Der Weg der Wünsche

von Akos Doma 
4,0 Sterne bei6 Bewertungen
Der Weg der Wünsche
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Beeindruckende Schilderung einer Flucht von Ost nach West - allerdings im Jahre 1980.

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Inhaltsangabe zu "Der Weg der Wünsche"

Für Teréz und Károly ist das Leben im sozialistischen Ungarn unerträglich geworden. Niemand darf von ihren Fluchtplänen erfahren – schon gar nicht ihre Kinder Misi und Borbála, die erst während der angeblichen Urlaubsfahrt verstehen, wohin es wirklich geht. Mit viel Wagemut schaffen es die vier über die Grenze nach Italien. Dort stellt sie der sich endlos dehnende Sommer im desolaten Auffanglager auf eine Probe, die keinen von ihnen unberührt lässt: Károly und Teréz werden sich fremd; der achtjährige Misi erfährt die volle Härte der Erwachsenenwelt; Borbála verliebt sich zum ersten Mal. Die Familie droht zu zerbrechen, noch bevor sie ihr Ziel – Deutschland – erreicht …
Akos Doma, der selbst als Jugendlicher mit seiner Familie Ungarn verließ, erzählt die Geschichte einer dramatischen Flucht. Hellsichtig und mit großer sprachlicher Kraft zeigt sein Roman, was Heimatlosigkeit und Ungewissheit im Menschen anrichten können – und wie sie ihn verändern.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783499272592
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:336 Seiten
Verlag:ROWOHLT Taschenbuch
Erscheinungsdatum:17.11.2017

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    Xirxes avatar
    Xirxevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Beeindruckende Schilderung einer Flucht von Ost nach West - allerdings im Jahre 1980.
    Der Weg in die Freiheit ist kein leichter

    Und noch ein Flüchtlingsbuch, allerdings aus einer Zeit, in der Flüchtlinge aus dem Osten noch eher selten waren. Es ist 1980, Ungarn hat eine autoritäre kommunistische Regierung, die durch die Sowjetunion gesteuert wird, wobei im Vergleich zu seinen Nachbarstaaten Polen, Tschechoslowakei usw. in vielen Bereichen eine gewisse Liberalität Einzug gehalten hat. Doch Ungarinnen und Ungarn, die sich weigern, Mitglied der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei zu werden und/oder nicht mit deren Meinung übereinstimmen, haben es schwer in ihrem Leben. Sie und ihre Familien müssen sich mit schlechten Wohnverhältnissen zufriedengeben, werden im Berufsleben benachteiligt und laufen Gefahr, überall drangsaliert zu werden. Teréz und Károly halten dies nicht mehr aus, vor allem Teréz will dieses Land, das sie trotz allem liebt, mit ihrem Mann und den beiden Kindern verlassen. Im Sommer ist es soweit: Offiziell brechen sie zum Plattensee auf, um dort Ferien zu machen. Doch ihre Fahrt geht weiter: nach Jugoslawien, um von dort die Grenze nach Italien zu überqueren und weiter nach Deutschland zu fahren.
    Für Jemanden, der sein Leben lang ein Heim hatte, ist es schwer nachvollziehbar, was es bedeutet, auf der Flucht zu sein. Am Beispiel der Familie Kallay schildert Akos Doma überzeugend, welche Hoffnungen, aber auch wieviel Druck und und Angst dieser Exodus mit sich bringt. Die Freude auf ein Leben in Freiheit und ohne Bespitzelung; auf eine gerechte Behandlung ohne Furcht vor Wilkür. Aber auch die Last des untätigen Wartens auf die erlösenden Papiere; die zunehmende Besorgnis was werden soll, wenn die Papiere nicht kommen. Das Paar Kallay mag bemerkenswert naiv wirken in ihrem Glauben an das Gelingen ihrer Flucht, doch ihre jeweiligen Vergangenheiten, die als Erinnerungen oder Erzählungen immer wieder in die laufende Geschichte eingeschoben sind, machen klar, dass es keine Naivität ist, die sie so hoffnungsvoll sein lässt. Beide haben sich den Optimismus und die innere Überzeugung an das Gute im Menschen und im Leben bewahrt, sodass sie trotz ungeahnter Schwierigkeiten im gelobten Westen, weitermachen. Ungeachtet diverser Rückschläge und obwohl der Schluss des Buches das Ende der Reise offen lässt, bin ich mir sicher: Es wird gelingen; ihre Reise und ihr Ankommen in einem neuen Leben.
    Ein schönes Buch, doch ein bisschen wundert es mich schon, dass es auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2015 zu finden ist. Aber da habe ich mich ja schon ein paar Mal gewundert ;-)

