Agustina Bazterrica

 4,5 Sterne bei 38 Bewertungen
Autor von Wie die Schweine.
Autorenbild von Agustina Bazterrica (©Alejandro Meter/Suhrkamp Verlag)

Lebenslauf von Agustina Bazterrica

Agustina Bazterrica, geboren 1974 in Buenos Aires, traf mit der Veröffentlichung ihres Romans einen neuralgischen Punkt der argentinischen Kultur. Nach wochenlanger Platzierung auf der Bestsellerliste und der Verleihung des Premio Clarín, der wichtigsten literarischen Auszeichnung des Landes, gilt sie als eine der erfolgreichsten Autorinnen ihrer Generation.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Agustina Bazterrica

Cover des Buches Wie die Schweine (ISBN: 9783518470237)

Wie die Schweine

 (38)
Erschienen am 20.01.2020

Neue Rezensionen zu Agustina Bazterrica

Cover des Buches Wie die Schweine (ISBN: 9783518470237)Literaturgestoebers avatar

Rezension zu "Wie die Schweine" von Agustina Bazterrica

Wie die Schweine - Agustina Bazterrica
Literaturgestoebervor 6 Monaten

Klappentext:

Marcos verantwortet die Produktion einer Schlachterei. Alles ganz normal. Von einem Detail abgesehen: In der Welt, in der Marcos lebt, werden Menschen als Vieh zum Fleischverzehr gezüchtet … Dieser Roman hält uns Fleischfressern kompromisslos den Spiegel vor. Er stellt Fragen - nach Moral Empathie, den bestehenden Verhältnissen. Und verschafft, was nur die Literatur verschafft: neue Einsichten, neue Gefühle, nachdem alle Argumente längst ausgetauscht sind.


Nachdem der Verzehr von tierischen Erzeugnissen aufgrund eines tödlichen Virus strikt untersagt ist, beschließt die Regierung den sogenannten “Übergang”. Kannibalismus wird legalisiert und gehört von nun an zur Tagesordnung. Der Protagonist Marcos ist seitdem zuständig für ein Schlachthaus, in dem “Stücke”, wie er sie nennt, zu Spezialfleisch verarbeitet werden. Während es für die meisten zur Normalität geworden ist, ist Marcos immer angewiderter und davon überzeugt, dass der Virus nur eine Inszenierung der Regierung ist, um die Überbevölkerung und die damit verbundene Ressourcenknappheit in den Griff zu bekommen.

Bereits im ersten Kapitel wird der Leser ins kalte Wasser geworfen und schonungslos mit der Problematik konfrontiert. Die Autorin wählt einen sehr überlegten und nüchternen Schreibstil, sodass der Leser selbst bestimmen kann, wie nah er das Thema an sich heran lässt. Bazterrica bedient sich vieler aussagekräftiger Aufzählungen, die zum einen den Automatismus darstellen und zum anderen keiner weiteren Ausführungen bedarf. Ihre teilweise kurzen Sätze sorgen für Präzision und Dynamik.
Ich habe dieses Buch mit seinen 236 Seiten an einem Tag durchgelesen und gebe zu, dass ich es hin und wieder weglegen musste, um das Gelesene zu verarbeiten. Ich bin erstaunt, wie viele verschiedene Perspektiven des Themas aufgegriffen wurden - von den Gesetzmäßigkeiten bei der Haltung von “Hausstücken”, über die Forschung und Entwicklung in der Medizin und Automobilindustrie, bis hin zu Traditionen, wie die Bestattung. Die meisten Fragen, die sich im Verlauf des Buches ergeben, werden somit automatisch auf den folgenden Seiten beantwortet.  Damit ergab sich für mich eine bis zum Ende schlüssige Handlung. Eins verstehe ich jedoch nicht: Wie kann es sein, dass Kannibalismus noch vor Organraub legalisiert wird, der erst im späteren Verlauf der Handlung erwähnt wird. Außerdem kommt man nicht drum herum, sich die moralische Frage zu stellen, warum diese Thematik so viel schockierender für uns erscheint als das, was tagtäglich wirklich in unseren Schlachthäusern passiert. Wodurch ich einen weiteren Kritikpunkt ansprechen möchte. In meinen Augen wird das Schlachthaus zu sehr beschönigt. Natürlich, geht mal etwas schief, aber in den meisten Schlachthäusern herrscht leider nicht so viel Struktur und Ordnung wie in dem, was uns Bazterrica beschreibt. Ich finde, wenn sie ein Buch über dieses Thema schreibt und auch weiß, dass sie damit schockiert, dann kann, oder sollte sie sogar, alle Karten offen auf den Tisch legen und ihre Reichweite nutzen um auch in der Hinsicht aufzuklären.

