Adriana Altaras Titos Brille

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Inhaltsangabe zu „Titos Brille“ von Adriana Altaras

Adriana Altaras führt ein ganz normal chaotisches und unorthodoxes Leben in Berlin: mit zwei fußballbegeisterten Söhnen, einem westfälischen Ehemann, der ihre jüdischen Neurosen stoisch erträgt, und mit einem ewig nörgelnden, stets liebeskranken Freund. Alles bestens also ... bis ihre Eltern sterben und sie eine Wohnung erbt, die seit 40 Jahren nicht mehr ausgemistet wurde. Fassungslos kämpft sich die Erzählerin durch kuriose Hinterlassenschaften, bewegende Briefe und uralte Fotos. Dabei kommen nicht nur turbulente Familiengeheimnisse ans Tageslicht, auch die Toten reden von nun an mit und erzählen ihre eigenen Geschichten.

Gemischte Gefühle. Insgesamt nur durchschnittlich für mich.

— Wolly
Wolly

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  • Themen
  • Trauerarbeit in Buchform

    Titos Brille
    Bella5

    Bella5

    Nachdem ich "Doitscha" gelesen habe, hatte ich an "Titos Brille" von Adriana Altaras grosse Erwartungen. Leider hat mir das Buch nicht so gut wie "Doitscha" unterhalten - es ist dies Trauerarbeit in Buchform. Da gehören melancholische Töne und auch Wut dazu, und obwohl es auch witzige Abschnitte gab, war mir der Ton in "T.B." insgesamt zu nörgelig. Altaras erzaehlt die interessante Geschichte ihrer Ahnen. Nach dem Tod beider Eltern macht sich das Einzelkind an die Wohnungsauflösung in Giessen. Der Vater Arzt, die Mutter Architektin, Widerstandskämper aus dem titoistischen Jugoslawien, verlassen aus Angst vor "Säuberungen" (obwohl es auch Juden in hohen Ämtern gab) das Land, um sich in der eigentlichen Heimat, Deutschland , niederzulassen. Die Mutter kämpft jahrelang für die Einbürgerung. Die Altaras bauen die jüdische Gemeinde in Giessen wieder auf und fallen in Ungnade, nachdem sie Korruption anprangern. Beim Ausmisten der Wohnung stösst Adriana auf Geliebte des Vaters, vielleicht hat sie einen Halbbruder ? Diese Spur verfolgt sie aber nicht weiter. Schade, es hätte mich interessiert...Fazit: Kein schlechtes Buch, es ist witzig, aber  auch gallig und bitter. "Doitscha" gefiel mir besser."Titos Brille" erhaelt von mir 3,5 von 5 möglichen Sternen.

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    • 3
  • Partisanin des Wortes

    Titos Brille
    Buchperlentaucher

    Buchperlentaucher

    Humorvolle Schriftstellerinnen und Schriftsteller sind so schwer zu finden wie eine Nadel in einem riesigen Heuhaufen. Adriana Altaras  erzählt die tragische Geschichte der Juden (und ihrer Familie)  in Europa vor, im und nach dem 2. Weltkrieg  klar, deutlich und trotzdem mit viel Humor. Von ihren Eltern, beides Partisanen, hat sie gelernt, sich gegen Ungerechtigkeiten auf jüdischer, "deutscher" und sonstiger "Seite" zu wehren.

