, manchmal regelrecht flapsig wird, dennoch oder gerade deshalb schmerzt ihr Ringen mit den Erinnerungen. Das Buch stellt die Frage nach einer Möglichkeit angemessenen Gedenkens, dem Umgang mit Verletzungen und wie ein „richtiges Leben im falschen“ möglich sei. Ist es wie bei Adorno, dass es nicht geht? Dann dürfte es nach Auschwitz kein Glück mehr geben, erst recht kein jüdisches Leben im Land der Täter. Doch es gibt Glück, es gibt sogar ein jüdisches Leben mit dem Anspruch auf Glück im Land der Täter. Mit dem glücklichen Leben, belastet von Erinnerungen an die Vergangenheit, muss immer wieder neu gerungen werden, so wie man alltäglich in der Familie miteinander ringt. Adriana Altaras unterhält und stellt nebenbei schwierige Fragen. Sie belehrt nicht, sie regt zum Nachdenken an. Sie lehnt Dogmatismus, Radikalismus und Orthodoxie ab, äußert gleichzeitig Verständnis für die Motive dahinter. Vor Allem aber: Sie unterhält. Wer unterhalten werden möchte und keine Angst hat, sollte das Buch lesen. Denn letztlich geht es nur vordergründig um jüdische Identität zwischen Kultur, Religion und Deutschland. Adriana Altaras verhandelt die Frage nach der deutschen Identität. Das ist die andere Seite ihrer Suche, die Aufgabe, die sie in ihrem eigenen Forschen dem deutschen nicht-jüdischen Leser zuweist.

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  • Lesenswert!

    Doitscha
    Bella5

    Bella5

    26. April 2016 um 19:50

    Adriana Altaras erzaehlt aus dem Alltag ihrer deutsch-jüdischen Familie, von ihrem pubertierenden Sohn und von ihren Freunden. Das Ganze ist gekennzeichnet durch wechselnde Erzählperspektiven, wobei ich die Erzaehlperspektive ihres ältesten Freundes Aron (auch die jenseitige) sehr anrührend fand. Ihr Mann Georg, "Westfale, Katholik, Doitscha" ist zugleich Fels in der Brandung, Ruhepol und Angriffsziel des Sohnes. Der Erzählton ist witzig, geistreich und bissig, und ich habe so Manches gelernt - etwa, das J. Gaucks Eltern Mitglieder der NSDAP gewesen waren (wtf). Herrlich amüsiert habe ich mich auch über die Israelreise der Familie Altaras, die einen zackigen  israelischen Soldaten heimlich "mein Führer" nennt ;-) Altaras, eine Schauspielerin und Regisseurin, erzählt anschaulich und mitreissend. Das erste Kapitel fand ich noch dröge. Aber der Roman fesselte mich mit jeder Seite mehr, sodass ich traurig war, als er schliesslich ausgelesen war. Fazit: Diese Lektüre ist ganz klar 5 Sterne wert!

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  • Lesenswert!

    Doitscha
    Bella5

    Bella5

    26. April 2016 um 19:50

    Adriana Altaras erzaehlt aus dem Alltag ihrer deutsch-jüdischen Familie, von ihrem pubertierenden Sohn und von ihren Freunden. Das Ganze ist gekennzeichnet durch wechselnde Erzählperspektiven, wobei ich die Erzaehlperspektive ihres ältesten Freundes Aron (auch die jenseitige) sehr anrührend fand. Ihr Mann Georg, "Westfale, Katholik, Doitscha" ist zugleich Fels in der Brandung, Ruhepol und Angriffsziel des Sohnes. Der Erzählton ist witzig, geistreich und bissig, und ich habe so Manches gelernt - etwa, das J. Gaucks Eltern Mitglieder der NSDAP gewesen waren (wtf). Herrlich amüsiert habe ich mich auch über die Israelreise der Familie Altaras, die einen zackigen  israelischen Soldaten heimlich "mein Führer" nennt ;-) Altaras, eine Schauspielerin und Regisseurin, erzählt anschaulich und mitreissend. Das erste Kapitel fand ich noch dröge. Aber der Roman fesselte mich mit jeder Seite mehr, sodass ich traurig war, als er schliesslich ausgelesen war. Fazit: Diese Lektüre ist ganz klar 5 Sterne wert!

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  • Adriana Altaras - Doitscha: Eine jüdische Mutter packt aus

    Doitscha
    miss_mesmerized

    miss_mesmerized

    22. March 2016 um 05:52

    Das Familienleben ist nie ganz einfach, schon gar nicht, wenn die Mütter Jüdin und der Vater Deutscher ist und die Kinder zwischen den Kulturen gefangen sind. Adriana Altaras verleiht ihrer Familie Stimmen, um so zu zeigen, wie in dieser Konstellation – immer auch umgeben vom Tätervolk, dessen Unsicherheit im Umgang mit Juden und vor allem solchen, die kein zurückgezogenes, sondern ein offensives Leben führen, in jedem zusammentreffen offenkundig wird. Doch was tun, wenn der eigene Sohn beschließt die Reise ins Gelobte Land anzutreten, wo er doch in Deutschland in aller Sicherheit leben könnte? Hinterher reisen natürlich. Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig. Sicherlich gibt es viele Anekdoten, die lustig und unterhaltsam sind, insgesamt wirkt das Buch aber auf mich arg gewollt und konstruiert und kann so nicht die Dimensionen einer Familie erfassen, die in diesem Zwiespalt lebt und die daraus resultierenden Konflikte bearbeitet. Vieles bleibt auch zu plakativ oberflächlich – der jüngste Sohn will nur „Germany’s next Topmodel“ schauen? Auch die Reise nach Israel, die letztlich nur einen kurzen Teil des Buches ausmacht, kann hier die jüdische Kultur und Tradition nicht wirklich darstellen, so dass insgesamt der Roman für mich zu wenig relevant und gehaltvoll und weit hinter den Erwartungen blieb.