Angesichts des Themas kann ich also nicht von einem schönen Buch sprechen, allerdings war es definitiv interessant und provokant, denn es löst nicht nur Ekel, sondern auch makabre Neugier aus. Eigentlich soll es auch dystopisch sein, doch mag man sich gar nicht vorstellen, was heutzutage wirklich auf dem internationalen Schwarzmarkt vertrieben wird.


⅘ Sterne 

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Cover des Buches Wie die Schweine (ISBN: 9783518470237)Amandine_Pignolos avatar

Rezension zu "Wie die Schweine" von Agustina Bazterrica

Nur für Leser mit starkem Magen: Zukunftsdystopie mit Themen wie aus einem Horrorfilm
Amandine_Pignolovor 7 Monaten

Wow. ... Ich hatte durchgehend Gänsehaut und ein zutiefst bedrückendes Gefühl beim Lesen dieses Buches. Ich weiß nicht ob eine solche Realität in naher Zukunft möglich wäre, ich weiß nur eines: Ich könnte das höchstens eine Woche aushalten, dann würde ich Selbstmord begehen. Was wäre das für eine Welt in welcher exzessiver Kannibalismus nicht nur legal ist, sondern gezielt gefördert und erzwungen wird? In welcher er die absolute Norm darstellt, so selbstverständlich wie das Tragen von Kleidung? Im Roman befällt ein tödlicher Virus die Tiere, sodass Menschen sie nicht mehr essen können, dazu ausstoßen und verbannen, jagen und töten. Ergo sind auch Haustiere passé. Allein das stellt für mich einen Todesstoß dar.

Doch was passiert wenn der Mensch die Aussicht hat niemals wieder Fleisch essen zu können - es sei denn durch kollektiven und legalen Kannibalismus? Manche Menschen, die ab der Geburt das Pech haben als Futter herhalten zu müssen und die man fortan als "Stücke" bezeichnet, werden zu reiner Ware abgestempelt, zu Fleisch degradiert, gezüchtet, eingesperrt, geschlachtet, Frauen zu reinen Gebärmaschinen umfunktioniert damit ein steter Nachschub an Fleisch garantiert ist, Menschen in "Jagdspielen" abgeschlachtet und anschließend genussvoll verspeist.; der Umgang mit ihnen ist um Welten schlimmer als teilweise mit Nutztieren in "unserer" Welt.

Dieser Roman ist eine surreale und groteske Horrorvision, wie aus einem Alptraum. Doch im Buch ist es die absolute Realität. Anscheinend wird die ganze Praxis, die neue Gesellschaft im Kollektiv nicht hinterfragt, höchstens von Einzelnen. Ganz im Gegenteil die Menschheit scheint diese neue Weltordnung regelrecht zu lieben so als hätte man nur auf einen glücklichen Umstand (wie ebenjener mit dem Virus) gewartet um sich im Kannibalismus, im Degradieren von Menschen zu Fleisch, zur begehrten Verkaufsware zu ergötzen, nicht nur im Bezug auf die Nahrung sondern ebenso zur rein privaten Lust und Boshaftigkeit. 

Hier wird einem gnadenlos der Spiegel vorgehalten: Ist DIES die wahre Natur des Menschen? Und immer wieder bzw. durchgehend stellt man sich diese eine Frage: Wäre es wirklich so? Würden wir Menschen tatsächlich genau so handeln? Bisher bezeichnete man Kannibalen als Geisteskranke und sperrte sie weg, doch was wenn wir feststellten dass wir quasi alle "geisteskrank" sind? Wer wäre dann noch gesund und wer krank?

Wie gesagt über diese Thematik könnte man stunden-, nein wochen- und monatelang debattieren und philosophieren, darum möchte ich meine Rezension jetzt beenden, denn ich könnte genau so gut weiter ausschweifen und ein seitenlanges Essay verfassen. Doch das wäre hier fehl am Platz.

Ich sag nur noch eines: Diese Buch hat auf jeden Fall meine uneingeschränkte Empfehlung - eben wegen dieser zutiefst bedrückenden, surrealen, melancholischen Zukunftsvision. JEDER  sollte sich das meiner Meinung nach durchlesen um wachgerüttelt zu werden, um einen einmaligen tiefen Schock zu bekommen, denn darin sehe ich persönlich den Sinn dieses Romans!



