Endzeit-Utopie klingt erst einmal paradox, aber genau das ist "Proxi" – ein Roadtrip durch eine endzeitliche Welt, die allmählich wieder zu erwachen beginnt. Leser*innen lernen eine Erde kennen, die nach ihrer Zerstörung wieder Hoffnung birgt.
Die Story rund um die abgeschaltete virtuelle Welt ist in ihrem Kern nichts Neues, aber originell erzählt. Aiki Mira hat einen ungewöhnlichen, ausdrucksstarken Stil, der der Story eine persönliche Note verleiht. Man muss sich darauf einlassen, um das Buch zu mögen.
Die drei Hauptfiguren, die die Handlung tragen, sind extrem unterschiedlich und ergänzen sich so perfekt. Nach dem Serverabsturz sind sie unmittelbar mit ihrer eigenen Identität konfrontiert, wodurch interessante Gespräche und Gedankengänge entstehen.
Insgesamt ist es ein ungewöhnlicher Roadtrip, auf den man sich einlassen muss. Aber es lohnt sich, wenn man eine Vorliebe für philosophische Science Fiction hat.
Aiki Mira

Lebenslauf
Aiki studierte Medienkommunikation in Stirling, London, Bremen und forschte zu Jugendkultur und Gaming. Heute lebt Aiki in der Science Fiction und in Hamburg.
Als Autorx erforscht Aiki die Grenzen unserer Beziehungen und der menschlichen Identität und schreibt, denkt und diskutiert gern queere Themen.
Neben Romanen veröffentlicht Aiki Essays und Kurzgeschichten u. a. auf Tor Online, in Exodus, Phantastisch!, Queer*Welten, Future Fiction Magazine und c`t Magazin für Computertechnik.
Drei Kurzgeschichten von Aiki standen 2022 auf der Shortlist für den Kurd-Laßwitz-Preis 2022 und für den Deutschen Science Fiction Preis. Mit der Story Utopie27 gewann Aiki beide Preise.
Zusammen mit Uli Bendick und Mario Franke hat Aiki Mira die Anthologie Am Anfang war das Bild herausgegeben, die ebenfalls für den Kurd-Laßwitz-Preis 2022 nominiert wurde und Platz 2 erreichte.
Juni 2022 erschien der Roman Titans Kinder. Eine Space-Utopie.
Im November 2022 erscheint Neongrau. Game Over im Neurosubstrat
Botschaft an meine Leser

Infos zu aktuellen Veröffentlichungen und Projekten findet ihr auf meiner Homepage.
Kurzlesungen zu meinen Romanen "Titans Kinder" und "Neongrau" gibt es bei Insta.
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Neue Bücher
Alle Bücher von Aiki Mira
Neongrau
TITANS KINDER
Proxi. Eine Endzeit-Utopie
Neurobiest
Denial of Service
Neongrau: Game over im Neurosubstrat
Neue Rezensionen zu Aiki Mira
Aiki Mira, eine mehrfach preisgekrönte Autorin, entwirft in Denial of Service das Bild einer nahen Zukunft, die ebenso faszinierend wie beunruhigend wirkt. In dieser Welt ist fast alles privatisiert: Polizei, Stadtverwaltung, sogar grundlegende Infrastruktur. Das öffentliche Leben wird von einem neuronalen Netz gesteuert, das die KI reguliert – eine technologische Vision, die zugleich Fortschritt und Kontrollverlust bedeutet.
Der Roman sprüht vor originellen Ideen und überraschenden Details. Mira gelingt es, eine Welt zu erschaffen, die dicht, futuristisch und glaubwürdig wirkt. Wer Freude an innovativen Science-Fiction-Konzepten hat, findet hier eine Fülle an Gedankenexperimenten, die von Künstlicher Intelligenz über Datensouveränität bis zu gesellschaftlichen Machtstrukturen reichen.
Allerdings kann gerade diese Ideenvielfalt den Lesefluss erheblich beeinträchtigen. Es gibt so viele neue Begriffe, technische Details und futuristische Fachausdrücke, dass man als Leser überfordert sein kann.
