Aharon Appelfeld

 3.9 Sterne bei 99 Bewertungen

Lebenslauf von Aharon Appelfeld

Aharon Appelfeld ist ein israelischer Schriftsteller, welcher ursprünglich 1932 in einem Ort in der Nähe von Czernowitz geboren wurde, der damals noch zu Rumänien gehörte. Erst nach Kriegsende kam er nach Palästina, wo er hebräisch lernte und 1950 auch erste Erzählungen in hebräisch verfasste. Während des Krieges wurde seine Mutter von Antisemiten umgebracht und er und sein Vater in ein Lager gesperrt. Ihm gelang die Flucht und er schaffte es, sich als Gelegenheitsarbeiter zu behaupten, ohne seine jüdischen Wurzeln preiszugeben. Später schloss er sich der Roten Armee an. Mittlerweile ist sein Werk mehrfach ausgezeichnet, beispielsweise bekam er 1999 den nationalen jüdischen Buchpreis für sein Werk "Der Eiserne Pfad".

Alle Bücher von Aharon Appelfeld

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Cover des Buches Blumen der Finsternis (ISBN: 9783499253201)

Blumen der Finsternis

 (11)
Erschienen am 01.03.2010
Cover des Buches Ein Mädchen nicht von dieser Welt (ISBN: 9783499268960)

Ein Mädchen nicht von dieser Welt

 (12)
Erschienen am 24.03.2017
Cover des Buches Geschichte eines Lebens (ISBN: 9783499242472)

Geschichte eines Lebens

 (12)
Erschienen am 01.07.2006
Cover des Buches Elternland (ISBN: 9783499245404)

Elternland

 (10)
Erschienen am 01.10.2008
Cover des Buches Katerina (ISBN: 9783499255106)

Katerina

 (9)
Erschienen am 01.08.2011
Cover des Buches Die Eismine (ISBN: 9783499244216)

Die Eismine

 (7)
Erschienen am 02.01.2007
Cover des Buches Auf der Lichtung (ISBN: 9783499268915)

Auf der Lichtung

 (6)
Erschienen am 26.06.2015
Cover des Buches Der Mann, der nicht aufhörte zu schlafen (ISBN: 9783499259494)

Der Mann, der nicht aufhörte zu schlafen

 (5)
Erschienen am 01.08.2013

Neue Rezensionen zu Aharon Appelfeld

Neu

Rezension zu "Ein Mädchen nicht von dieser Welt" von Aharon Appelfeld

Märchenhafte Erzählung über zwei Jungs während den Schrecken des Zweiten Weltkriegs, die sehr an der Oberfläche bleibt.
DerMedienbloggervor 4 Monaten

Der 2018 verstorbene Schriftsteller Aharon Appelfeld wird heutzutage zu den bedeutendsten Autoren Israels gezählt. In unzähligen Werken berichtet er über die Judenverfolgung und seine eigene Vergangenheit im Krieg. Der für Kinder bedachte Roman "Ein Mädchen nicht von dieser Welt" erzählt die Geschichte zweier Jungen, die von ihren Müttern in den Wald geschickt wurden, um sich vor den Gefahren des Ghettos zu schützen. Welche Eindrücke ich aus der Lektüre gewinnen konnte, erfährst du in der folgenden Rezension. 


Durch die biographischen Elemente ist die vorliegende Handlung von großer Authentizität, denn der Autor weiß treffsicher, worüber er da schreibt. Er präsentiert eine kurzweilige, märchenhafte Erzählung für eher jüngere Leser*innen, die richtige und wichtige Werte vermittelt. Appelfeld agnosziert die barmherzige Menschlichkeit, die altruistische Fähigkeit zum Teilen und die christliche Nächstenliebe. 

In sehr reduzierter Sprache ohne rhetorische Verzierungen beschränkt er sich auf die knappe, aber saubere Wiedergabe der inneren und äußeren Handlung. Dies erzielt eine hohe Konzentration auf den tatsächlichen Inhalt; genau diese zurückhaltende, kühle Erzählweise sorgt aber gleichzeitig dafür, dass der Roman keinen bleibenden Eindruck in mir hinterlassen konnte. Ich hätte mir hier mehr Mut gewünscht, diesen vorhersehbaren Pfad zu verlassen und einen eigenen Weg einzuschlagen. 

