Aiman Mazyek

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Was machen Muslime an Weihnachten?

Was machen Muslime an Weihnachten?

 (3)
Erschienen am 09.05.2016

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Rezension zu "Was machen Muslime an Weihnachten?" von Aiman Mazyek

Stimme der mäßigenden Vernunft
michael_lehmann-papevor 2 Jahren

Stimme der mäßigenden Vernunft

„Der Islam ist binnen kurzer Zeit zum Reizthema geworden“.

Doch die vielfachen, teils hitzigen, teils kühlen Diskussionen über „Den Islam“ in Deutschland, über „Parallelgesellschaften“ oder „geglückter Integration“ beruhen nicht immer auf breitem Faktenwissen. Daher ist es ein durchaus gutes Ansinnen des Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland, konkret aus dem Alltag zu erzählen, aus dem, wie differenziert und vielfältig, aber auch wie integriert die Mehrzahl der in Deutschland lebenden Muslime ihr Leben in dieser Gesellschaft gestalten.

Und ebenso gut ist es, dass Mazyek direkt im Vorwort sich an „die muslimische Adresse“ mitwendet, um die „reine Reproduktion der eigenen Geschichte“ als einfach nicht hilfreich (und letztlich auch nicht gangbar) für die Gestaltung der Zukunft alleine und konkurrenzlos zu setzen.

„Nur der Dialog der Kulturen wird letztlich dazu führen, die Welt auch mit den Augen des Anderen zu sehen“. Und eine Basis für diesen Dialog ist dann einfach auch die Kenntnis über das alltägliche Leben des je Anderen. Wobei im Hinterkopf behalten werden muss, dass Mazyek nicht nur privat als Autor ein Buch verfasst, sondern zugleich der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland ist und dabei immer auch die Interessensvertretung im Sinn hat.

Im Folgenden muss dann auch der Titel des Buches bei der Lektüre doch um einiges revidiert werden. Wer erwartet, hier nur handfeste „Alltagsmomente“ geschildert zu lesen, muss sich dann auf einen eher kleinen Teil des Buches konzentrieren und diesen dann vor allem auch aus der subjektiven Sicht Mazyeks erläutert bekommen. Ob alle Muslime Weihnachtsgrüße schrieben und dabei an die bedeutende Rolle Jesu im Islam nachsinnen, mag dabei dahingestellt bleiben, denn eine breite Befragung oder Betrachtung liegt den Äußerungen nicht erkennbar zugrunde.

Mazyek selbst schlägt im Buch vor allem einen großen Bogen in seinen Betrachtungen. Beginnend bei einer durchaus klaren Absage an den Terrorismus (den er als nicht islamisch in Teilen kennzeichnet, auch das wieder nur aus seiner Sicht verständlich), führt Mayek dann eigene Erinnerung an die Heimat (kurz) und damit die eigene Prägung vor Augen, bevor er dazu übergeht, die Geschichte des Islam, die Vielfalt seiner Interpretationen und ein Plädoyer für den Dialog und den gegenseitigen Respekt zwischen Morgen- und Abendland zu halten.

Gut gelungen ist dabei die breite Darstellung dessen, „was Muslime glauben“, auch wenn die subjektive Darlegung der „fünf Säulen des Islam“ und die Einlassungen zu Scharia, Fatwa, Dschihad und anderem natürlich an anderen Stellen der muslimischen Welt und der muslimischen Haltungen ganz anders interpretiert werden können (was im Buch nicht ausreichend vertieft wird).

Nach diesem breiten und allgemeinen Vorlauf schildert Mazyek dann den konkreten Alltag. Die muslimischen Feste, die Traditionen, wobei er auch strittige Themen wie die Knabenbeschneidung, Heirat und Ehe, die Stellung der Frau im Islam und vieles mehr nicht auslässt. Das Matyek dabei liberale Haltungen einnimmt und für eine Haltung der Versöhnung zwischen Tradition und Moderne steht, ist dabei umgehend zu merken.
Damit schafft das Buch einen „guten Anfang“ könnte man sagen. Ein muslimisches Nachdenken über die eigene Tradition und Haltung in einer differenzierten Welt, die dem Leser vielfache Informationen eben über und aus diesem Alltag zur Verfügung stellt und zum Diskurs einlädt. Ein Buch, in dem sich Matyek erkennbar zugleich offen und kritisch an alle Seiten der Beteiligten wendet.

„Es gibt nicht zwei Welten für mich. Beides bildet meine Identität“.

Wobei bei der Lektüre deutlich bleiben muss, dass Mazyek aus seinem persönlichen Verständnis von Islam, dessen freiheitlicher und barmherziger Auslegung und der eigenen „Identität“ heraus spricht. Und den „anderen“, radikalen Islam nicht immer intensiv genug eben auch als Teil der muslimischen und der eigenen Identität in den Blick nimmt.

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