Akif Pirinçci

 4 Sterne bei 1,423 Bewertungen
Autor von Felidae - Katzencomic, Francis und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Akif Pirinçci

Akif Pirinçci wurde in der Türkei geboren und emigrierte mit seinen Eltern nach Deutschland als er 10 Jahre alt war. Mit 14 begann er seine Schauspielkarriere. Im Alter von 16 Jahren schrieb er erste Kurzgeschichten und Gedichte. Mit 21 erschien sein erster Roman "Tränen sind immer das Ende." Einen ersten Durchbruch erlangte er aber erst mit seinem Katzenkrimi "Felidae." Er studierte vier Jahre lang an der Wiener Film- und Fernsehakademie und schrieb Drehbücher für Auftraggeber, die aber nur selten umgesetzt wurden. Felidae wurde zu einem Zeichentrickfilm, zu dem Pirinçci selbst das Drehbuch schrieb.

Alle Bücher von Akif Pirinçci

Sortieren:
Buchformat:
Felidae - Katzencomic

Felidae - Katzencomic

 (438)
Erschienen am 01.01.2000
Francis

Francis

 (193)
Erschienen am 13.05.2008
Cave Canem

Cave Canem

 (152)
Erschienen am 01.08.2001
Das Duell

Das Duell

 (101)
Erschienen am 01.03.2004
Felidae / Francis

Felidae / Francis

 (85)
Erschienen am 19.06.2006
Salve Roma

Salve Roma

 (81)
Erschienen am 01.08.2005
Der Rumpf

Der Rumpf

 (85)
Erschienen am 06.03.2008
Schandtat

Schandtat

 (53)
Erschienen am 17.04.2008

Neue Rezensionen zu Akif Pirinçci

Neu
Peter_Waldbauers avatar

Rezension zu "Deutschland von Sinnen" von Akif Pirinçci

Enthält viel Richtiges, aber sprachliche Mängel
Peter_Waldbauervor einem Jahr

Wer hier dem Autor unterstellt, er habe bloß aus Kalkül, wegen nachlassender Resonanz auf seine belletristischen Werke (das angekündigte 'Das geheime Leben der Pflanzen' lässt immer noch auf sich warten) ein neues Thema gesucht, der verkennt harte bibliographische Fakten. Pirinccis Meinung über Land und Leute bahnte sich schon länger an. Als Beleg dienen Zitate aus zwei seiner Romane.

Bereits 2008 schreibt er in seinem Krimi 'Der eine ist stumm, der andere ein Blinder' auf Seite 126:

'Am Eingang des mindestens fünfzehn Stockwerke hohen Wohnblocks lümmelten fünf türkische Jugendliche. Dem Aussehen nach waren sie nur ein paar Monate davon entfernt, nach dem Erwachsenen-Strafrecht verurteilt zu werden...Irgendetwas in ihren Gesichtern verriet Claudius, dass sie bereits ein umfangreiches Vorstrafenregister vorzuweisen hatten, ...'

Und in 'Volltreffer' (erschienen 2010 unter dem Pseudonym Cedric Arnold), 2013 dann die Neuauflage als 'Engelskinder', dort auf Seite 47/ 48 heisst es:

'Wie schön Deutschland doch war! Die Deutschen waren betriebsblind gegenüber ihrem eigenen Land geworden. Manche hassten es sogar......nichts als Felder, Wiesen, Wälder...
...hätte es keine fünf Minuten gedauert, bis ein Krankenwagen mit allermodernster Medizintechnik und einem super ausgebildeten Arzt angebraust gekommen wäre.
...und keiner hatte etwas gegen schwule Bergsteiger. Gut, die Muslime ließen nicht mit sich spaßen, wie überall auf der Welt'

Es ist erstaunlich, mit welcher Vehemenz die Kritiker dem Autor Schwulen- und Ausländerfeindlichkeit, ja sogar Menschenhass unterstellen - grenzt er sich doch gleich zu Beginn seines Buches DvS scharf von solchen Vorwürfen ab:

