Agota Kristof

 4,2 Sterne bei 244 Bewertungen
Autor*in von Das große Heft, Die Analphabetin und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Agota Kristof

Agota Kristof, geboren 1935 in Csikvánd in Ungarn, verließ ihre Heimat während der Revolution 1956 und gelangte über Umwege nach Neuchâtel in die französischsprachige Schweiz. Als Arbeiterin in einer Uhrenfabrik tätig, erlernte sie die ihr bis dahin fremde Sprache und schrieb auf Französisch ihre erfolgreichen Bücher, die in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt wurden. Sie wurde mit zahllosen Preisen geehrt wie 2001 mit dem angesehenen Gottfried-Keller-Preis, dem Österreichischen Staatspreis für Literatur sowie dem Kossuth-Preis in ihrem Geburtsland Ungarn. Agota Kristof starb Ende Juli 2011 nach längerer Krankheit in Neuchâtel.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Agota Kristof

Cover des Buches Das große Heft (ISBN: 9783492304337)

Das große Heft

 (91)
Erschienen am 17.09.2013
Cover des Buches Die Analphabetin (ISBN: 9783492972413)

Die Analphabetin

 (46)
Erschienen am 10.08.2015
Cover des Buches Der Beweis (ISBN: 9783492972406)

Der Beweis

 (26)
Erschienen am 10.08.2015
Cover des Buches Die dritte Lüge (ISBN: 9783492972420)

Die dritte Lüge

 (21)
Erschienen am 10.08.2015
Cover des Buches Irgendwo (ISBN: 9783492309387)

Irgendwo

 (19)
Erschienen am 14.09.2015
Cover des Buches Gestern (ISBN: 9783492972390)

Gestern

 (10)
Erschienen am 10.08.2015
Cover des Buches Monstrum (ISBN: 9783492052733)

Monstrum

 (0)
Erschienen am 01.03.2010

Neue Rezensionen zu Agota Kristof

Cover des Buches Das große Heft (ISBN: 9783492300421)
C

Rezension zu "Das große Heft" von Agota Kristof

Grossartig
Christian_Fisvor 5 Monaten

«Wir haben zwei Stunden, um das Thema zu behandeln und zwei Blatt Papier zur Verfügung.(…) Wenn es «Gut» ist, können wir den Aufsatz in das grosse Heft abschreiben. Um zu entscheiden, ob es «Gut» oder «Nicht Gut» ist, haben wir eine sehr einfache Regel: Der Aufsatz muss wahr sein. (…) Die Wörter, die die Gefühle definieren, sind sehr unbestimmt, es ist besser man vermeidet sie und hält sich an die Beschreibung der Dinge, der Menschen und von sich selbst.» (aus Aufsatz "Unsere Studien")

Die Aufsätze der Zwillinge sind schnörkellos, die Sätze kurz und gefühlskalt. Die Zwillinge urteilen nicht, sie beobachten, entscheiden und handeln. Der Roman erschüttert gerade deshalb.

Kommentieren
Teilen
Cover des Buches Die Analphabetin (ISBN: 9783492249027)
mabo63s avatar

Rezension zu "Die Analphabetin" von Agota Kristof

Bericht einer Flucht
mabo63vor 8 Monaten

[Weihnachten naht, als wir den Zug in die Schweiz nehmen. Auf dem Fensterbrett liegen Tannenzweige, Schokolade und Orangen. Es ist ein Sonderzug. Ausser der Begleitperson sind nur Ungarn darin und der Zug hält erst an der Schweizer Grenze. Dort empfängt uns eine Blaskapelle, und freundliche Damen reichen uns Becher mit heissem Tee, Schokolade und Orangen durchs Fenster. Wir kommen nach Lausanne. Wir werden in einer Kaserne oberhalb der Stadt untergebracht...[ ... ]

[Diejenigen unter uns, die schon einmal eine ähnliche Situation erlebt haben, werden später gestehen, dass sie Angst hatten. Danach sind wir alle erleichtert, uns und vor allem, sauber und bereits gefüttert, unsere Kinder wiederzufinden."]

A.Kristof


1956 floh Agota Kristof in die französische Schweiz. In diesem kleinen Büchlein erzählt sie von Ihren Erlebnissen mit der fremden Sprache, vom Alltagsleben in den Fabriken, sie spricht von der sozialen Wüste, der kulturellen Wüste die Sie umgibt.

Kommentieren
Teilen
Cover des Buches Das große Heft (ISBN: 9783492300421)
Irisblatts avatar

Rezension zu "Das große Heft" von Agota Kristof

Harte Kost
Irisblattvor 2 Jahren

„Das große Heft“ von Agota Kristof hat mich erschüttert und so in seinen Bann gezogen, dass ich es an einem Abend durchlesen musste - und das, obwohl ich zwischenzeitlich aus Angst vor der nächsten Grausamkeit nicht umblättern wollte.

Der Roman spielt gegen Ende des 2. Weltkriegs. Von den Bombardierungen sind vor allem die großen Städte betroffen und es herrscht Hunger. Eine Mutter gibt ihre Zwillingssöhne in die Obhut der Großmutter, damit diese in einer ländlichen Gegend den Krieg sicher überstehen. Die Großmutter verhält sich abweisend, nimmt aber ihre Enkelkinder, von deren Existenz sie bis dahin nichts wusste, widerwillig bei sich auf. Fortan leben die Zwillinge in einem lieblosen Umfeld voller Gewalt, Demütigung und sexuellem Missbrauch. Die hochintelligenten Jungen im Grundschulalter verordnen sich selbst ein Übungsprogramm zur Abhärtung, damit ihnen Schmerz, Hunger und Töten nichts mehr anhaben können. All ihre Begegnungen und Erlebnisse verarbeiten sie im Spiel und erschaffen für sich ein ganz eigenes Überlebenstraining. Sie nehmen ihre „schulische“ Ausbildung selbst in die Hand, lesen die Bibel und benutzen das schwere Wörterbuch ihres Vaters, um neue Wörter zu lernen und ihre Rechtschreibung zu verbessern. Sie beginnen Aufsätze über ihre Beobachtungen und Erlebnisse zu schreiben. Die oberste Regel dabei lautet: „Der Aufsatz muss wahr sein (….) zum Beispiel ist es verboten zu schreiben: „Großmutter sieht wie eine Hexe aus“, aber es ist erlaubt zu schreiben: „Die Leute nennen Großmutter eine Hexe.“  (…) Wir werden schreiben: „Wir essen viele Nüsse“, und nicht: „Wir lieben Nüsse“, denn das Wort „lieben“ ist kein sicheres Wort, es fehlt ihm an Genauigkeit und Sachlichkeit. „Nüsse lieben“ und „unsere Mutter lieben“ kann nicht dasselbe bedeuten.“ (Piper Taschenbuch 2009, S. 29). 

Die Kapitel in „Das große Heft“ sind sehr kurz, die Sprache schnörkellos und präzise. Das Buch ist konsequent in der Wir-Form geschrieben; wir lesen dort die Aufzeichnungen der Zwillinge. Trotz der Verrohung, die überall zu spüren ist, gibt es Momente, in denen die Zwillinge andere Menschen schützen und versorgen. Sie folgen in ihren Handlungen nur ihren eigenen Regeln. Das Ende ist abrupt, überraschend und lässt mich irritiert zurück.

Kommentare: 1
Teilen

Gespräche aus der Community

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 241 Bibliotheken

von 22 Leser*innen aktuell gelesen

von 6 Leser*innen gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freund*innen und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber*innen und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks