Mit der Flut

von Agnes Krup 
4,5 Sterne bei4 Bewertungen
Mit der Flut
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buecher-beas avatar

Großer Familienroman, gute und emsige Recherche und ein enormes Geschick, Sachen zwischen den Zeilen zu schreiben - großartig!

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Inhaltsangabe zu "Mit der Flut"

Finkenwerder bei Hamburg, 1923: Paul ist fast noch ein Junge, als er sich als blinder Passagier auf einen Überseedampfer nach New York schleicht. In der neuen Welt will er sein Glück suchen, denn der elterliche Obsthof ist ihm schon lange zu klein und zu eng. In Brooklyn gelingt es ihm Fuß zu fassen, und als er Antonina kennenlernt, deren Familie aus Sizilien eingewandert ist, scheint er ein neues Zuhause zu finden. Doch um seinen größten Traum zu verwirklichen und Arzt zu werden, muss Paul zurück zu seiner Familie nach Deutschland - und betritt im Jahr 1937 ein Land, das er kaum wiedererkennt. Damit wird auch Antoninas Liebe zu ihm auf eine härtere Probe gestellt, als sie es sich je hätte träumen lassen. Agnes Krup erzählt, inspiriert vom bewegten Leben ihres Großonkels, eine so dramatische wie faszinierende deutsche Familiengeschichte.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783492314091
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:544 Seiten
Verlag:Piper
Erscheinungsdatum:01.03.2019
Das aktuelle Hörbuch ist am 02.10.2017 bei OSTERWOLDaudio erschienen.

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    buecher-beas avatar
    buecher-beavor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Großer Familienroman, gute und emsige Recherche und ein enormes Geschick, Sachen zwischen den Zeilen zu schreiben - großartig!
    realistische Familiengeschichte

    Agnes Krup – Mit der Flut


    Paul Benitt, jüngster Spross einer Obstbauernfamilie aus Finkenwerder, gelangt 1923 als 18-jähriger nach New York und möchte dort sein Glück machen. Auf der Überfahrt ist ihm klar geworden, dass er trotz seiner erfolgreichen Arbeit als Tischlergeselle Arzt werden möchte.

    Aber die Zeiten und der Start in der Fremde sind schwer: Prohibition, Inflation und viele Menschen, die ebenfalls ihr Glück suchen, aber auch das Heimweh nach Finkenwerder bestimmen die ersten Jahre von Paul in New York. Doch dann lernt er Antonina kennen, eine Arbeitskollegin, die ebenfalls 1923 aus Sizilien emigrierte.

    Aber der Traum vom spezialisierten Arzt für Frühgeburten lässt ihn nicht los.... Als seine Mutter ihm anbietet, das Studium zu finanzieren, wenn er es in Hamburg absolviert, entscheidet er sich 1937 für eine Rückkehr nach Deutschland.

    Antonina will auf ihn warten und träumt von einem kleinen gemeinsamen Stadthaus in der Nähe der Eltern, wenn Paul in vier Jahren wiederkommt ...


    Ein großer Familienroman, alle Personen werden belichtet und mit Aufmerksamkeit bedacht, viele kommen in anderen Szenen erneut vor, manchmal auch ihre Nachkommen. Diese vielen fein ausgeschmückten Biografien werden gespiegelt im großen Rad der Zeitgeschichte (1920 - 1967).

    Die Autorin nutzt an allen Handlungsorten regionale Begriffe und Mundart, in der wörtlichen Rede auch viel Plattdeutsch. Das macht den Text authentisch und zeigt, wie gut er recherchiert ist.

    Das, was nicht geschrieben wird, macht den Roman interessant, realistisch und teilweise auch schockierend. Man muss zwischen den Zeilen lesen können und hat am Ende mit dem Prolog noch einmal die Möglichkeit, einen ganz neuen, brisanten Ausgang über das Ende hinaus zu erahnen. Diese Eigenart verbindet den Roman auf spannende Weise mit der Familie des Protagonisten, wo auch wenig Worte reichen, um eine Situation zu erfassen.

    Ich kann mir nicht vorstellen, das Buch jemals als Film zu sehen, da auf der Stirn immer das Verwandschaftsverhältnis stehen müsste, um dem Genuss des Lesens nachkommen zu können. Aus diesem Grunde empfehle ich auch die Nutzung eines haptischen gedruckten Buches, damit man noch einmal zurückblättern kann.

    Meiner Meinung nach ist der Roman ein lesenswertes Stück von grenzenloser Hingabe und Treue, von Verrat und Verhinderungstaktik, vom Weglaufen, Bleiben und Zurückkehren.

    Es ist, als ob Paul mit dem Strom, mit der Flut, schwimmt ....


    Da ich ein Leseexemplar mit 460 Seiten hatte, kann es sein, dass mein Eindruck bei der Originallektüre abweichen würde.