Adam und Thomas sind zwei leicht zu händelnde, authentische Protagonisten, die glaubwürdige Erwartungen an ihr Leben und Ängsten vor ihrer Zukunft haben, gleichzeitig jedoch merkwürdig substanzlos und austauschbar wirken. Sie handeln genau so, wie man es von ihnen erwarten würde. 

Eine angemessene Einführung der jungen Zielgruppe in den historischen Kontext und die behandelte Kriegsthematik geschieht hier nicht; so bleibt bis zum Schluss die aufkeimende Frage offen, wieso sich die Hauptfiguren und ihre Familien überhaupt in dieser Lage befinden. Immer scheint sich eine stets unpräzise bleibende Bedrohung anzunähern, wodurch die Furcht, die zugezogenen Verletzungen, die Hoffnungen der auftretenden Menschen nicht ausreichend legitimiert werden.

Zunehmend verstrickt sich der Autor in deutlich christlich geprägten, oftmals repetitiven Denkansätzen und der märchenhaft-skurrilen Fertigstellung der Handlung, die der Glaubwürdigkeit entbehren. "Ein Mädchen nicht von dieser Welt" fühlt sich eher an wie eine zu lang geratene Kurzgeschichte. Den angesetzten Preis von zehn Euro, verglichen mit dem Umfang, den das Buch letztendlich bietet, finde ich dementsprechend etwas zu hoch – daher gibt es von mir heute nur eine beschränkte Leseempfehlung. 


"Ein Mädchen nicht von dieser Welt"  
ist eine märchenhafte Erzählung über zwei Jungs während den Schrecken des Zweiten Weltkriegs, die sehr an der Oberfläche bleibt. 




P.S.: Danke, dass du dir meine Rezension durchgelesen hast. Hier kommst du zu meiner Website - ich freue mich bereits auf deinen Besuch!

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Rezension zu "Ein Mädchen nicht von dieser Welt" von Aharon Appelfeld

Märchenhaft idealisiert
Herbstrosevor 5 Monaten

Von ihren Müttern nachts aus dem Ghetto geschmuggelt treffen sie sich zufällig im Wald. Sie kennen sich, gingen in dieselbe 4. Klasse, als alles noch normal war - die beiden 9jährigen jüdischen Jungen Adam und Thomas. Jetzt sind sie auf sich allein gestellt und müssen sich selbst helfen. Zunächst leben sie von den Früchten des Waldes, aber als der Winter naht brauchen sie Hilfe. Die finden sie in Mina, einem jüdischen Mädchen, das nicht von dieser Welt zu sein scheint und das sie heimlich mit Nahrung versorgt. Doch es kommt eine Zeit wo sie die Hilfe, die ihnen zuteil wurde, an andere Hilfsbedürftige zurückgeben können … 

Der in Jerusalem lebende jüdische Autor und Professor für Literatur Aharon Appelfeld (geb. 1932) hat selbst Krieg und Verfolgung zeitweise in den ukrainischen Wäldern überlebt, bevor er 1946 nach Palästina kam. In „Ein Mädchen nicht von dieser Welt“ beschreibt er den Überlebenskampf zweier 9jähriger Jungen in den Wäldern nahe dem Ghetto. Er bedient sich dabei eines äußerst einfachen Schreibstils und schlichter Ausdrucksweise, was wohl dem Alter der Protagonisten entsprechen soll. Sehr einfühlsam wird aus Sicht der beiden Kinder erzählt wie sie versuchen, sich gegenseitig Trost und Mut zuzusprechen und ihre Ängste zu verbergen. 

Eine an sich bewegende Geschichte mit traurigem Hintergrund, die jedoch leider sehr idealisiert rüber kommt und sich wie ein Märchen der Gebrüder Grimm liest. Die Kinder reden und handeln wie Erwachsene und wissen immer sofort was zu tun ist. Ein paar glückliche Zufälle zu viel und ein wahrhaft märchenhaftes Happy End  nehmen dem Geschehen meiner Ansicht nach viel von seiner Realität. Die Wirklichkeit dürfte für alle Beteiligten weitaus schlimmer gewesen sein, als es hier zu lesen ist. 

