Alaa al-Aswani

 3.8 Sterne bei 31 Bewertungen
Autor von Der Jakubijân-Bau, Der Automobilclub von Kairo und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Alaa al-Aswani

Eine literarische Analyse der ägyptischen Gesellschaft: Der ägyptische Autor Alaa al-Aswani hält sich in seinen politischen Romanen nicht mit seiner Meinung zurück. Sein Debütroman „Imarat Ya‘qubian“ ist eine Analyse der ägyptischen Gesellschaft und ihrer Tabus, die al-Aswani anhand der fiktiven Bewohner des Ya‘qubian-Gebäudes in Kairo darlegt. Dabei behandelt er Tabuthemen wie Homosexualität, die Klassengesellschaft und Korruption. Nach seinem Erscheinen im Jahr 2002 wurde der Roman ein Bestseller im arabischsprachigen Raum. Bald darauf wurde er in mehrere andere Sprachen übersetzt. 2007 erschien er in Deutschland unter dem Titel „Der Jakubijan-Bau“. Al- Aswania Nachfolgeromane „Chicago“ (erschien in Deutschland 2008; Originaltitel „Shikaju“), „Der Automobilclub von Kairo“ (2015) und „Ägypten: Illusion einer Republik“ (2018) sind ebenfalls politisch motiviert und werfen einen genauen Blick auf die aktuelle Lage in Ägypten. Außerhalb seiner Romane ist al-Aswani als Journalist tätig und engagiert sich in der Oppositionsbewegung Kifaya. Er verfasste mehrere Essays zu der politischen Situation in seinem Land und seine Artikel erscheinen weltweit. Daneben arbeitet er noch heute in seinem ursprünglich erlernten Beruf als Zahnarzt.

Alle Bücher von Alaa al-Aswani

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Der Jakubijân-Bau

Der Jakubijân-Bau

 (26)
Erschienen am 24.07.2019
Chicago

Chicago

 (2)
Erschienen am 01.11.2015
Der Automobilclub von Kairo

Der Automobilclub von Kairo

 (2)
Erschienen am 24.05.2017
Im Land Ägypten

Im Land Ägypten

 (0)
Erschienen am 23.08.2011
Ein Paradies aus Nichts

Ein Paradies aus Nichts

 (0)
Erschienen am 01.08.2015
Ich wollt', ich würd' Ägypter

Ich wollt', ich würd' Ägypter

 (0)
Erschienen am 01.02.2012

Neue Rezensionen zu Alaa al-Aswani

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sabatayn76s avatar

Rezension zu "Der Automobilclub von Kairo" von Alaa al-Aswani

‚Wir sind aus Ihrer Vorstellung ins richtige Leben hinausgetreten.'
sabatayn76vor einem Jahr

‚Wir sind aus Ihrer Vorstellung ins richtige Leben hinausgetreten. Sie haben uns im Roman geschaffen. Sie haben sich die Details unseres Lebens ausgemalt und aufgeschrieben. An einem bestimmten Punkt der Zeichnung einer Persönlichkeit entsteht diese gewissermaßen wirklich. Sie verschiebt sich von der Vorstellungswelt in die reale Existenz.‘

Der Ich-Erzähler des einleitenden Kapitels braucht Abstand von seiner Familie und zieht sich in sein Haus an der Küste zurück, um dort seinen neuen Roman zu beenden. Da bekommt er unerwarteten Besuch: Kâmil Gaafar und seine Schwester Sâliha, die vom Ich-Erzähler entworfenen Romanfiguren, stehen vor der Tür. Sie möchten den Schriftsteller davon überzeugen, dass sein aktueller Roman noch nicht gedruckt werden kann, da in diesem ihre Gefühle und Gedanken noch fehlen. Der Ich-Erzähler wirft sie aus seinem Haus, bereut aber später seine unfreundliche Art und fängt an, das veränderte Manuskript auf einer für ihn hinterlassenen CD zu lesen.

Der Roman des Ich-Erzählers bzw. das veränderte Manuskript spielt hauptsächlich zur Zeit des Königreichs Ägypten, auch (Neues) Ägyptisches Reich genannt, das von 1922 bis 1953 bestand. Der Leser erfährt dabei vom angesehenen Automobilclub in Kairo, der im Jahre 1924 offiziell eröffnet wurde, wo selbst der König ein- und ausgeht, wo der gefürchtete Kô, die rechte Hand des Königs, mit Willkür und Gewalt die Angestellten des Automobilclubs unterdrückt, wo sich eines Tages Menschen gegen die britische Besatzungsmacht und die Monarchie auflehnen, und wo der Leser die Familie Gaafar kennenlernt, deren Mitglieder eng mit dem Automobilclub verbunden sind.

Ich habe vor mehr als 15 Jahren sehr viele Romane des ägyptischen Literatur-Nobelpreisträgers Nagib Machfus gelesen und hatte mir von ‚Der Automobilclub von Kairo‘ eine (zumindest inhaltlich) ähnliche Lektüre erhofft, die mich nach Kairo versetzt. Und dies ist Alaa Al-Aswani tatsächlich gelungen, und sein Roman hat mir nicht nur schöne Lesestunden beschert, sondern er hat mir auch Lust darauf gemacht Machfus‘ Kairo-Trilogie und seine anderen Romane erneut zu lesen.

