Akira Iriye

 4 Sterne bei 6 Bewertungen

Alle Bücher von Akira Iriye

Cover des Buches Geschichte der Welt 1945 bis heute (ISBN: 9783406641060)

Geschichte der Welt 1945 bis heute

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Erschienen am 18.10.2013
Cover des Buches Geschichte der Welt Die Welt vor 600 (ISBN: 9783406641015)

Geschichte der Welt Die Welt vor 600

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Erschienen am 19.09.2017
Cover des Buches Geschichte der Welt 1350-1750 (ISBN: 9783406641039)

Geschichte der Welt 1350-1750

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Erschienen am 17.10.2014
Cover des Buches Geschichte der Welt 1870-1945 (ISBN: 9783406641053)

Geschichte der Welt 1870-1945

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Erschienen am 12.03.2018
Cover des Buches Geschichte der Welt Gesamtausgabe (ISBN: 9783406641008)

Geschichte der Welt Gesamtausgabe

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Erschienen am 25.09.2012
Cover des Buches Geschichte der Welt Wege zur modernen Welt (ISBN: 9783406641046)

Geschichte der Welt Wege zur modernen Welt

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Erschienen am 21.07.2016

Neue Rezensionen zu Akira Iriye

Cover des Buches Geschichte der Welt 1870-1945 (ISBN: 9783406641053)A

Rezension zu "Geschichte der Welt 1870-1945" von Akira Iriye

Ein Buch von Professoren - für andere Professoren
Andreas_Oberendervor 3 Monaten

Die sogenannte "transnationale Geschichte" und die "Globalgeschichte" gehören derzeit zu den am meisten diskutierten Konzepten der Geschichtswissenschaft. Verfechter der Globalgeschichte wollen die Fixierung auf einzelne Staaten, Regionen oder Kulturkreise überwinden und stattdessen historische Prozesse und Phänomene in ihren globalen Dimensionen untersuchen. Für Aufsehen sorgte vor einigen Jahren der kühne Versuch des Historikers Jürgen Osterhammel, die Geschichte des 19. Jahrhunderts als Globalgeschichte darzustellen, losgelöst von den traditionellen Bezugspunkten der Geschichtswissenschaft wie dem Nationalstaat oder dem "Westen". Wer gedacht hat, ein so ambitioniertes Werk könne nicht überboten werden, der sieht sich nun eines Besseren belehrt. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die gesamte Weltgeschichte ins Visier der Globalhistoriker geraten würde.

Seit 2012 bringen Harvard University Press und der deutsche Verlag C.H. Beck gemeinsam ein auf sechs Bände angelegtes Werk heraus, das die Geschichte der Welt aus globalgeschichtlicher Perspektive neu vermessen und neu darstellen soll. Ein solches Vorhaben ist nur kollektiv zu bewältigen. Den Auftakt bildet der von der amerikanischen Historikerin Emily Rosenberg herausgegebene Band "1870-1945. Weltmärkte und Weltkriege", der es auf einen Textumfang von 1.000 Seiten bringt. Wenn alle Bände genauso oder auch nur annähernd so umfangreich ausfallen wie der Band "Weltmärkte und Weltkriege", dann wird die Reihe auf einen Gesamtumfang von 5.000 bis 6.000 Seiten kommen. Es stellt sich die Frage: Wer soll das alles lesen? Daran schließt sich eine zweite Frage an: Für wen sind die stattlichen (und teuren) Bände eigentlich gedacht? Welches Publikum haben die Verlage, Herausgeber und Autoren im Blick?

Der von Rosenberg herausgegebene Band ist in fünf Kapitel gegliedert, die so umfangreich sind, dass sie ohne Weiteres als separate Bücher veröffentlicht werden könnten. Die fünf Kapitel behandeln Themen, die als markante Leitmotive der Weltgeschichte zwischen 1870 und 1945 gelten können: Der Siegeszug des modernen Staates (Charles Maier); Kolonialreiche und Imperien (Tony Ballantyne/Antoinette Burton); Migrationsströme (Dirk Hoerder); Welthandel (Steven Topik/Allen Wells); die kulturelle Vernetzung der Welt (Emily Rosenberg). Alle Beiträge gehen von der Prämisse aus, dass die einzelnen Weltregionen gleichrangig zu behandeln sind, dass eine Bevorzugung Europas bzw. des Westens nicht mehr zeitgemäß ist. An die Stelle einer "Geographie des Raumes" tritt eine "Geographie der Zusammenhänge". Die Autorinnen und Autoren arbeiten die Hauptmerkmale der behandelten Epoche heraus: Die Verringerung räumlicher und zeitlicher Distanzen dank technologischer Innovationen; die Intensivierung von Herrschaft und Staatlichkeit; die sogenannte Zweite Industrielle Revolution; die zunehmende Verflechtung der Welt durch Wirtschaftsbeziehungen und Kulturtransfers.

