Ahmadou Kourouma

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Rezension zu "Die Nächte des großen Jägers - Afrika erzählt" von Ahmadou Kourouma

Rezension zu "Die Nächte des großen Jägers - Afrika erzählt" von Ahmadou Kourouma
Ein LovelyBooks-Nutzervor 8 Jahren

Koyaga, unerbittlicher Herrscher eines Staates, lässt sich seinen persönlichen Donsomana erzählen. Der Donsomana ist ein Lobgesang für die Jäger der Malinké, der eine reinigende Kraft haben soll. Koyaga sitzt sechs Nächte lang am Lagerfeuer, während ein Erzähler und sein Antworter die Lebensgeschichte Koyagas bis zu diesen Abenden aufbereiten. Das Besondere für mich: Bei dieser Erzählstruktur kommt die Hauptperson Koyaga gar nicht zu Wort, obwohl sie mit dem Griot, dem Erzähler, gemeinsam am Feuer sitzt.
Die Geschichte beginnt heroisch mit Koyagas Vater, einem furchtlosen, angesehenen Jäger und Kämpfer, und seiner schönen Mutter, die magische Kräfte hat. Koyaga beginnt ein mutiges Leben, jagt große Tiere, zeigt keine Furcht und schafft es auch, sich trotz Missverständnissen als Schwarzer unter den französischen Kolonialmächten zu behaupten. Koyagas große Stunde schlägt, als er nach einem Zwist mit den Machthabern drei Mitstreiter zu einem - erfolgreichen - Putsch findet.

So wie er als junger Mann durch einen Initiationsritus in die Bruderschaft der Jäger aufgenommen wurde, findet er Aufnahme in den Kreis der Diktatoren Afrikas durch eine Initiationsreise durch fünf verschiedene Staaten. Zwar fallen nur fiktive Namen und Umschreibungen, doch eine kleine Internetrecherche ergibt, dass Kourouma sich bei seinen Beschreibungen ganz nah an reelle Diktatoren hält, wie z. B. Gnassingbé Eyadéma aus Togo. Bei den fünf Besuchen Koyagas erläutern die Amtskollegen, mit welchen perfiden Mitteln sie ihre Macht ausspielen und festigen. Bereits während seiner ersten drei Jahre als Herrscher überlebt Koyaga drei Attentate. Eine Mischung aus paranoider Vorsicht, ausgeklügeltem Spitzelsystem und der gezielten Ausnutzung des Aberglaubens gelingt es ihm, aus jedem Attentat einen Vorteil zu ziehen und sich nahezu übernatürlich zu machen.

Kourouma teilt in seiner Erzählung vieles in zwei Hälften und zeigt Ursachen und Wirkungen mit unterschiedlicher Sichtweise. Das beginnt mit dem Kniff, die ausschließlich mündlich vorgetragenen Donsomanas in einen Roman zu verwandeln (was hier als Hörbuch wieder ganz traditionell umgesetzt ist).
Während die Bürger von Koyagas Land viel auf Magie setzen, bietet Kourouma parallel rationale Erklärungen: Koyaga überlebt ein Attentat, bei dem ein Schütze aus nicht einmal zehn Metern geschossen hat. Für viele hört es sich am Ende an, als wäre die Kugel zwischen den Augen abgeprallt, während der Schütze schlicht daneben geschossen hat (und wegen dieser Missleistung von Koyaga zwei Wochen Kerker kassiert hat - schlechte Schützen duldet er nicht). Bei seinem Putsch zur Machtergreifung kolportiert das Volk, dass die Verfolger der Putschisten durch einen Zauber nichts mehr sehen konnten und orientierungslos waren, während sich die Aufrührer in Wirklichkeit gut in einem Gewässer versteckt hatten. Macht und Magie ergeben ein undurchdringliches Gewebe, das Koyaga und seine Diktatorenkollegen schützt.

Trotz ihrer blutigen und brutalen Methoden gelingt es den Diktatoren, sich jahrzehntelang zu halten. Die Gründe dazu sind vielfältig und gehen gleichermaßen auf die ehemaligen Kolonialherren und jetzt ebenbürtigen Politiker anderer Länder zurück wie auf die Gesellschaftsstrukturen in der Bevölkerung, in der z. B. Macht mit Magie einher geht. Die afrikanischen Länder werden zu Spielbällen der internationalen Politik, weil sie u.a. hofiert werden, um bloß nicht dem Kommunismus mehr Raum zu geben. Den Diktatoren gefällt's, weil sie sich so legitimieren. Das geht im Land Koyagas dreißig Jahre lang gut. Als die Jubiläumsfeiern extrem teuer ausfallen und ein wirtschaftlicher Engpass zusätzlich die Kassen leert, wird das Volk unruhig, begehrt auf. Erst zu diesem Zeitpunkt fordert das Ausland politische Zugeständnisse von Koyaga ein, um ihm im Gegenzug finanziell aus der Patsche zu helfen: Der Kommunismus ist zusammengebrochen und es besteht daher kein Grund mehr, afrikanische Staaten zu unterstützen. Koyagas Mutter, die ihn gemeinsam mit einem Marabout über all die Jahre mit Magie beschützt hat, ist verschollen und um seine Macht und Unbesiegbarkeit zurückzuerlangen muss Koyaga eben das Donsomana hören. Das so sachlich vorgetragene Loblied, das die Taten Koyagas schildert, wird immer mehr zur Anklage.

Mir hat das Hörbuch sehr gut gefallen. Zwar finde ich, dass Udo Samel etwas eintönig liest (Griot und Antworter sind kaum zu unterscheiden), aber dafür sind zwischen den einzelnen Abenden immer wieder Beispiele für die Gesänge der Malinké zu hören (jedenfalls nehme ich an, dass es Malinké-Gesänge sind). Außerdem gibt "Die Nächte des großen Jägers" einen guten Einblick in die Geschichte Afrikas von traditioneller, bewährter Lebensform über die Kolonialherrschaft bis hin zur erneuten Unabhängigkeit. Letztere gehorcht nur bedingt den Strukturen, die dereinst entwickelt wurden; die neuen Herrscher verbinden verheerenderweise das Wissen um traditionelle Formen mit den Gepflogenheiten der verhassten Ex-Kolonialherren. Kouroumas Stil verrät viel über die Mechanismen der Staaten, berichtet allerdings wenig über die Menschen, die darunter zu leiden haben. Alles in allem aber ein auf unterhaltsame Art sehr, sehr informative Geschichte.

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Rezension zu "Allah muss nicht gerecht sein" von Ahmadou Kourouma

Rezension zu "Allah muss nicht gerecht sein" von Ahmadou Kourouma
Pitakvor 10 Jahren

An diesem Buch hat mir gefallen, dass es in Afrika spielt und man viel über das Leben und die Verhältnisse erfährt. Am Anfang hat mich der Stil sehr irritiert. Der Erzähler ist ein kleiner Junge, der sehr umgangssprachlich spricht. So etwas gefällt mir nicht ganz so gut. Wenn er schwierigere Wörter benutzt erklärt er diese. Manchmal ist dies sehr nütztlich, manchmal sogar sehr witzig, aber es kann auch nervig sein. Die politische Situation in den Ländern ist recht gut erklärt worden. Ebenso die darin verwickelten Akteure. Allerdings war es teilweise wo viel Information, dass bei mir letztendlich nicht viel hängengeblieben ist :( Aber ich habe einen guten Eindruck in das Leben dort bekommen. Ich war sehr überrascht, dass die Menschen dort so abergläubisch sind und denken, dass sie sich durch den Aberglauben vor Kugeln retten können.

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