Agustina Bazterrica

 4,3 Sterne bei 52 Bewertungen
Autorenbild von Agustina Bazterrica (©Alejandro Meter/Suhrkamp Verlag)

Lebenslauf von Agustina Bazterrica

Agustina Bazterrica, geboren 1974 in Buenos Aires, traf mit der Veröffentlichung ihres Romans einen neuralgischen Punkt der argentinischen Kultur.Nachwochenlanger Platzierungauf der Bestsellerliste und der Verleihung des Premio Clarín, der wichtigsten literarischen Auszeichnung des Landes,gilt sie als eineder erfolgreichsten Autorinnen ihrer Generation.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Agustina Bazterrica

Cover des Buches Wie die Schweine (ISBN: 9783518470237)

Wie die Schweine

 (50)
Erschienen am 20.01.2020
Cover des Buches Tender Is the Flesh (ISBN: 9781982150921)

Tender Is the Flesh

 (2)
Erschienen am 04.08.2020

Neue Rezensionen zu Agustina Bazterrica

Cover des Buches Wie die Schweine (ISBN: 9783518470237)
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Rezension zu "Wie die Schweine" von Agustina Bazterrica

Tiere sind Futter, keine Freunde. Menschen übrigens auch nicht.
FrauKloppvor 4 Monaten

Marcos arbeitet als Produktioner in einer Schlachterei und verantwortet den kompletten Ablauf von der Einlieferung, Vorbereitung, Schlachtung und Verteilung. So weit, so gut. Es handelt sich hierbei allerdings nicht um Tier-, sondern um Menschenfleisch. In dieser Erzählung werden Menschen zum Fleischverzehr gezüchtet und Kanibalismus wird, aufgrund eines Virus, welches den Verzehr von tierischem Fleisch unmöglich macht, weltweit als völlig normal angesehen. Marcos hadert mit diesem System und versucht dies, so gut es geht, zu verstecken. Seine persönliche, tragische Geschichte spielt allerdings ebenfalls eine große Rolle.

Okay uff. Eine morbide und ekelhafte Geschichte … äh Moment, wieso eigentlich? Wieso wird mir beim Lesen schlecht, nur weil es sich um Menschenfleisch handelt? Wäre mir bei Tierfleisch nicht ebenfalls schlecht geworden? Soviel zur Doppelmoral. Der Spiegel, den Agustina Bazterrica den Lesenden vorhält, könnte krasser nicht sein. Worte schaffen einen Perspektivenwechsel, der es in sich hat und so viele Fragen aufwirft. Dafür liebe ich Literatur. Das Buch kommt gänzlich ohne den erhobenen Zeigefinger und ohne Vorwürfe aus, ist sehr nüchtern und schonungslos geschrieben, und genau das lässt das Hirn rattern. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele nach diesem Buch nie wieder ein Stück Fleisch anrühren werden, und das find ich richtig gut.

Und noch ein fettes Lob für dieses krassgute Coverdesign, mal wieder von Nurten Zeren!

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Cover des Buches Wie die Schweine (ISBN: 9783518470237)
I

Rezension zu "Wie die Schweine" von Agustina Bazterrica

Der Mensch als Ware ins Extreme gedacht
ihkftvor 5 Monaten

Wenn man keine Tiere mehr essen kann, welches Fleisch isst der Mensch dann? Genau - Seinesgleichen. In diesem Roman begleiten wir Marcos, Leitender Angestellter einer Schlachterei, in seinem Alltag. 

Ich lese gerne Dystopien und auch die Thematik hat mich nicht abgeschreckt. Ich empfehle aber jedem Leser, sich wirklich zu überlegen, ob er solch eine Thematik verkraftet.

Wir tauchen in die Geschichte zu einer Zeit ein, als das Essen von Menschen bereits legalisiert und etabliert ist, sich aber immer noch Menschen - Alte Menschen oder Personen mittleren Alters wie Marcos - daran erinnern können, wie es vor dem Kannibalismus war. 