'Um Missverständnissen vorzubeugen, sei vorab gesagt, dass es mir keineswegs darum geht, die Homosexualität als eine verachtenswerte Angewohnheit oder gar als eine üble Krankheit zu diffamieren und Menschen mit dieser sexuellen Orientierung einen verkommen Charakter zu unterstellen.' (S. 17)

'Worauf will ich hinaus? Bestimmt nicht auf ein Outing als Homophober.' (S. 19)

'Und ja, es gibt den ekelhaften, primitiven Ausländerhasser in Deutschland, den geisteskranken Rassisten mit seinem halluzierten Blick auf die Welt vom KZ-Turm herab und den Hygiene-Schizo, der in seinem Wahn dunkle Haut und alles Abweichende von der Norm mit seiner schmutzigen Unterwäsche verwechselt.' (S. 57/58)

'Wir brauchen jeden hier, egal welcher Hautfarbe, der uns nützt...' (S. 215)

'Nee, da lob ich mir die Schwulen!' (zum Thema Frauenbewegung, S. 248)

Deutlicher geht's kaum und falls man glaubt, Pirincci überhaupt einer 'Gesinnung' überführen zu müssen, dann doch wohl der des maßlosen Philosemitismus:

'...rate ich Ihnen, sich einen jüdischen Anwalt zu nehmen. Mit absoluter Sicherheit verlassen Sie dann den Gerichtssaal als unschuldiger Mann.' (S. 58/ 59)

'jüdischer Agent ' der holt das meiste für sie raus.' (S. 59)

'Fast alles, was wir am Hollywood-Kino genießen, stammt aus der Feder von jüdischen Drehbuchautoren.' (S. 59)

' wir seitdem keine jüdischen Drehbuchautoren, Songwriter, Komiker und Regiseeure mehr im Lande haben, ohne die in einer hoch entwickelten Entertainment-Industrie per se nichts läuft.' (S. 163)

'Männer, die diese Technik ermöglicht haben...vor allem aber jüdischer Herkunft sind' (S. 128/139)

...ihre Juden...mit denen hätten sei den Krieg mit absoluter Sicherheit gewonnen.' (S. 163)

'die Menschen mit jüdischen Wurzeln natürlich, denn die sind stets in vorderster Linie dabei, wenn es um kulturelle Neuerungen geht' (S. 199)

Lobpreisung in Vollendung. Ob der Autor wirklich eine Garantie dafür geben kann, dass man im Falle einer Mordanklage in den USA dank eines jüdischen Anwaltes den Gerichtsaal als freier Mann verlässt? Fest steht, dass den Juden selbst solche Arien nicht recht ist. Dazu die bekannte Klage: 'Die einen beschimpfen mich wegen meines Judentums, die anderen gratulieren mir zu dazu - aber alle denken daran!'

Vielfach wurde dem Autor sein Stil vorgeworfen, das Buch sei übervoll mit Fäkaliensprache ('Schlafsack-F...-Event', etc.). Pirinccis Stil ist tatsächlich ein Problem, aber weniger in oben genannter Weise, sondern weil der Autor sich nicht für eine Stilrichtung entscheiden will. So schreibt er zuweilen im lesernahen Kumpelstil von Franz Konz ('Steuer-Konz'):

'Du Vollidiot! Du begreifst es immer noch nicht...Hä, lebst du im Wald oder hinterm Mond?' (S. 89)
'...mein Freund' (S. 90)
'Weißt du warum das so ist?... weil man dir von Kinderbeinen antrainiert hat...' (S. 175)

wobei er auch innerhalb dieses Stils seine Linie wieder verlässt und in die Höflichkeitsform abgleitet: 'Sie Depp!' (S. 106)

oder sogar in üblen Teenager-Jargon: 'Ist so ein evolutionäres Ding' (S. 272)

Dazu völlig unpassend verwendet Pirincci zwischendurch Fremdwörter wie 'indigene' oder
'autochton'. Letztes scheint überhaupt sein Lieblingswort zu sein (S. 41 / 70 / 72 / 73).

