Agnes Hammer

(180)

Lovelybooks Bewertung

  • 282 Bibliotheken
  • 1 Follower
  • 3 Leser
  • 82 Rezensionen
(32)
(76)
(60)
(9)
(3)

Interview mit Agnes Hammer

Beschreibung

Wie lange schreibst Du schon und wie und wann kam es zur Veröffentlichung Deines ersten Buches?

Ich schreibe eigentlich Geschichten, seit ich lesen und schreiben kann, wenn auch mit Unterbrechungen. Vieles ist nie für eine Veröffentlichung gedacht, sondern eher ein Ausprobieren. Der erste Text, der von mir erschienen ist („Bewegliche Ziele“), wurde in der ersten Fassung in ein paar Wochen im Sommer geschrieben und dann – mit großen Pausen dazwischen- zwei Jahre lang immer wieder verändert. Ich habe ihn dann im „Hans-im-Glück“-Wettbewerb der Stadt Limburg eingereicht, und er erreichte dort den dritten Platz. Dann habe ich mich nach einer Agentin umgesehen, und Alexandra Legath von der Agentur Weniger konnte ihn dann bei Loewe unterbringen.

Welcher Autor inspiriert und beeindruckt Dich selbst?

Momentan lese ich alles von Christine Nöstlinger, was ich in die Finger kriegen kann. Vieles habe ich als Jugendliche schon einmal gelesen, und ich bin oft ganz verwundert, an wie viel ich mich erinnere: An bestimmte Wendungen und an bestimmte Ausdrücke, die Nöstlinger in ihren Texten erfindet und die bei mir anscheinend in einem „passiven Lese/Wortschatz“ gespeichert sind. Ich mag Nöstlingers Wienerisch und wie sie „Geschichten von nebenan“ erzählt.

Woher bekommst Du die Ideen für Deine Bücher?

Das ist ganz unterschiedlich. Bei „Bewegliche Ziele“ hatte ich ein Bündel Briefe, die mit mein damaliger Freund aus den JVAs, in denen er saß, geschrieben hat. Damals war ich sechzehn, und lebte nicht gerade in einem behüteten Umfeld. Als ich die eigentliche Idee zu den fünf Jugendlichen in „Bewegliche Ziele“ hatte, machte ich gerade die Weiterbildung zur Anti-Aggressions-Trainerin und musste irgendwohin mit den ganzen Gefühlen, die diese Weiterbildung bei mir ausgelöst hat. Bei „Herz, Klopf!“ habe ich Lissy geträumt und bin mit der Figur im Kopf aufgestanden. Das war merkwürdig, weil alles, was ich mir später für Lissy ausgedacht habe, schon in diesem Traum angelegt war. Die erste Idee zu „Dorfbeben“ hatte ich, als ich meine Mutter auf einer Seniorenfahrt bis nach Rom und Assisi begleitet habe. Das war in den frühen Neunzigern. Ich saß meistens im Bus, schaute auf die Autobahn und träumte mir die Geschichte zusammen. Die Annahme, die ich oft über mich lese, nämlich, dass ich diese Texte schreibe, weil ich sozial benachteiligte Jugendliche unterrichte, ist ziemlich verkürzt. Ich unterrichte diese Jugendlichen, weil ich vieles aus ihrem Leben kenne. Und diese – meine eigenen Erfahrungen – kommen auch in meinen Texten vor.

Wie hältst Du Kontakt zu Deinen Lesern?

Natürlich mache ich Lesungen, und treffe dort Leser und Leserinnen. Oft ergibt sich dann eine Diskussion, die sich um „Gewalt“ dreht und wie man damit umgehen soll. Gewalt, Mobbing und wie man sich dagegen wehrt, ist einfach ein großes Thema. Aber ich lese im Internet auch Blogs, wo sich Leser – meistens sind es ja Leserinnen – ganz unbefangen austauschen. Richtig berührt bin ich, wenn eine Schulklasse eines meiner Bücher gelesen hat, und dann eine Sammelrezension im Netz schreibt. Oft sind das Jugendliche, die sonst nicht lesen, und wenn sie dann etwas mit meinen Texten anfangen können… Das ist schön! Im letzten Jahr habe ich Ausschnitte aus „Bewegliche Ziele“ in die Klasse für den Externen Hauptschulabschluss mitgenommen und daran geübt, Personen zu charakterisieren. Das war für mich sehr spannend, weil die Schüler nicht wussten, dass es Texte von mir waren. Ich hab’s ihnen aber zum Schluss gesagt und mich bedankt. Meine Schüler und Schülerinnen im Berufsbildungszentrum wissen normalerweise nicht, dass Bücher von mir erschienen sind. Die Leseeindrücke der Jugendlichen in meinem privaten Umfeld, meine Nichten und von Mädchen, die ich vom Reitstall her kenne, sind oft ehrlicher und in gewisser Weise „unverbildeter“ als die der Erwachsenen, und das hilft mir viel für den Text, an dem ich arbeite.

Wann und was liest Du selbst?

Da ich kein Auto habe, lese ich oft in der Straßenbahn und im Zug. Und abends im Bett, oder Sonntag nachmittags auf dem Sofa. Wenn mich ein Buch richtig packt und ich am nächsten Tag nicht früh aufstehen muss, lese ich auch schon mal eine Nacht durch. Ich lese alles – also momentan bin ich ja in der Nöstlinger-Phase - und halte die Unterscheidung zwischen Unterhaltungs- und ernster Kultur für Quatsch. Ein Text darf anstrengend sein, darf mich ärgern oder mich zum Heulen bringen. Ansonsten halte für mich an das, was Joyce Carol Oates sagt: „Lies viel und ohne dich dafür zu entschuldigen. Lies, was du lesen willst und nicht, was du lesen sollst.“