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    • 2
  • Durchwachsen

    Titos Brille
    Wolly

    Wolly

    24. February 2016 um 12:03

    Inhalt: In Titos Brille erzäht Adriana Altaras aus dem Leben der Familie. Von Kroatien zur Zeit der Nazis, über Italien, Israel und die USA bis zum heutigen Berlin geht die Reise, die vor allem vom Judentum geprägt ist. So sind Berichte aus dem KZ von Rab genauso Teil, wie die Bar-Mitzwa des älteren Sohnes. Politik ist ebenso Thema wie Privates. Meinung: Schwer zu sagen was man von diesem Buch erwarten darf. Ich hatte beim Lesen das Gefühl der Autorin in einem Cafe gegenüber zu sitzen, während sie von ihrem Leben erzählt. Teilweise sehr interessant und lehrreich, teilweise für Aussenstehende langweilig und belanglos. Der größte Pluspunkt für mich waren die Auszüge aus der kroatischen Judenverfolgung, den dies ist ein Land das normalerweise im Geschichtsuntericht eher nebensächlich bleibt. So erfährt man schnell bis dato Unbekanntes. Selbiges gilt auch für die Religion an sich, die Hauptthema ist. Leider gibt es für mich aber auch einen klaren Kritikpunkt. Die einzelnen Anekdoten sind lose aneinander gereiht, so das es schwer fällt sich auf eine Sache zu konzentrieren. Ständige Sprünge in der Zeit, Ortswechsel und eine Vielzahl an Personen machen das Buch umständlich. Eben wie bei jemandem der seine Lebensgeschichte erzählt auch selten chronologisch berichtet wird, weil einem doch noch eine Geschichte spontan einfällt, die man gerne dazwischen schiebt. Fazit: Lesenswert ja oder nein? Schwer zu sagen, ich bereue es nicht, aber ich würde es kein zweites Mal lesen wollen.

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  • Challenge: Literarische Weltreise 2016

    Euphoria
    Ginevra

    Ginevra

        Liebe Lovelybookerinnen und –booker, habt Ihr Lust, im Jahr 2016 auf Weltreise zu gehen – literarisch gesehen? Dann begleitet mich durch 20 verschiedene Lese- Regionen! Die Aufgabe besteht darin... -  12 Bücher in einem Jahr zu lesen;-   Mindestens 10 verschiedene Regionen auszuwählen (zwei Regionen dürfen also doppelt vorkommen);-   Autor und/oder Schauplatz und/oder eine bzw. mehrere der Hauptfiguren müssen zu dieser Region passen.-   Bitte postet Eure Rezensionen und Beiträge bei den passenden Regionen;-   Auch Buchtipps ohne Rezension sind jederzeit willkommen;-   Am Ende des Jahres zählen Eure 12 Rezensionen - bis zu zwei Kurzmeinungen sind erlaubt!-   Eure Beiträge werde ich verlinken;-   Einstieg und Ausstieg sind natürlich jederzeit möglich;-   Genre und Erscheinungsjahr sind egal:-   Hörbücher, Graphic Novels, Biographien, Krimis, Literatur – bei dieser Challenge ist alles erlaubt!Gut geeignet sind z.B. die Bücher verschiedener Literaturpreise oder Empfehlungslisten (Booker- Preis, Preis des Nordischen Rats, ZEIT- Liste zur Neuen Weltliteratur, usw.).Diese Challenge eignet sich also auch hervorragend dazu, den SuB abzubauen, oder um andere Challenges damit zu kombinieren.Unter den TeilnehmerInnen, die die Challenge erfolgreich beenden, verlose ich am Ende des Jahres drei Bücher aus meinen Beständen - natürlich passend zum Thema!Ich freue mich sehr auf Eure Beiträge und werde zu jeder Region ein Unterthema erstellen, so dass es etwas übersichtlicher wird. Einige Tipps und Empfehlungen werde ich schon mal vorab anhängen - Ihr müsst davon natürlich nichts lesen. Dann wünsche ich uns allen...Bon voyage – Buon viaggio - Have a nice trip - Tenha uma boa viagem - Приятной поездкиСчастливого пути - ¡Qué tengas un buen viaje! -旅途愉快!- すばらしい旅行をなさって下さい。-Gute Reise! TeilnehmerInnen:abaAberRushAmayaRoseAriettaArizonaarunban-aislingeachBellastellaBellisPerennisBibliomaniablack_horseBonniereadsbooksBuchraettinBücherwurmBuchinaCaroasCode-between-linesConnyMc CorsicanaCosmoKramerDaniB83DieBertaDunkelblauElkeelmidiGelindeGinevraGingkoGruenentegstGwendolinahannelore259hexepankiInsider2199IraWirajasbrjeanne1302kopikrimielseKruemelGizmoleiraseleneleseratteneuleseleaLeonoraVonToffiefeelesebiene27leucoryxLexi216189lieberlesen21LibriHollylittleowllouella2209MaritaGrimkeMinnaMminorimiss_mesmerizedmozireadnaninkaNightflowerOannikiOrishapardenPetrisPMelittaMPostboteRyffysameaSchlehenfeeschokolokoserendipity3012Sikalsnowi81StefanieFreigerichtstefanie_skysursulapitschiSvanvitheTalathielTanyBeeTatjana89Thaliomeevielleser18wandablueWanderdueneWedmawerderanerWollywunderfitz

