Akwaeke Emezi

 4.5 Sterne bei 2 Bewertungen
Autorin von Süßwasser.

Lebenslauf von Akwaeke Emezi

Autobiografisches Schreiben gegen die Angst: Akwaeke Emezi ist eine junge nigerianische Autorin und Videokünstlerin. Sie wuchs im ländlichen Nigeria auf, erfuhr aber eine Ausbildung in New York und schloss diese mit einem Master of Public Administration ab. Ins öffentliche Bewusstsein trat Emezi erstmals 2015, als sie für ihre Video-Arbeit „The Unblinding“ mit Mitteln des Global Arts Fund bedacht wurde. Auch ihre Schriftstellerkarriere wurde von Stipendien befördert. Ihre Kurzgeschichte „Who Is Like God“ wurde 2017 mit dem Commonwealth Short Story Prize in der Kategorie „Africa“ ausgezeichnet. Auf Englisch erschien ihr Debütroman „Freshwater“ im März 2018. Das autobiografische Werk setzt sich mit bipolarer Erkrankung bzw. Welterfahrung auseinander und wurde von der amerikanischen Kritik zum Teil frenetisch gefeiert. In einem Interview erklärt Emezi, sie würde ihren Ängsten trotzen, indem sie gegen diese anschreibe. Die deutsche Übersetzung folgt unter dem Titel „Süßwasser“ Ende August 2018 im Eichborn Verlag. Obwohl Akwaeke Emezi in den Sozialen Medien sehr aktiv ist und regelmäßig twittert, hält sich die Autorin über ihr Privatleben bedeckt.

Alle Bücher von Akwaeke Emezi

Süßwasser

Süßwasser

 (2)
Erschienen am 31.08.2018

Neue Rezensionen zu Akwaeke Emezi

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Rezension zu "Süßwasser" von Akwaeke Emezi

Faszinierend
lizlemonvor 3 Monaten

Ein Großteil der Geschichte spielt sich im Geist der jungen Nigerianerin Ada ab. Trotzdem ist „Süßwasser“ unheimlich lebendig und clever und schockierend. In Adas Kopf haust nicht nur ihre eigentliche Persönlichkeit, sondern auch sogenannte Ọgbanje. Dem Aberglauben nach handelt es sich dabei um tote Seelen, die sich in einem menschlichen Körper einnisten. Adas Eltern lassen die Tochter früh im Stich. Schon als Kind erlebt sie Gewalt und sexuellen Missbrauch. Für diese dramatischen Momente versuchen die Ọgbanje zu kompensieren, indem sie auf tragische Weise die Kontrolle über Adas Körper übernehmen. Ada erinnert sich hinterher entweder gar nicht mehr daran, was ihr zugestoßen ist, oder sie nimmt die Geschehnisse beinahe so distanziert wahr, als wären sie einer Fremden passiert. Die Ọgbanje versuchen einerseits Ada vor den psychologischen Auswirkungen des Erlebten zu schützen, folgen aber andererseits selbst einer niederen Motivation und führen Ada immer wieder absichtlich in gefährliche Situationen. Der Roman ist eine Art Coming-of-Age-Story: Wird Ada, während sie im Laufe der Geschichte erwachsen wird, die vielen Teile ihrer Persönlichkeit akzeptieren oder daran zugrunde gehen?  

 

Akwaeke Emezi erzählt „Süßwasser“ abwechselnd aus der Wir-Perspektive der Ọgbanje und der Ich-Perspektive einer Teilpersönlichkeit, die vor allem in sexuellen und gefährlichen Situationen zum Vorschein tritt und Ada lenkt. Ada selbst kommt dazwischen nur ganz kurz zu Wort. Das zeigt deutlich, dass sie keine richtige Kontrolle über ihr eigenes Leben hat. Der Wir-Erzähler spricht immer von „der Ada“, so als wäre sie ein Objekt, und beschreibt sie gnadenlos als „unsere kleine Fleischansammlung“ oder „einen Sack aus Haut“. Hier entsteht ein spannender Kontrast: Einerseits sind die Persönlichkeiten auf Adas menschlichen Körper angewiesen, um in dieser Welt existieren und handeln zu können. Andererseits haben sie keinen Respekt vor ihrem Körper und richten Ada physisch und psychisch zugrunde.

 

Ob man das Beschriebene nun als multiple Persönlichkeit oder als Ọgbanje bezeichnet, ist eigentlich egal. Auf beeindruckende Weise erkundet der Roman, was zu einer Identität gehört, welche Masken der Mensch trägt und wie er Erlebtes verarbeitet. Die psychologisch und emotional ausgefeilte Geschichte erzählt die Autorin mit ausdrucksstarken Metaphern, die sofort pulsierende Bilder im Kopf entstehen lassen. Emezis lustvoller, oft schonungsloser Umgang mit Sprache stürzt den Leser in einen faszinierenden Strudel aus Sinneseindrücken.

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