    Gebundene Ausgabe:

    Piper, 10/2017

    544 Seiten


    Taschenbuch:

    Piper, 03/2019

    544 Seiten

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    Buchraettins avatar
    Buchraettinvor 8 Monaten
    Für Fans von Familiengeschichten, anschaulich beschrieben

    Mir hat die Figur von Paul gefallen. Er will etwas erreichen im Leben, nicht immer nur Tischler sein in Hamburg. Es zieht ihn in nach Amerika. Auf der Überfahrt verdient er sein Geld auch als eine Art Assistent des Doktors und verspürt dabei, dass er die Medizin mag. Doch auch in Amerika angekommen ist der Weg steinig, aber er ist zielstrebig und ehrgeizig.
    Der Prolog spielt im Jahr 1969 und erzählt von Paul und Antonias Leben. Dann springt die Geschichte zurück in die Vergangenheit und der Leser beginnt seine Lesegeschichte im Jahr 1920 in Finkenwerder.
    Als Leser begleite ich Paul auf seinem Weg nach Amerika, erlebe sein Leben, seinen Ehrgeiz, seine beruflichen Weg mit. Nebenbei wird auch Antonias Lebensweg erzählt und ich mochte die Szenen, wenn die Wege dieser beiden Familien sich treffen und ich als Leser eine Art Aha- Effekt beim Lesen erhalte.
    Die Figuren waren sehr gut dargestellt. Sie sind lebendig, bekommen viel Tiefe, durch die zeitliche Darstellung ihrer Geschichte.
    Im Laufe der verschiedenen Abschnitte springt die Erzählung zwischen Amerika und Deutschland hin und her, da hätte ich mit im Buch auch noch über den Abschnitten eine Kennzeichnung gewünscht.
    Ein kleines feines Detail ist das Lesebändchen im Buch, das rundet für mich das Buch sehr gut ab.
    Das Buch unterteilt sich in 6 Abschnitte, die jeweils eine zeitliche Abfolge behandeln.
    Es ist eine Geschichte für Liebhaber von Familiengeschichten, die auch Jahrzehnte überdauern und eine Art Lebensgeschichte der Figuren darstellt. Anschaulich beschrieben und fesselnd zu lesen. Auch für Hamburg und Alte Land Fans zu empfehlen.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr
    Von Deutschland nach Amerika und wieder zurück


    Paul Benitt ist in Finkenwerder, einem Hamburger Stadtteil südlich der Elbe, aufgewachsen. Kein einfaches Leben - ist dieses doch von harter Arbeit der Familie auf den Streuobstwiesen geprägt, während der Sohn eine Lehre zum Tischler absolviert. Doch eigentlich treibt Paul ein ganz anderer, großer Traum um...
    1923 lässt er schließlich seine Familie und sein bisheriges Leben hinter sich und kommt als blinder Passagier eines Überseedampfers in die Vereinigten Staaten von Amerika. Dort scheinen all seine Wünsche in Erfüllung gehen zu können: er kann sich frei entfalten, hat Zugang zu guter Bildung und somit auch bessere Arbeit in Aussicht als in der alten Heimat. Doch ganz so leicht gestaltet sich das neue Leben nicht, denn New York ist kein allzu einfaches Pflaster. Die Lebenskosten sind hoch und Pauls Arbeit in einer Fabrik ist auch nicht gerade erfüllend. Zum Glück kann er auf seinen gelernten Beruf bauen und dann ist da vor allem auch die Tatsache, dass Paul Antonia kennenlernt - eine junge Frau, die als Kind von Italien in die USA ausgewandert ist. Kann jetzt noch etwas schief gehen?
    Paul hat noch einen Traum - er möchte sehr gerne Medizin studieren. Diese Möglichkeit hätte er in Deutschland und dies bringt Paul schließlich dazu, 1937 nach Deutschland zurückzukehren - ein Land, dass er nach all den Jahren kaum wiedererkennt. Noch dazu bleibt seine große Liebe Antonia in New York - mit der Hoffnung, dass Paul nach Beendigung des Studiums wieder zu ihr zurückkommt und die beiden heiraten. Was das Paar nicht ahnen kann: es wird ihnen ein Weltkrieg dazwischen kommen...


    Zugegebenermaßen werde ich bei solchen Romanen immer hellhörig. Mein eigener Großonkel, der für mich wie ein Großvater war, ist als Sechzehnjähriger von zuhause ausgebüxt und 1923 über Bremerhaven in die USA ausgewandert. Auch er hat seinen amerikanischen Traum gelebt und sich dank harter Arbeit nach oben gearbeitet - also nicht immer eitel Sonnenschein, aber dennoch stetig zum Positiven. In seiner alten Heimat war das Leben deutlich härter - meine Urgroßmutter musste ihre Kinder des öfteren hungrig ins Bett schicken.
    So hat mich Pauls Geschichte per se natürlich an meinen Onkel erinnert - auch wenn es in diesem Fall erst Ende der 50er wieder zu einem kurzen Besuch in Deutschland kam. Paul lebt hingegen nach seinem Neuanfang in New York ab 1937 wieder in Deutschland - und bleibt durch die historischen Umstände schlussendlich länger als ursprünglich als geplant.