Dennoch lohnt es sich, zwei Stunden zu investieren und sich dem hübsch aufgemachten kleinen Büchlein zu widmen. 

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Rezension zu "Meine Eltern" von Aharon Appelfeld

Das Ende einer Kindheit
Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren

Ihre Sommer verbringen die Eltern des zehnjährigen Erwin gerne mit ihrem Sohn auf dem Land, am Ufer des Flusses Prut. Hier versammeln sich während der Ferien eine Reihe anderer Sommerfrischler; die meisten von ihnen säkularisierte Juden. Erwin verbringt viel Zeit damit, die unterschiedlichen Charaktere zu beobachten. Da ist der einbeinige Alte, der meistens miesepetrig vor sich hinsieht und den anderen ihre Unbekümmertheit und Oberflächlichkeit vorwirft. Oder die kapriziöse P., die zu viel trinkt und auf Männerschau ist. Der Arzt, Dr. Zajger, der sich unermüdlich um die Armen kümmert und für seine Patienten nicht nur viel Schlaf opfert. Oder der Schriftsteller Karl König, der verzweifelt versucht, weitere Kapitel seines Buches zu seiner Zufriedenheit fertigzustellen. Sie alle beobachtet der junge Erwin in diesem Sommer des Jahres 1938 ganz genau. Das gilt auch für seine Eltern, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Die sanfte Mutter hat sich aus ihrer Kindheit in einem streng religiösen Elternhaus einen einfachen Glauben und unerschütterliches Gottvertrauen bewahrt. Der Vater wiederum ist Realist, Zyniker und erklärt täglich, dass die nächste Sommerfrische woanders verbracht werden soll, wo der Sohn auf kultiviertere Menschen trifft.

Wie unterschiedlich die Eltern sind, wird immer wieder daran deutlich, wie verschieden sie auf Menschen in ihrer Umgebung und auf Erlebnisse während dieses Sommers reagieren. Die Mutter blickt mitleidig auf P., der Vater verachtet sie. Sie will P. und anderen Menschen wie ihr die Hand reichen, der Vater ist überzeugt, dass sie durch ihre Süchte ihre Menschlichkeit eingebüßt hätten.

Auch wenn seine Eltern so derart verschieden sind, beeinflussen sie beide die schriftstellerische Arbeit des Sohnes Jahrzehnte später: „Wenn ich eine Geschichte oder einen Roman schreibe, begleitet mich der Rhythmus der Stimmer meiner Mutter zu den Toren der Phantasie. […] An meinen Vater erinnere ich mich immer, wenn ich einen Essay schreibe. Für einen Essay braucht man klare Gedanken, die richtige Mischung von Tatsachen und Argumenten.“

Doch beide Eltern können sich nicht vor der aufziehenden Panik verschließen, die sich unter den Gästen ausbreitet. Es ist noch kein Krieg und die christlichen Bauern, die den Sommerfrischlern ihre Hütten vermieten, beäugen die jüdische Kundschaft misstrauisch, treten ihnen jedoch noch nicht in offener Feindseligkeit entgegen. Aber die Angst ist allgegenwärtig. Sie äußert sich in besorgten Unterhaltungen, die die Erwachsenen abends nach dem Essen führen wenn sie denken, Erwin schlafe schon. Sie äußert sich auch in einer Art Zügellosigkeit, die die Feriengäste zu übermannen scheint. Sie trinken und essen mehr als sonst, sie lachen lauter und sie sonnen sich fauler als in vorigen Sommern. Den Vater verleitet das zu abschätzigen Kommentaren; die Mutter nimmt es stumm zur Kenntnis.

Meine Eltern ist ein berührendes und aufwühlendes Buch. Meisterhaft fängt Appelfeld die Zerrissenheit zwischen tiefer Verunsicherung und der Hoffnung auf bessere Zeiten ein. Er beobachtet genau, seziert seine Charaktere und benutzt eine Sprache, die trotz aller Schönheit ungewöhnlich präzise und klar ist. Kein Satz ist zu lang, kein Wort zu viel und trozdem erscheinem dem Leser die Figuren, der Fluss, dieser letzte Sommer vor Kriegsausbruch so, als handele es sich um eigene Erinnerungen. Was für ein eindrucksvolles Familienbild.

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