Stilistisch blieb mir der Text auch fern. Die Erzählweise wirkt sprunghaft, die Sätze oft kurz und abgehackt, wodurch sich kaum ein Lesefluss einstellen wollte. Emotional konnte mich die Geschichte daher nicht erreichen – vieles blieb für mich abstrakt und intellektuell, aber selten berührend.
Als dann noch das Gendern hinzukam, empfand ich den Text als zusätzlich sperrig. Das Thema wurde in der Literatur der letzten Jahre ausreichend behandelt, und wirkt überstrapaziert.
Denial of Service ist kein Buch für ein breites Publikum, sondern eher für Leser, die Lust auf Experimente, sprachliche Innovation und komplexe Zukunftsvisionen haben. Wer bereit ist, sich auf eine herausfordernde, teils schwer zugängliche Welt einzulassen, wird hier zweifellos mit interessanten Ideen belohnt.
In einer Zeit, in der viele den Wunsch verspüren, der realen Welt zu entkommen, erscheint Aiki Miras Roman Proxi
wie eine logische Konsequenz technologischer Fantasiewelten. Während virtuelle Realitäten heute noch in ihren Kinderschuhen stecken, sind sie in Miras Zukunftsvision längst zur Ersatzrealität avanciert. Die Menschen leben nicht mehr nur mit
der Technik – sie leben in
ihr. Eine dieser digitalen Zufluchten ist Proxi
– eine Welt, die mehr bietet als das zerfallene Draußen. Für Monae und Kawi ist Proxi
der einzige Ort, an dem sie sich selbst sein können, jenseits gesellschaftlicher Normen und physischer Grenzen. Doch als Proxi
plötzlich zusammenbricht, bricht für viele auch die Lebensgrundlage weg. Gemeinsam mit Dion, einer KI in einem biosynthetischen Körper, machen sich Monae und Kawi auf die Suche nach einem Backup, um die verlorene Welt wiederherzustellen. Ihre Reise führt sie durch eine ausgedörrte, verlassene Erde, eine Welt, die ihnen fremd geworden ist und die sie doch als letzte Hoffnung begreifen müssen.
Stilistisch ist der Roman ein Experiment und dieses verlangt Leser*innen einiges ab. Aiki Mira verzichtet weitgehend auf klassische Satzstrukturen und arbeitet stattdessen mit Fragmenten, Neologismen und eigenwilligen Begrifflichkeiten. Der Einstieg ist entsprechend sperrig. Viele Sätze wirken elliptisch, manche fast entrückt, doch wer sich auf den ungewöhnlichen Stil einlässt, wird mit atmosphärischer Dichte und eindrucksvollen Sprachbildern belohnt. Der Roadtrip, den die drei Protagonist*innen antreten, mag zunächst vertraut erscheinen: eine Mission, ein Ziel, die Abenteuer am Wegesrand. Doch Proxi
funktioniert auf mehreren Ebenen. Während sich die äußere Handlung entfaltet, enthüllt der Text nach und nach, was mit der realen Welt geschehen ist, warum Wasser zur Rarität wurde, wie Plastikstürme und Sandmeere entstanden und welche Rolle der Mensch in dieser dystopischen Verwandlung spielt.
Neben den ökologischen Aspekten steht vor allem die Frage nach Identität im Zentrum. Mira lässt eine vielfältige Besetzung zu Wort kommen: trans*, nicht-binär, süchtig, verletzt, aber suchend – nach einem Ort, an dem Individualität gelebt werden kann. Es sind keine Held*innen im klassischen Sinn, sondern Suchende in einer Welt, die kaum noch etwas zurückgibt. Die Welt selbst ist bizarr, faszinierend und bedrückend zugleich. Zwischen Sandstürmen, mutierten Vögeln, veränderten Menschen und biomechanischen Existenzen – Biosyntheten, die mehr sind als bloße Maschinen, entfaltet sich ein Setting, das entfernt an Blade Runner
erinnert. Doch Mira kopiert nicht, sondern denkt weiter: Die Technologie ist nicht mehr nur dystopisches Werkzeug, sondern trägt auch die Sehnsucht nach einem Neuanfang in sich.