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    • 1702
  • Nicht mein Ding

    Titos Brille
    Speckelfe

    Speckelfe

    21. March 2015 um 22:42

    Das Cover und den Klappentext fand ich sehr ansprechend, der Inhalt des Buches von Adriana Altaras hat mich dann nicht wirklich begeistert. Ich bin nicht richtig in die Geschichte reingekommen, hab mich durch 100 Seiten etwas "gequält" und wirklich lustig fand ich's auch nicht. Kommt jetzt wieder in's Regal zurück ...

  • Der Alltag einer jüdischen Familie in Berlin

    Titos Brille
    schokoloko29

    schokoloko29

    11. September 2014 um 14:14

    Inhalt des Buches: Adriane Altaras beschreibt ihren turbulenten und verrückten Alltag mit ihrer jüdischen Familie. Sie lebt in Berlin und muss sich mit dem Tod ihrer Eltern auseinandersetzen. Darüber hinaus soll sie die Wohnung in Göttingen auflösen, bei der seit fast 30 Jahren nichts weggeschmissen wird. Denn "wer wegschmeißt ist Faschist". Dabei stöst sie auf einige Familiengeheimnisse. Eigene Meinung: Dieses Buch ist keine leichte Kost und ich musste es in Etappen lesen. Teilweise war es sehr amüsant; andere Teile waren sehr traurig. Alles in allem hat mir das Buch sehr gut gefallen. Es wird in einem realistischem Ton über das Erbe der Kinder von Überlebenden beschrieben. Fazit: Sehr lesenswert!!

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  • Jüdische Geschichten und Geschichte

    Titos Brille
    Nymphe

    Nymphe

    10. November 2013 um 18:44

    Adriana Altaras ist Schauspielerin, Mutter und Jüdin. In diesem Buch erzählt sie von ihrem turbulenten Leben und von der Geschichte ihrer Famile, von ihren Eltern und ihren Kindern. Sie berichtet vom Leben Ihrer Familie unter den Nazis in Jugoslawien und davon, wie sie im modernen Berlin eine Bar Mizwa organisieren muss. Insgesamt enthielt das Buch von Frau Altaras wirklich viele interessant Fakten für mich. Die Geschichte der Juden in Zagreb wird hier spannend geschildert und auch das Leben der heutigen Juden mit allen Konflikten um alte Traditionen, Auswanderungen und den normalen Gegebenheiten im Alltag war total interessant. Alerdings fehlte mir doch im gesamten Buch ein roter Faden. Natürlich geht es im gesamten Buch um eine Familie, aber Frau Altaras schildert immer nur kurze Episoden, die teilweise in keinem Zusammenhang stehen. Sie versucht alle Geschichten gleichzeitig zu erzählen und hält den Leser auch dadurch auf Distanz. Nie kann man sich auf eine Geschichte wirklich einlassen, immer geht es schnell weiter zur nächsten. So erzählt sie keine Geschichte, sondern nur Geschichten.