In krassem Gegensatz zum lockeren Plauderton verstopft Pirincci dann wieder seine Zeilen mit Bandwurmsätzen in einem unerträglichen Partizipialstil, den er auch in seiner Romanen gerne verwendet:

'Mit den Grünen meine ich gar nicht einmal die Partei an sich, sondern die seinerzeit sich immer lauter VERBREITENDE, aus den Siebzigern HERÜBERGERETTETE, allerdings nunmehr in eine alternative Pseudowissenschaft und AUFGESETZTE antikapitalistische Schämt-euch!-Attitüde VERKLEIDETE Hippie und Kommunisten-Denke, die zunehmende Technikfeindlichkeit und den sich intellektuell GEBENDEN Selbsthaß auf das eigene Land und das eigene Volk.' (S. 50)

'Es sind bleichgesichtige, zahnlose, VERWAHRLOSTE, nur in Lumpen und Decken GEHÜLLTE, vor Schmutz TRIEFENDE, Ekzeme und SCHWÄRENDE Wunden zur Schau TRAGENDE, eigentlich wie soeben ihren eigenen Gräbern ENTSTIEGENDE Alte.' (S. 74)

'Die total AUFREGENDEN, BERGSTEIGENDEN, keine-Tennissocken-und-Birkenstock-Sandalen-sondern-italienisches-Design-TRAGENDEN -Jude-Law-gestaltigen Männer (S. 111)

'Heute sind es grün-linke, jeden EU-Schwachsinn NACHBETENDE, den Islam ANHIMMELNDE, das eigen Volk BEARGWÖHNENDE, alles, was fremd ist, VERGÖTTERNDE, schlußendlich politisch korrekte Hände.' (S. 164)

'Abgesehen davon, dass er sich als Schreibender nicht zu doof vorkommt, die zum dreimillionsten Mal VERWENDETE, ABGEDROSCHENE Goebbels-Gleichung zu stellen und das eigentlich für Muslims ERFUNDENE Wort Hassprediger in pseudointelligenter Manier auf mich umzukehren und abgesehen von der Frage, ob er solchen einen Text über seinen Arbeitgeber, nämlich die über seine Demokratieabgabe BESTIMMENDE Regierung mit ihren einstmalig den millionfach Massenmördern Mao und Pol Pot HULDIGENDEN Mitgliedern bei den Grünen - ...' (S. 240)

'Dabei wird leicht übersehen, dass die Weiber in Wirklichkeit eine Schande für ihr Geschlecht sind, weil sie die die Stereotype von der parasitär am Manne (...) HÄNGENDEN, unlogischen Bockmist DAHERQUASSELNDEN, mit der Naturwissenschaft auf Kriegsfuss STEHENDEN, hysterisch KEIFENDENund sich selbst als verwelkte Frau ÜBERSCHÄTZENDEN Frau liefern.' (S. 259)

Weitere stilistische Verkorksungen kommen hinzu, nämlich:

1) törichte Verdopplungen:

'hochzustilisieren' (S. 24); stilisieren bedeutet bereits erhöhen

'mit absoluter Sicherheit' (S. 59, 83, 163); ist etwas nicht absolut sicher, dann ist es noch unsicher

'ich bin der festen Überzeugung'! (S. 98; überzeugt sein heisst bereits: fest an etwas glauben

'Schlußendlich' (2x S. 152 / 163/ 164, 200, 272);
'letzten Endes' (S. 121 / 164); wieviele chronologische Enden gibt es denn? Ein vorgeschaltetes Ende wäre noch kein Ende.

'Vollendet Tatsachen...' (S. 180); gibt es auch unvollendete Tatsachen? Dann wären es noch keine Tatsachen.

