Das große Heft

von Agota Kristof 
4,0 Sterne bei28 Bewertungen
Das große Heft
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Himmelfarbs avatar

Eindrucksvoll und erschütternd.

Jellybabys avatar

Fesselnd aber erschreckend.

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Inhaltsangabe zu "Das große Heft"

Ergreifend und ungeschönt zeichnet Agota Kristof das tragische Schicksal zweier im Krieg heranwachsender Zwillingsbrüder, die in einer schlechten Welt auf erstaunlich mutige Weise ums Überleben kämpfen. Die vielfach preisgekrönte Geschichte wurde nun verfilmt und startet im Herbst 2013 mit Starbesetzung (Ulrich Matthes, Yolande Moreau, Ulrich Thomsen) in den deutschen Kinos.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783492300421
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:208 Seiten
Verlag:Piper
Erscheinungsdatum:14.05.2012

Rezensionen und Bewertungen

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    The iron butterflys avatar
    The iron butterflyvor 3 Jahren
    Die Chronik der Hoffnungslosigkeit

    In den Wirren des Krieges werden die beiden namenlosen Zwillingsbrüder von ihrer Mutter zur Großmutter gebracht. „Die Hexe“, wie sie in der kleinen Stadt von allen genannt wird, ist jedoch nicht die fürsorgliche Großmama, sondern eine berechnende, entsozialisierte Frau, die sich weder selbst gerne wäscht noch anderen etwas Gutes zu tun im Stande ist. Die neunjährigen Zwillingsbrüder bilden jedoch eine Einheit, wie sie dichter nur in einer Person wiederzufinden wäre. Stück für Stück härten sie sich für das ihnen bevorstehende und von Ungewissheit geprägte Leben ab. Sie beobachten und erkunden Haus, Stadt und Umgebung, lernen und optimieren ihr Wissen. Im großen Heft halten sie alles fest, da sie sich gegenseitig Aufgaben für Aufsätze stellen. Sie widersetzen sich auch nicht der harten Hand der Großmutter, sondern geben ihr im Gegenteil keinen Grund zur Ermahnung. Sie schuften und verbessern so ihre Lage, ohne jedoch auf Lob und Anerkennung zu hoffen. Beide sind sich einig in ihrer strikten Neutralität, sie zeigen keine Gefühle, helfen aber z.B. dem Nachbarsmädchen Hasenscharte als der Winter hereinbricht und sie und ihre Mutter zu verhungern und erfrieren drohen.

    Gegenseitig stählen sie sich durch gnadenlose Schläge und Prügel. Sie üben sich in Unbeweglichkeitsübungen, sind manchmal bewusst sprachlos oder der eine blind, der andere taub. Hunger als Lernfeld, Diebstahl als Hilfe zur Selbsthilfe und ein Gnadenstoss als Erfüllung eines Wunsches.

    Agota Kristof erzählt in kurzen und aufs Wesentliche beschränkten Sätzen, die im Grunde das große Heft der Zwillingsbrüder darstellen. Die entstandene Geschichte ist ein schonungsloser Erlebnisbericht der Zwillinge, der vom seelenlosen Kampf in einer schlechten Welt berichtet. Die Übermacht der Zwillingsbrüder ist die Beherrschung der eigenen Intelligenz als Waffe. Sie tricksen jeden aus, egal wie nahe er glaubt ihnen zu stehen. Alles und jeder ist Mittel zum Zweck. Und der Zweck ist das nackte Überleben in einer Welt, die sich durch Gewalt selbst zerstört. Jeder denkt nur an seinen Hunger, Befreier vergewaltigen die Frauen und Mädchen, die das Ende des Krieges und die Heimkehr ihrer Männer oder Väter ersehnen und Großmütter bringen manchmal Großväter um.

    Das große Heft ist der Auftakt zu einer Trilogie des Schmerzes. Beeindruckend nüchtern geschrieben, nachhaltig wirkend in der Aussagekraft. Die Folgebände „Der Beweis“ und „Die dritte Lüge“ sind nun Pflicht.

