Agnes Ravatn

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Agnes RavatnDas Vogeltribunal
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Das Vogeltribunal
Das Vogeltribunal
 (7)
Erschienen am 08.09.2015

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Rezension zu "Das Vogeltribunal" von Agnes Ravatn

Das Vogeltribunal (Agnes Ravatn)
PoldisHoerspielseitevor 3 Jahren

Allis, die erfolgreich als Dozentin arbeitet, ist trotz ihrer Ehe eine Affäre eingegangen. Von Schuldgefühlen geplagt flieht sie in die Einsamkeit der Fjorde, wo sie dem mysteriösen Mittvierziger Sigurd im Haushalt und Garten unterstützen soll. Kommunikation mit ihr möchte der Hausherr so weit wie möglich vermeiden, dennoch kommen sich Allis und Sigurd langsam näher – und auch ihre Geheimnisse können sie nicht mehr voreinander verbergen...
 
„Das Vogeltribunal“ - ein merkwürdiger Titel für ein Buch, der sich als Thriller bezeichnet und dem das oben genannte Setting zugrunde liegt. Erst im Laufe des Romans erschließt sich, warum Autorin Agnes Ravatn diesen gewählt hat, so wie sich so einiges erst im Laufe der Zeit offenbart. Der Start ist dabei ziemlich ruhig geraten, dennoch meint man hinter jeder Regung einen großen Knall zu vermuten, Ravatn versteht es, ihre Leser auf die Folter zu spannen und sehr hintergründig zu schreiben. So gewöhnt man sich wie Allis langsam an den Alltag am abgeschiedenen Fjord und ist ebenso fasziniert von Sigurd, der eine wunderbar undurchschaubare Figur ist. Nur tröpfchenweise erhält man neue Informationen über ihn, die man gierig in sich aufsaugt und selbst versucht zusammenzusetzen. Immer neue Theorien entwickelt man, eine nach dem anderen wird verworfen, bis wirklich ganz am Schluss die Wahrheit offenbart wird. Wie Ravatn hier alles verknüpft hat, wie sehr sie auch Allis Person im Dunkeln lässt, ist sehr unterhaltsam geschrieben. Besonderen Reiz erhält der Roman jedoch mit der Verknüpfung mit den nordischen Göttersagen um Baldur und Loki, die sich thematisch wunderbar mit der Handlung ergänzen, so werden viele starke Bilder geschaffen.
 
Dass sich ein Roman so extrem auf nur zwei Figuren bezieht und diese handeln lässt, ist ungewöhnlich und erfordert dementsprechend starke und präsente Charaktere. Gerade bei Sigurd ist dies bestens gelungen, seine Zurückhaltung, aber auch seine dominante Art, seine geheimnisumwitterte Vergangenheit lassen ihn sehr eindringlich wirken und üben eine große Faszination aus. Allis hingegen bleibt manchmal etwas blass, sie scheint vieles einfach mit sich machen zu lassen, auch ihre Neugier ist scheinbar nur dann wirklich ausgeprägt, wenn es die Autorin für ihre Handlung benötigt. Die verwendete Sprache liest sich dabei sehr flüssig, mit prägnanten Sätzen und einer vielfältigen Wortwahl wird eine lebendige Atmosphäre erzeugt.
 
„Das Vogeltribunal“ ist ein ungewöhnlicher Roman, der mit einer düsteren und dichten Atmosphäre punkten kann. Die vielen Geheimnisse, die die beiden Charaktere umgeben, werden langsam aufgedeckt und werden gelungen mit den nordischen Göttersagen verknüpft. Dabei ist die Auflösung durchaus überraschend und enthält einige sehr interessante Details.