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    Bookster_HROs avatar
    Bookster_HROvor einem Jahr
    Akos Doma | DER WEG DER WÜNSCHE

    INHALT: Anfang der 1970er Jahre beschließen Károly und Teréz Kallay, ihr Heimatland Ungarn zu verlassen. Beruflich und auch privat sind die beiden an einem Punkt angelangt, der diesen großen Schritt unabwendbar macht: Der Staat lässt ihre Karrieren durch bloße Willkür stagnieren, Bespitzelung durch die Nachbarschaft steht auf der Tagesordnung – das Leben der Kallays ist schlicht unerträglich. Mit ihren Kindern Bori und Misi, ihrem Hund und dem nötigsten Gepäck machen sie sich auf den Weg nach Jugoslawien, um über Italien und die Schweiz nach Deutschland zu gelangen, ihrem eigentlich Ziel. Doch die Familie, sowohl als Einheit als auch jeder für sich, wird auf harte Proben gestellt.

    Im Flüchtlingslager in Capua bei Neapel herrschen desolate Zustände. In den fenster- und türlosen Behausungen muss die Familie ihre Privatsphäre komplett aufgeben und sich zwischen all den hunderten Flüchtlingen jeden Tag neuen Gefahren stellen. Und während der achtjährige Misi einem durchgeknallten Waffennarr folgt, die jugendliche Bori sich in einen zwielichtigen Straßenzauberer verliebt und Vater Károly verzweifelt versucht, die Familie finanziell über Wasser zu halten, geht Mutter Teréz (stets die treibende Kraft) einen Handel mit dem korrupten und machtbesessenen Lagerdirektor ein, der ihr mehr abverlangt, als sie zu geben imstande ist. Die Familie droht zu zerbrechen…

    FORM: Akos Doma (*1963) beginnt seinen Roman mit dem Geburtstag Misis, einer Idylle in ruhigen Sätzen, einem Stil dem er auch später, wenn die Odyssee der Kallays aufreibend und dramatisch wird, treu bleibt bis zum Ende. Nie verliert er als Erzähler die Ruhe und die Kontrolle über seine Figuren, das gibt der Geschichte einen sehr realistischen Ton.

    Unter die Kapitel, die chronologisch die Flucht und die Ereignisse in Capua beschreiben, sind auch Kapitel gestreut, die Licht ins Dunkel der Geschichte der Kallays bringen und erklären, warum es die Familie in Ungarn so schwer hatte. Ein sehr interessantes Detail, das dabei zum Vorschein kommt, ist, dass jeder in der Familie irgendwann privat oder politisch vor etwas flieht – den Kallays scheint die Flucht als solches in den Genen zu liegen. Diese zweite Ebene, die Doma nach und nach entblättert, gibt dem Roman die Tiefe, die er braucht, um nicht bloßer Flüchtlingsbericht zu bleiben.

    FAZIT: Im Leseprobenheft für den diesjährigen Deutschen Buchpreis (DER WEG DER WÜNSCHE stand auf der Longlist) war mir der Text nicht weiter aufgefallen, was vielleicht auch ein wenig am Thema lag, das nicht unbedingt zu meinen Jagdgründen zählt. Aber eine Lesung im Literaturhaus Rostock und ein sehr angenehmes Gespräch mit dem Autor danach hatten mein Interesse geweckt.

    Für meinen Geschmack ist der Text fast zu ruhig; ein bisschen mehr Druck aufs Gaspedal hätte an einigen Stellen gutgetan. Dennoch ist DER WEG DER WÜNSCHE ein sehr lesenswerter Roman, der zum einen einer Epoche der europäischen Geschichte ein Denkmal setzt und zum anderen an die Kraft und den Zusammenhalt der Familie appelliert. 4 Sterne plus Leseempfehlung!

    *** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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    BWV-57s avatar
    BWV-57vor einem Monat
    T
    ttowervor 2 Jahren
    Sabrina1978s avatar
    Sabrina1978vor 2 Jahren
    Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren

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