POIROTS ERSTER FALL...
Als Mrs Emily Inglethorp, die Eigentümerin von Styles Court, ermordet wird, ist für alle klar, wer der Mörder ist. Doch Hercule Poirot schöpft Verdacht. Er wirbelt alles durcheinander, bis er auf ein Beweisstück stößt, das zeigt, wie gerissen der wahre Täter ist. (Verlagsbeschreibung)
Wer hat die wohlhabende Mrs Emily Inglethorp auf ihrem Landgut Styles Court vergiftet? Ihr Ehemann Alfred, der es scheinbar auf das Erbe abgesehen hat? Doch auch ihre Stiefsöhne oder die launische Haushälterin könnten die Mörder sein. In seinem ersten Fall nimmt Hercule Poirot alle Bewohner von Styles gründlich unter die Lupe, bis er das fehlende Glied in der Kette gefunden hat.
Dies ist nicht nur Poirots erster Fall, sondern auch Agatha Christies Debütroman. Er spielt im Jahr 1917 auf dem englischen Landgut Styles. Lieutenant Arthur Hastings kehrt nach einer Verletzung im Krieg nach England zurück und besucht dort seinen Freund John Cavendish, der mit seiner Frau Mary sowie mit seinem Bruder auf Gut Styles lebt, das seiner verwitweten Stiefmutter Emily Inglethorp gehört. Die 70-Jährige hat erst vor Kurzem den deutlich jüngeren Alfred Inglethorp geheiratet, den die anderen Familienmitglieder nicht ausstehen können und als Erbschleicher betrachten. In einer tragischen Nacht hat Mrs. Inglethorp schwere Krämpfe. Die Angehörigen brechen die verschlossene Zimmertür auf und hören die Sterbende ein letztes Wort sagen: den Namen ihres Mannes. Der hinzugerufene Hausarzt ist der Überzeugung, dass Mrs. Inglethorp einer Strychnin-Vergiftung zum Opfer fiel. Doch wer war es?
Wie Hastings bekannt ist, sind belgische Flüchtlinge im Dorf untergekommen - unter ihnen auch der berühmte Detektiv Hercule Poirot, den Hastings sehr zu schätzen weiß. Er sucht ihn auf und berichtet ihm von den mysteriösen Vorfällen auf Gut Styles. Poirots Neugierde ist geweckt, und er beginnt auf seine sehr eigene Weise zu ermitteln. Hastings kann bei Weitem nicht alle Schritte nachvollziehen, die Poirot unternimmt, und auch dessen Äußerungen sind für ihn nicht alle verständlich. Zudem nimmt er es dem belgischen Detektiv übel, dass er ihn nicht in alle Erkenntnisse einweiht. Doch trotz aller Bemühungen bleibt es bis zum Schluss spannend, ob es Poirot gelingt, das letzte Glied in der Kette zu finden und den Fall zu klären.
Agatha Christies Debütroman war das Ergebnis einer Wette: Die Autorin, die zuvor noch kein einziges Buch geschrieben hatte, würde es nicht schaffen, eine Detektivgeschichte zu schreiben, bei der der Leser / die Leserin einfach nicht auf den Mörder kommt, obwohl er die gleichen Hinweise erhält wie der Ermittler. Sagen wir so: was mich anbelangt, hat sie die Wette gewonnen. Immer wenn klar zu sein scheint, wer hinter dem Giftmord steckte, dreht die Autorin einem eine lange Nase und weist plötzlich in eine ganz andere Richtung. Das hat nicht nur Hastings verwirrt, sondern sorgte auch beim Hören für Erstaunen. Der Fall ist geschickt konstruiert und spannend. Die Figuren sind zwar teilweise etwas schablonenhaft gezeichnet, erfüllen aber ihren Zweck in dem von Agatha Christie erdachten Familien-Ensemble - und fast jede Person ist verdächtig.
Der Hörbuchsprecher Martin Maria Schwarz liest sehr angenehm (ungekürzte Ausgabe, 6 Stunden und 5 Minuten). Für mein Empfinden spricht er den französischen (belgischen) Akzent von Poirot in der genau richtigen Dosierung (nicht zu übertrieben).
Alles in allem ein guter, alter, klassischer Krimi, der mit einem durchdachten Plot, einem eigenwilligen Ermittler und viel Zeitkolorit auch heute noch eine gelungene Unterhaltung bietet.
© Parden










































