Agota Kristof

 4.2 Sterne bei 229 Bewertungen
Autor von Das große Heft, Die Analphabetin und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Agota Kristof

Agota Kristof, geboren 1935 in Csikvánd in Ungarn, verließ ihre Heimat während der Revolution 1956 und gelangte über Umwege nach Neuchâtel in die französischsprachige Schweiz. Als Arbeiterin in einer Uhrenfabrik tätig, erlernte sie die ihr bis dahin fremde Sprache und schrieb auf Französisch ihre erfolgreichen Bücher, die in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt wurden. Sie wurde mit zahllosen Preisen geehrt wie 2001 mit dem angesehenen Gottfried-Keller-Preis, dem Österreichischen Staatspreis für Literatur sowie dem Kossuth-Preis in ihrem Geburtsland Ungarn. Agota Kristof starb Ende Juli 2011 nach längerer Krankheit in Neuchâtel.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Agota Kristof

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Cover des Buches Das große Heft9783492300421

Das große Heft

 (81)
Erschienen am 14.05.2012
Cover des Buches Die Analphabetin9783492972413

Die Analphabetin

 (42)
Erschienen am 10.08.2015
Cover des Buches Der Beweis9783492972406

Der Beweis

 (26)
Erschienen am 10.08.2015
Cover des Buches Die dritte Lüge9783492972420

Die dritte Lüge

 (20)
Erschienen am 10.08.2015
Cover des Buches Irgendwo9783492309387

Irgendwo

 (20)
Erschienen am 14.09.2015
Cover des Buches Gestern9783492972390

Gestern

 (10)
Erschienen am 10.08.2015
Cover des Buches Monstrum9783492972451

Monstrum

 (0)
Erschienen am 10.08.2015

Neue Rezensionen zu Agota Kristof

Neu

Rezension zu "Das große Heft" von Agota Kristof

Weltliteratur!
Tausendléxivor einem Monat

In den Wirren des Zweiten Weltkrieges bringt die Mutter ihre Zwillingsjungen, aufs Land, zu ihrer eigenen Mutter. Der Plan: Die Jungen sollen hier diese furchtbare Zeit lebend überstehen können. Die Großmutter der Jungen zeigt sich als eine gefühllose und unbarmherzige Frau.                  Im Dorf nennt man sie nur > Die Hexe <.

Die Zwillinge sind zwei kleine Jungen, die mit ihrer überaus intelligenten Hellsichtigkeit sich für ihr weiteres Leben wappnen wollen. Sie werden zu gefühlskalten Überlebensprofis. Mit Übungen zur Abhärtung des Geistes, des Körpers und auch der Übung in Grausamkeit verbringen sie ihre Tage in der Symbiose des daseins als Zwilling. Alle Übungen und Erfahrungen werden schriftlich in einem Heft festgehalten. 

> Wir schreiben:> Wir essen viele Nüsse<, und nicht : > Wir lieben Nüsse<, denn das Wort > lieben< ist kein sicheres Wort, es fehlt ihm an Genauigkeit und Sachlichkeit. > Nüsse lieben < und > unsere Mutter lieben < kann nicht dasselbe bedeuten. Der erste Ausdruck bezeichnet einen angenehmen Geschmack im Mund und der andere ein Gefühl.<

Was Agota Kristof in ihrem Roman – Parabel beschreibt, ist nicht immer leicht zu ertragen. Denn sie schreibt vom Krieg, vom unsäglichen Leiden, von sexuellen Perversionen, von schlimmen Verbrechen und vom unausweichlichen Tod. Und doch ist dieser Roman durchzogen mit sanfter Liebe in ihrer reinsten Form. Die Autorin hat ihre Worte klar und verständlich gewählt, keines ist zu viel, so treffen sie wohl am besten. Die Geschichte um die Zwillinge verlangt dem LeserIn so einiges ab, denn er zeigt die Facetten der Gewalt und der Abnormität. Doch in der Tat fühlt man sich zu den Jungen hingezogen und möchte sie beschützen. Diese zwei? > Das große Heft < gehört für mich klar und deutlich zur Weltliteratur und verdient eine absolute Leseempfehlung. 

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M

Rezension zu "Das grosse Heft" von Agota Kristof

protokoll einer kindheit
maschaschneidervor 3 Jahren

die in die schweiz emigrierte und auf französisch schreibende ungarische schriftstellerin agota kristof gehört für mich zu den wortmagierinnen unserer zeit. in knappen sätzen schildert sie eindringlich die verrohung unserer gesellschaft, schnörkellos und schonungslos. 

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Rezension zu "Die Analphabetin" von Agota Kristof

Autobiografische Erzählung, die nachdenklich macht und ein guter Einstieg in Agota Kristofs Werk
Devonavor 4 Jahren

Agota Kristofs “Das große Heft” stand schon länger auf meiner Leseliste, mittlerweile habe ich es auch gelesen. Aufgrund des Themas und der zwar meisterhaften, aber doch extrem radikalen Umsetzung in Stil und Sprache ist es ein Buch, welches man nicht mal eben einfach so als Lektüre “empfehlen” kann. Deshalb verzichte ich auch auf eine Rezension und empfehle stattdessen die Auseinandersetzung des Lesers mit der Autorin, um später selber zu entscheiden, ob und was man von ihr lesen möchte. Es lohnt in jedem Fall und “Die Analphabetin” eignet sich dazu ausgezeichnet.