2) Wörter, die nicht im Plural existieren:

'Aktivitäten' (S. 42 / 140) bzw. 'Freizeitaktivitäten' (S. 143);
die Aktivität (Einzahl!) ist die Summe aller Tätigkeiten, ein Plural davon existiert genauso wenig wie von Fleiß oder Wut. "Aktivitäten" gibt es in korrektem Deutsch nicht, es ist eine Fehlherleitung des englischen "activities".
Auch dass das Wort im Duden steht, ändert daran nichts. Der Duden ist keine wissenschaftliche Quelle, sondern "schaut dem Volk aufs Maul". Wird ein Wort zwar falsch, aber nur genügend häufig gebraucht, erscheint es automatisch irgendwann im Duden.

3) falsche Superlative:

'Letztere' (S. 28): wie soll man das letzte noch steigern?
'Allersten und Allerwichtigsten' (S. 82) ; 'das allertraurigste Geheimnis (S. 101) ; 'allerschlimmsten Fälle' (S. 237);
auch die Vorsilbe 'aller' ändert nichts mehr.

Wie eine Bevölkerung 'einen durchschnittlichen Intelligenzquotienten von 110' (S. 98) besitzen kann, erschließt sich mir auch nicht. Der Durchschnitt ist auf nun mal auf 100 festgelegt.

'Zum Verständnis des Themas, das ich hier ansprechen möchte' (S. 231);
Ansprechen kann man Leute auf der Straße, aber kein Thema. Dieses kann man nur anschneiden, erwähnen oder zur Sprache bringen.

Pirinccis Grammatik regt manchmal zur Belustigung an, so auf Seite 165:

.'..ist die Tatsache, daß, weil die Öffentlich-Rechten...'

'daß, weil...' zwei Konjunktionen direkt hintereinander. Eine Steigerung schafft nur noch Martin Walser ('...daß ich, weil ich, wenn ich...').

Am schönsten allerdings auf S. 214 / 215:
'denn abgesehen davon, dass die Leserlichkeit meiner Formulierungen um Meilen besser ist als die des die deutsche Grammatik verkrüppelnden...türkischen Verfassers'

'als die des die'. Wer verkrüppelt hier die Sprache?

Wegen diesen sprachlichen Fehltritten gibt es ordentlich Punkteabzug und nicht wegen Pirinccis steiler Thesen.

Zum Thema Frauen schreibt Pirincci auf Seite 101:
'Die übrigen neunzig Prozent möchsten am liebsten ihre Kinder aufziehen, das Haus verschönern, sich um den Garten kümmern, den Urlaub planen, ein paar Stündchen einer Blaba-Tätigkeit nachgehen, damit sie unter die Leute kommen und vielleicht nebenbei ein Roman schreiben.'

Das mag so sein, nur trifft die These genauso auf Männer zu, vielleicht in dieser Form:
'Die übrigen neunzig Prozent möchten am liebsten faul vor dem Fernseher liegen, Fußball gucken, eine Flasche Bier trinken oder im Garten sitzen und grillen, ein paar Stündchen im Baumarkt stöbern und vielleicht am Wochenende mit ihren Kumpels einen trinken gehen, damit sie unter die Leute kommen.'

Das setzt Pirinccis These über die Frauen nicht außer Kraft, aber Bequemlichkeit gibt es eben geschlechterübergreifend.

Sehr recht hat Pirincci, wenn er meint, dass man den Nazis nicht das Copyright für bestimmte Begriffe zubilligen sollte:

'Allein das Wort `deutsches Volk` möchte es nicht in den Mund nehmen'
Faselt irgendwas von 'Bevölkerung' oder Menschen in Deutschland' (S. 124)

Zumal das Wort 'Bevölkerung' ohnehin schon überstrapaziert und sachlich falsch ist, denn 'bevölkern' bezeichnet den Vorgang des Ansiedelns (das Gegenteil wäre 'entvölkern').