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  • Rebellion in der Pubertät

    Doitscha
    Daphne1962

    Daphne1962

    08. December 2014 um 20:17

    Nach "Titos Brille" hat sie noch ein Buch nachgelegt. Im 1. Buch beschreibt Adriana Altaras das Chaos, was ihre Eltern ihr nach dem Tod hinterlassen haben. Im 2. Buch erzählt sie vom Familien-Chaos zu Hause. Den häuslichen Unfrieden zwischen ihrem Lebensgefährten Georg und dem gemeinsamen Sohn Daniel. Nur der kleine Bruder sieht es alles sehr gelassen. Adriana Altaras schreibt lebendig, erzählt von der Zerissenheit, mit der jüdische Bürger leben, ob sie im richtigen Land leben. Man erlebt ein Stück Israel, bekommt Einblicke bei einem Todesfall und wie mit der Trauer um den besten Freund umgegangen wird, sie läßt ihre Familie erzählen und ihre Psychologin gibt uns einen Eindruck wie es mit dem Seelenleben von Aldriana steht. Körperlich ist sie gut in Form, da kann sie locker einen 10 km Lauf mit ihrem Sohn mithalten, sie fährt mit dem Rad durch Berlin und kann sich hier auspowern und so manchen inneren Frust los werden. Was ihr auch ganz gut tut. Allerdings ist das Hauptproblem der Sohn, der sich noch finden muss und rebelliert an allen Ecken und Kanten. Der sich auf nach Israel macht und feststellen muss, es wird alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Gegen seinen Vater, der beruflich sehr eingespannt ist, hat er derzeit viel Verachtung übrig und nennt ihn nur "Doitscha". Die Mutter ist ihm manchmal nur peinlich mit ihrer Öffentlichkeit. Reischt Adriana, auch wenn Du sehr gut schreibst, aber bei wiederholtem Erfolg stehen wieder unliebsame Lesereisen an.

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  • Ein köstliches Lesevergnügen

    Doitscha
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    13. November 2014 um 12:29

      Ihr erstes Buch „Titos Brille“, in dem sie im Jahr 2012 nach dem Tod ihrer Mutter konfrontiert mit einem fast unübersichtlichen Nachlass dem Leben und dem Schicksal ihrer Eltern nachspürte und sich dabei gleichzeitig auf eine schmerzhafte und beglückende Spurensicherung nach ihren eigenen Wurzeln und ihrer Identität als Jüdin überlebender Eltern in Deutschland machte, war ein großer Erfolg.   Nun legt die Schauspielerin Adriana Altaras ein neues Buch vor, in dem es erneut um jüdische Identität in Deutschland geht. Es ist eine gelungene Mischung zwischen Fiktion und dem Bericht von tatsächlich Erlebtem, etwa wenn sie beschreibt, welche Wirkung ihre Rede zum Gedenken der Reichpogromnacht  im Jahre 2011 in der Frankfurter Paulskirche nicht nur auf die jüdische Öffentlichkeit in Deutschland hatte.   Der Wechsel zwischen diesen öffentlichen und politischen Reflexionen und der Beschreibung des Lebens und des Alltags einer deutsch-jüdischen Familie machen den Charme und den hintergründigen Witz dieses Buches aus. Wie sie im Nachwort festhält, haben ihr deutscher Mann und ihre beiden Söhne für diese Geschichte durchaus Pate gestanden, „fiktiv oder real, konkret oder in Gedanken.“ „Sagen wir so: Nichts stimmt, wie es im Buch steht, und doch ist alles wahr.“   Immer wieder geht es um den großen Sohn David. Er ist im Ausgang seiner Pubertät und setzt sich nicht nur mit seinem deutschen Vater auseinander, den er verächtlich „doitscha“ nennt, weil er kein Jude ist, sondern auch mit Israel und seiner eigenen Verantwortung diesem Land und dem Volk der Juden gegenüber.   In wechselnden Perspektiven lässt Adriana Altaras die beteiligten Personen zu Wort kommen, wobei notgedrungen sie selbst am meisten Raum einnimmt. Doch auch in die Innenwelt ihrer Söhne David und Sammy und die ihres Mannes kann sie sich auch sprachlich gekonnt gut hineinversetzen.   Herauskommt eine etwa über ein Jahr reichende Aufnahme des Lebens einer deutsch-jüdischen Familie inklusive der großen Verwandtenschar, voller Humor und Witz.  Es ist ein köstliches Lesevergnügen mit zu verfolgen, wie Adriana Altaras ihre Familie durch all diese Klippen steuert.              

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