Der Band weist ähnliche Schwächen auf wie Osterhammels "Verwandlung der Welt". Zunächst einmal wirkt der schiere Umfang des Buches abschreckend. Hinzu kommt, dass die Autorinnen und Autoren ein immenses ereignisgeschichtliches Vorwissen voraussetzen. In allen Kapiteln fallen jähe chronologische, geographische und thematische Sprünge auf, schlimmstenfalls sogar mehrfach auf einer Seite. Es mag ja sein, dass die Autorinnen und Autoren mühelos von Land zu Land und von Kontinent zu Kontinent springen können, ohne den Überblick zu verlieren. Aber was ist mit Lesern, die allenfalls die Geschichte ihres eigenen Landes oder Europas überschauen? Auf solche Leser wirken die Ausführungen der Autorinnen und Autoren rasch zusammenhanglos und verwirrend. Einige der Themen, etwa die von Hoerder behandelten globalen Migrationsströme oder die von Topik und Wells - auf 41 Seiten! - erörterten Dimensionen des weltweiten Weizenanbaus und Weizenhandels, sind eine trockene Materie, die vielleicht Fachleute zu interessieren vermag, für Laien aber eher langweilig ist. Man merkt: Hier schreiben Professoren, die auf ihren wissenschaftlichen Steckenpferden herumreiten, sich an ihrem Spezialwissen berauschen und sich kaum darum bemühen, die von ihnen propagierte Globalgeschichte in ansprechender, lesenswerter und unterhaltsamer Form zu präsentieren.

Dazu passt auch der sprachliche Duktus der Beiträge. Es wimmelt vor neumodischen "buzz-words", mit denen (zu) viele Historiker beweisen wollen, dass sie mit aktuellen Debatten und Forschungsparadigmen vertraut sind. Begriffe wie "Netzwerke" und "Vernetzung" sind noch harmlos. Unverständlich sind hingegen Wortungetüme wie "Konnektivität", "Gouvernementalität" und "Kommodifizierung". Was bitte schön soll das sein? Besonders Rosenberg, Ballantyne und Burton gleiten oft in verquasten akademischen Jargon ab. Sie traktieren den Leser mit Sätzen wie: "Wir orientieren uns an der postkolonialen Kritik und betrachten das Globale nicht als a priori bestehende Kategorie, sondern als Verortungsinstrument: als Deutungsrahmen, der es uns ermöglicht, ein Imperium in Relation zu einem sich herausbildenden, oftmals stockenden oder unvollständigen Gefüge von Prozessen zu setzen, statt es in einem territorial vorgegebenen Koordinatensystem zu verorten" (S. 303) oder auch "Die Metapher der Strömungen mit ihren Verbindungsknotenpunkten erleichtert einen analytischen Prozess, welcher sich der oftmals unausgeglichenen Interaktion zwischen lokalen, regionalen und globalen Ebenen widmet, dabei hin und her treibt und den großen wie den kleinen Kontext in den Blick nimmt" (S. 820f.). Gut lesbare Geschichtsschreibung klingt anders.

Fazit: Hier schreiben Professoren für andere Professoren, auch wenn Rosenberg einleitend erklärt, der Band richte sich auch an "allgemein interessierte Leser". Wenn dieser Leserkreis tatsächlich angesprochen werden soll, dann ist das Buch ein anschaulicher Beleg dafür, welch irrige und nebulöse Vorstellungen die akademische Geschichtswissenschaft davon hat, was historisch interessierte Laien lesen wollen. Für Laien, aber auch für Studierende ist der Band schwer verdauliche Kost. Im Laufe der Lektüre drängt sich der Eindruck auf, dass es sich bei dieser Buchreihe um ein akademisches und verlegerisches Prestige- und Renommierprojekt handelt, bei dem von vornherein einkalkuliert ist, dass die einzelnen Bände jenseits von Fachkreisen keine nennenswerte Leserschaft finden. Die englischsprachige Ausgabe von "Weltmärkte und Weltkriege" hat seit ihrem Erscheinen Ende 2012 bei Amazon USA erst eine und bei Amazon UK noch keine einzige Kundenrezension erhalten. Das ist ein Indiz für die geringe Resonanz, die das Buch bislang hervorgerufen hat, und sollte den beteiligten Verlagen, Herausgebern und Autoren zu denken geben. 