Zum Thema Studienfächer meint der Autor:
'Geschwätzwissenschaften wie Politologie, Soziologie, Kunst, Jura oder irgendwas mit Medien. Es sind Berufe, in denen kein Mehrwert entsteht und die folglich nichts zum Wohlstand beitragen bzw deren Ergebnisse man 'nicht essen' kann. (S. 137)

Dem ist an sich kaum zu widersprechen, nur Jura möchte ich ausnehmen. Es entsteht dadurch zwar kein Mehrwert, aber Jura ermöglicht den Mehrwert. Ohne Rechtsordnung keine (mehrwertschaffende) Wirtschaftsordnung, ohne Strafrecht Anarchie. Außerdem ist die Jurisprudenz traditionell das 'Lieblingsfach' der von Pirincci so geschätzten Juden (vgl. seine Ausführungen zum jüdischen Rechtsanwalt, S. 58/59)

Bei den grünen Politikern verweist Pirincci mit Recht auf deren Biographie als ungelernte Taxifahrer, Kommunisten oder pfastersteinwerfende Hausbesetzer (S. 161). Allerdings sollte man jedem seine jugendlichen Verfehlungen zubilligen (Wer in der Jugend links ist, ist ein Idealist; wer es im Alter noch ist, ist ein Narr.). Auch verändert der berühmte Gang durch die Institutionen. Bestes Beispiel: Otto Schilly, erst grüner RAF-Anwalt, dann Law-and-Order-Innenminister mit der Lizenz zum Töten ('Wer den Tod liebt, kann ich haben.'). Nur Ströbele (Alter 76) bleibt der Unbelehrbare.

Unfreiwillig komisch wird es, wenn Pirincci sich über alte Herren mit ihren jüngeren Freundinnen lustig macht:

'...diese ehemaligen Programmleiter, Unterhaltungschefs...sich wegen ihrer aus Brasilien importierten, 35 Jahre jüngeren Freundinnen zum alten Narren machen...',

denn der Altersunterschied zwischen Pirincci und seine aktuellen Freundin (der Fangemeinde immer mal wieder auf Facebook präsentiert) beträgt kaum weniger Jahre.

Hervorragend sind seine Ausführungen zum altersbedingten Krebs, verursacht durch das zunehmende Risiko der Zellteilung (S. 263), nur gelingt Pirincci leider nicht der Schwenker zu seiner eigenen Lebensweise. Als jahrelanger Kettenraucher ist er der erste Kandidat für Blasenkrebs, in einem Alter jenseits der 40 umso mehr.

Bei seiner Gerichtsverhandlung wundert sich Pirincci über die Fragen des Richters zu seiner Familie und schließt daraus, man habe wissen wollen, ob von dieser Rache drohe, ob er ein 'schriftstellernder Buschido' (S. 264) sei. Die lapidare Begründung des Richters ('das gehört sich so') befriedigt Pirincci nicht.

Und doch muss man entgegenhalten: Fragen zu den sozial-familiären Verhältnissen des Angeklagten gehören bei Gericht zum Standardrepertoire und fallen unter die Rubrik 'Fragen zur Person'. Die Sozialprognose spielt nämlich, neben anderen Faktoren wie Reue, bleibender Schaden, Wiedergutmachung, etc. beim Strafmaß eine Rolle; wenn auch eher bei schweren Delikten, wozu eine Beleidigungsanklage nicht zählt.

Insofern kann Pirincci mit seiner These der Rachebefürchtung richtig liegen, muss aber nicht. Genauso wahrscheinlich ist, dass der Richter einfach penibel seinen Fahrplan zur Verhandlungsführung abgearbeitet hat (zur besseren Beurteilung wäre eine Angabe zum Alter des Richters nützlich gewesen).

Erschreckend, dass Pirincci schreibt: 'Obgleich der Gerichtssaal in dieser Stunde ziemlich leer war.' (S. 266). Ja warum das denn? Bei sovielen Facebook-Fans! War denn wenigstens ein Vertreter des Bonner Generalanzeigers vor Ort? Oder Rolf? Hier hat der Autor eindeutig versäumt Öffentlichkeit herzustellen, allein aus Marketing-Gründen.

Offenbar hatte Pirincci auch keinen Anwalt dabei (kennt er etwa keinen jüdischen?). Dann wären die Kosten für diesen sowie die Strafe über 4.000 Euro nämlich keine Ausgaben gewesen, sondern clevere Investition. Anscheinend hat Pirincci sich vor dem Amtsgericht selbst verteidigt.