Viel mehr als im Klappentext beschrieben, passiert in dem unscheinbaren 80-seitigen schmalen Bändchen “DIe Analphabetin” nicht und doch macht diese autobiografische Erzählung sehr nachdenklich. Agota Kristof schildert mit vielen kleinen Begebenheiten aus ihrer Kindheit in Ungarn zunächst, wie ihr die Liebe zu Wort und Sprache quasi in die Wiege gelegt wurde und für sie als Kind schon klar wurde, dass sie einmal Schriftstellerin werden will. Mit dem Schreiben und der Aufführung kleiner Theaterstücke machte sie sich das Leben in einem staatlichen Internet im Nachkriegsungarn -Lesen in der Freizeit war tabu- erträglich und schildert den kommunistischen Irrsinn einer totalitären Bildungspolitik.

Als ich neun Jahre alt war, zogen wir um. Wir wohnten dann in einer Grenzstadt, in der mindestens ein Viertel der Bevölkerung Deutsch sprach. Für uns, die Ungarn, war das eine Feindessprache, denn sie erinnerte an die österreichische Herrschaft, und es war auch die Sprache der fremden Soldaten, die unser Land damals besetzten.

Ein Jahr später besetzten andere fremde Soldaten unser Land. In den Schulen wurde die russische Sprache Pflicht, andere Fremdsprachen waren verboten.

Niemand kann die russische Sprache. Die Lehrer, die Fremdsprachen unterrichteten, Deutsch, Französisch, Englisch, besuchen einige Monate lang Schnellkurse in Russisch, aber sie können diese Sprache nicht richtig und haben keine Lust, sie zu unterrichten. Und die Schüler haben keine Lust, sie zu lernen.

Es handelt sich um eine landesweite geistige Sabotage, einen natürlichen, nicht abgesprochenen, selbstverständlichen passiven Widerstand.

Mit dem gleichen Mangel an Begeisterung werden Geographie, Geschichte und Literatur der Sowjetunion unterrichtet und gelernt. Eine Generation von Unwissenden geht aus den Schulen hervor.

So stehe ich mit einundzwanzig Jahren, bei meiner Ankunft in der Schweiz und ganz zufällig in einer Stadt, in der man Französisch spricht, vor einer mir vollkommen unbekannten Sprache.

Sie flieht mit Mann und Kind während des Ungarischen Volksaufstandes von 1956 und landet nach mehreren Stationen in der französischsprachigen Schweiz. Sie kämpft zunächst mit den üblichen Problemen eines Flüchtlings -Heimatverlorenheit,  Familie und Freunde unerreichbar, Fremdheit etc.- und muss sich schließlich eingestehen, dass die einzige Sprache, die sie spricht, ihr weder das Leben erleichtert, noch sie ihren Beruf ausüben lässt.

Fünf Jahre nach meiner Ankunft in der Schweiz spreche ich Französisch, aber ich lese es nicht. Ich bin wieder zur Analphabetin geworden. Ich, die ich mit vier Jahren lesen konnte.

Ich kann die Wörter. Wenn ich sie lese, erkenne ich sie nicht. Die Buchstaben sagen mir nichts. Das Ungarische ist eine phonetische Sprache, das Französische ganz das Gegenteil. Ich weiß nicht, wie ich fünf Jahre lang ohne Lektüre leben konnte.

Das hat mich sehr nachdenklich gemacht. Ich stelle mir vor: ein fremdes Land, mühsam und doch zielstrebig erlernt man im Alltag eine neue Sprache, man kann irgendwann wieder teilhaben am sozialen Leben,  kann sich begreiflich machen, Kommunikation kommt in Gang. Und man ist trotzdem Analphabet. Man kann nicht lesen und schreiben. Für mich ist das eine Horrorvorstellung.

Durch die Buchbloggerwelt ging kürzlich die Frage “Warum liest Du?” und sie wurde von vielen Bloggern auf ganz verschiedene Art, meist sehr ausführlich, beantwortet. Ich habe auch lange darüber nachgedacht, meine Antwort war aber so knapp, dass sich ein eigener Blogbeitrag nicht lohnte. Durch das Lesen von “Die Analphabetin” kam mir diese Antwort wieder ins Bewusstsein: Ich lese, weil ich es KANN. Und ich bin dankbar, dass ich die Möglichkeit dazu in meinem Leben bekommen habe, mehr als 850 Millionen Menschen (Stand 2003) haben sie nicht.

Agota Kristof hat sich mit Volkshochschulkursen und der Verwendung von Wörterbüchern bis zum Ende ihres Lebens hineingekämpft in die französische Sprache und ein einzigartiges schriftstellerisches Werk hinterlassen.

Fazit: Kleines Büchlein mit sehr nachdenklichem Inhalt, sehr empfehlenswert für alle, die sich näher mit der Schriftstellerin befassen möchten.

www.buchimpressionen.de

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