(Hinweis: Diese Rezension habe ich zuerst im März 2014 bei Amazon gepostet)

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Cover des Buches Geschichte der Welt Die Welt vor 600 (ISBN: 9783406641015)Sikals avatar

Rezension zu "Geschichte der Welt Die Welt vor 600" von Akira Iriye

Geschichte der Welt vor 600
Sikalvor 3 Jahren

Dieses umfangreiche Werk ist ein Teil der Reihe „Geschichte der Welt“ bei C.H. Beck und spannt einen Bogen vom Aufbruch des Homo erectus aus Afrika vor 1,8 Millionen Jahren bis 600 n. Chr. Chronologisch ist somit dieser Band der erste aus dieser Reihe und umfasst folgende Themengebiete:

 

-         Vor- und Frühgeschichte

-         Die frühen Hochkulturen Ägyptens und Vorderasiens

-         Die Welt der klassischen Antike

-         Das Alte China

-         Südasien und Südostasien


Das Thema Vor- und Frühgeschichte beschäftigt sich mit der Entwicklung zum modernen Menschen, der Sesshaftwerdung, Gruppenidentität, mit komplexen Gesellschaften. Ebenso mit Gebieten jenseits der Hochkulturen, wo wir z.B. auch der Hallstattkultur begegnen. Der Verfasser – Hermann Parzinger – spannt den Bogen über die Ausbreitung des Neolithikums, die Beschreibung sämtlicher Kulturverhältnisse, sowie ebenso auf das subsaharische Afrika, auf Nord-, Mittel- und Südamerika, um eine globale Perspektive zu erreichen. In der Schlussbetrachtung verbindet Parzinger sämtliche Weltregionen miteinander, vergleicht die kulturellen Entwicklungen.

 

Die Hochkulturen Ägyptens von der Verfasserin Karen Radner beschäftigen sich hauptsächlich mit dem Zeitalter der frühen Staaten (Frühbronzezeit), der Entwicklung der Schrift (Mittelbronzezeit), ebenso dem kurzlebigen mesopotamischen Reich, der Spätbronzezeit bis hin zur frühen Eisenzeit.

 

Hans-Joachim Gehrkes Thema über die Welt der klassischen Antike beschäftigt sich mit den Gebieten rund um das Mittelmeer, mit der Spaltung der Welt, der Republik der Römer (deren Höhepunkt und Fall), der hellenistischen Welt sowie zuguterletzt die Entstehung des römischen Kaiserreiches.

 

Das Kapitel um das Alte China von Mark Edward Lewis zeigt uns einleitend einen geographischen Hintergrund und vernetzt die vielfältigen Bereiche, berichtet über die Entstehung der ersten Kaiserreiche, der frühen Städte. Ergänzend findet man Abschnitte über die großen Familien Wei und Jin, die Militärdynastien, die institutionellen Religionen Daoismus und Buddhismus bis hin zur Wiedervereinigung Chinas und den Niedergang der Sui-Dynastie.

 

Axel Michaels Bereich umfasst die Zeitspanne von ca. 2600 v.Chr. bis 600 n.Chr. in Südasien und Südostasien und beschäftigt Themen, wie z.B. die Harappakultur, die vedische Kultur, Formation des Hinduismus bis hin zu Indiens Einflüssen auf Ost- und Südostasien. Interessante Abschnitte waren hier besonders die Genese des Kastensystems sowie sehr informativ die Stellung der Frau.

 

Viele Karten und Skizzen ergänzen dieses Buch und machen das Werk zu einem umfassenden Nachschlagewerk für Interessierte. Diese Geschichte der Welt ist ein äußerst informatives Werk, das einen weiten zeitlichen Bogen spannt, viele Themenbereiche abbildet und diese ausführlich herausarbeitet.

5 wohlverdiente Sterne.

 

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Cover des Buches Geschichte der Welt 1350-1750 (ISBN: 9783406641039)M

Rezension zu "Geschichte der Welt 1350-1750" von Akira Iriye

Weltreiche und Weltmeere
michael_lehmann-papevor 7 Jahren

Weltreiche und Weltmeere

Im Rahmend er auf sechs Bände angelegten Reihe des Beck-Verlages zur „Geschichte der Welt“ setzten sich die verschiedenen Autoren in diesem (wie gewohnt schon von der Seitenzahl sehr umfangreichen Werk) den Schwerpunkt der Entstehung und Stabilisierung der „Weltreiche“ durch die Beherrschung der Meere von 1350-1750.