Dass er die Geldstrafe als zu hoch empfindet ('Am Ende fragte ich den Richter, ob die 4.000 Euro Strafe ...nicht doch ein bißchen zuviel wären.', S. 266) muss umso mehr verwundern:
Die Höhe der Tagessätze richtet sich nach dem Einkommen. Zieht man Pirinccis Wirtschaftsverhältnisse heran (Gründerzeitvillen, Filmrechte, Bücherverkäufe) ist er noch relativ günstig davon gekommen.

Darüberhinaus hatte der natürlich die Möglichkeit gehabt, in Berufung zu gehen (diesmal mit Anwaltszwang beim Landgericht). Dort hätte die Aussicht bestanden, dass das Gericht den Tatvorwurf der Beleidigung ganz anders wertet (vgl. BGH-Urteil zur Schmähkritik), zumindest aber wäre in des Autors Sinne weitere mediale Aufmerksamkeit garantiert gewesen.

Mit dem Finanzamt hat Princci auch seine Probleme. Immer wieder stöhnt er über die für ihn ungerechtfertigten Einkommensteuer-Vorauszahlungen. Diese kann man (auf Antrag) heruntersetzen lassen, man muss dann halt (bei höherem Gewinn) entsprechend mehr nachzahlen. Die Finanzbehörde geht davon aus (in vielen Fällen zu Recht), dass sonst später keine Geld mehr vorhanden wäre, das der Steuerpfllichtige der Behörde überweisen könnte, weil häufig Umsatz mit Gewinn verwechselt wird (nicht nur in Bargeldbranchen wie der Gastronomie).

Mangold hat DvS mit 'Mein Kampf' verglichen. Das ist natürlich Unsinn und wer einem Autor vorwirft, er überspitze, übertreibe, polemisiere und hetzte, sollte nicht mit vermeintlich gleicher Münze zurückzahlen.

Ein Vergleich von DvS bietet sich trotzdem an und zwar mit Remarques 'Im Westen nichts Neues'. Er beantwortet nämlich die Frage, warum DvS ein Beststeller geworden ist. Nicht wegen seiner (mehr oder wenigen vorhandenen) Gossensprache, nicht weil hier ein Türke über Ausländer schimpft und auch nicht, weil ein Katzenkrimi-Autor kühl kalkulierend eine neue Fangemeinde entdeckt hat. Der Hauptgrund ist vielmehr folgender: Es herrscht - wie zu Remarques Zeiten - eine rießige Diskrepanz zwischen öffentlicher Meinung und veröffentlichter Meinung.

Anfang der 1930er Jahre fanden sich die deutschen Kriegsheimkehrer nicht in der Heroisierung des Militärischen wieder und sahen in Remarques Werk gegensätzliche Erfahrungen bestätigt. Genauso stark abweichend empfinden heute viele DvS-Leser ihre Erfahrungen von den Ansichten der Medien und den dort propagierten Leitbildern.


