Das Integrationsparadox

von Aladin El-Mafaalani 
5,0 Sterne bei2 Bewertungen
Das Integrationsparadox
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Der Klappentext verspricht nicht zu viel - ein sehr lesenswertes Buch!

J

Überzeugend und weiterführend.

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Inhaltsangabe zu "Das Integrationsparadox"

Zusammenwachsen tut weh
Wer davon ausgeht, dass Konfliktfreiheit ein Gradmesser für gelungene Integration und eine offene Gesellschaft ist, der irrt. Konflikte entstehen nicht, weil die Integration von Migranten und Minderheiten fehlschlägt, sondern weil sie zunehmend gelingt. Gesellschaftliches Zusammenwachsen erzeugt Kontroversen und populistische Abwehrreaktionen – in Deutschland und weltweit.
Aladin El-Mafaalani nimmt in seiner Gegenwartsdiagnose eine völlige Neubewertung der heutigen Situation vor. Wer dieses Buch gelesen hat, wird- verstehen, warum Migration dauerhaft ein Thema bleiben wird und welche paradoxen Effekte Integration hat- erfahren, woher die extremen Gegenreaktionen kommen- in Diskussionen besser gegen Multikulti-Romantiker auf der einen und Abschottungsbefürworter auf der anderen Seite gewappnet sein- erkennen, dass es in Deutschland nie eine bessere Zeit gab als heute und dass wir vor ganz anderen Herausforderungen stehen, als gedacht

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783462051643
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:240 Seiten
Verlag:Kiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum:16.08.2018

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    Knigaljubvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Der Klappentext verspricht nicht zu viel - ein sehr lesenswertes Buch!
    Kleine Abhandlung über Migration und Integration

    Aladin El-Mafaalani, Verfasser mehrfach ausgezeichneter Arbeiten im Bereich der Bildungs-, Migrations- und Stadtforschung, liefert in diesem 235 Seiten starken Buch einige gute Impulse in Bezug auf das dauerhaft aktuell bleibende Thema Migration.

    Zwar hätte es für die im Untertitel genannte These ("Gelungene Integration führt zu mehr Konflikten") keines eigenen Buches bedarft - Je mehr unterschiedliche Menschen zusammenkommen und je mehr diese sich am Ort der Zusammenkunft heimisch fühlen und in ihrer Individualität entfalten möchten, desto mehr Konfliktpotential ist vorhanden, ist doch klar - aber El-Mafaalani liefert hier noch mehr als nur die Begründung dieser These.
    Einleitend schildert der Autor, was Offenheit und Geschlossenheit in Bezug auf Gesellschaften allgemein meinen, wobei man zwischen innerer (= staatsinterner) und äußerer (= staatenübergreifender) Offenheit unterscheiden kann.
    Dann geht es um die spezifische Situation Deutschlands, wobei er der aktuellen Integrationspolitik im historischen Vergleich entgegen aller Kritik eine relativ gute Note gibt. Gefallen hat mir in diesem Abschnitt unter anderem die Frage danach, was eigentlich einen Deutschen zu einem Deutschen macht, welche Nuancen unterschieden werden und was es bedeutet, einen "Migrationshintergrund" zu haben.
    Anschließend wird ein recht großer Teil des Buches der inneren Offenheit und den inneren Konflikten einer Gesellschaft gewidmet. Hierbei geht es zum Beispiel um aktuell relevante Themen wie die Kopftuchdebatte, die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört, und warum Jugendliche Salafisten werden. Kritisch, aber respektvoll hinterfragt er dabei die eine oder andere Position, ohne eine eigene Meinung als einzig richtige darzustellen, denn eines wird deutlich: Konflikte und die Austragung dieser gehören für El-Mafaalani zu einer offenen Gesellschaft dazu, und jede Position kann mit dem passenden Blickwinkel nachvollzogen werden.
    Statt für eine starre Leitkultur plädiert der im nordrhein-westfälischen Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration Tätige für eine konstruktive Streitkultur.
    Nach der umfassenden Betrachtung der inneren Offenheit mit den inneren Konflikten wird die Perspektive globaler und die äußere Offenheit mit äußeren Konflikten wird beleuchtet, bevor es abschließend um die Grenzen einer offenen Gesellschaft geht.
    Insgesamt fokussiert das Buch eher in Zusammenhang mit Muslimen/dem Islam stehende Fragen, aber in Anbetracht der medialen Aufmerksamkeit, die diesen Einwanderern zukommt, kann man das als angebracht betrachten.

    El-Mafaalani findet in seinem Buch nicht nur klare, verständliche Worte, sondern arbeitet auch mit gelungenen Metaphern, die seine Thesen gut veranschaulichen. Bestimmte Formulierungen werden zwar öfter wiederholt, aber das erscheint mir als Unterstreichung seiner wichtigsten Aussagen (noch) als angemessen.

    Fazit:
    Ein sehr lesenswertes Buch, das dem Leser einen anderen Blick auf (in Zusammenhang mit Migration stehende) gesellschaftliche Konflikte, deren Entstehung und Bewertung bietet, und dessen Klappentext nicht zu viel verspricht.