Und dies, ein durchaus frischer Ansatz, nicht aus der sattsam bekannten Perspektive einer europäischen Zentrierung (Spanien, Holland, vor allem England), sondern „von den Rändern her betrachtet“.

Wie war die Lage, die Reaktionen, die innenpoltischen Strömungen zu jener Zeit in Eurasien (China, Russland, Japan, Korea u.a.)?

Welche Entwicklungen, auch angesichts der europäischen Entwicklungen, nahm das osmanische Reich und die islamische Welt (Iran)?

Neben den beginnenden Handelsrouten, der Kolonialisierung fand in Südasien und dem indischen Ozean eine eigenständige Entwicklung statt, der auf knapp 150 Seiten im Buchen nachgegangen wird, ebenso, wie Südostasien und Ozeanien einen eigenen Hauptteil darstellen.

Natürlich wird auch ein Blick (komprimiert und relativ kurz mit den 100 Seiten im Buch) auf Europa selbst geworfen. Dieser steht aber weniger unter einer Nachzeichnung der „Eroberung der Meere“, sondern konzentriert sich auf den „Un-Zusammenhang“ der Menschen auf den drei beteiligten Kontinenten, bis es dann zur „Kenntnis“ der anderen und zur „Unterwerfung“ durch die europäischen Mächte kam.

Ein an sich vertretbarer Ansatz, denn in jenen Jahrhunderten herrschte „über die Welt“, zumindest aber über das nähere Einflussgebiet immer jene Kräfte, welche die Meere beherrschten, deren Flotten am weitesten fortgeschritten waren.

Ereignisse, die in ihrer vielfach national geprägten Weise durchaus, wie die Herausgeber herausstellen, die Grundlagen für die heutige Globalgeschichte durchaus legten. Die „fünf verschiedenen Welten“ begannen, langsam zwar und mit Risiken behaftet, aber dennoch zu „interagieren“. Dennoch wäre ein rein solcher Blick auf die „Weltgeschichte“ der verschiedenen Regionen zu verkürzt und zu sehr teleologisch aus gegenwärtiger Sicht beeinflusst. Bei der Entwicklung zur Gegenwart hin handelt es sich eher, wie die Herausgeber feststellen , um eine „Akkumulation in Schüben“ mit durchaus zeitweise auch Zurückbildungen

Daneben aber liegen faktisch eigenständige Geschichte und Geschichtsbilder je regional geprägt vor, hier gilt es, die jeweiligen Vergangenheiten „nach deren eigenen Bedingungen zu rekonstruieren“. So wendet sich das Buch in seiner Zielsetzung entschieden gegen eine (rein) „eurozentrierte Sicht“ der Weltgeschichte und setzt daher logischerweise die anderen Teilnehmer am „Meeres-Geschehen“ deutlicher in den Mittelpunkt der Betrachtungen.

Im Gesamten ergeben sich in den einzelnen Hauptteilen und den einzelnen Einlassungen der verschiedenen Autoren durchaus profunde Bilder der Zeit und ein sorgsames Nachgehen der je individuellen, regionalen Geschichte (man könnte sagen der „kleineren Weltreiche“ oder der Versuche der Expansion).

Eine Schwäche der Darstellung ist dabei die starke Abgrenzung, die teils kleinteilige, nur für sich bestehende Betrachtung der Historie. Vom vielleicht mangelndem Interesse mancher Leser an bestimmten Ereignissen in Südostasien in jenen Jahrhunderten einmal ganz abgesehen, fehlt am Ende der verbindende Blick, die Betrachtung der Folgen einzelner regionaler Ereignisse für den weiteren Fortgang der Geschichte und den Gesamtzusammenhang.

Für an konkreter Regionalgeschichte anderer Kontinenten interessierte Leser bietet dieses Werk eine breite und detaillierte Darstellung oft nicht sonderlich bekannter historischer Entwicklungen und Ereignissen, als „Geschichte der Welt“ aber ist das Buch zu sehr regional ausgerichtet in seiner Darstellung. Der bessere Titel wäre :“Die Geschichte der anderen oder des Restes der Welt“ gewesen.
Wie auch nichtunbedingt jede regionale Kraft im Buch als „Weltreich“ zu bezeichnen wäre.

Dennoch bietet sich in den einzelnen Darstellungen profundes und fundiertes Wissen mit hohem Informationsgehalt. 

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