Neben dem Arbeitsalltag erfahren wir auch etwas über Marcos Privatleben - das Verhältnis zu seinem pflegebedürftigen Vater, seiner Schwester, Arbeitskollegen, Geschäftspartnern, seiner Frau. Diese Personen bleiben jedoch eher schwach, sie dienen lediglich dazu, der Handlung etwas Tiefe zu geben. Hauptsächlich erleben wir die Handlung aus Marcos Sicht, das Buch kommt zudem mit wenig direkter Rede aus, besticht dafür aber mit schönen Umschreibungen, die den Abgrund zwischen dem, was passiert und dem, was Marcos erlebt und denkt, aufzeigen. Der Minimalisus an aktiver Rede führt auch noch einmal die Trsotlosigkeit vor Augen. Trostlos und abgestumpft wirkt eine Welt, in der das Essen von Menschen normal ist und man zwischen "Menschen " und "Produkten" unterscheidet. 

Die Verarbeitung von Fleisch in einer Schlachterei wird hier per Excellence durchgespielt und auf die Ware "Mensch" angewandt. Gleichzeitig routiniert und alltäglich wirkt die kühle Beschreibung von Züchtung, Haltung, Schlachtung, Verarbeitung und Auslieferung. Beim Lesen wird einem bewusst, dass dieser Ablauf nicht neu ist - er ist nur auf ein anderes Säugetier angepasst. 

Allei die moralischen Implikationen, die das Buch mit sich bringt sowie die Möglichkeit, die eigene Gefühlslage zu beobachten, haben das Buch für mich lesenswert gemacht. Ich hätte gerne an manchen Stellen etwas mehr Tiefe erwartet, zu den gesellschaftlichen Prozessen hätte ich gerne mehr gelesen. Ebenfalls das Ende war für mich sehr vorhersehbar und kam dazu sehr plötzlich, einige Fäden blieben offen - aber offene Enden sehe ich persönlich nicht negativ, denn es überlässt dem Leser viel Platz für eigene Gedankengänge. 

Diesen Roman werde ich mit Sicherheit in einigen Jahren erneut lesen. Wer weiß, wo dann unsere Gesellschaft steht und welche Wege wir uns haben einfallen lassen, um unseren überbevölkerten Planeten zu ernähren ;)

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Cover des Buches Wie die Schweine (ISBN: 9783518470237)
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Rezension zu "Wie die Schweine" von Agustina Bazterrica

Wie die Schweine - Agustina Bazterrica
Literaturgestoebervor 2 Jahren

Klappentext:

Marcos verantwortet die Produktion einer Schlachterei. Alles ganz normal. Von einem Detail abgesehen: In der Welt, in der Marcos lebt, werden Menschen als Vieh zum Fleischverzehr gezüchtet … Dieser Roman hält uns Fleischfressern kompromisslos den Spiegel vor. Er stellt Fragen - nach Moral Empathie, den bestehenden Verhältnissen. Und verschafft, was nur die Literatur verschafft: neue Einsichten, neue Gefühle, nachdem alle Argumente längst ausgetauscht sind.


Nachdem der Verzehr von tierischen Erzeugnissen aufgrund eines tödlichen Virus strikt untersagt ist, beschließt die Regierung den sogenannten “Übergang”. Kannibalismus wird legalisiert und gehört von nun an zur Tagesordnung. Der Protagonist Marcos ist seitdem zuständig für ein Schlachthaus, in dem “Stücke”, wie er sie nennt, zu Spezialfleisch verarbeitet werden. Während es für die meisten zur Normalität geworden ist, ist Marcos immer angewiderter und davon überzeugt, dass der Virus nur eine Inszenierung der Regierung ist, um die Überbevölkerung und die damit verbundene Ressourcenknappheit in den Griff zu bekommen.