Die KI Dion wird dabei zur tragenden Figur, als Brücke zwischen den Welten, zwischen Menschlichem und Maschinellem, zwischen Wirklichkeit und Simulation. Trotz all dieser spannenden Ansätze konnte mich der Text über weite Strecken nicht wirklich mitreißen. Der avantgardistische Sprachstil wirkt streckenweise erzwungen und hemmt den Lesefluss deutlich. Die Dialoge bestehen oft aus Satzfetzen, und nicht immer gelingt es, zwischen Poesie und Unverständlichkeit die Balance zu halten. Zwar entstehen vereinzelt starke Bilder und eindrückliche Szenen, doch die erzählerische Kohärenz bleibt auf der Strecke. Der Plot ist durchaus solide, wenn auch nicht neu, aber das fragmentierte Erzählgerüst verhindert, dass er wirklich zur Geltung kommt.
Fazit:
„Proxi. Eine Endzeit-Utopie“
ist eine Herausforderung, stilistisch wie inhaltlich. Wer sich auf das sprachliche Experiment einlässt, kann faszinierende Ideen und überraschende Perspektiven entdecken. Die dystopische Welt, in der Menschen ihre Identität in virtuellen Räumen neu erfinden, ist erschreckend plausibel und zugleich voller metaphorischer Tiefe. Doch der Zugang ist schwer, der Text fordernd. Für einen gemütlichen Leseabend ist dieser Roman nicht geeignet, eher für Leser*innen, die sich bewusst auf Unkonventionelles einlassen wollen und Freude daran haben, sich durch anspruchsvolle Sprachstrukturen zu kämpfen. Wer durchhält, wird mit originellen Gedanken und einer klugen Vision belohnt, wer auf halber Strecke aufgibt, wird sich dennoch nicht allzu viel entgehen lassen.
Matthias Göbel
Autorin: Aiki Mira
Broschur: 336 Seiten
Veröffentlichung: 25.09.2024
Verlag: FISCHER Tor Verlag
ISBN: 9783596709786
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Weil jeder Tag ein SEHR guter Tag ist, das Patriarchat abzuschaffen!
Gute Frage🤔. Wahrscheinlich gibt es das auch, ich denke aber mal vergleichsweise weniger
Was wäre, wenn VR-Gaming so groß wäre wie Fußball heute? Wenn Gamer*innen so gefeiert werden würden wie Ronaldo und Messi? Doch was, wenn die KI, gegen die du spielst, nur gewinnen und verlieren kennt? Wenn sie nicht aufgibt, bis nichts mehr übrig ist? Und wenn sie vor nichts zurückschreckt, um zu gewinnen?
Mach mit bei unserer Leserunde zu "Neongrau" und finde es heraus!
Hi,
es ist voll spannend all deine Leseeindrücke direkt nacheinander zu lesen. Liest sich ähnlich wild, wie es mir beim Lesen erging!
Ich fand die Sprünge, die im Verhalten einzelner Personen passierten, wie hier das Beispiel mit Go/Stuntboi und Ctrls, nicht immer nachvollziehbar. Zugleich haben die aber für mich ein Bild ergeben, dass das Buch für mich eher wie eine Serie funktionierte und ich einfach immer Dinge verpasst habe in der Zeit, in der die Figuren handeln und DInge erleben. So als ob wir eben nicht immer alle Hintergrundinfos haben, was in der Person eigentlich los ist.
Wozniak zum Beispiel habe ich nicht verstanden. Was ist sein Antrieb? Warum füttert er Elll mit Farblackstücken?
Was ist seine Intention mit dem Sprengstoffanschlag?
Es bleiben einige Fragen offen, aber irgendwie fand ich es nicht schlimm, weil die Reise durch die Geschichte so ein Rausch war. Wie geht es dir damit? Welche Fragen bleiben bei die hängen, jetzte wo du es etwas hast sacken lassen?
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