Kommentieren0
1
Teilen
Peter_Waldbauers avatar

Rezension zu "Yin" von Akif Pirinçci

Leider ein mißglücktes Epos
Peter_Waldbauervor einem Jahr

Vier Jahre hatte sich Akif Pirincci Zeit gelassen, um einen Roman zu schreiben, von dem er hoffte, damit endgültig den internationalen Durchbruch zu schaffen. (Obwohl er ihn ja eigentlich mit "Felidae" schon geschafft hatte.) Aber Pirincci zielte auf ein größeres, auf ein reiferes Publikum: den weiblichen Leser.
Wenn statistisch erwiesen ist, dass die meisten Belletristikleser Frauen mittleren Alters sind; wenn man seine Zielgruppe nicht nur im Voraus kalkulieren, sondern manchmal auch treffen kann (bei "Felidae"/ Katzenbesitzer funktionierte es, bei "Der Rumpf"/ Behinderte dagegen weniger); dann schrieb Pirincci diesmal gleich für die dankbarsten Abnehmer seiner Romane: für die Frauen. Leider ist das Projekt gründlich daneben gegangen.
Die eigentliche Handlung gerät ohnehin zur Nebensache, eine mühsam konstruierte Idee für einen Thriller. Ein weltweiter Virus muss herhalten für den Plot (die Idee erinnert an Stephen Kings "Das letzte Gefecht"). Aber Pirincci geht es ohnehin nicht um Suspense, ihn interessieren Biographien. Eine Lebensgeschichte nach der anderen wird in Rückblenden aufgerollt, sechs grundverschiedene Frauen portraitiert. Pirincci hatte viel recherchiert, der Erscheinungstermin von "Yin" musste immer wieder verschoben werden. Ursprünglich mit 500 Seiten geplant, schwoll der Roman an auf 800 Seiten.
Die Recherche-Wut des Autors ist im fertigen Werk zu spüren, der Roman überladen mit Details, die zur Handlung wenig beitragen. Über viele Seiten ähnelt "Yin" einem Dokumentarbericht über Frauenschicksale, denn einer Dramaturgie.
Einziger Lichtblick, die Episode um die naive Nutte Lilith. Das Milieu eines Edelbordells, die Ängste der Frauen, die Nöte ihrer Freier. Der Einblick, den der Autor hier gibt, wäre eine eigene Idee wert gewesen, hätte getragen eine ausführliche Kurzgeschichte oder einen kurzen Roman.
Das Epos "Yin" dagegen, der Versuch, den ultimativen Frauenroman zu schreiben, war vom Autor leider nicht zu stemmen.

Kommentieren0
0
Teilen
Peter_Waldbauers avatar

Rezension zu "Tränen sind immer das Ende" von Akif Pirinçci

Der deutsche "Fänger im Roggen"
Peter_Waldbauervor einem Jahr

Nicht zufällig erwähnt und preist Akif Pirincci in seinem Erstlingsroman einen Klassiker der amerikanischen Jugendliteratur: "Der Fänger im Roggen". Pirincci, der schon als Jugendlicher den sehnlichen Wunsch verspürte, Schriftsteller zu werden, war von J.D. Salinger inspiriert und von anderen Großen der amerikanischen Literatur. Poe, Lovecraft und Allen Ginsberg, aus dessen Gedicht sein Titel stammt: "Tränen sind immer das Ende"

Im Alter von 20 Jahren gab Hauptschüler Pirincci, der nichts gelernt hatte, sein Debüt und verarbeitete seine erste große Liebe in Romanform. Der Verkauf lief schleppend, in Kneipen versuchte Pirincci seine Liebesgeschichte an die Frau oder den Mann zu bringen. Bis zum großen Felidae-Erfolg sollten noch zehn Jahre vergehen.

In dieser Zeit mag Pirincci sich gefühlt haben wie Holden Caulfield, die Hauptfigur im "Roggen". Holden kämpft gegen das bevorstehende Erwachsenwerden, Pirincci gegen die Selbstzweifel eines angehenden Autors, gegen Lebens- und Verlustängste. Auch er irrt umher, getrieben aber ziellos, nicht in New York, sondern in der Eifel, wo er aufwuchs.

Bereits als Zwanzigjähriger überrascht Pirincci seine Leser mit einer Sprache, die ausgefeilt ist und präzise, Dialoge wie in der Realität erleben lässt und in ihrer Ehrlichkeit eben erinnert an Salingers berühmten „Fänger im Roggen“. Eine Leistung die umso erstaunlicher ist, wenn man bedenkt, dass das Gastarbeiterkind Akif Pirincci damals erst zehn Jahre in der Bundesrepublik und in der deutschen Sprache zuhause war.

 

Kommentieren0
1
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Zusätzliche Informationen

Akif Pirinçci wurde am 20. Oktober 1959 in Istanbul (Türkei) geboren.

Community-Statistik

in 1,131 Bibliotheken

auf 102 Wunschlisten

von 19 Lesern aktuell gelesen

von 17 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks