Aharon Appelfeld

 3,9 Sterne bei 104 Bewertungen

Lebenslauf von Aharon Appelfeld

Aharon Appelfeld ist ein israelischer Schriftsteller, welcher ursprünglich 1932 in einem Ort in der Nähe von Czernowitz geboren wurde, der damals noch zu Rumänien gehörte. Erst nach Kriegsende kam er nach Palästina, wo er hebräisch lernte und 1950 auch erste Erzählungen in hebräisch verfasste. Während des Krieges wurde seine Mutter von Antisemiten umgebracht und er und sein Vater in ein Lager gesperrt. Ihm gelang die Flucht und er schaffte es, sich als Gelegenheitsarbeiter zu behaupten, ohne seine jüdischen Wurzeln preiszugeben. Später schloss er sich der Roten Armee an. Mittlerweile ist sein Werk mehrfach ausgezeichnet, beispielsweise bekam er 1999 den nationalen jüdischen Buchpreis für sein Werk "Der Eiserne Pfad".

Neue Bücher

Cover des Buches Geschichte eines Lebens (ISBN: 9783742428578)

Geschichte eines Lebens

Erscheint am 16.02.2023 als Hörbuch bei Der Audio Verlag.

Alle Bücher von Aharon Appelfeld

Cover des Buches Ein Mädchen nicht von dieser Welt (ISBN: 9783499268960)

Ein Mädchen nicht von dieser Welt

 (14)
Erschienen am 24.03.2017
Cover des Buches Blumen der Finsternis (ISBN: 9783499253201)

Blumen der Finsternis

 (11)
Erschienen am 01.03.2010
Cover des Buches Geschichte eines Lebens (ISBN: 9783499242472)

Geschichte eines Lebens

 (12)
Erschienen am 01.07.2006
Cover des Buches Elternland (ISBN: 9783499245404)

Elternland

 (10)
Erschienen am 01.10.2008
Cover des Buches Katerina (ISBN: 9783499255106)

Katerina

 (9)
Erschienen am 01.08.2011
Cover des Buches Die Eismine (ISBN: 9783499244216)

Die Eismine

 (7)
Erschienen am 02.01.2007
Cover des Buches Der Mann, der nicht aufhörte zu schlafen (ISBN: 9783499259494)

Der Mann, der nicht aufhörte zu schlafen

 (6)
Erschienen am 01.08.2013
Cover des Buches Auf der Lichtung (ISBN: 9783499268915)

Auf der Lichtung

 (6)
Erschienen am 26.06.2015

Neue Rezensionen zu Aharon Appelfeld

Cover des Buches Der Mann, der nicht aufhörte zu schlafen (ISBN: 9783499259494)
kaelles avatar

Rezension zu "Der Mann, der nicht aufhörte zu schlafen" von Aharon Appelfeld

Die Funktionen des Schlafs
kaellevor 6 Monaten

Der Mann, der nicht aufhörte zu schlafen, ist eigentlich ein Junge bzw. ein Jugendlicher. Seine Erzählung beginnt nach Ende des Zweiten Weltkrieges, als er sich mit anderen Juden auf der Flucht von Osteuropa (im Grenzgebiet zwischen dem heutigen Rumänien und der Ukraine) nach Neapel befindet. Allerdings nimmt er an der Flucht nicht aktiv teil, sondern schläft fast pausenlos, weswegen ihn die anderen tragen. Erst in Neapel kommt er langsam wieder zu sich. Dort wird er Teil einer Gruppe, die sich auf die Auswanderung und die Gründung des Staates Palästina vorbereitet und sich damit von den restlichen Flüchtlingen unterscheidet. In einer Art Bootcamp wird er, Erwin, fit gemacht, im Umgang mit Waffen trainiert und er lernt Hebräisch. Aber auch hier braucht Erwin zwischendurch immer wieder Tage zum Schlafen. Irgendwann kommt es tatsächlich zur Auswanderung. Auf der anderen Seite des Mittelmeers geht es zunächst ähnlich weiter wie in Neapel. Doch dann kommt die erste militärische Auseinandersetzung, bei der Erwin, der nun Aharon heißt, verwundet wird, noch ehe der Kampf richtig angefangen hat. Seine Beine sind schwerst verletzt, sodass es ungewiss ist, ob er jemals wieder gehen kann. Sein langer Genesungsprozess nimmt ungefähr die zweite Hälfte des Buches ein.