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  • Rezension zu "Titos Brille" von Adriana Altaras

    Titos Brille
    UteSeiberth

    UteSeiberth

    13. October 2012 um 18:15

    Die Autorin erzählt witzig und humorvoll die Geschichte ihrer jüdischen Familie von der Zeit der Großeltern in Zagreb bis heute in Berlin.Die Eltern waren ursprünglich bei den Partisanen und da passiert auch die Geschichte mit der Reparatur von Titos Brille,die den Vater zu einem sozialistischen Helden machten.Das Kind Adriana wird in den schwierigen Zeiten herumgereicht bei Verwandten .In Berlin schildert sie nun sehr anschaulich das moderne jüdische Leben und der Höhepunkt ist die Schilderung der Bar-Mizwa des ältesten Jungen in Berlin.Das Ganze liest sich recht erfrischend und ganz unsentimental . Ich freue mich sehr darüber, dass in Berlin wieder jüdisches Leben möglich geworden ist.

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  • Rezension zu "Titos Brille" von Adriana Altaras

    Titos Brille
    goldfisch

    goldfisch

    07. September 2012 um 08:23

    Für mich ist das Buch von Adriana Altaras ein "6 Sterne" Buch. Die Autorin schafft es ganz hervorragend ihr Leben in Berlin mit ihrer Familiengeschichte zu verknüpfen. Von Berlin geht es über Gießen, in das ehemalige Jugoslawien und nach Italien. Nur wenige Familienmitglieder haben den Holocaust überlebt, doch wo sind die Überlebenden geblieben? Ein Buch über das jüdische Leben im heutigen Berlin und eine lange traurige und lustige Geschichte der Familie.Absolut lesenswert!

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  • Rezension zu "Titos Brille" von Adriana Altaras

    Titos Brille
    Rock-n-Roll

    Rock-n-Roll

    16. February 2012 um 16:55

    Das Buch Titos Brille von Adriana Altaras macht zu gleichen Teilen sprachlos, rührt den Leser zu Tränen und lässt ihn immer wieder herzhaft Lachen. Es ist die Lebensgeschichte ihrer Familie, aus Kroatien stammende Juden, die in ihrer Heimat unter Tito als Partisanen gekämpft haben. Aber auch im Sozialismus gab es judenfeindliche Tendenzen, somit reist die Familie zu unterschiedlichen Zeiten aus dem Land, nach Italien, in die Schweiz, schließlich nach Deutschland, ausgerechnet nach Gießen. Dort leben ihre Eltern ein Leben für das Judentum, sie gründen eine jüdische Gemeinde. Als sie hochbetagt sterben, erbt die Tochter die Wohnung mitsamt Einrichtungsgegenständen und Dokumenten eines ganzen Lebens. Sie rekonstruiert anhand der Dokumente das Leben der Familie, die nun in aller Welt verstreut ist, berichtet von schlimmem Leid, aber auch von glücklichen Fügungen und von ihrem eigenen Leben als Schauspielerin und Mutter in Berlin. Der Leser erfährt auch vieles über das Leben deutscher Juden vor allem in Berlin, die Unterschiede zu nach Amerika immigrierten Verwandten, die sie bitten zur Bar-Mizwa der Tochter zu kommen mit den rührenden Worten "Please come, we are your only living relatives." die ansonsten aber völlig den Bezug zu Europa und ihrer Geschichte verloren haben, ebenso wie die Sehnsucht der Eltern nach der Heimat, die Entwurzelung und die Enttäuschung darüber, dass selbst in Jugoslawien, dem Vielvölkerstaat, kein Platz für sie war. Ein sehr lesenswertes Buch, nicht nur weil es ein Stück europäische Geschichte darstellt, die Geschichte jener, die bald nicht mehr unter uns sein werden, derer man sich aber unbedingt immer erinnern sollte. Denen, die ebenso ihre Heimat verlassen musste, im Exil leben, spendet es Trost und gibt Hoffnung, dass zumindest die kommenden Generationen ein besseres Leben haben werden.

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  • Rezension zu "Titos Brille" von Adriana Altaras

    Titos Brille
    Julschaen

    Julschaen

    14. August 2011 um 19:42

    Meine Meinung:

    Für meinen Geschmack doch etwas zu verworren geschrieben, an sich eine schöne Familiengeschichte, leider werden teilweise Szenen vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen. Daher nur drei Sterne.