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    jamal_tuschickvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Überzeugend und weiterführend.
    Autochthone Verlierer

    Die offene Gesellschaft ermöglicht Austausch, Kooperation und Streit. Ihre Gegner sind im Konservatismus vereint. Sie kultivieren Ausschluss- und Verweigerung. Sie verschanzen sich hinter Barrieren der Exklusivität und schüren die Angst vor Überfremdung. Ihre Kultur gründet in der Angst. Die Angst haben Salafisten und Rechtsradikale gemeinsam. Die mentale Nähe ist da am größten, wo die extremsten Positionen formuliert werden. Zu diesem Ergebnis kommt Aladin El-Mafaalani in seinem Aufklärungsbuch „Das Integrationsparadox – Warum gelungene Integration zu mehr Konflikten führt“. Darin beschreibt er die Geburtsschmerzen einer neuen Gesellschaft, die nach den Leistungsmaximen und entgegen völkischer Devisen autochthone Verlierer im Staub der Vergangenheit liegen lässt. Die Migration befeuert einen evolutionären Prozess der Umverteilung. Wie eh und je geht es um Verdrängung und Partizipation.

    Der Unterschied zwischen Skandieren und Skalieren

    „Die Verbesserung der Teilhabechancen führt nicht zu mehr Konsens in der Gesellschaft, sondern zu Neuaushandlungen.“

    El-Mafaalani erklärt, „warum es gut ist, dass gelungene Integration das Konfliktpotential steigert.“ Der Politikwissenschaftler besichtigt den Grand Canyon der Differenz zwischen Skandieren (von Parolen) und Skalieren (ziviler Chancen).

    Wir haben längst Verhältnisse, in denen die ethnische Herkunft nichts mehr garantiert. Die Minderheiten drängen in den öffentlichen Raum und auf die Märkte der Ur-Einheimischen. Manchmal bestimmen sie den Diskurs und verstärken so den Protest der schweigenden Mehrheit, die sich von ihren demokratischen Gewalten nicht ausreichend repräsentiert sieht. Es zeigt sich die Effektivität der Versprengten, die eine im Grunde aktivistische Empowerment-Politik betreiben, die sich nicht gegen sie ins Feld führen lässt. Die Initiativen der Beteiligung machen sich in Räumen der Sozialarbeit und der Nachbarschaftshilfe unauffällig. Sie werden dezent begrüßt, in einem evolutionären Sog der Anpassung - Wen du nicht besiegen kannst, den musst du umarmen.

    Manchmal bleibt El-MafaalanisAnalyse im Vokabular stecken. Der Autor exponiert die Gewinne für viele und unterschlägt Kosten der Transformation. Er spricht von einem „breit verankerten Problembewusstsein“ in den Instanzen, die etwa zur Verbesserung der Sprachkompetenz führt. Syrische Flüchtlinge seien in einem Parcours der Deutschkurse und des ehrenamtlichen Engagements schneller zur Mitte aufgerückt als sämtliche älteren Einwanderergenerationen. Sie leben in Deutschland gleichwohl nicht so wie zum Beispiel koreanische Migranten in Amerika, die ohne Anlauf verbürgerlichen.

    Deutschplus

    Die Zugangskodes werden mit den Qualifikationen verteilt. Jeder individuelle Fortschritt steigert die Erwartungen und setzt die Schmerzgrenzen herab. Verminderungen der Hinnahmebereitschaft sind folgenreich. Einzelbewertungen ergeben sich aus divers gegossenen Fundamenten. Religion, Qualifikation, Geschlecht, Alter, soziale und ethnische Herkunft so wie politische Überzeugungen ergeben tausend Muster in einer Gesellschaft.

    El-Mafaalani feiert die Integration, wo eine Avantgarde längst in der Zukunft der Desintegration das Gold der Beteiligung schürft. Wie es Max Czollek gesagt hat: Es gibt kein ohne uns mehr. Die Operation Metamorphose läuft. Der fünfte Teil der deutschen Bevölkerung hat einen Migrationshintergrund, davon die Hälfte mit deutschem Pass. Die neuen Deutschen nennen sich „deutschplus“ und sorgen in den Ballungsräumen für Superdiversity. „National befreite Zonen“ können da nicht entstehen.

    El-Mafaalani verlässt sich oft auf anekdotische Evidenz. Er erinnert an die Ära der durchsetzungsfähigen Hausmeister, die in Blockwartmanier die Grünflächen zwischen den Siedlungshäusern bewachten. Sie verteidigten den Rasen gegen Heranwachsende. Man war aneinander gewöhnt. Die Verschiebung der Machtverhältnisse ging fast unmerklich über die Bühnen der Teilhabeverhandlungen. Irgendwann tauchten die Hausmeister als zustimmend rauchende Zeitgenossen an den Spielfeldrändern auf und in den Quartierskadern schnürten sich Jérôme Boateng, Sami Khedira, Mesut Özil, Lukas Podolski und Miroslav Klose die Siegerschuhe. Das war eine Abstimmung mit den Füßen. Sie änderte alles.

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