Al-Aswani beschreibt seine Figuren und seine Schauplätze mit Detailverliebtheit und einer gewissen orientalischen Opulenz, die es ermöglicht, beim Lesen voll und ganz in seine Welt rund um den Automobilclub einzutauchen. Dabei entwirft er - typisch für die arabische Fabulierkunst - unterschiedliche Handlungsstränge, die ein komplexes Bild der ägyptischen Gesellschaft zeichnen. Alle diese Handlungsstränge, deren gemeinsamer Nenner der Club bzw. das Automobil an sich ist, empfand ich als hervorragend ausgearbeitet und spannend erzählt, so dass ich keine einzige der 650 Seiten langatmig oder zu weitschweifig fand.

Al-Aswanis Sprache ist anspruchsvoll, doch lässt sich der Roman trotz langer Sätze und der inhaltlichen Komplexität schnell und unterhaltsam lesen. Zu einem gewissen Teil ist dies sicher der ausgezeichneten Charakterisierung der Protagonisten geschuldet, die beim Lesen allesamt zu Leben erwachen - so ähnlich, wie es dem Ich-Erzähler im einführenden Kapitel passiert. Spannung erzeugt Al-Aswani zudem dadurch, dass man zwar von Anfang an den spannenden Erzählsträngen folgt, aber
auf den ersten 200 Seiten nicht recht weiß, wohin die Geschichte treiben wird.

All dies macht ‚Der Automobilclub von Kairo‘ zu einem besonderen Roman, der lebendig und farbenprächtig ist, der historische Fakten vermittelt, der einen Einblick ins Leben in Ägypten ermöglicht und der zudem neugierig macht auf weitere Bücher Al-Aswanis, der hierzulande kaum bekannt ist, von dem jedoch bereits drei Romane und mehrere Erzählungen und Essays in deutscher Sprache erschienen sind.

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andheus avatar

Rezension zu "Der Jakubijân-Bau" von Alaa al-Aswani

Der Jakubijân Bau
andheuvor 3 Jahren

https://andheu.com/2016/04/06/der-jakubijan-bau-alaa-al-aswani/

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wandablues avatar

Rezension zu "Chicago" von Alaa al-Aswani

Über Heimat, Prägung und Rassismus
wandabluevor 3 Jahren

Über Heimat, Prägung und Rassismus
Alaa al-Aswani, Jahrgang 1957, der in Kairo journalistisch und schriftstellerisch tätig ist, jedoch in den Staaten erst einmal Zahnmedizin studierte, war mir bis dato völlig unbekannt.

Es ist nicht unüblich, dass sich junge Leute aus Ägypten mächtig ins Zeug legen, um ein Auslandsstipendium zu bekommen und z.B. in den Staaten ein naturwissenschaftliches oder medizinisches Fach studieren. Sind sie dann zurück machen sie unter Umständen beruflich etwas anderes. Nicht die Liebe zum Fach, sondern die Liebe zum Diplom, das Anerkennung schafft und Dollars verheißt, treibt sie. Sagt al-Aswani. Im Roman.

„Chigaco“ ist eigentlich ein Roman über ägyptisch-arabische Denkweise, nicht über Chigaco, wie man irrtümlich meinen könnte, ein Roman über Heimat, Rassismus, Hierarchie und Patriarchismus, Korruption, politische Einschüchterung, Frauenfeindlichkeit und religiöse Zwänge. Und sexistisch.

Neun der neunzehn, unterschiedlich stark ausgeprägten Charakterbilder, sind äyptischstämmigen Menschen gewidmet, die sich entweder gerade zu Studienzwecken am histologischen Institut in Chicago aufhalten oder die amerikanische Staatsbürgerschaft erlangt haben und Einfluß und Position in der westlichen Gesellschaft haben. Doch die Heimat behalten sie im Blut, sie und deren Prägungen bilden den Urgrund ihres Handelns und läßt sie mehr oder weniger scheitern; die positiven Ausblicke sind sparsam und fragwürdig.

Aber auch die Hingabe an die Wissenschaft und die Ungerechtigkeiten jeden politischen Systems sowie die Unfähigkeit selbst der gewilltesten Menschen, soziale und kindheitsgeprägte Vorurteile auf Dauer zu überwinden, sind die Thematik dieses Romans.

Die Protagonisten al-Aswanis haben mich fasziniert und abgestoßen. Dass sämtliche soziale Interaktionen einen sexistischen Einschlag haben ist befremdend. Doch, was auch immer man über die Charaktere al-Aswanis denken mag und die Handlungen, zu denen der Autor sie zwingt, sie sind lebendig und packend.

Fazit: Der Roman „Chicago“ ist seltsam faszinierend, abstoßend, sexistisch und doch packend und zugleich Gesellschaftskritik vom Feinsten.

Kategorie: Moderne Literatur
Verlag: Lenos, 2008, 1. Aufl.

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Alaa al-Aswani wurde am 26. Mai 1957 in Kairo (Ägypten) geboren.

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