  • Rezension zu "Titos Brille" von Adriana Altaras

    Titos Brille
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    27. July 2011 um 10:36

    Als ihre Eltern kurz hintereinander sterben und sie in deren verwaisten Gießener Wohnung die Hinterlassenschaft eines ganzen Lebens ordnen muss, da, so nehme ich an, ist in der Schauspielerin Adriana Altaras der Entschluss gereift, das Leben und die Lebensgeschichte ihrer Eltern, deren Bedeutung für ihr eigenes Leben sie bisher nur ausschnittweise begriff, aufzuschreiben. Eingebettet in ihren Lebensalltag mit einem nichtjüdischen Mann, der schon lange viel Verständnis aufbringt für all die Neurosen der Nachkommen der Holocaust-Überlebenden, ihren Kindern, vielen Freunden und ihrem Beruf als Schauspielerin und Regisseurin erzählt sie das Leben ihrer Eltern. Das Sichten der Hinterlassenschaften ihrer Eltern in einer Wohnung, in der vierzig Jahre lang jede Kleinigkeit aufgehoben wurde, vergegenwärtigt Adriana Altaras nicht nur das bewegte Leben des Vaters und der Mutter, sondern konfrontiert die deutsche Jüdin auch mit ihrem eigenen Jüdischsein und einer Zeit in der es lebensgefährlich war, ein Jude zu sein. Wie sie diese Geschichte und die damit verbundenen zahllosen Geschichten erzählt, mit Witz und einem bewundernswerten Humor, wie sie ihre eigene jüdische Identität in Deutschland reflektiert, ohne sie permanent vor sich her zu tragen, das ist als Lektüre unterhaltsam. Ich habe viele Bücher von Autorinnen gelesen, die als Kinder von Überlebenden schreibend versuchten, etwas zu bewältigen von der unendlichen Trauer und Last, die die Eltern ihnen quasi vererbten, vor allem dadurch, dass sie schwiegen. Keines aber hat mich so fasziniert, stellenweise begeistert wie diese „Geschichte meiner strapaziösen Familie“. Da ist der imponierende Vater Jakob, geboren 1918 in Split, der als Medizinstudent in Italien das Dritte Reich überlebte, wobei er den Mut hatte, 40 jüdische Kinder aus Kroatien vor dem Transport in ein Vernichtungslager zu retten. Allein die Geschichte dieses Mannes der Nachwelt zu erhalten, ist das Buch wert gewesen. Nach dem Krieg in der jugoslawischen Parteihierarchie sehr weit aufgestiegen, fiel er 1964 in Ungnade und wurde als Jude aus der kommunistischen Partei ausgeschlossen. Über Zürich floh er nach Deutschland, wo er als Arzt, und später als Professor für Radiologie an der Universität eine Lebensstellung erhielt, wo er später ein Verfahren zur Erkennung von Dickdarmerkrankungen entwickelte, das noch heute angewendet wird. In Gießen gründete er eine jüdische Gemeinde und schaffte es, dass sie Synagoge wieder aufgebaut wurde. Sein Traum war es, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland zu werden, und dort mit den Zuständen, die er immer wieder kritisierte, aufzuräumen. In seiner zweiten Ehe war er mit Thea Altaras verheiratet, einer Architektin, die für ihre Forschungen und Veröffentlichungen zur jüdischen Architektur in Hessen bekannt wurde. Als Tochter dieses rührigen und unruhigen Paares ist Adriana Altaras aufgewachsen. Doch vieles war auch ihr unbekannt, bis sie nach dem Tod der den Vater um kurze Zeit nur überlebenden Mutter die Giessener Wohnung auflösen muss. Die Fotos vor allem sind es, die sie zurückführen in eine Vergangenheit, die heute noch schmerzt: „Ich weiß genau, warum ich keine alten Fotos mag. Geschichten, die nicht einmal im Traum zu verdauen sind.“ Doch sie stellt sich dieser Aufgabe und schreibt alles auf, was sie dabei erlebt. Herausgekommen sind Beobachtungen von inneren und tatsächlichen Reisen durch die Gegenwart und die Vergangenheit, Selbstvergewisserungen einer Jüdin in Deutschland, die die Qualität großer Literatur haben. Denn ihre Sprach- und Erzählkunst ist enorm, der Bogen der Geschichten weit gespannt. Es gelingt ihr, nicht nur in den innerjüdischen Auseinandersetzungen in Deutschland nicht nur zwischen den Zeilen Duftmarken zu setzen, sondern auch dem nichtjüdischen Leser zu vermitteln, wie eine Frau mit dieser Familiengeschichte im Rücken in Deutschland lebt und arbeitet, gerne und bewusst, wie sie immer wieder betont. Ein Buch, das auf warmherzige Weise dem Leser etwas vermittelt von der Geschichte einer jüdischen Familie in Deutschland.

