Aharon Appelfeld

 4 Sterne bei 94 Bewertungen
Autor von Geschichte eines Lebens, Blumen der Finsternis und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Aharon Appelfeld

Aharon Appelfeld ist ein israelischer Schriftsteller, welcher ursprünglich 1932 in einem Ort in der Nähe von Czernowitz geboren wurde, der damals noch zu Rumänien gehörte. Erst nach Kriegsende kam er nach Palästina, wo er hebräisch lernte und 1950 auch erste Erzählungen in hebräisch verfasste. Während des Krieges wurde seine Mutter von Antisemiten umgebracht und er und sein Vater in ein Lager gesperrt. Ihm gelang die Flucht und er schaffte es, sich als Gelegenheitsarbeiter zu behaupten, ohne seine jüdischen Wurzeln preiszugeben. Später schloss er sich der Roten Armee an. Mittlerweile ist sein Werk mehrfach ausgezeichnet, beispielsweise bekam er 1999 den nationalen jüdischen Buchpreis für sein Werk "Der Eiserne Pfad".

Alle Bücher von Aharon Appelfeld

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Aharon AppelfeldBlumen der Finsternis
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Blumen der Finsternis
Blumen der Finsternis
 (11)
Erschienen am 01.03.2010
Aharon AppelfeldGeschichte eines Lebens
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Geschichte eines Lebens
Geschichte eines Lebens
 (12)
Erschienen am 01.07.2006
Aharon AppelfeldElternland
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Elternland
Elternland
 (10)
Erschienen am 01.10.2008
Aharon AppelfeldKaterina
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Katerina
Katerina
 (9)
Erschienen am 01.08.2011
Aharon AppelfeldEin Mädchen nicht von dieser Welt
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Ein Mädchen nicht von dieser Welt
Ein Mädchen nicht von dieser Welt
 (7)
Erschienen am 24.03.2017
Aharon AppelfeldDie Eismine
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Die Eismine
Die Eismine
 (7)
Erschienen am 02.01.2007
Aharon AppelfeldAuf der Lichtung
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Auf der Lichtung
Auf der Lichtung
 (6)
Erschienen am 26.06.2015
Aharon AppelfeldDer Mann, der nicht aufhörte zu schlafen
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Der Mann, der nicht aufhörte zu schlafen
Der Mann, der nicht aufhörte zu schlafen
 (5)
Erschienen am 01.08.2013

Neue Rezensionen zu Aharon Appelfeld

Neu
L

Rezension zu "Meine Eltern" von Aharon Appelfeld

Das Ende einer Kindheit
Lesemanievor 7 Monaten

Ihre Sommer verbringen die Eltern des zehnjährigen Erwin gerne mit ihrem Sohn auf dem Land, am Ufer des Flusses Prut. Hier versammeln sich während der Ferien eine Reihe anderer Sommerfrischler; die meisten von ihnen säkularisierte Juden. Erwin verbringt viel Zeit damit, die unterschiedlichen Charaktere zu beobachten. Da ist der einbeinige Alte, der meistens miesepetrig vor sich hinsieht und den anderen ihre Unbekümmertheit und Oberflächlichkeit vorwirft. Oder die kapriziöse P., die zu viel trinkt und auf Männerschau ist. Der Arzt, Dr. Zajger, der sich unermüdlich um die Armen kümmert und für seine Patienten nicht nur viel Schlaf opfert. Oder der Schriftsteller Karl König, der verzweifelt versucht, weitere Kapitel seines Buches zu seiner Zufriedenheit fertigzustellen. Sie alle beobachtet der junge Erwin in diesem Sommer des Jahres 1938 ganz genau. Das gilt auch für seine Eltern, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Die sanfte Mutter hat sich aus ihrer Kindheit in einem streng religiösen Elternhaus einen einfachen Glauben und unerschütterliches Gottvertrauen bewahrt. Der Vater wiederum ist Realist, Zyniker und erklärt täglich, dass die nächste Sommerfrische woanders verbracht werden soll, wo der Sohn auf kultiviertere Menschen trifft.

Wie unterschiedlich die Eltern sind, wird immer wieder daran deutlich, wie verschieden sie auf Menschen in ihrer Umgebung und auf Erlebnisse während dieses Sommers reagieren. Die Mutter blickt mitleidig auf P., der Vater verachtet sie. Sie will P. und anderen Menschen wie ihr die Hand reichen, der Vater ist überzeugt, dass sie durch ihre Süchte ihre Menschlichkeit eingebüßt hätten.