    Kommentare: 4
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    Sabine17s avatar
    Sabine17vor 4 Jahren
    Harte Kost

    Zwei kleine Zwillingsbrüder werden von ihrer Mutter aus der ständig bombardierten Großstadt zur Großmutter aufs Land gebracht, damit sie dort möglichst in Sicherheit aufwachsen. Mutter und Großmutter haben sich lange nicht gesehen und sind nicht im Guten auseinander gegangen.

     

    Die beiden Brüder haben bei der Großmutter kein leichtes Leben. Sie wäscht sich nie und führt auch ansonsten ein hartes Regime. Sie behandelt die Kleinkinder nicht anders als andere Erwachsene auch. Im Dorf ist sie verschrien.

    Die Kinder entwickeln ein „Abhärtungsprogramm“, um in dieser lieblosen Umgebung zu überleben. Irgendwann interessiert sie nur noch ihr eigenes Überleben und sie agieren scheinbar sehr gefühlskalt.

     

    Im Buch werden keine Städte- oder Ländernamen genannt. Aber man kann erkennen, dass es in Deutschland im zweiten Weltkrieg spielt. Gegen Ende des Buches wird das Dorf russische Besatzungszone.

     

    Das Buch ist sehr emotionslos geschrieben und es gibt viele grausame Szenen und auch vor Gräueltaten aus dem Kriegsalltag bleibt der Leser nicht verschont. Natürlich wird dadurch die Wirkung des Buches verstärkt, aber für mich war es zeitweise ganz schön verstörend. Oft habe ich entsetzt mit dem Kopf geschüttelt. Trotzdem konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen.

     

    Ich kann immer noch nicht sagen, ob mir das Buch gefallen hat oder nicht, daher gebe ich 3 Sterne als goldene Mitte.

     

     

    Kommentare: 13
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    Ruth_liests avatar
    Ruth_liestvor 6 Jahren
    Rezension zu "Das große Heft" von Agota Kristof

    Piper sei Dank, gibt es diese wunderbare Regie kleinformatiger Bücher mit großer Literatur. Die aus Ungarn stammende Schweizer Autorin Agora Kristof wurde zu Recht in diese Reihe aufgenommen. Leider ist sie inzwischen für immer verstummt.

    In ihrem Roman "Das große Heft" beschreibt sie nüchtern, fast lakonisch, die Entwicklung eines Zwillingspaars von intelligenten zehnjährigen Jungs hin zu raubenden und mordenden Erwachsenen. Aus den bezaubernden Brüdern werden vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges Menschen, die stets nur an ihre eigenen Bedürfnisse denken und diese rücksichtslos befriedigen.

    Zu Anfang sind sie in ihren Taten durchaus von positiven Werten und Emotionen geleitet. Diese ihre Gefühle machen ihnen Angst. Ängste und Gefühle sind Schwachpunkte in einer so verrohten Zeit. Deshalb unterziehen sich die Jungs einem Spezialtraining, das sie im großen Heft niederschreiben. Ziel des Trainings ist es, dass ihnen keiner mehr etwas anhaben kann. Das gelingt ihnen auch bis zuletzt unter der sowjetischen Besatzung, allerdings auf Kosten anderer, die dafür ihr Leben lassen.

    Kristof erzählt hier eine Parabel vom verrohten Menschen, der aus dem Überlebenstrieb innerhalb einer gänzlich kaputten Gesellschaft entsteht. Die deutsche oder sowjetische Besatzung sind hier nur Kulissen für ein allgemeingültiges Phänomen.

    Ein schönes Buch, ein starker Inhalt und eine wunderbare Autorin.

    Kommentare: 1
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    Himmelfarbs avatar
    Himmelfarbvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eindrucksvoll und erschütternd.
    Jellybabys avatar
    Jellybabyvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Fesselnd aber erschreckend.
    Kommentieren0
    urbandesires avatar
    urbandesirevor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Verstörend und beeindruckend zugleich.
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    skyfullofstarss avatar
    skyfullofstarsvor einem Monat
    Klavierissimos avatar
    Klavierissimovor 2 Monaten
    M
    madamepompadourvor 4 Monaten
    C
    CoinQuatrovor 6 Monaten

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