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  • Rezension zu "Titos Brille" von Adriana Altaras

    Titos Brille
    Daphne1962

    Daphne1962

    30. April 2011 um 18:56

    Adriana (abgeleitet von der italienischen Adria) ist Schauspielerin, Regisseurin, Jüdin und gebürtige Jugoslawin. Sie schreibt über ihr Leben mit und ohne Eltern, über ihr Leben in Berlin mit deutschem Mann und 2 Söhnen. Sie schreibt über den Spagat zwischen Juden und Christen zu leben, über das Sterben ihrer Eltern und das Entrümpeln gesammelter Werke in ihrem Elternhaus. Das aber mit einem Humor, obwohl es eigentlich eine unangenehme Sache ist, sein Elternhaus zu entrümpeln. Vor allem, wenn die Eltern 40 Jahre lang alles gesammelt und aufgehoben haben. Manche Dinge sind so ernst und traurig, da kann man gar nicht anders, als Galgenhumor entwickeln. Mit einer Stauballergie in verstaubten Schubladen wühlen müssen. Adriana ist dabei zu einigen wichtigen Erkenntnissen gekommen, das die Kinder oftmals die „Kopien“ ihrer Eltern sind oder das einen die Vergangenheit immer wieder einholt und man sich damit auseinander setzten muss, ob man will oder nicht. Ihre Eltern haben sich voll und ganz ihren Berufen verschrien. Der Vater war Arzt in Gießen und ihre Mutter eine bekannte Architektin. Adriana ist im Internat aufgewachsen, hat aber die Ferien im geliebten Italien mit den Eltern verbracht, bei der auch ihre große Halbschwester aus Zagreb oftmals mitgefahren ist. Die Kindheit verbrachte Adriana zuerst in Italien bei ihrer Tante, die im Krieg dort versteckt wurde und ihren Retter geheiratet hat, aus Dankbarkeit allerdings nur. Später holten ihre Eltern sie nach Gießen, wo sie inzwischen wieder zusammen lebten, im Exil sozusagen. Nun war Adriana völlig hin und hergerissen zwischen 2 Ländern und wurde auch sogleich ins Internat (Waldorfschule) gesteckt, für die nächsten 12 Jahre. Diese Buch erzählt sehr anschaulich, wie sich das jüdische Volk nach Überleben im KZ fühlte, herausgerissen aus ihrer Heimat, auf der Flucht vor den Nazis und später nirgendwo richtig heimisch fühlend im Exil. Die Neurosen, die sich daraus entwickeln sind überall sicht- und hörbar. Auch Unverständnis, warum die Eltern ausgerechnet wieder in Deutschland leben wollten, nachdem was man ihnen angetan hat und wie wenig Willkommen das jüdische Volk war. Ein lesenswertes Buch, mir gefällt der Humor von Adriana sehr.