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Seehase1977s avatar

Rezension zu "Das Vogeltribunal" von Agnes Ravatn

Das Vogeltribunal
Seehase1977vor 3 Jahren

Zum Inhalt:
Allis hat für eine Affäre alles aufs Spiel gesetzt – und verloren. Sie will ganz schnell ganz weit weg von ihrem alten Leben, von ihrem Ehemann und ihren Eltern und tritt eine Stelle bei Sigurd Bagge an, der eine Anzeige aufgegeben hat und den Sommer über eine Hilfe für Haus und Garten sucht. Bagge ist, wider Erwarten, kein alter hilfsbedürftiger Mann wie Allis vermutet sondern ein wortkarger, verschlossener und nicht unattraktiver Mitvierziger. Sigurd setzt Allis klare Grenzen, sie soll Haus und Garten in Schuss halten, für ihn kochen, ansonsten soll sich der Kontakt nur auf das Nötigste beschränken, auch das Essen will Bagge ausschließlich alleine einnehmen. Auch wenn die Arbeit in und um das einsame Haus am Fjord die meiste Zeit des Tages in Anspruch nimmt, so sind Sigurd und Allis aber doch aufeinander angewiesen und kommen sich zwangsläufig immer näher. Allis beginnt, mehr über Sigurd in Erfahrung zu bringen und entwickelt zaghafte Gefühle für Bagge. Doch wenn man sich zu nahe kommt, kann man auch nichts mehr vor dem anderen verbergen …

„Das Vogeltribunal“ ist das zweite Buch von der Schriftstellerin Agnes Ravatn. Der Titel, der interessante Klappentext sowie die Tatsache, dass das Buch nur knapp über 200 Seiten hat, haben mich neugierig auf diesen Thriller gemacht. Ich wurde nicht enttäuscht, auch wenn es diesem Buch an Brutalität und Hochspannung fehlt, wie man es aus vielen anderen Thrillern gewohnt ist, „Das Vogeltribunal“ besticht durch eine ruhige, ja fast friedliche Erzählweise und doch spürt man als Leser instinktiv, dass dies nur die Ruhe vor dem sogenannten Sturm sein kann. Die Geschichte lebt durch seine beiden und so gut wie einzigen Protagonisten Allis und Sigurd, von deren Charakter und Leben die Leser nur bruchstückhaft erfahren, die Hintergründe dadurch aber seltsam verschwommen bleiben. Die teilweise undefinierbare Stimmung zwischen den beiden hat die Autorin meines Erachtens genial eingefangen. Mal spürt man zaghafte Zuneigung, leises Glück und mal das Böse, das abwartend und lauernd zwischen Bagge und Allis schwebt. Gut gefallen hat mir auch, dass die Autorin sehr geschickt die Sage über Gott Balder aus der germanischen Mythologie einbaut und sich dem Leser dadurch über Umwege auch der Buchtitel erschließt.

Die Autorin Agnes Ravatn hat mit „Das Vogeltribunal“ einen düsteren, mystischen und bedrückenden Thriller geschrieben, der wunderbar ohne reißerische Szenen, permanente Hochspannung und rasante Szenenwechsel auskommt und mir gerade wegen seiner ruhigen Erzählweise, zwischen deren Zeilen doch etwas Beunruhigendes schwebt, sehr gut gefallen hat. Das Ende war, je weiter man mit dem Buch vorankam, dann leider doch etwas vorhersehbar. Weswegen ich ein Stern abziehe. Trotzdem gibt es eine Leseempfehlung von mir, ein Buch, das absolut in diese triste und graue Jahreszeit passt!

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sommerleses avatar

Rezension zu "Das Vogeltribunal" von Agnes Ravatn

Von Schuldgefühlen verfolgt
sommerlesevor 3 Jahren

"*Agnes Ravatn*" wurde 1983 geboren und arbeitet als Journalistin bei einer großen norwegischen Tageszeitung.  2007 schrieb sie ihren ersten Roman.   "*Das Vogeltribunal*" ist ihr zweites Buch und wurde mit einem wichtigen norwegischen Radiopreis ausgezeichnet.
Das Buch erscheint im "*btb Verlag*".