Warum schläft er nun so viel? Nun, zum einen verdrängt er durch den Schlaf seine Kriegserlebnisse (Eingesperrtsein, Folter) und den Verlust seiner Familie (im Konzentrationslager). Er flüchtet sich also in den Schlaf, um zu vergessen. Zum anderen entflieht er damit auch der Realität, in der er sich eine neue Existenz, gar eine neue Identität aufbauen muss. Schließlich bietet ihm der Schlaf eine Möglichkeit, mit seiner Familie vereint zu sein. Denn in seinen Träumen (davon hat er reichlich) trifft er immer irgendein Familienmitglied, meist die Mutter, um über Gegenwart und Vergangenheit zu diskutieren. Damit ist der traumreiche Schlaf natürlich auch eine Entscheidungshilfe, eine Art Kompass für die Gegenwart.

Neben dem Schlaf gibt es noch weitere zentrale Motive in diesem wohl autobiographisch geprägten Roman. Da wäre zunächst das Motiv der Schuld: Erwin fühlt sich schuldig, weil er ein neues Leben in einem neuen Land anfängt und dabei seine Muttersprache ablegt und einen neuen Namen annimmt. Das fühlt sich für ihn an wie Verrat. 

Daneben gibt es das Motiv des Schreibens: Erwins Vater träumte von einer großen Schriftstellerkarriere, doch kein Verlag hatte Interesse an seinen Werken, was ihn verzweifeln ließ. An die unermüdlichen Bemühungen des Vaters will Erwin nun anknüpfen und nutzt v.a. seine Rekonvaleszenzzeit, um sich dem Schreiben anzunähern, was natürlich zugleich einen Akt der Heilung auf physischer und psychischer Ebene bewirkt.

Schließlich gibt es noch das Motiv des Hauses, des Zuhauses. Zuhause ist nicht notwendigerweise ein fester Ort, also ein Haus. Zuhause ist vielmehr ein Gefühl, das sich einstellt, wenn man mit den richtigen Menschen zusammen ist. Und das kann durchaus im Traum sein, wo sich Erwin mit seiner Familie verbunden fühlt.

Nun klingt das alles gar nicht so schlecht und nach den zwei Sternen, die ich vergeben habe. Mich hat jedoch massiv gestört, dass all das, was ich in das Buch hineingelesen habe, so plakativ ist, dass jeder andere dasselbe hineinliest. (Habe ich in meinem Lesekreis getestet.) Es gibt also keinen Raum für Diskussionen oder Mehrdeutigkeiten, kommt dabei aber so bedeutungsschwanger daher. Solche Bücher lese ich persönlich nicht gerne, wenn ich auch weiß, dass es viele andere tun. Außerdem ist v.a. die zweite Hälfte des Romans extrem handlungsarm, was mich einfach gelangweilt hat.

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Cover des Buches Ein Mädchen nicht von dieser Welt (ISBN: 9783499268960)
gsts avatar

Rezension zu "Ein Mädchen nicht von dieser Welt" von Aharon Appelfeld

Versteckt im Wald
gstvor 2 Jahren

«Aharon Appelfeld ist ein wichtiger Zeuge des vergangenen Jahrhunderts. Er zählt zu den großen jüdischen Erzählern Osteuropas» schrieb Imre Kertész (Literaturnobelpreisträger 2002) über den Verfasser zahlreicher Romane, in denen er sich dem Schicksal von Juden nach dem zweiten Weltkrieg widmet.