Auch wenn seine Eltern so derart verschieden sind, beeinflussen sie beide die schriftstellerische Arbeit des Sohnes Jahrzehnte später: „Wenn ich eine Geschichte oder einen Roman schreibe, begleitet mich der Rhythmus der Stimmer meiner Mutter zu den Toren der Phantasie. […] An meinen Vater erinnere ich mich immer, wenn ich einen Essay schreibe. Für einen Essay braucht man klare Gedanken, die richtige Mischung von Tatsachen und Argumenten.“

Doch beide Eltern können sich nicht vor der aufziehenden Panik verschließen, die sich unter den Gästen ausbreitet. Es ist noch kein Krieg und die christlichen Bauern, die den Sommerfrischlern ihre Hütten vermieten, beäugen die jüdische Kundschaft misstrauisch, treten ihnen jedoch noch nicht in offener Feindseligkeit entgegen. Aber die Angst ist allgegenwärtig. Sie äußert sich in besorgten Unterhaltungen, die die Erwachsenen abends nach dem Essen führen wenn sie denken, Erwin schlafe schon. Sie äußert sich auch in einer Art Zügellosigkeit, die die Feriengäste zu übermannen scheint. Sie trinken und essen mehr als sonst, sie lachen lauter und sie sonnen sich fauler als in vorigen Sommern. Den Vater verleitet das zu abschätzigen Kommentaren; die Mutter nimmt es stumm zur Kenntnis.

Meine Eltern ist ein berührendes und aufwühlendes Buch. Meisterhaft fängt Appelfeld die Zerrissenheit zwischen tiefer Verunsicherung und der Hoffnung auf bessere Zeiten ein. Er beobachtet genau, seziert seine Charaktere und benutzt eine Sprache, die trotz aller Schönheit ungewöhnlich präzise und klar ist. Kein Satz ist zu lang, kein Wort zu viel und trozdem erscheinem dem Leser die Figuren, der Fluss, dieser letzte Sommer vor Kriegsausbruch so, als handele es sich um eigene Erinnerungen. Was für ein eindrucksvolles Familienbild.

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Lykes avatar

Rezension zu "Ein Mädchen nicht von dieser Welt" von Aharon Appelfeld

Eine kostbare Buchperle!
Lykevor 8 Monaten

Adam und Thomas, zwei neunjährige jüdische Jungen, begegnen sich zufällig im Wald. Beide wurden von ihren Müttern dorthin gebracht, um sich vor einer drohenden Deportation zu verstecken. Doch als die Mütter sie nicht wie vereinbart am Abend wieder abholen, müssen die beiden lernen, eigenständig im Wald zurechtzukommen, um nicht zu verhungern oder zu erfrieren. Mitten im Krieg erfahren sie aber auch Mitmenschlichkeit und Hilfe in größter Not – auf oft ungeahnten Wegen...

„Es gibt keinen Zufall auf der Welt. Alles ist vorbestimmt. Wenn du jemanden triffst, heißt das, dass du ihn treffen musstest, und dann gibt er dir etwas, was dir fehlt. Man darf keine Begegnungen ignorieren. Jede Begegnung mit einem anderen Menschen enthält eine Botschaft.“ (S. 17)

In einer fast schon poetisch anmutenden Sprache erzählt Ahron Appelfeld aus der Sicht zweier Kinder über den Krieg und seine Grausamkeiten. Der Autor verarbeitet mit diesem Roman seine eigenen Erfahrungen, denn er überlebte den Zweiten Weltkrieg als Kind ebenfalls versteckt in den ukrainischen Wäldern. Führt man sich diese Biografie vor Augen, erscheint der Erzählton des Romans nur umso beeindruckender. Denn Appelfeld schreibt keineswegs düster und bedrückend, sondern lässt seine beiden Protagonisten trotz der Kälte, des Hungers und der Verzweiflung auch Momente der Hoffnung, der puren Lebensfreude und des Glaubens erleben.

Zwischen den beiden Jungen, die eigentlich im selben Ghetto lebten und in die gleiche Klasse gingen, sich aber dennoch kaum kannten, entspinnt sich im Laufe der Zeit eine enge Freundschaft. Der sehr pragmatisch veranlagte, aber dabei tief gläubige Adam weiß für nahezu jedes Problem eine Lösung und beeindruckt Thomas immer wieder mit seinem blinden Vertrauen auf Gott. Im Gegensatz zu Adam hat Thomas Angst vor dem Wald und kennt sich darin kaum aus. Er ist dafür aber sehr gebildet und wissbegierig und stößt einige interessante Diskussionen mit Adam an. Genau diese Andersartigkeit nutzt der Autor, um große Themen wie Krieg, den Glauben an Gott und den Wert der Natur aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. Fast könnte man beim Lesen vergessen, dass hier zwei Kinder miteinander reden und agieren, denn man kann nur staunen über den kindlichen Weitblick und das natürliche, fast elementare Verständnis für die wirklich wichtigen Dinge im Leben.