    Paul Benitt ist eine durch und durch realistische Figur. Das liegt vor allem an seiner Art, alles zu hinterfragen und öfter mal unzufrieden zu sein. In ihm ist schon früh die Saat aufgegangen, nach Besserem zu streben und dafür auch sämtliche Zelte abzubrechen und Neuanfänge zu wagen. Dadurch ist er aber stetig von einer inneren Unruhe befallen; einem Zustand, der ihn nicht nur zu einem regelmäßigen Kampf treibt, sondern ab und an auch regelrecht zu quälen scheint. Zum Glück gibt es mit Antonia immerhin einen Gegenpol zum eher unterkühlten norddeutschen Paul.


    "Mit der Flut" widmet sich weniger den historischen Gegebenheiten, die aber ohne Frage den Rahmen vorgeben und durchaus skizziert werden, sondern viel eher den Charakteren, ihren Entwicklungen und ihrem täglichen Kampf mit dem (Über-)Leben.


    Die Autorin hat hier keine klischeehafte Auswanderergeschichte vorgelegt, dafür eine durch und durch ehrliche, manchmal harte Geschichte einer Suche nach einem besseren Leben. Agnes Krups Fokus liegt dabei eindeutig auf ihren glaubhaften Charakteren und setzt nicht auf Sympathieträger, die den Leser sofort für sich gefangen nehmen. Vielleicht kein geschmeidig dahinfließender Roman - für mich aber eine spannende Geschichte, die ich richtig gerne gelesen habe.

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    gagamauss avatar
    gagamausvor einem Jahr
    Mit der Flut

    1923 schleicht sich der halbwüchsige Paul Benitt mit Hilfe seines Freundes auf ein Überseeschiff und gelangt so schließlich nach New York. Schon immer hatte er eine unstillbare Sehnsucht in sich und er hofft, dass er sie im fernen Amerika erfüllt findet. Aber erst einmal muss er in dieser überbordenden Stadt voller Einwanderer sein Überleben sichern. Er hat Glück und ist bald als Tischler erfolgreich. Jahre später verliebt er sich in die italienische Einwanderers-Tochter Antonia und auf den ersten Blick scheint sein Glück perfekt. Aber die Sehnsucht ist geblieben und hat sich in Gestalt eines unerfüllten Berufswunsches manifestiert. Schließlich kehrt er alleine nach Deutschland zurück, um dort endlich das Arzt-Studium aufnehmen zu können, von dem er sich die Erfüllung seiner Wünsche erhofft. Antonia bleibt in New York zurück mit dem Versprechen vertröstet, er werde zurückkommen und sie heiraten. Aber nach dem Studium kommt der Krieg den beiden in die Quere. Und Paul ist unsicher, ob er überhaupt zurückkehren möchte.

    Ich habe mich mit dem Hauptdarsteller Paul sehr schwer getan. Er ist ein unterkühlter und sehr rational denkender Mann. Einer, der oberflächlich gut mit Menschen kann, solange, bis sie einem sehr nahe kommen und spüren, dass es ihm in Wirklichkeit schwerfällt, für andere die nötige Empathie aufzubringen. Auch ist er verschlossen und kann seine Gefühle nie wirklich in Worten ausdrücken. Ganz anders Antonia, die das Herz auf der Zunge trägt, die in einer Liebe und Treue an ihm hängt, die er nicht verdient hat. Dieses Ungleichgewicht der Gefühle empfand ich bald als sehr traurig, teilweise richtig bedrückend.

    Das Buch schreitet flott durch die Zeit, überspringt hie und da mal ein paar Jahre, lebt davon, dass es sehr viele Briefe gibt – vor allem von Antonia, aber auch von Paul – die dem Leser die Personen und ihre Erlebnisse näherbringen. Die historischen Geschehnisse des Krieges werden nur marginal gestreift und sind für die Geschichte nur insofern wichtig, als sie Paul länger in Deutschland halten, als er es anfangs geplant hatte und dass er natürlich Kriegserlebnisse mit sich herumträgt.

    Die Autorin erzählt eine fiktive Geschichte, die in Teilen wohl an die Erlebnisse ihres Onkels angelehnt ist. Die Liebesgeschichte ist nicht so romantisch und hoffnungsvoll, wie ich es mir wohl erwartet hatte. Auch war es mir fast ein wenig Zeitkolorit. Dennoch ein Buch, welches ich gerne gelesen habe, da die Sprache von Agnes Krup es schafft, die zwischenmenschlichen Abgründe sehr treffend und feinfühlig zu erzählen.  

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