Ich mag das sehr, wenn ein Roman von einer Familie erzählt und man dabei ganz nebenbei so viel über die politischen Verhältnisse eines Landes versteht. Und genau das macht dieses Debüt richtig gut. Eine Geschichte über Menschen, die man beim Lesen einfach nicht mehr loswird.
Im Mittelpunkt steht Kāveh, der im Iran der Revolution aufwächst. Sein Vater Sohrāb verschwindet als Oppositioneller im Evin-Gefängnis, und von da an ist nichts mehr, wie es vorher war. Die Mutter Tārā versucht, für Kāveh und seinen kleinen Bruder Ābtin irgendwie Halt zu schaffen, während die Familie selbst längst aus den Fugen geraten ist. Sie ziehen zu den Großeltern, an den Rand eines Berges, und dort beginnt ein anderes Leben: mit Garten, Buchhandlung, Gefängnisbesuchen und ganz viel Schmerz, für den es eigentlich keine Worte gibt.
Mich hat das Buch sehr bewegt. Vor allem diese Szenen, in denen die Kinder ihren Vater im Gefängnis besuchen müssen. Schwer auszuhalten, gerade weil Sohrāb versucht, es für sie irgendwie kleiner zu machen, fast wie ein Spiel. Als würde er irgendwann als Gewinner wieder herauskommen. Und man weiß als Leser*in von Anfang an, dass das nicht passieren wird. Das macht alles nur noch trauriger.
Und dann wird der Familie nicht einmal richtig erlaubt zu trauern. Furchtbar, dass ein Regime nicht nur Leben zerstört, sondern auch noch bestimmt, wie mit Verlust umgegangen werden darf. Und mittendrin Tārā, die selbst ihren Mann und besten Freund verliert und trotzdem irgendwie weitermachen muss, weil sie gar keine andere Wahl hat.
Ich mochte auch Frau Medādi sehr und die Szenen in ihrer Buchhandlung. Sie ist so eine beeindruckende Figur und wird für Kāveh auf ihre Weise zu einem wichtigen Anker. Später bekommt auch Ābtin mehr Raum, und auch das fand ich sehr schön, weil man merkt, wie unterschiedlich Menschen mit Schmerz umgehen. Bei ihm ist es vor allem die Natur, die ihm etwas gibt, woran er sich festhalten kann.
Das Buch ist poetisch geschrieben, aber nie abgehoben. Eher so, dass man beim Lesen immer wieder an einzelnen Sätzen hängen bleibt. Es erzählt eindringlich, was es bedeutet, in einer Zeit aufzuwachsen, in der Kinder plötzlich Gedanken und Sorgen haben, die Kinder eigentlich nicht haben sollten.
Für mich war das ein sehr berührender Roman über Familie, Verlust, Hoffnung und das Weiterleben in einem System, das Menschen klein halten will. Auf wenigen Seiten steckt hier unglaublich viel.