Die Dozentin Allis hat für eine Affäre alles aufs Spiel gesetzt – und verloren. Ihre Ehe besteht weiterhin, doch sie flieht aus ihrem bisherigen Leben. Sie antwortet auf die Anzeige von Sigurd Bagge, der für den Sommer jemanden sucht, der ihm in Haus und Garten hilft. Sie rechnet mit einem älteren pflegebedürftigen Mann, doch Bagge entpuppt sich als in sich gekehrter wortkarger Mittvierziger. Er bestimmt die Spielregeln von Allis Arbeit, die sich auf drei Mahlzeiten und Garten- und Hausarbeit beschränkt. Er sucht keine Konversation oder Zerstreuung und geht Allis aus dem Weg. In dem einsamen Haus am Fjord sind beide aber aufeinander angewiesen und kommen sich zwangsläufig immer näher – doch wer sich zu nahe kommt, kann nichts mehr vor dem anderen verbergen.


Dieser Thriller hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen.
Dabei geht es sehr ruhig los, aber die Autorin schafft gerade mit dieser vermeintlichen friedlichen Ruhe eine Ruhe vor dem Sturm. Man ahnt, hier wird noch etwas passieren. Es macht sich eine bedrohliche Ahnung breit, die Gefährliches ankündigt. 

Die Charaktere geben langsam Geheimnisse preis und stellen sich dennoch nicht wirklich dem Leser vor. Man ahnt mehr als man von ihnen weiß. Das liegt auch an den Dialogen zwischen den Protagonisten, die mehr fragen als antworten. Doch gerade das macht den Reiz dieser Geschichte aus.

Das friedlich wirkende Leben am Fjord in der Abgeschiedenheit zeigt wie einsam die beiden Menschen hier leben. Dabei nimmt ihr Alltagsleben von Garten- und Hausarbeit den Großraum des Tages ein. Ansonsten gehen sich Allis und Sigurd mehr oder weniger aus dem Weg.
Allis findet immer mehr über Sigurds Vergangenheit heraus. Sie kommt ihm langsam näher und entwickelt Gefühle für Sigurd. Dieser wirkt schon sehr wortkarg und einsiedelhaft, man freut sich schon, wenn er mal lächelt oder Humor zeigt. Er macht Allis klar, dass er das Sagen hat. Allis fügt sich und macht ihre Arbeit. Doch sie sitzen auch häufiger zusammen und trinken viel Alkohol. Das sind dann gemeinsam verbrachte,  gemütliche Zeiten. 

Allis erzählt ihm eine nordische Heldengeschichte über den Gott Balder, die sich inhaltlich um Töten, und daraus folgernd um Schuld und Buße dreht. Damit bezieht sich Allis auch auf ihr eigenes Leben und Sigurd scheint aus für sich Wichtiges aus der Geschichte zu ziehen.
Diese Einbindung schafft die Aussage des Verbüßens von Schuld, die auf den Schuldigen früher oder später immer zurück kommt.

Diese Sage hat mich erst etwas verunsichert, aber dann doch inhaltlich erschlossen. Zu dieser Mythologie passen auch die Angriffe von Vögeln, die am Fjord geschehen. 
Sigurd Bagge wird von Geschehnissen verfolgt, die Erinnerung an Schreckliches lässt ihm gedanklich keine Ruhe. So kreisen auch die Vögel wie drohende Erinnerungen über ihm.

Die manchmal nicht einzuschätzende Stimmung der beiden Personen untereinander, beängstigt, baut bedrohliche Spannung auf und lässt Böses ahnen. Ich möchte an dieser Stelle nicht das Ende verraten.
 
Dieser Thriller ist ein wenig bedrückend, wirkt mythisch und ist mal ein Buch, das in der Ruhe des Erzählstils seine Spannung aufbaut. Ein Buch für die dunkle Jahreszeit, mit Gewitter und Hagelschauer sicher noch besser wirkend.

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