In diesem Buch erzählt Appelfeld sehr märchenhaft von Adam, den seine Mutter im Wald versteckt. Mutig stellt sich der Neunjährige der Herausforderung des Alleinseins, bis er auf seinen Klassenkameraden Thomas trifft. Der in der Schule als Streber verschriene Junge stammt aus einem gebildeten Elternhaus, Adam dagegen ist praktisch veranlagt. So ergänzen sich die beiden und schaffen es gemeinsam Monate im Wald zu überleben. Als im beginnenden Winter der Wald keine Früchte mehr bereithält, bekommen Sie Hilfe von einem Mädchen, das früher ebenfalls in ihre Klasse ging.




Da sich Appelfeld (1932 in der Bukowina geboren und 2018 bei Tel Aviv gestorben) am Ende des Krieges selbst eine Zeit im Wald verborgen hielt, erwartete ich einen mehr oder weniger realistischen Bericht über diese Zeit. Was ich bekam, waren zwei Jungs, die wie Erwachsene miteinander sprachen. Ich las zwar über die Angst der Jungen und ihre unterschiedliche Einstellung zum Glauben, auch über ihren Hunger und verletzte Menschen, die ihnen im Wald begegneten, aber immer blieb ein emotionaler Abstand erhalten. Vielleicht war es dem Autor nur so möglich, seine Erinnerungen festzuhalten?

Kommentare: 1
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Cover des Buches Ein Mädchen nicht von dieser Welt (ISBN: 9783499268960)
Himmelfarbs avatar

Rezension zu "Ein Mädchen nicht von dieser Welt" von Aharon Appelfeld

Ein Märchen
Himmelfarbvor 2 Jahren

Aharon Appelfeld, der große jüdisch Schriftsteller, hat 1940 als Achtjähriger in der Bukowina die ganze Grausamkeit des Antisemitismus, als seine Mutter ermordet wurde, und das Trauma der Verschleppung in ein Lager erlebt. Aus dem Lager konnte er fliehen, und hat das Nazijoch im Wald versteck, und als Arbeiter auf Bauernhöfen, getarnt als Ukrainer, da er blond und blauäugig war, überlebt. 1944 schloss er sich als Küchenjunge der Roten Armee an.

Aus diesem Reservoir an Erinnerungen ist seine Erzählung „Ein Mädchen, nicht von dieser Welt“ entsprungen. Zwei neunjährige Jungen werden von ihren Müttern aus einem Ghetto geschmuggelt und sollen sich im Wald verbergen. Adam und Thomas sind grundverschieden. Sie gingen in eine Klass, hatten aber nicht viel miteinander zu tun. Nun müssen sie zusammenhalten, um zu überleben. Hilfe bekommen sie in Form von Lebensmittel, die ihnen ein weiteres Kind, die bei Bauern versteckte Mina zukommen lässt.

 So sehr ich einige von Appelfelds Romanen sonst liebe, so sehr ist mir dieses Werk zu märchen- und parabelhaft. Es mag an der Übersetzung liegen, denn die beiden Jungen reden nicht wie Kinder, sondern philosophieren recht altklug. Auch die immerwährende Beschwörung von Gottes Gnade und wundersame Begegnungen, wie das plötzliche Auftauchen von Adams Hund Miro, schmälern das Leseerlebnis. Appelfelds  Prosa ist schnörkellos und trifft eigentlich ins Herz, aber hier ist ihm das, zumindest bei mir, dieses Mal nicht gelungen.

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959 Beiträge
monerls avatar
Letzter Beitrag von  monerlvor 7 Tagen

Uff, welche Erleichterung, dass auch dein Paket angekommen ist. Kurz mal hatten wir etwas Sorge, dass es verlorengegangen ist. Dass auch du kein Buch schon hast ist wirklich genial! Viel Spaß mit deinem Gewinn! Lesezeit konnten wir leider nicht mit dazu einpacken. :)

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