Bereits im ersten Kapitel wird der Leser ins kalte Wasser geworfen und schonungslos mit der Problematik konfrontiert. Die Autorin wählt einen sehr überlegten und nüchternen Schreibstil, sodass der Leser selbst bestimmen kann, wie nah er das Thema an sich heran lässt. Bazterrica bedient sich vieler aussagekräftiger Aufzählungen, die zum einen den Automatismus darstellen und zum anderen keiner weiteren Ausführungen bedarf. Ihre teilweise kurzen Sätze sorgen für Präzision und Dynamik.
Ich habe dieses Buch mit seinen 236 Seiten an einem Tag durchgelesen und gebe zu, dass ich es hin und wieder weglegen musste, um das Gelesene zu verarbeiten. Ich bin erstaunt, wie viele verschiedene Perspektiven des Themas aufgegriffen wurden - von den Gesetzmäßigkeiten bei der Haltung von “Hausstücken”, über die Forschung und Entwicklung in der Medizin und Automobilindustrie, bis hin zu Traditionen, wie die Bestattung. Die meisten Fragen, die sich im Verlauf des Buches ergeben, werden somit automatisch auf den folgenden Seiten beantwortet.  Damit ergab sich für mich eine bis zum Ende schlüssige Handlung. Eins verstehe ich jedoch nicht: Wie kann es sein, dass Kannibalismus noch vor Organraub legalisiert wird, der erst im späteren Verlauf der Handlung erwähnt wird. Außerdem kommt man nicht drum herum, sich die moralische Frage zu stellen, warum diese Thematik so viel schockierender für uns erscheint als das, was tagtäglich wirklich in unseren Schlachthäusern passiert. Wodurch ich einen weiteren Kritikpunkt ansprechen möchte. In meinen Augen wird das Schlachthaus zu sehr beschönigt. Natürlich, geht mal etwas schief, aber in den meisten Schlachthäusern herrscht leider nicht so viel Struktur und Ordnung wie in dem, was uns Bazterrica beschreibt. Ich finde, wenn sie ein Buch über dieses Thema schreibt und auch weiß, dass sie damit schockiert, dann kann, oder sollte sie sogar, alle Karten offen auf den Tisch legen und ihre Reichweite nutzen um auch in der Hinsicht aufzuklären.

Angesichts des Themas kann ich also nicht von einem schönen Buch sprechen, allerdings war es definitiv interessant und provokant, denn es löst nicht nur Ekel, sondern auch makabre Neugier aus. Eigentlich soll es auch dystopisch sein, doch mag man sich gar nicht vorstellen, was heutzutage wirklich auf dem internationalen Schwarzmarkt vertrieben wird.


⅘ Sterne 

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Gespräche aus der Community

Als Produktionsleiter eines Schlachthofs ist Marcos für alles zuständig: die Kontrolle der eingehenden Waren und die Verhandlung mit Zulieferern, die Überwachung des korrekten Schlachtvorgangs, die Qualität des Fleisches, die Umsetzung der gesetzlichen Vorschriften. Klingt nach Alltag in der Fleischproduktion – bis auf den Umstand, dass das, was Marcos verarbeitet, menschlich ist.

Darf’s noch ein bisschen Mensch sein? 

Als Produktionsleiter eines Schlachthofs ist Marcos für alles zuständig: die Kontrolle der eingehenden Waren und die Verhandlung mit Zulieferern, die Überwachung des korrekten Schlachtvorgangs, die Qualität des Fleisches, die Umsetzung der gesetzlichen Vorschriften. Klingt nach Alltag in der Fleischproduktion – bis auf den Umstand, dass das, was Marcos verarbeitet, menschlich ist.

Agustina Bazterrica erzählt in ihrem schockierenden und erkenntnisreichen Roman von einer Welt, in der Menschen Wie die Schweine zum Fleischverzehr gezüchtet werden und hinterfragt damit unseren täglichen Fleischkonsum und unsere Konzepte von Moral und Empathie.


Heftig, magnetisch, beunruhigend – der Roman des Jahres. Culturamas


Worum geht’s genau? 

Weil sich alle Nutztiere mit einem Virus infiziert haben, der für den Menschen tödlich ist, kann man in der Welt von Marcos keine Tiere mehr essen. So lautet zumindest die offizielle Version. Andere glauben, der Verzehr von Menschenfleisch sei legalisiert worden, um die Überbevölkerung zu stoppen und den Planeten zu retten. Marcos hat sich mit den neuen Gesetzen zum Fleischkonsum arrangiert. Er hat die Familienschlachterei auf die Produktion von Menschenfleisch umgestellt. Das Geschäft floriert. Woher das Fleisch kommt, dass er verarbeitet? Es wird gejagt – oder unter schockierenden Umständen, wie wir sie aus der Massentierhaltung kennen, gezüchtet.

In Wie die Schweine entwirft die argentinische Autorin Agustina Bazterrica eine erschreckende Welt, die sich von unserer Realität nur in einem einzigen Punkt unterscheidet: dass statt tierischen Produkten Menschenfleisch verzehrt wird.

Dieser radikale und schockierende Roman ist nichts für schwache Nerven: Nach der Lektüre wirst Du Deine Einstellung zum Fleischkonsum ganz sicher noch einmal überdenken.


Bist Du bereit, Marcos durch seinen Alltag auf dem Schlachthof zu begleiten? Dann schau doch mal in die Leseprobe »

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