„Ich habe gedacht, ein gläubiger Mensch hofft, dass Gott sich ihm zeigt?“, fragte Thomas verwundert. „Mein Großvater sagt immer: Gott ist in allem. Das bedeutet: Wer Gott sucht, kann ihn überall finden, in den Menschen, in den Tieren und sogar in leblosen Dingen.“ „Ist Gott auch in bösen Menschen?“  „Böse Menschen haben ihn aus sich vertrieben.“ (S. 74)

Mich hat die Schlichtheit dieses Romans tief beeindruckt.
Leise und sanft brachte er Etwas in mir zum Klingen, das ich selbst kaum benennen kann. Möglicherweise ist es einfach die Sehnsucht danach, die Welt nochmal mit den Augen eines Kindes betrachten zu dürfen. Ich wünsche diesem Roman viele Leser, denn „dieses Buch zeigt uns nichts geringeres, als wie man leben soll.“ (Livres Hebdo)

Kommentare: 4
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Seelensplitters avatar

Rezension zu "Meine Eltern" von Aharon Appelfeld

Zwischen den Zeilen
Seelensplittervor 10 Monaten

Meine Meinung zum Buch:

Meine Eltern



Aufmerksamkeit:

Diesen Punkt gibt es auf meinem Blog zu entdecken.


Inhalt in meinen Worten:

Ein Sommer, der alles entscheidet. Ein Sommer, der dir alles abverlangt. Ein Sommer, der dich zerstört und ein Sommer der dein Leben radikal ändert. Wirst du dich darauf einlassen und um dein Leben, ja um dich selbst, kämpfen? Oder gibst du auf und läufst weg, versteckst dich unter Steinen, die doch auf fliegen.

Diese Fragen muss man in diesem Buch an sich heran lassen. Einfühlsam und Gewalttätig, harmlos und doch brutal, Hoffnungsvoll und doch auch zerstörerisch die Hoffnung raubend.


Wie ich das gelesene empfand:

Dieses Buch ist ein Buch, das seine Geschichte zwischen den Zeilen erzählt. Das nicht einfach von vorne anfängt und den Leser an die Hand nimmt, nein der Leser wird in das gelesene gestoßen und muss sich erst einmal zurecht finden. Einfach? Nein, ich tat mir schwer und war hin und wieder dabei es auf die Seite zu legen, das war auch gut, denn so konnte ich die Zeilen und Gedanken die an mein Herz getragen worden sind, verarbeiten, aufnehmen, akzeptieren und verstehen.

Dieses Buch ist keine leichte Kost, manches steht einfach nur zwischen den Zeilen, anderes sprang mir förmlich entgegen und ich musste das Wort erst einmal ergreifen, festhalten, nicht mehr los lassen, sich entwickeln lassen und gleichzeitig empfangen, entführen lassen, überrascht werden und so manches mehr, spricht das Buch an.



Herr Appelfeld, Jude, selbst erlebtes, doch nicht langweilig wieder gegeben sondern versteckt in einer wunderschönen lyrischen Sprache. Gefangen, gehasst und geliebt. Entzückend und gleichzeitig verstörend.

Welche Zeit der Autor erlebte und was heißt in einem Sommer alles anders wahr zu nehmen, als es noch vor kurzem war, wie es ist, ein Leben zu leben, das einem aufgezwungen wird um zu überleben.

Grauenvolles entsetzen, buntes Gemisch an Gefühlen und gleichzeitig eine kleine klitzekleine Hoffnung.

So ist das Buch vom Autor geschrieben.

Man muss tiefer blicken, als in einem leicht geschriebenen Buch. Man muss die Gedanken und die Geschichte verstehen lernen.

Finde ich gut. Dennoch nicht einfach.



Warum ich euch gerade dieses Buch empfehle, es hilft neu die Sprache zu verstehen, die Geschichte zu hinterfragen und gleichzeitig dankbar zu sein, im Hier und Jetzt zu leben und doch zeigt es auf, wie andere Menschen die Krieg im Hier und Jetzt erleben zu verstehen.

Das macht es zu einem wirklich besonderen und wertvollen literarischen Schatz.



Zitate gibt es sehr sehr viele, die ich euch zeigen könnte, und zeitgleich kann man sie nur begrenzt aus der Geschichte nehmen um euch zu zeigen, was das Buch ist. Es muss zu euch selbst sprechen.

Dennoch ein Zitat zeige ich euch: "Nach etlichen Vorbereitungen machst du dich auf die Reise. Anfangs glaubst du, der Weg sei gut gebahnt und du würdest angenehm und mit Tempo vorwärtskommen. Doch es dauert nicht lange, da vergeht die der Optimismus. Die ersten Sätze, die dir so leicht und flüssig in den Sinn kamen, wehren sich jetzt dagegen, in Buchstaben gefasst zu werden." Dieses Zitat findet ihr auf der Seite 7 in der Mitte. Und es betrifft das Schreiben.



Bewertung:

Diesem Buch wird man durch eine Sternevergabe nicht gerecht. Einerseits empfand ich dieses Buch total klasse, andererseits tat ich mir schwer wirklich am Stück an diesem Buch zu lesen. Es ist besonders, und diese Besonderheit muss man Raum geben.

Deswegen gebe ich dieses mal nicht so gerne Sterne. Aber ich gebe fünf Sterne.

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