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  • Rezension zu "Titos Brille" von Adriana Altaras

    Titos Brille
    Clari

    Clari

    Leben nach dem Holocaust in Deutschland, Jugoslawien und in aller Welt. Mit vielseitigem Witz und wohltuendem Humor beginnt Adriana Altaras ihre biographischen Aufzeichnungen über ihre verrückte, amüsante und nach dem Krieg weit verstreute Familie. Sie ist Jüdin, wurde in Zagreb geboren, wo ihr Vater bei den Partisanen um Tito mitmischte. Über sein Leben und das ihrer Mutter erfährt sie aber vieles erst, als die Eltern kurz nacheinander sterben, und sie in der seit vierzig Jahren nicht mehr aufgeräumten Wohnung in Giessen an die Hinterlassenschaft der Eltern gerät. Alte Fotos, Briefe und Aufzeichnungen öffnen ihr die Tür zu ihrer Familiengeschichte, in der es ernsthafte Geheimnisse gab. Ihr Vater flüchtete aus Jugoslawien, als er 1964 im Rahmen der Säuberungen als Jude aus der kommunistischen Partei ausgeschlossen werden sollte. Über die Schweiz ging er nach Deutschland, wo er in Giessen als Arzt und Professor am Universitätsklinikum eine Lebensstellung erhielt. Beim Durchforsten der Hinterlassenschaft gelangen zahlreiche Familiengeheimnisse zutage. Mit jüdischem Scharfblick und aufmerksamer Beobachtung entwickelt die Autorin ein filigranes Familienbild. Von kleineren und größeren Liebschaften des Vaters und über mögliche Geschwister aus diesen Verbindungen ist die Rede, und es wird klar, dass es die Familie mit den jüdischen Riten nicht mehr gar so genau nahm. Dennoch wird die Beerdigung des Vaters natürlich nach jüdischem Ritus begangen. Der Kantor lehnt zum allgemeinen Erstaunen seine Alditüte an den Sarg und begeistert später alle mit seinem Gesang. Die Stimme „ erhebt sich über Religion, Politik, über den Schnee, die Neustadt und das Klinikum in Gießen hinweg“, und alle hängen an „dieser Stimme mit Alditüte“. In munterem Ton, der den Ernst nicht auslässt, erzählt Adriana Altaras lakonisch und frech ihre Familiengeschichte, die bis in die Gegenwart zu ihrem westfälischen Mann und den beiden kleinen Söhnen reicht. Der Bogen ist weit gespannt und lässt uns teilhaben an der besonderen, zugleich distanzierten und doch warmherzigen Erzählkunst, wie wir sie aus vielen jüdischen Beiträgen in der Literatur kennen. Von Jugoslawien und seinen schönen Städten und Stränden, von Tanten, Cousinen und Cousins ist die Rede, die nach dem Holocaust, sofern sie denn überlebt haben, in aller Welt verstreut leben. Man findet sich und freut sich über ein Wiedersehen. Kuriose, dumme Aussagen alter und neuer Nazis mischen die Geschichte auf. Israel, Anlaufstelle für hunderte von Flüchtlingen, ist nicht das ersehnte Ziel aller Geflohenen. Alles in allem geht es in dieser Geschichte um Freiheit und Bindung, um Konventionen, Traditionen und wie weit man seine Vergangenheit hinter sich lassen kann. Als die Bar - Mizwa des Sohnes David naht, wird das Fest mit allen erreichbaren Verwandten so gefeiert, wie sich das nach jüdischem Brauch gehört. Mit ihren Streifzügen durch die Gegenwart und Vergangenheit ist Adriana Altaras eine scharfzüngige und ehrliche Analyse gelungen, wie es sich als Jüdin mit dem Ballast einer Vergangenheit lebt, in der die Welt und das Judentum unterzugehen drohte. Sie bleibt sich treu und ist in ihrer Identität Jüdin geblieben, ohne das als aufdringliche Wahrheit zu verkünden. Auch in ernsten Lagen spart Adriana Altaras die Komik nicht aus, und das Buch gewinnt die Aufmerksamkeit seiner Leser, die sich der klugen und beredt erzählenden Autorin ganz überlassen können.

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