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Cover des Buches Wie die Schweine (ISBN: 9783518470237)LaluBs avatar

Rezension zu "Wie die Schweine" von Agustina Bazterrica

Das gestörte Konsumverhalten der Menschen
LaluBvor 9 Monaten

Marcos arbeitet in einer Schlachterei. In einer Welt, in der Menschen zum Fleischverzehr gezüchtet werden.

Schon allein das Cover regt zum Denken an. Und die Geschichte noch viel mehr. In einer brutalen und dennoch herzergreifenden Geschichte wird dem Leser vor Augen geführt, wie gestört das Konsumverhalten der heutigen Gesellschaft eigentlich ist. Fesselnd und verstörend zugleich wird der Menschheit der Spiegel vor Augen gehalten. 

Als überzeugte Veganerin habe ich dieses Buch verschlungen wie eine Portion meines Lieblingshummus: Von Anfang bis Ende ohne Ablenkung und ohne eine Pause einzulegen. Immer wieder kurz die Augen schließen und tief durchatmen musste ich trotzdem. Nicht aus Genuss, sondern wegen ungefilterten Schilderungen, die jeden zum Nachdenken anhalten sollte.

Dies ist ein Buch, das ich ausnahmslos jedem empfehle. Fleischkonsument*innen, damit ihnen bewusst wird, was sie eigentlich tun. Vegetarier*innen und Veganer*innen, um sie daran zu erinnern, warum sie diese Entscheidung getroffen haben. Konsumgeilen Zeitgenoss*innen, um sie zum Denken anzuregen.

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Gespräche aus der Community

Als Produktionsleiter eines Schlachthofs ist Marcos für alles zuständig: die Kontrolle der eingehenden Waren und die Verhandlung mit Zulieferern, die Überwachung des korrekten Schlachtvorgangs, die Qualität des Fleisches, die Umsetzung der gesetzlichen Vorschriften. Klingt nach Alltag in der Fleischproduktion – bis auf den Umstand, dass das, was Marcos verarbeitet, menschlich ist.

Darf’s noch ein bisschen Mensch sein? 

Als Produktionsleiter eines Schlachthofs ist Marcos für alles zuständig: die Kontrolle der eingehenden Waren und die Verhandlung mit Zulieferern, die Überwachung des korrekten Schlachtvorgangs, die Qualität des Fleisches, die Umsetzung der gesetzlichen Vorschriften. Klingt nach Alltag in der Fleischproduktion – bis auf den Umstand, dass das, was Marcos verarbeitet, menschlich ist.

Agustina Bazterrica erzählt in ihrem schockierenden und erkenntnisreichen Roman von einer Welt, in der Menschen Wie die Schweine zum Fleischverzehr gezüchtet werden und hinterfragt damit unseren täglichen Fleischkonsum und unsere Konzepte von Moral und Empathie.


Heftig, magnetisch, beunruhigend – der Roman des Jahres. Culturamas


Worum geht’s genau? 

Weil sich alle Nutztiere mit einem Virus infiziert haben, der für den Menschen tödlich ist, kann man in der Welt von Marcos keine Tiere mehr essen. So lautet zumindest die offizielle Version. Andere glauben, der Verzehr von Menschenfleisch sei legalisiert worden, um die Überbevölkerung zu stoppen und den Planeten zu retten. Marcos hat sich mit den neuen Gesetzen zum Fleischkonsum arrangiert. Er hat die Familienschlachterei auf die Produktion von Menschenfleisch umgestellt. Das Geschäft floriert. Woher das Fleisch kommt, dass er verarbeitet? Es wird gejagt – oder unter schockierenden Umständen, wie wir sie aus der Massentierhaltung kennen, gezüchtet.

In Wie die Schweine entwirft die argentinische Autorin Agustina Bazterrica eine erschreckende Welt, die sich von unserer Realität nur in einem einzigen Punkt unterscheidet: dass statt tierischen Produkten Menschenfleisch verzehrt wird.

Dieser radikale und schockierende Roman ist nichts für schwache Nerven: Nach der Lektüre wirst Du Deine Einstellung zum Fleischkonsum ganz sicher noch einmal überdenken.


Bist Du bereit, Marcos durch seinen Alltag auf dem Schlachthof zu begleiten? Dann schau doch mal in die Leseprobe »

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